Israel Sieger im Irankrieg – aber viele Verlierer möglich, auch Deutschland

Die Israelis werden US-Präsident Donald Trump wohl mit einem imposanten Denkmal in Jerusalem ehren. Ministerpräsident Netanjahu darf hoffen, als einer der großen Staatsmänner in die Geschichte des jüdischen Staates einzugehen. Gleichgültig, wie dieser amerikanisch-israelische Krieg gegen das Mullah-Regime ausgeht: Israel steht schon jetzt als sicherer Sieger fest.

Die Israelis sind Trump zutiefst dankbar, dass er einem gemeinsamen Waffengang gegen die fanatischen Islamisten zugestimmt hat; schließlich machte das schiitische Regime nie einen Hehl aus ihrem Hass auf die USA als „großen Satan“ und auf Israel als „kleinen Satan“. Seit Jahrzehnten unterstützte Teheran finanziell und militärisch massiv islamistische, palästinensische und andere anti-westliche Terrororganisationen.

Völlig offen scheint allerdings, wer die Verlierer dieses risikoreichen Kriegs gegen die gefährlichsten Feinde der freien Welt sein werden. Im schlimmsten Fall könnten die Auswirkungen – beispielsweise bei einer Ausweitung der Kampfzonen oder aber einem Bürgerkrieg in Iran – auch Europa und Deutschland erfassen.

Neue Flüchtlingsströme nach Europa?

Dabei wären neue Flüchtlingsströme aus dem Nahen Osten noch die vergleichsweise harmloseste Folge. Niemand weiß, welche Auswirkungen der Krieg – insbesondere, wenn er lange dauern würde – letztendlich auf die Weltwirtschaft haben wird, inwieweit sich China und Russland in die drohende Entmachtung des iranischen Regimes einmischen werden oder wie groß die Gefahr von Terroranschlägen in Europa und den USA wirklich ist.

Netanjahu hofft auf einen Triumph in diesem Krieg gegen die Islamisten, der die „Landkarte des Nahen Ostens“, sprich die Machtverhältnisse entscheidend zugunsten Israels verändern wird. Selbst wenn es nicht zu einem „Regime Change“ in Teheran kommt, wenn das übermächtige Bündnis von schiitischen Geistlichen und ihren Revolutionsgarden, dem Militär und den Sicherheitsdiensten weiter Iran mit seinen 90 Millionen Einwohnern mit mörderischer, gnadenloser Hand weiter im Griff halten kann, wurden die Machthaber schwer getroffen.

Chinesische Luftabwehr-Systeme wirkungslos

Die schiitischen Revolutionäre, die seit ihrem Machtantritt 1979 immer wieder die Auslöschung Israels als Staatsziel deklarieren, sind in jeder Beziehung enorm geschwächt. Irans militärische Verteidigung, zu großen Teilen mit Technik und Waffen aus China ausgestattet, hatte gegen die Raketen und die Luftangriffe der Israelis und der Amerikaner offenbar keine Chancen.

Den Angreifern gelang es, der Luftwaffe, der Marine und teilweise auch der Armee Irans schwerste Schäden zuzufügen. Nicht nur wurde in wenigen Tagen ein Großteil der Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe vernichtet, auch die meisten – teilweise unterirdischen – Abschussrampen für Raketen und Drohnen sowie zahlreiche Fabrikationsstätten für diese Waffen scheinen zerstört worden zu sein; die nuklearen Einrichtungen Irans, schon im 12-Tage-Krieg im Juni 2025 schwer beschädigt, waren mit Sicherheit eines der wichtigsten Angriffsziele der Alliierten, wobei es dazu kaum Informationen gibt.

Ohne den Einsatz von Bodentruppen gelang es den Israelis und den Amerikanern, das iranische Regime teilweise zu enthaupten: Hunderte Militärs, Politiker, Funktionäre und Geistliche der ersten und zweiten Führungsriege wurden gezielt eliminiert, darunter auch der seit 1989 diktatorisch herrschende „Revolutionsführer“ Ali Chamenei sowie die Chefs der Streitkräfte und der Revolutionsgarden.

Im schlechtesten Fall hat Israel ein paar Jahre Zeit gewonnen

Schon jetzt steht fest, dass die militärischen Erfolge Israels und der USA die nukleare und militärische Bedrohung des jüdischen Staates erneut deutlich minimieren können. Im schlimmsten Fall, wenn die Mullahs weiter an der Macht bleiben sollten, hat Israel zumindest Zeit gewonnen, vielleicht ein paar Jahre, bis die Islamisten wieder erstarkt sind.

Die Israelis sind nach sieben Tagen Krieg offenbar guten Mutes, was sich trotz aller Raketen-Alarme und dem ständigen Aufsuchen von Bunkern auch in der Stimmung, zumindest in Tel Aviv, widerzuspiegeln scheint. In den zentralen Schutzräumen haben sich viele Israelis kleine Zelte aufgebaut, Tischtennisplatten aufgestellt; fröhliche Musik schallt aus mobilen Lautsprechern, zuweilen wurde gesungen und getanzt. Inzwischen sind wieder Cafés und Bars geöffnet, das Strandleben in Tel Aviv blüht bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen wieder auf.

