Der Bürger hat keine Chance mehr

Wer den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für einseitig, verlogen und vertragswidrig hält, muss trotzdem zahlen und soll vor Gericht am besten gleich kapitulieren. Ein neues Urteil zeigt, wie wirksam das Gebührenkartell gegen seine unfreiwilligen Kunden abgeschirmt ist.

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Jahrelang habe ich mich geweigert, für das klägliche Angebot der drei Staatssender ARD, ZDF und Deutschlandfunk zu bezahlen. Jahrelang bin ich deshalb von diesen drei Fachagenturen für Volksaufklärung und Propaganda verfolgt worden. Denn im besten Deutschland, das es je gab, muss man auch für das bezahlen, was man aus guten Gründen nicht haben will. Der Vormund weiß eben besser, was für das Mündel gut ist – dasselbe nämlich, was für ihn selbst gut ist. So kam es, wie es kommen musste: zunächst Festsetzungsbescheid, Widerspruch, Zwangsvollstreckung, Kontopfändung, dann die Klage – in Tichys Einblick habe ich davon berichtet. Jetzt, nach zwei Jahren, das Urteil.

Selbstverständlich hatte ich meiner Klage gegen den Hessischen Rundfunk etliche Belege beigefügt; an denen herrscht ja auch kein Mangel. Ich hatte daran erinnert, dass keiner, der ein Van Gogh-Gemälde mit Kartoffelbrei beschmiert, sich auf die Kunstfreiheit berufen kann. Dass es von Schwachsinn zeugt, an einen Fernseher zu glauben, der nicht nur keinen Strom verbraucht, sondern auch noch liefert. Hatte darauf hingewiesen, dass man nach dem Motiv nicht lang suchen muss, wenn sich ein Messerstecher mit dem Ruf „Allahu akbar!“ auf sein Opfer stürzt. Hatte es blödsinnig genannt, von tausend linken Gewalttaten auf eine Gefahr von rechts zu schließen. Hatte die Gewohnheit, Nachricht und Kommentar zu vermengen, als schlechten Journalismus bezeichnet, und so weiter.

Das alles half mir aber nichts, denn das Kartell sitzt fest im Sattel. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, sagt das Sprichwort. Wer immer lügt, hat aber gute Chancen, hatte der unvergessliche Johannes Gross hinzugefügt. Er kannte den Betrieb.

Alle meine Einwände reichten nicht, reichen bei weitem nicht, belehrt mich das Gericht. Die Beispiele seien zwar konkret, wahrscheinlich auch korrekt, zählen aber nicht, weil sie sich auf Einzelfälle beschränken (was Beispiele so an sich haben). Ob und wann sich aus Beispielen eine Serie ergibt, die dann zum Haufen anwächst, der groß genug ist, um vor Gericht mit Aussicht auf Erfolg zusammengekehrt zu werden, das wissen nur die Götter. Oder ein deutsches Verwaltungsgericht. Immerhin hat es mich wissen lassen, wie ich es besser hätte machen können: ich hätte sämtliche Programme aller drei Staatssender mindestens zwei Jahre lang beobachten und diese Fleißarbeit dann dem Gericht vorlegen müssen. Vielleicht hätte das geklappt, …

Juristen pflegen solche Vorschläge als lebensfremd zu bezeichnen und kurzerhand abzutun. Wenn sie von ganz weit oben kommen, also vom Richter selbst, sieht die Sache natürlich anders aus. Dann gelten sie als realistisch, und um der Realität noch ein bisschen aufzuhelfen, hat das Gericht seinem ersten einen zweiten Vorschlag folgen lassen: statt mich selbst vor die Glotze zu setzen, könnte ich ja auch „eine wissenschaftliche Beurteilung hinsichtlich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in seiner Gesamtheit in dem maßgeblichen Zeitraum“ einholen. Leider musste ich auf diese naheliegende (leider aber auch ziemlich teure) Möglichkeit erst hingewiesen werden. Selbst schuld, sagt das Gericht, warum hältst du dich auch für klüger als irgendwelche käuflichen Experten.

