Griechenland-Wahl: Warum viele Schulden nicht helfen

Nach der Wahl in Griechenland läuft die Auseinandersetzung um die Wirtschaftspolitik in Europa heiß. Noch mehr Schulden und noch mehr Geld drucken - rettet diese Mischung Europa?
Nach der Wahl in Griechenland läuft die Auseinandersetzung um die Wirtschaftspolitik in Europa heiß. Noch mehr Schulden und noch mehr Geld drucken - rettet diese Mischung Europa?

Es ist ein Erdrutsch-Sieg der Linken in Griechenland.

„Das griechische Volk hat Geschichte geschrieben”, sagte Tsipras am Sonntagabend vor tausenden jubelnden Anhängern in Athen, versprach ein Ende der „desaströsen Sparpolitik”.

Die Wähler hätten die Vorgaben der internationalen Gläubiger-Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) für „beendet” erklärt.

Damit spitzt sich die Frage zu: Helfen viele Schulden bei der dringend notwendigen wirtschaftlichen Erholung Griechenlands? Das ist das Versprechen nach der Griechenland-Wahl, dass die Wahlsieger, die linksradikale Syriza-Partei gegeben hat. Denn erfolgreich hat sich der Eindruck festgesetzt, es sei diese “Sparpolitik”, die Griechenland schadet. Aber erzählen wir die Geschichte einmal anders herum: Wer Griechenland mehr Geld pumpt, rettet es nicht. Das Problem ist der Euro. Die Vorstellung von Syriza, eine Art “Schuldenkonferenz”, was nichts anderes ist als ein Schuldenerlaß, ist eine trügerische Vorstellung, wie wir hier dargelegt haben.

Die zweite, trügerische Hoffnung ist: man könne mit Zentralbankgeld, also durch das Drucken von Geld, Griechenland helfen und insgesamt die gesamte Euro-Zone in eine goldene Zukunft führen. Es klingt wie ein Märchen. So süß. So hoffnungsfroh. Mein alter Freund, Chef und Kollege Ralf-Dieter Brunowsky hält daran fest und diskutiert meinen Kommentar in der heutigen Bild am Sonntag. Hilft viel frisch gedrucktes Geld? Ist es richtig, wenn jetzt die Reformen in Griechenland zurückgedreht werden? Ist es das “Spardiktat”, von dem sich Griechenland nur befreien muß, um der Sonne entgegen zu eilen? Und wer zahlt dafür?

Was macht Draghi wirklich?

Die erste Frage ist: Was macht Mario Draghi so mit unserem Geld? Für unvorstellbare 1.140 000 000 000 € kauft seine Europäische Zentralbank Schulden von Staaten, Banken und Unternehmen. Das ist umgerechnet im Monat ungefähr soviel, wie Deutschland in seiner schlimmsten Schulden-Zeit unter dem früheren Bundesfinanzminister Hans Eichel („Schulden-Hans“) neue Schulden machte – aber damals im Jahr! Das verdeutlicht die Dimension, um die es geht. Was sind die Folgen?

Kommt jetzt die Inflation? Wovor die Deutschen am meisten Angst haben, ist, dass alles teurer wird: Das ist derzeit nicht der Fall. Vieles wird sogar billiger – Benzin, Heizöl, Elektronik, Urlaub in Griechenland. Aber sinkende Preise sind genau so gefährlich wie steigende Preise, behauptet Draghi. Deshalb will er diese „Deflation“ stoppen und dafür die Inflation extra anheizen. Das bedeutet: Importe werden jetzt teurer, wir Konsumenten zahlen die Zeche. Dafür wird das, was Deutschland exportiert, billiger. Arbeitsplätze werden kurzfristig sicherer, die Unternehmen können sich ausruhen statt zu investieren oder zu forschen: Der niedrigere Preis rettet sie.

