Österreichs Bundesregierung hat kein rettendes Flugzeug

Nicht nur deutsche Staatsbürger sitzen im Nahen und Mittlerren Osten fest. Österreichs Bundesregierung fehlte das Geld für die rechtzeitige Nachbestellung von Transportmaschinen für die Armee: Jetzt können auch 17.700 Österreicher nicht zurückgeholt werden – Kanzler und Außenministerin sind unter Druck.

IMAGO / Eibner Europa

Auch 17.700 Österreicher sitzen derzeit in der vom Krieg betroffenen Region des Nahen Ostens fest. Während sich andere Staaten um koordinierte Evakuierungen bemühen, wirkt die österreichische Bundesregierung auffallend unvorbereitet – und sogar handlungsunfähig. Besonders brisant: Das Bundesheer kann keine Luftbrücke einrichten, weil keine der beiden Transportmaschinen vom Typ Lockheed C-130 Hercules einsatzbereit ist.

Der Krieg im Nahen Osten hat weite Teile des zivilen Flugverkehrs zum Erliegen gebracht: Der Luftraum über mehreren Staaten bleibt für Linienmaschinen gesperrt. Für tausende österreichische Staatsbürger bedeutet das: Kein regulärer Heimflug, keine Planungssicherheit. Und aus Wien kommen keine Informationen, wie die Bundesregierung den tausenden gestrandeten Menschen helfen möchte. Besonders betroffen sind Reisende in den Vereinigten Arabischen Emiraten, aber auch in anderen Staaten der Region.

Zwar verweist das Außenministerium auf laufende diplomatische Bemühungen und konsularische Unterstützung, doch konkrete Rückholaktionen sind nicht in Sicht. Stattdessen sollen Busse organisiert werden, um Österreicher von Abu Dhabi nach Saudi-Arabien zu bringen. Von dort aus müssten Betroffene ihre Weiterreise selbst organisieren – ein Vorgehen, das angesichts der angespannten Sicherheitslage als riskant und unkoordiniert kritisiert wird.

Bundesheer hat keine einsatzfähigen Flugzeuge

Für besonders viel Kritik auf den Social-Media-Plattformen sorgt, dass das österreichische Bundesheer derzeit nicht in der Lage ist, eine eigene Evakuierungsmission durchzuführen: Beide Hercules-Maschinen (Baujahr 1967), die seit Jahrzehnten das Rückgrat strategischer Lufttransporte bilden, sind außer Gefecht. Eine befindet sich in Portugal in Langzeitwartung, die andere ist aufgrund technischer Probleme – Berichten zufolge mit dem Treibstoffsystem – nicht flugtauglich. Ein Termin für die Wiederinbetriebnahme ist nicht absehbar.

Diese Situation wirft grundlegende Fragen zur Sicherheitspolitik der Alpenrepublik auf: Bereits nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Jahr 2023 wurde deutlich, wie eingeschränkt die österreichischen Lufttransportkapazitäten sind. Dennoch blieb eine rasche Ersatzbeschaffung oder strukturelle Lösung bislang aus –neue Transportmaschinen werden erst bestellt und kommen frühestens in einige Jahren.

Österreichs Opposition kritisiert nun, dass Investitionen in strategische Mobilität und Krisenreaktionsfähigkeit von der Bundesregierung verschleppt wurden. Während andere europäische Staaten ihre Transportflotten modernisierten oder sich multinationalen Lufttransportverbünden anschlossen, verharrte Österreich in einer Übergangslösung. Die nun sichtbare Folge: Im Ernstfall bleibt nur die Hoffnung auf diplomatische Improvisation und private Charter-Jets. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) sind mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.

Politische Verantwortung

Dass in einer akuten Krisensituation kein einziges militärisches Transportflugzeug verfügbar ist, ist ein Symbol für die jahrelangen Versäumnisse – Österreichs Bundesregierung träumt von einem sechs Milliarden Euro teuren Raketenabwehrprojekt „Skyshield“, aber kann sich keine Transportmaschinen leisten.

Noch vor sechs Jahren die Maschinen aufgerüstet

Die Führung des Bundesheeres schiebt die Verantwortung der Regierung zu: Die Politik hätte eben zu spät oder gar nicht auf die oft thematisierte Entwicklung reagiert, jetzt seien die C-130-Maschinen eben zu alt. Allerdings: Die Armeeführung selbst hat noch 2020, also erst vor sechs Jahren, Steuermillionen in eine weitere Aufrüstung der „zu alten“ Transportmaschinen gesteckt – es wurde ein Raketentäuschsystem (sogenannte „Flares“) in die C-130 eingebaut, damit Einsätze in Krisenregionen tatsächlich mit etwas weniger Gefährdung durchgeführt werden können. Die Maschinen wurden also auf Evakuierungs-Einsätze vorbereitet, die jetzt aufgrund anderer technischer Probleme nicht stattfinden können.

Ob und wann nun eine koordinierte Rückholaktion aus Nahost möglich sein wird, bleibt unklar.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 7 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

7 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
alter weisser Mann
1 Stunde her

Selbst wenn die 2 Hercules flögen, das ist bei 19.000 potentiellen Passagieren der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Da passen je nach Modell ca. 100-150 Leut rein.

Deutschland fliegt solche Rückholaktionen auch nur im Notfall mit Bundeswehrmaschinen sondern chartert Passagierflugzeuge. Die gibts für sowas gerade genug. Allein die Machinen, die jetzt wegen gesperrter Lufträume am Boden bleiben müssen. Da dürften die Airlines über jede Charteranforderung froh sein.

Last edited 56 Minuten her by alter weisser Mann
Alf
1 Stunde her

Österreichs Bundesregierung fehlte das Geld für die rechtzeitige Nachbestellung von Transportmaschinen für die Armee.

Könnte es sein, daß auch die „Regierung“ in Schland keine Transportmaschinen für den Rücktransport unserer Staatsbürger hat?
Anders ist das beschämende Rumgeeiere nicht zu erklären.
Das US-Außenministerium hat die Evakuierung von Botschaftspersonal aus mehreren Staaten angeordnet.
Gibt es eine solche Anordnung auch für unser Personal?

Guzzi_Cali_2
1 Stunde her

Das darf doch einfach alles nicht mehr wahr sein. Was können diese Polit-Darsteller eigentlich überhaupt, außer peinlich sein? Und dann stellen sich diese Kapeiken hin und wissen es IMMER besser, als die echten Macher, wie Milei, Trump oder Putin. Würde man Merz und Co. auf Erfolgsbasis bezahlen, wären sie noch unterhalb der Armutsgrenze. So ein widerwärtiges Pack.

imapact
1 Stunde her

Im Prinzip ein Skandal, wenn ein Staat keine Lufttransport Kapazität hat. Ansonsten geht das Gejammer um Luxustouristen, die in ihren Luxusresorts festhängen, allmählich auf die Nerven.

Mankovsky
1 Stunde her

Auch so ein Beispiel: Das große Lawinenunglück von Galtür veranlasste Österreich , im Nachhinein genügend Blackhawks zu bestellen.
Also: Erst, wenn es brennt, die Kataloge der Feuerwehrausrüster zur Hand nehmen und Angebote einholen…..

twsan
1 Stunde her

Nach Deutschland der nächste Staat mit einer Operetten-Armee…

Man kommt aus dem bitteren Lachen gar nicht mehr heraus..

Tomtargi
2 Stunden her

Dann müssen diese klugen Köpfe wohl Elektroautos und Lastenfahrräder schicken.