Kompromisse, die nur ein anderes Wort für Blockade sind, sind nicht einmal faule Kompromisse. Sie täuschen Regierungstätigkeit vor, wo nur noch „Niedergang verwaltet“ wird. Längst ist die Debatte darüber entbrannt, ob diese Regierung noch zu retten sei?
Seit einem Jahr, seit das Siechtum der schwarz-roten Koalition begann, lässt die SPD Merz über den Klingbeil springen. Am Ende freut sich der Kanzler noch: „Wir können Kompromiss.“ In die Realität übersetzt heißt das: Wir können nichts. Nichts, was die schlimmste Krise in der Geschichte der Bundesrepublik zu beenden verspräche. Dazu nötig wäre eine Regierung, die dem Willen der Mehrheit der Wähler entsprechend handelt.
I.
Reformversprechen werden nach wie vor nicht eingelöst. Was etwa dieser Tage als historische Gesundheitsreform gepriesen wird, ist ein Herumdoktern an Finanzierungslücken – und noch steht nicht einmal fest, ob sie im Bundestag die Mehrheit finden wird. Alle zahlen künftig mehr und kriegen weniger. Es werden allenfalls für wenige Jahre die Finanzierungslücken nicht noch größer. Falsche Strukturen aber bleiben. Das Gesundheitssystem der Deutschen ist eines der teuersten der Welt – und zugleich eines der ineffektivsten.
II.
Manche Reform wird schlichtweg verweigert: Die schwachsinnige Energiewende an erster Stelle. Solarstrom, den niemand braucht, der im Gegenteil die Netzsicherheit gefährdet, und den trotzdem die Verbraucher bezahlen müssen. Andere „Reformen“ bestehen nur aus markigen Worten eines überschätzten Ministers. Pistorius hat am Beschaffungswahnsinn seiner Behörde namens Bundeswehr kaum etwas geändert. Die scheinbar unheilbare Krankheit der Politik besteht auch hier darin, sich vor echten Reformen zu drücken, indem nur immer mehr Schulden aufgenommen werden. Die Eckdaten des Haushalts: Verdoppelung der Neuverschuldung bis 2030. Tilgung und Zins erdrosseln die Spielräume. Aber selbst das reicht manchen Sozialdemokraten nicht. Die Franzosen machen es doch auch nicht anders, ist gelegentlich zu hören. Genau das wird in eine europäische Finanzkrise führen. Der ehemalige Stabilitätsanker Deutschland steht nicht mehr zur Verfügung. Der Staat kostet immer mehr, ohne zu leisten, was er müsste. Es hat nicht immer mit Geld zu tun: Eine Bildungsreform und dafür zu sorgen, dass sich Leistung rentiert, wäre die größte Reform.
III.
Die Wirtschaftskrise mindert die Steuereinnahmen. Auch die sogenannte Steuerreform ist ein schlechter Witz. Auch hier fehlen neue Ansätze. Wenn immer mehr Roboter Arbeit verrichten, die keine Steuer zahlen, wird die Einkommenssteuer als Haupteinnahmequelle des Staates ohnehin brüchig. Elende Gerechtigkeits- und Umverteilungsdebatten um wenige Prozente mehr oder weniger verringern nicht die generelle Ungerechtigkeit: Langfinger Staat hat in den Taschen der Bürger nichts verloren. Eine echte Steuerreform ginge so, wie es ein Friedrich Merz einmal als Vision formuliert hat (Bierdeckel). Der Staat beschränkt sich auf seine wichtigsten Aufgaben und schrumpft.
IV.
Kompromisse, die nur ein anderes Wort für Blockade sind, sind nicht einmal faule Kompromisse. Sie täuschen Regierungstätigkeit vor, wo nur noch „Niedergang verwaltet“ wird (CDU-Fraktionsvorsitzender Jens Spahn in einem Anfall von Wahrhaftigkeit). Längst ist die Debatte darüber entbrannt, ob der Point of no return erreicht, ob diese Regierung noch zu retten sei? Selbst in der Parlamentsfraktion der Unionsparteien zweifeln immer mehr Abgeordnete daran. Es ist nicht mehr die entscheidende Frage, ob Friedrich Merz Kanzler bleiben kann und wie lange. Sie lautet vielmehr, wer dieses Land, wie, vor dieser Regierung retten könnte.
V.
Nein, nicht die Impulsivität des Kanzlers ist ein Problem, wie die SPD behauptet, sondern Entscheidungsschwäche und Nachgiebigkeit, die einer Haltungsschwäche entspringen. Und wenn die Koalition zerbricht, was nicht einmal Merz mehr ausschließen mag („nicht um jeden Preis“), muss er oder sein Nachfolger über den längsten Schatten springen, den der längste Kanzler aller Zeiten mit der vermutlich kürzesten Amtszeit geworfen hat. Wenn es keine Mehrheit mehr mit linken Parteien geben kann, bleibt ihm nichts anderes übrig, als eine Minderheitsregierung zu bilden und endlich echte Reformen auch mit Stimmen der AfD einzubringen. Danach sind möglichst schnell Neuwahlen abzuhalten. Mag sein, dass dabei die Ränder weiter gestärkt werden. Das werden sie beim Durchlavieren aber auch. Die Demokratie wird ohnehin nicht mehr so sein, wie sich die Deutschen seit Jahrzehnten Demokratie vorgestellt haben. Konsensdemokratie lautete das Zauberwort. Darauf waren die Deutschen stolz. Ihr trauern sie nach. Aber sie löst die Probleme nicht mehr. Vermutlich wird der Konsens nicht einmal mehr dazu ausreichen, die letzte Volkspartei zusammenzuhalten. Na, und!