Aber für die Inflation gilt: Wehe, wenn sie losgelassen! Sie ist wie eine Lawine, die keiner stoppen kann, wenn sie ins Rutschen gekommen ist. Und da gibt es erste Warnungen: Häuser, Grundstücke, Aktien, also Sachwerte sind schon teurer geworden und werden immer noch teurer, weil viele Menschen dem Bargeld nicht mehr trauen, und lieber Sachwerte kaufen.

Die betrogenen Sparer

Wenn jetzt die Aktionäre jubeln, weil die Kurse explodieren, ist es ein Warnruf für alle anderen, die Sparer: Denn sie sind die Verlierer. Wer auf Sparbuch, Lebensversicherung, Riesterrente oder einen Bausparvertrag vertraut, ist gekniffen: Es gibt keine Zinsen mehr, und das jetzt auf lange Zeit. Das zerstört die langfristige Lebensplanung von Millionen Menschen. Es ist unfassbar, wie wenig kritisch man damit umgeht. Man lässt die Menschen allein, und rettet dafür wen auch immer.  Und jetzt? Geld ausgeben?

Genau das will Draghi sogar: Wir sollen unser Geld auf den Kopf hauen, damit die Wirtschaft in Frankreich, Italien und Griechenland endlich floriert. Was Draghi nicht berücksichtigt: Die Angst. Viele Menschen haben Angst und konsumieren deshalb nicht – und sparen noch mehr. Manche kaufen sogar Gold, weil sie dem Blech-Euro jetzt nicht mehr trauen. Aber Angst ist der größte Konjunktur-Killer. Deshalb schadet diese Politik Deutschland – für uns ist es gut, wenn das Benzin und das Smart-Phone aus Taiwan oder China billiger wird; unser Staat macht keine neuen Schulden, wir brauchen Draghis Inflation und seine Null-Zinsen nicht.

Hilft der Zauber wenigstens den Griechen?

Aber hilft er wenigstens unseren Nachbarn? Auch daran glaubt niemand, den ich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos befragt habe. Die Gewinner sind die Regierungen in Süd-Europa. Wenn sie jetzt Schulden machen, zahlen sie dafür noch weniger Zinsen als schon zuvor. Noch nie war es so billig, Schulden zu machen. Aber Staatsschulden machen faul und träge. Statt Reformen und bessere Wirtschaft wird jetzt mit immer neuen Schulden und künstlich verbilligten Exporten so getan, als wäre der Schlendrian vertrieben. Aber er ist immer noch da.

Und wie immer: Während die EZB buchstäblich Schrottanleihen aufkauft, hat die FED immer nur US-Treasuries gekauft, also beste Bonität. Wer also nur auf die Zahlen schaut, nicht aber das, was sie abbilden, kommt zum falschen Ergebnis: Die EZB ist eben nicht die FED.

Hilft das billige Draghi-Geld wenigstens den Griechen?  Auch sie können sich nicht mit noch mehr billigem Geld  aus dem Dreck ziehen. Warum erklärt Theo Müller, der Yoghurt-König: Er hat in den letzten 30 Jahren aus einer Dorfmolkerei ein globales 6-Milliarden-Unternehmen aufgebaut. (Müller-Milch, Nordsee) „Wirtschaft ist erfolgreich, wenn ein Unternehmer etwas herstellt, wofür die Menschen gerne einen guten Preis bezahlen. Billiges Geld vom Draghi hilft da gar nicht. In Griechenland fehlen solche Ideen“. Dabei fällt mir auf: Ich esse gerne griechischen Yoghurt und Feta. Aber der kommt nicht aus Griechenland – sondern von der Hochland-Molkerei aus Kempten im Allgäu.

Könnte man eigentlich Yoghurt aus Griechenland importieren? Ja, rechnet Müller blitzschnell im Kopf aus, „die Transportkosten von 5 Cent je Becher zahlen die Kunden am Kühlregal, wenn er wirklich gut ist“.