Der Angriff auf Iran erscheint heute in Israel als ein logischer, letzter Schritt in einem Krieg, der am 7. Oktober 2023 mit dem Massaker der palästinensischen Hamas in Israel mit etwa 1200 Toten und der Entführung von 251 Geiseln in den Gaza-Streifen seinen Anfang genommen hatte. Verantwortlich für den größten Massenmord an Juden seit dem Holocaust war aus Sicht Jerusalems die islamistische Führung Irans, die Hamas und die Hisbollah-Milizen (im Libanon) waren nur Werkzeuge Teherans.

Iran-Krieg begann am 7. Oktober 2023

Auch der aktuelle Krieg gegen Iran sei damit ein Akt der Selbstverteidigung und damit vom Völkerrecht geschützt, argumentiert Israel. Nur wenn das Mullah-Regime besiegt werde, könne sich Israel wieder sicher oder zumindest sicherer fühlen, so Netanjahu, der seit Oktober 2023 die militärische Offensive gegen Israels Feinde sucht. Anders als Trump wäre Israel keineswegs zufrieden gewesen, wenn Teheran bei den Verhandlungen zugesagt hätte, auf eine nukleare Aufrüstung vollständig zu verzichten.

Schließlich hätten die Gotteskrieger weiter den jüdischen Staat auslöschen wollen, argumentiert Jerusalem. „Der westliche, vor allem europäische Glaube an Schlichtung oder gar einen Friedensschluss war ein Kinderglaube“, schreibt nüchtern und geschichtsbewusst der Chefredakteur der Neuen Züricher Zeitung, Erich Gujer, über den Kern des Nahostkonflikts.

Die israelischen Streitkräfte IDF attackierten nicht nur die Hamas und andere Palästinenser-Organisationen im Gaza-Streifen sowie die schiitische Hisbollah und die Huthi in Jemen. Ebenso wurden Ziele in Syrien und in Iran angegriffen – bis hin zum 12-Tage-Krieg im Juni 2025, als Israel und die USA mit schweren Bomben und Raketen die Nuklearanlagen des Mullah-Regimes ins Visier nahmen.

Siege Israels an allen Fronten

Mit sichtlicher Befriedigung verweist Netanjahu heute darauf, dass Israel in den zweieinhalb Jahren seit den traumatischen Ereignissen am 7. Oktober 2023 nachhaltige Erfolge gegen die Feinde des jüdischen Staates erzielen konnte – er vergisst nie zu betonen, dass das alles ohne Trump, „den größten Freund Israels, den es je im Weißen Haus gegeben hat“, nie hätte geschehen können.

Im Weißen Haus, im Pentagon und im amerikanischen Außenministerium ist die Atmosphäre sicher sehr viel angespannter als in Jerusalem. Präsident Trump ist mit dem Krieg in Iran vermutlich das größte Risiko seiner Amtszeit eingegangen. Das „Wall Street Journal“ berichtete, Netanjahu habe den Amerikanern mitgeteilt, dass Israel einen Präventivschlag gegen Iran führen werde, auch wenn die USA sich nicht beteiligten.

Trump habe sich aber der Sichtweise Netanjahus angeschlossen, dass derzeit der bestmögliche Zeitpunkt für eine Attacke auf das Regime sei. Schließlich sei das Islamisten-Regime innenpolitisch schwer angeschlagen, nachdem es Volksaufstände im Januar brutal niederschlagen ließ; mehr als 30 000 Demonstranten und Oppositionelle sollen von den Revolutionsgarden und Sicherheitskräften gnadenlos getötet worden sein, viele Tausend Menschen seien in die Gefängnisse geworfen worden, wo Folter und schwerste Misshandlungen wie Vergewaltigungen zur Normalität dieses totalitären Systems gehören.

Iraner leiden unter Terror-Regime und Wirtschaftskrise

Ganz abgesehen von den Grausamkeiten des Gottesstaates leiden die meisten Iraner schwer an den wirtschaftlichen Problemen des Landes. Ursachen dafür sind Misswirtschaft und Korruption eines Regimes, das Öl-Einkünfte und Steuergelder vor allem in die Rüstung, das Militär und die Revolutionsgarden sowie den Kampf gegen Israel und gegen den Westen weltweit investierte.

Auch wenn Trump mit seiner Entscheidung für einen Krieg gegen die Mullahs bei vielen Iranern im Land, insbesondere aber den Iranern im Exil großen Jubel auslöste, kann es für den 79 Jahren Präsidenten ein bitteres Erwachen geben. Sollte der Krieg keinen Regime Change initiieren, vor allem aber, sollten bei iranischen Gegenangriffen oder Terrorattacken viele amerikanische Opfer zu beklagen sein, stünde er vor enormen Legitimations-Problemen.