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…Dazu nötig wäre eine Regierung, die dem Willen der Mehrheit der Wähler entsprechend handelt… Nein, das wäre nur das sekundäre Ziel. Eine Koalition ist nämlich immer nur die zweitbeste Lösung. Aber wenn sie notwendig ist, dann sollte man sich für eine entscheiden, die tatsächlich die Mehrheit des ursprünglichen Wählerwillen beschreibt. Und das wäre dann quasi gleichzeitig die Mehrheit dessen, was die Wähler wollen. Es geht ergo nicht um eine „Lokalrunde“, denn die wird wahrscheinlich von niemanden abgelehnt… Es geht darum, keine Versprechungen zu machen, die man nicht halten kann. Demnach müßten dann eigentlich Koalitionsverhandlungen auch vor den Wahlen stattfinden. Klingt… Mehr
Natürlich zahlen alle mehr. Man nennt das auch Regierungssparpolitik. Kennt man doch schon, ist ein alter Hut. Was bekommen Regierungsmitglieder noch mal im Monat, womit sie dann nur kurze Zeit auskommen? Egal will ich gar nicht wissen, regt mich nur auf.
Nicht die Konsensdemokratie ist das Problem, sondern das, worüber Konsens besteht. Früher war das einmal der Leitsatz, dass es dem Land nur gut geht, wenn es der Wirtschaft gut geht, weil alle sozialen Wohltaten davon abhängen. Heute besteht Konsens darüber, dass es den Parteien nur dann gut geht, wenn sie an der Macht sind, weil alle gut dotierten Posten davon abhängigen. Und in diesem Grundsatz sind sich CDU und SPD so einig, dass sie auch die kommenden drei Jahre durchhalten werden.
Von welchen Rändern spricht Herr Herles nun schon wieder? Die AfD ist Volkspartei, mittlerweile die einzige!
Für Herrn Herles ist die AfD also immer noch am „Rand“ der Gesellschaft und die Union „die letzte Volkspartei“. Mehr Realitätsverlust und parteiloyale Verblendung geht nicht.
Danke Wolfgang Herles! Wie immer brillant analysiert! Ich als Österreicher starre schon seit geraumer Zeit auf diesen Sauerländer Pinocchio mit der immer nassen Unterlippe und kann gar nicht fassen, dass dieser Mann Kanzler der BRD ist. Bei uns in Österreich fuhrwerkt ein kugelrunder, völlig farbloser und unbedeutender Provinz-Anwalt aus Wiener Neustadt als Kanzler, welcher wie euer Pinocchio zufällig ins Amt stolperte und ebenso gemeinsam mit den Linken unser Land ruiniert wie euer vormaliger BlackRock-Klinkenputzer Pinocchio, der nun seit seinem Amtsantritt Deutschland final ruiniert. Unsere beiden Länder sind Letzter und Vorletzter in der gesamten EU, und das ist wahrlich kein Zufall.… Mehr
Wir reden seit ewigen Zeiten in diesem Land von Gerechtigkeit. Ergebnis: Es wird immer ungerechter, übrigens auch bei der Bildung. Die CDU wird in den Umfragen der nächsten 3 Wochen wohl die 20%-Schallmauer knacken. Und dann wird´s wirklich spannend für die „liebe CDU“. Dann zeigt sich nämlich, wem das Hemd näher als die Hose ist.
„Alle zahlen künftig mehr und kriegen weniger.“ Das ist doch das Problem, was sie hier verkennen. Wenn Alle zahlen dann bräuchten wir keine Reform. In Deutschland zahlen aber nur die mehr in die KV, die in der freien Wirtschaft Geld verdienen, damit all die Steuer-Alimentierten mehr bekommen. Und das was die Staatsbediensteten, Asylanten, Ukrainer usw in die KV einzahlen, zahlt ja auch der der Steuern zahlt. Und dafür, das er den Alimentierten das gute Leben bezahlt, dafür bekommt er weniger als alle anderen. 20 Jahre Umverteilung, Sozialismus und Feminismus hinterlassen tyrannische Spuren.
Fall im September Sachsen-Anhalt fällt, fällt auch Mecklenburg-Vorpommern. Die Wähler dort haben es in der Hand. Dann wird die Kleine Koalition Geschichte sein. Ob es dann Neuwahlen gibt, bleibt fraglich. Aber die Forderungen an die Minderheitsregierung der Union werden knallhart werden & ein Mißtrauensvotum nicht mehr abwegig.
> Nein, nicht die Impulsivität des Kanzlers ist ein Problem, wie die SPD behauptet, sondern Entscheidungsschwäche und Nachgiebigkeit, die einer Haltungsschwäche entspringen.
Und nicht die bösartige Agenda, die er noch mehr befolgen würde, wenn er nur könnte?