Warum die US-Analogie falsch ist

Es ist dies nur ein plakatives Beispiel. Geld ist eben nicht alles, wenn Wirtschaftsstrukturen falsch gepolt sind. Mit Schulden und Geldpolitik kann man nur geldpolitische Probleme lösen, nicht strukturelle. Solang Griechenland keine wettbewerbsfähigen Produkte anbietet ist mit Draghi-Politik keine Amphore zu gewinnen. Billiges Geld macht keinen guten Yoghurt – aber Draghi macht unser Geld so matschig wie Yoghurt. Denn der Preis, den wir für die Draghi-Politik zahlen ist die Zerstörung der Währung. Und hier zeigt sich, warum auch das gerne zitierte US-Beispiel nicht funktioniert: Die USA haben ihre Wirtschaftsstruktur dramatisch verändert: Mit billiger Energie befeuert kehrt die Industrie zurück. Die USA haben sich Zeit gekauft – und genutzt. Das Wirtschaftswachstum in den USA geht auf 4 Prozent hoch.  In Griechenland wird nicht reformiert, sondern nach der Wahl soll das Rad zurückgedreht werden, und die Mehrheit dafür steht und wurde gewählt: Mehr Beamte, auf Pump bezahlt: Rücknahme der Privatisierung; wieder mehr Regulierung:  damit ist das Land nicht zu retten. Die konkrete Politik läuft der Geldpolitik zuwider.

Und in Griechenland bleiben ökonomische Gesetze in Kraft: Will die neue Regierung die Sparpolitik ändern – braucht sie Geld, geliehenes Geld. Von Banken, anderen Ländern, von irgendeinem weißen Ritter, den noch keiner gesehen hat. Sollten Geldgeber nicht gerne weiter Geld in Griechenland verlieren wollen und der weiße Ritter nicht daher galoppiert kommen, hilft nur noch eines: Der Staatsbankrott. Daran können auch linke Sprüche nichts ändern.

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Kommentare {19}

  1. Der Euro ist ein Labyrinth ohne Ausgang und daher wird auch die neue Regierung in Athen wie die Vorgänger im Kreis laufen. Die Idee einer Währung mit unterschiedlichen Schulden zeigt jetzt immer deutlicher die Konstruktionsfehler.
    Daher wird die EU mit ihrem Versuch, der Einheitswährung zu folgen und eine Einheitsregierung zu schaffen, dem rapiden Absturz der Währung nicht zuvorkommen können.
    Das Kapital wandert bereits aus Europa in die USA ab und die Politik versucht weiterhin, sich mit immer neuen Vertragsbrüchen Zeit zu erkaufen, die allerdings nicht genutzt wird, sondern zum Selbstzweck wird.
    In diesem Geldsystem, wo immer neue Schulden angehäuft werden ohne jemals etwas zu tilgen gibt es keine Lösung ohne eine neue Geldordnung.
    Unsere Politkaste wird die Rekordsteuereinnahmen verfrühstücken und keinen cent zur Tilgung verwenden.
    Dieses Geld fehlt in der Binnenwirtschaft und wird die Arbeitslosigkeit weiter nach oben treiben.
    Dann wird auch bei uns eine podemos Partei noch mehr Staat und noch mehr Wohltaten auf Pump fordern und bei der Wählerschaft Gehör finden.
    Noch ist der Schuldige nicht ausgemacht, aber zur Wahl stehen wieder die Banker, die Rechten, die Linken, die Rentner, die Juden oder die Arbeitslosen.
    Hauptsache die Politkaste ist fein raus.

  2. […] Roland Tichy: Griechenland-Wahl: Warum viele Schulden nicht helfen […]

  3. SYRIZA! FN! PODEMOS! Enteignet die Kapitalisten!

  4. Ein GrExit ist selbstverständlich ebenso möglich, wie ein DExit. Nur was kostet die Welt? In der Schweiz sieht man, wohin das führt. Die Schweizer freuen sich über ihre kurzfristig gestiegene Kaufkraft, die Wirtschaft ahnt aber bereits, dass der Absatz ihrer Produkte mittel- bis langfristig schwieriger wird.