Die Botschaft ist allerdings auch so ganz gut verständlich: der Bürger soll endlich kapitulieren. Soll begreifen, dass er vor Gericht keine Chance hat und es mit Klagen verschonen, weil die Waffen zu ungleich verteilt sind. Was das Gebührenkartell mit links aufbringt, die gewaltigen Verfahrenskosten, würden jeden von uns Bürgern ruinieren. Und man liegt sicherlich nicht falsch mit der Vermutung, dass den Gerichten das auch ganz recht so ist. Schließlich bezweckt die Beweislastumkehr, von der die Behörden seit geraumer Zeit so üppigen Gebrauch machen, doch dasselbe. Sie ist ein elegantes Mittel, dem Bürger unter Berufung auf Recht und Gesetz jeden effektiven Rechtsschutz zu verweigern.

Um meine Klagen zu erhärten, hätte ich systematische, generelle und schwerwiegende Verstöße gegen den Rundfunkstaatsvertrag vorbringen müssen, teilt das Gericht mir mit. Den Anstalten müsse ihr Fehlverhalten „auf die Stirn geschrieben“ stehen, evident und regelmäßig, erkennbar für jedermann. Es reicht eben nicht, wenn Sebastian Hotz (Kriegsname El Hotzo) dem Schützen, der es auf Donald Trump abgesehen hatte, „leider knapp verfehlt“ hinterherruft. Um als Verstoß gegen den Staatsvertrag zu gelten, hätte er das regelmäßig tun müssen. Und evident wäre die Sache erst dann, wenn die drei Wörter eingeschlagen hätten, Trump oder sonst wer also tatsächlich erschossen worden wäre. So war das Ganze nur ein Witz, und El Hotzo kann weitermachen.

Wo kämen wir auch hin, fragt das Gericht, wenn einzelne Bürger, Leute wie ich also, ihren Rundfunkbeitrag mit der Begründung verweigern könnten, dass die Öffentlich-Rechtlichen ihr Mandat überziehen, den Staatsvertrag verletzen, ihre Privilegien missbrauchen, das Volk belügen und sich auf öffentliche Kosten privat bereichern? So weit darf es gar nicht erst kommen. Deswegen warnt mich das Gericht vor dem Versuch, „Druck in Richtung auf eine bestimmte Programmgestaltung hin auszuüben“ – mich, wie gesagt (und Sie natürlich auch), lauter harmlose, gesetzestreue Bürger. Wir sind gefährlich, nicht die
Potentaten, die parteipolitisch dressierten Vorsitzenden und Mitglieder der Rundfunk-, Fernseh- und Verwaltungsräte.

Ich kann das Gericht beruhigen: ich habe nichts dergleichen vor. Ich bilde mir nicht ein, Druck ausüben zu können, will das auch gar nicht. Und selbst wenn ich es wollte, könnte ich es nicht – das immerhin hat der Beschluss doch klar gemacht. Ich will nicht mehr, als dass Verträge eingehalten werden; dass mir die Freiheit gelassen wird, zwischen Wichtig und Unwichtig, Verlässlich und Verlogen, Erwünscht und Unerwünscht zu unterscheiden; und allen anderen, die das auch wollen, dasselbe Recht zusteht. Ich möchte ausschöpfen, was von der Freiheit nach sechzehn Merkel-Jahren und vier Jahren Fortschrittskoalition noch übrig ist. Also das Recht wahrnehmen, mich meines eigenen Verstandes zu bedienen. Deswegen will und werde ich weitermachen.

P.S.: Warum ergehen Urteil eigentlich immer noch im Namen des Volkes? Das gibt es doch gar nicht mehr. Das nächste Urteil erwarte ich im Namen aller, die nun mal da sind.


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Kommentare ( 38 )

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VK
19 Minuten her

Man sollte – gerade in Deutschland – die staatlichen Zumutungen stoisch ertragen lernen …, oder auswandern. Alles andere ist für das eigene Wohlbefinden hinderlich. Traurig, aber wahr. Vielleicht hilft Ihnen ein Blick in die Vergangenheit, was unsere Vorfahren alles ertragen mussten, dann relativiert sich der Rundfunkzwangsbeitrag.