Eine Mehrheit der Amerikaner hat einen Krieg gegen Iran von Anfang an sehr skeptisch gesehen – nur wenn der Einsatz der US-Streitkräfte greifbare Ergebnisse bringt, darf Trump auf einen Stimmungsumschwung hoffen. Der Republikaner sieht in den schiitischen Machthabern eine wesentliche Quelle für die aggressive Ausbreitung des Islam, was zu einem Teil auch seine Bereitschaft erklärt, diesen riskanten Waffengang anzuordnen. Aber für die Einsicht, welch gefährliche Herausforderung der Islam für den freien Westen historisch bedeutet, wird Trump in den USA nur begrenzt Zuspruch erhalten. „Der Kulturkampf der MAGA-Bewegung ist nicht unser“, hatte Kanzler Friedrich Merz kürzlich betont. Auch in den USA gewinnt man mit dem Verweis auf den Kampf der Kulturen nur begrenzt Wählerstimmen.

Republikaner fürchten Wahlpleite im November

Die US-Republikaner befürchten, dass ihre Chancen bei den Novemberwahlen angesichts mangelnder wirtschaftlicher Erfolge Trumps im Inland im Falle einer militärischen und außenpolitischen Pleite in Iran weiter geschmälert werden. Es droht dann der Verlust der Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat, den beiden Häusern des Kongresses.

Vielen Amerikanern ist noch in Erinnerung, welch bittere Schlappe die USA erlitten, als ein militärisches Spezialkommando im April 1980 versuchte, die 52 amerikanischen Geiseln in der US-Botschaft in Teheran zu befreien. Die Operation „Eagle Claw“ (Operation Adlerkralle) wurde mit dem Absturz amerikanischer Hubschrauber in einem Sandsturm nahe Teheran zu einem militärischen und politisches Desaster – der damalige US-Präsident Jimmy Carter verlor auch wegen dieser Katastrophe für das Ansehen der USA im November 1980 bei den Präsidentschaftswahlen (gegen den Republikaner Ronald Reagan).

Trump steht zwar nicht mehr zu einer Wiederwahl an, aber der Verlust in den beiden Häusern des Kongresses könnte lähmend auf die zweite Hälfte seiner Amtszeit wirken. Auch außenpolitisch wäre der Republikaner bei einem für die USA bösen Ausgang des Iran-Kriegs vermutlich eine „Lame Duck“, wie man in den USA einen Präsidenten zum Ende seiner Amtszeit oft nennt. Noch genießt Trump nicht nur im Nahen Osten hohes Ansehen.

Golf-Staaten fürchten instabile Zeiten

Die arabischen Bündnispartner der USA am Golf aber, die fast alle vor einem Angriff auf den Iran gewarnt hatten, könnten nur von der Sinnhaftigkeit des Waffengangs überzeugt werden, wenn sich die iranische Gefahr für sie nachhaltig verringern würde. Noch sieht es nicht danach aus. Derzeit sind die pro-amerikanischen Emirate Ziel iranischer Raketenangriffe, die schon jetzt Gefahren für Wirtschaft, Handel und Tourismus heraufbeschwören. Die Golf-Staaten fürchten nachvollziehbare unruhige, instabile Zeiten.

Bisher hat Trump nicht nur erfolgreich in einigen Regionen der Welt mehr oder minder entscheidend zu Waffenstillstand und Verhandlungen der Konfliktparteien beitragen können. Dass im Oktober 2025 die letzten israelischen Geiseln der Hamas freigelassen wurden und ein Waffenstillstand im Gaza-Streifen erreicht wurde, ist maßgeblich dem Einsatz des US-Präsidenten zu verdanken.

Trump braucht auch Fortune

Auch auf die Enthauptung des Regimes in Venezuela – mit der Entführung des Präsidenten Nicolás Maduro vor zwei Monaten – ist Trump verständlicherweise stolz, könnte sie doch tatsächlich eine allmähliche Normalisierung und letztendlich wieder demokratische Verhältnisse in Venezuela bewirken. Schon bei dem waghalsigen Militäreinsatz in Caracas hatte die Glücksgöttin Fortuna ihre Hand im Spiel.

Trump selbst verriet bei seiner Rede zur „Lage der Nation“, wie haarscharf die Operation der Spezialeinheiten an einem Desaster vorbeischrammte. Obwohl der Pilot des ersten US-Hubschraubers mit einer Delta Force-Elite-Einheit von Schüssen der venezuelischen Abwehr schwer verletzt wurde, war ihm die Landung gelungen – ohne sie wäre die Mission möglicherweise gescheitert, deutete Trump an.

Auch in Iran wird Trump sich angesichts vieler Unwägbarkeiten in dem Vielvölkerstaat mit seinen vielen Minderheiten (wie den Kurden) und der weltpolitischen Gemengelage nicht nur auf die Wucht der Angriffe der stärksten Streitkräfte in der Welt verlassen können – er wird auch viel Fortune brauchen.

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