    Nimmt man hierzu das Problem der Pendler aus dem nahen deutschen (und französischen bzw. italienischen) Grenzgebiet, die Kaufkraft im Wesentlichen abziehen und in ihren Wohnorten konsumieren, weiß man, dass die Aufwertung ein äußerst zweischneidiges Schwert ist.

    Dasselbe gilt für die Abwertung. Zwar erlangt Griechenland hierdurch womöglich ein Stück weit seine Wettbewerbsfähigkeit zurück, bezahlt dies aber durch unmittelbaren Kaufkraftverlust. Eine Pauperisierung der Griechen und die schlagartige Entwertung der Vermögen der Mittelklasse, die investiert sind, kann kein vernünftig denkender Mensch wollen. Es sei denn, man betrachtete den Dodekanes künftig als europäische Billig-Urlaubskolonie…

  5. Bevor wir zur Tagesordnung übergehen, möchte ich doch noch einmal auf die letzten Krisenjahre zurückblickend die enorm starke Botschaft dieser Wahl festhalten. Um des um sich greifenden Moralismus willen.

    Das griechische Volk hat beide zwei große Volksparteien des Landes, die sich seit Jahrzehnten in der Macht abgewechselt haben abgewählt. Die eine Partei davon in die Bedeutungslosigkeit geschickt.

    Es war die Handlung eines Volkes, das mit der Vergangenheit brechen und die politische Führung der Defizite und des Klientelismus nach Hause geschickt hat. Es war die Handlung eines gedemütigten Volkes, das Tag ein, Tag aus, hören musste, mitverantwortlich für den Bankrott zu sein. Jeder einfache Arbeiter, jeder Student, jedes Kind soll daran mit schuld gewesen sein, das Geld des Auslands “verfrühstückt” zu haben, “Party” mit ausländischem Geld gefeiert zu haben.

    Aber sie waren entschlossen, nicht mit einem verantwortlosen politischen System gleichgesetzt werden zu wollen und haben sie nach Hause geschickt, alle. Sie haben Mut bewiesen. Sie haben Integrität bewiesen.

    Natürlich ist der Klientelismus noch nicht vollends besiegt. Natürlich können die gleichen Fehler theoretisch noch einmal begangen werden. Doch das Wahlergebnis ist eines, das doch eine Botschaft beinhaltet. Wir ziehen einen Schlussstrich und fangen neu an. Fehler eingeschlossen.

    1. Schoen fuer Griechenland. Ein neuer Anfang kann die Rettung sein! Junge unverbrauchte Politiker bringen neue Energie aber sind auch ein Risiko. Deshalb am besten Risiko auf Griechenland begraenzen.
      Um moegliche Fehler nicht fortzusetzen oder zu widerholen, Experimente nur ausserhalb Eurozone probieren weil man sonst offensichtlich Euro nur weiter abwertet. Und das schadet meisten Buerger Europas! Das werden Sie verstehen?

    2. Stimmt, in der Vergangenheit haben sich immer die zwei großen Volksparteien abgewechselt. Und jede hat nach ihrem Sieg ihre Leute im öffentlichen Dienst untergebracht, ohne die Leute der Vorgängerregierung zu feuern. In der Konsequenz ein aufgeblähter öffentlicher Dienst, der unterbeschäftigt ist.

      Was bringt Sie eigentlich zu der Annahme, dass es jetzt – wo Syriza erstmalig an den “Fressnäpfen” sitzt – anders sein könnte?? Das sind doch auch Griechen, oder?

    3. Erstens glaube ich nicht an eine griechische korrupte und deutsche fleißig DNA. Das ist genau, was wir nicht tun sollten in Europa. Und ich glaube, ein Blick in unsere Geschichte kann hilfreich sein. Wir sollten eigentlich am Besten verstehen, dass ehrenwerte Menschen, unter einem verbrecherischen Regime, sich nicht immer ehrenwert verhalten. Stimmt?