Heiner Mueller
21 Minuten her

Mit wenigen Ausnahmen ist die Justiz von willfährigen Anhängern des herrschenden Unrechtregimes besetzt. Und so wird auch geurteilt. Das war sowohl in der Nazizeit als auch in der DDR der Fall und jetzt, in der DDR 2.0 ist das genau so. Sollte sich wider einmal etwas ändern, müssen diese „Richter“ fristlos gekündigt werden. Jede Sekretärin, jeder Handwerker hat ein besseres Gefühl für Gerechtigkeit als diese ideologisch verborgenen „Juristen“. Und diese können wieder Recht sprechen

Regina Lange
21 Minuten her

Natürlich hat der Bürger keine Chance! Die befreundeten Kartelle stehen zusammen da passt kein Haar dazwischen! Man hilft sich gegenseitig! Allein dass es heutzutage noch Medien gibt, die man gezwungen ist zu abonnieren, bzw. zu finanzieren, spottet jeder Beschreibung! Das hat mit Freiheit und Demokratie nichts zu tun! Ich möchte mir aussuchen können, was ich sehe, was ich lese, was ich höre und für was ich zahle. Und dazu gehört ganz sicher nicht der einseitige rotgrüne Agitprop der öffentlich/rechtlichen Anstalten.

ratio substituo habitus
23 Minuten her

Vermutlich kommt schneller zum Ziel, wenn man eine Partei wählt, die den ÖRR abschaffen will. Da gibt es endlich eine, weshalb die ÖRR natürlich HuH gegen sie verbreiten.

TFischer
27 Minuten her

Ja, die Institutionen dieses Landes sind verkommen bis ins Mark. Das System schützt sich und seine Handlanger, es ist alles perfekt organisiert. Letztlich muss der Laden auseinanderfliegen.

Fieselschweif
29 Minuten her

Und wenn Sie mindestens 2 Jahre Beobachtungsarbeit geleistet und genügend Beweise gesammelt haben, haben Sie dann nicht auch den Beweis angetreten, dass Sie die Informationen der Sendeanstalten des ÖRR regelmäßig und gerne konsumieren? Warum sollten Sie als ausgiebiger Nutzer des ÖRR jetzt keine Demokratieabgabe abführen wollen? Klage abgewiesen.

Last edited 28 Minuten her by Fieselschweif
Dirk Plotz
32 Minuten her

Ich verstehe den Unmut in keiner Weise. Jeder, der den ÖRR über sein Programm angreift, ist per Definition der Dumme. Warum? Weil es absolut subjektiv ist. Für jede Kritik an den Lügen findet sich jemand, der gar nicht genug davon bekommen kann. So funktioniert Subjektivität eben. Wovor natürlich alle überzeugten Kritiker zurückschrecken, sind Grundsatzfragen. Der ÖRR kam durch Aufhebung der Gewaltenteilung ins Leben. Dies stellt bereits einen Fehler dar. Der ÖRR ist über die Staatsverträge ein Vertrag zum Nachteil Dritter. Auch das ist nicht zulässig. Ebenso wenig der Umstand, dass die Zahlungen für irgendeinen Vorteil wie Demokratie oder anderen Quatsch… Mehr

Dr_Dolittle
32 Minuten her

Mir klingt noch Ihr Diktum im Ohr: wer morgens seine Kinder pünktlich zur Schule schickt ist schon rechts. Das ist 10 Jahre her. Grundprinzip der freien Marktwirtschaft und der freiheitlich demokratischen Grundordnung ist die Kontrahierungsfreiheit – die wird wie von Ihnen minutiös beschrieben mit Füßen getreten. Die GEZ-Gebühr erfüllt, weil sie nutzungsunabhängig erhoben wird, Kriterien einer Steuer, darf aber bloß nicht so genannt werden. Die Gewaltenteilung wird durch Parteienzugehörigkeit kurzgeschlossen – und damit abgeschafft. Ich wünsche mir die Kontrahierungsfreiheit der Alt-BRD zurück und poche auf echte Gewaltenteilung als Grundbedingung für eine Demokratie..

Bernd Bueter
33 Minuten her

Die Gerichte lügen zwar bei jeder „Entscheidung“ mit dem grandiosen Satz: „Im Namen des Volkes“ obwohl richtig wäre „zur Erfreuung der regierenden Parteibanden“..

…der einzig richtige und erfolgreiche Weg ist AfD wählen. Die hebt die Beitragspflicht auf und die mediale Insolvenzverschleppung des Lügen-ÖRR hat ein rasches Ende.

F.Peter
34 Minuten her

Nach der im Artikel beschriebenen und auch selbst immer wieder gemachten Erfahrungen kann man nur alle Daumen drücken, dass bei den Wahlen im Osten die Wähler für ausreichende Mehrheit der Alternative sorgen, um dieses Konglomerat an Falschheit, Belehrungen und Lügen abzuschaffen!