      Was dem Ausstieg aus dem Euro angeht. Erstens, bin ich mir nicht so sicher, ob das die Deutschen insgesamt wollen. Denn in Deutschland prallen im Moment folgende, mächtige Interessensgruppen aufeinander: die Konzerne (die Produktionsstätten und Absatzmärkte außerhalb Europas haben), die Banken und der Mittelstand. Letztere, dem Deutschland seine größte Wirtschaftskraft bekanntlich verdankt ist wild entschlossen, den Euro zu behalten und wennmöglich zu erweitern.

      Aber Sie fragen ja nach den Griechen. Natürlich wollen Sie das nicht. Aber nicht, wie die Vulgärökonomen sagen, um den Deutschen auf der Tasche zu liegen. Sondern, weil es nicht so einfach ist, aus dem Euro auszusteigen. Wenn Griechenland lediglich eine Bindung an den Euro hätte, wäre es längst freiwillig gegangen. Aber Griechenland hat nunmal keine andere Währung. Es müsste eine erstmal vorbereiten, ein Prozess, der nach Schätzungen ca. 12 Monate brauchen würde. Und was in diesen 12 Monaten passieren würde, können wir uns ausmalen, aber die Realität könnte sogar auch das übertreffen. Deswegen ist ja auch der Euro als eine einmal-für-immer Entscheidung konzipiert worden, ohne Fluchtwege. Ich mag den Euro auch nicht. Aber wir haben ihn nunmal, deswegen müssen wir ihn reparieren.

    4. Sie schreiben: “Doch das Wahlergebnis ist eines, das doch eine Botschaft beinhaltet. Wir ziehen einen Schlussstrich und fangen neu an. Fehler eingeschlossen.”

      Mag sein, dass das Wahlergebnis auch eines gegen die Klientelpolitik in Griechenland ist. Mag sogar sehr gut sein. Allerdings hätte Tsipras dann ja wohl mit To Potami koalieren müssen, und nicht ausgerechnet mit Anel. (Kurz gefasst, aber Sie sind ja offenbar Grieche)

    5. Na gut. OK. Es war auch meine Hoffnung und Erwartung dass die SYRIZA mit TO POTAMI koalieren würde. Man war ja auch im kurzen Gespräch zwischen den beiden Parteichefs nicht dabei, aber ich vermute folgendes.

      TO POTAMI ist wirtschaftsliberaler, was ja an sich nicht unbedingt schlecht ist. Aber das Problem ist, dass sie keine klare Haltung zum Memorandum haben. Ihre Thesen zur Eurokrise sind zwar nahe bei der SYRIZA, aber wohl nicht so eindeutig. Der Unterschied war wohl gewesen, ob man zum Konflikt mit dem bestehenden Konsens in Europa bereit ist. Beide wollen im Euro bleiben und einen Konflikt mit Europa vermeiden. Aber TO POTAMI wäre in den Verhandlungen ein Spaltpilz geworden. Die Troika hätte immer den Druck erhöhen können, mit dem Kalkül, dass die Koalition zwischen den beiden daran zerbrechen würde. Mit ANEL kann die SYRIZA sicher sein, dass in den Verhandlungen die Front einheitlich und fest sein wird. Ich glaube, das ist der einzige, aber entscheidende Punkt gewesen.

      Darüber hinaus ist die Diffamierung der ANEL in den deutschen Medien weit übertrieben. Einigen wir uns, Sie ist ein Bisschen, wie die AfD, aber ohne die Querschläger nach rechts außen. Die ANEL war ja eine Reaktion auf die Abtretung der nationalen Souveränität an die Gläubiger. Das ist ein legitimes Anliegen, rechts wie links wie im Zentrum. Um diese Kritik kommen Sie in Griechenland nicht herum. Der „igitt ANEL!“ Ruf wird diesmal nicht funktionieren.

      Ich will aber betonen, worauf Sie sich bezogen haben. Das griechische Volk (ohne mich) hat die beiden Parteien des Klientelismus und der Kungelei abgeschüttelt, das alte System gestürzt. Sie haben das – leider – GEGEN die deutsche Bundesregierung und GEGEN Europa getan, oder tun müssen. Unsere Bundesregierung, hat dieses System nach Kräften unterstützt und an der Macht gehalten. Das ist eine Schande für Deutschland und Europa. Sie werden verstehen, dass sich die neue Regierung deswegen keine Morallektionen oder gehobene Zeigefinger aus Deutschland mehr dulden wird. Die Moral ist jetzt nicht bei Merkel, sondern bei der SYRIZA. Und glauben Sie mir, das wird die Troika am Verhandlungstisch deutlich spüren.

  6. Apropos Energie und USA – für Griechenland gibt es langfristig nur eine Lösung: Es muss endlich das Öl und Gas in der Ägäis gefunden werden, was uns die Griechen ja schon lange versprechen:-)

    1. Nur eine der vielen Versprechungen! Es nutzt nicht fest zu glauben, Fachleute sind nicht ueberzeugt und Geologie muss auch mitspielen. Ausserdem wer moechte in einer Kriesenregion in Projekte mit hohem Risiko investieren? VIelleicht reiche griechische Investoren mit eigenem Geld?

  7. Die Deutschen neigen zu Überreaktionen. Es wird darauf hinauslaufen, dass GR die Schulden nicht zurückzahlt, sondern nur die Zinsen bedient. Rauswerfen aus der Euro-Zone kann man die Griechen nicht, also werden sie zäh verhandeln. Wie aber die neue Regierung die sozialen Wohltaten, die sie versprochen, bezahlen will, ist mir rätselhaft. Sie hofft wohl auf eine effizientere Steuereintreibung – was der IMF schon seit langem fordert. Dei Gefahr: kommt es nicht zu einer Beruhigung des sozialen Klimas, dann stehen die griechischen Neonazis vor der Tür.

    1. Man mag zwar Griechenland nicht aus dem Euro werfen können, obwohl ja in der Vergangenheit genügend Gesetze gebrochen wurden – warum dann auch nicht diese Regel (wo steht das eigentlich)?

      Da Griechenland und die anderen Euro-Staaten bis heute nicht begriffen haben, dass ein Austritt Griechenlands aus dem Euro die einzige Möglichkeit ist, wieder wettbewerbsfähig zu werden, gibt es nur die andere Möglichkeit: Der Austritt Deutschlands aus dem Euro.

      Wenn jetzt der Aufschrei kommt: “Das geht nicht, das wird wahnsinnig teuer”, dann erinnere ich daran, dass noch vor wenigen Monaten das gleiche über den Grexit gesagt wurde. Inzwischen geben sich Regierungsmitglieder die Klinke in die Hand, um zu versichern, heute sei ein Austritt Griechenlands aus dem Euro kein Problem.

      Wie sich die Zeiten ändern – ganz nach Gusto.

    2. Antwort an Güter Schreiber
      Natürlich könnten sich alle übrigen Mitglieder der Euro-Länder einigen, dass man bezüglich GR einen Passus in das Euro-Vertragswerk einbaut und so GR rauswirft. Einfach ist dies jedoch nicht. Und würde die Finanzmärkte wieder einmal alarmieren. Ausserdem spielen geopolitische Erwägungen eine Rolle.
      Man hat GR in die Euro-Zone gelassen, um den Griechen Waren und Dienstleistungen auf Kredit zu verkaufen. Dass dies Risiken birgt, hat man einfach ignoriert. Jetzt muss man sich eben den Realitäten stellen. Fürs jammern ist zu spät, selbst schuld. Wie kann man nur so dämlich und unvorsichtig sein, einem eher orientalisch geprägten Land einen kalten Krämerkapitalismus mit Kreditlinien aufzuzwingen.

  8. Erstens dürfen wir uns erstmal alle darüber freuen, dass die Angstkampagne der Alt-Regierung nicht funktioniert hat.
    Zweitens, dürfen Griechen wohl jetzt ein Lob von all denen erwarten, die Ihnen vorgeworfen haben, dass sie ja diese Regierungen gewählt und darum selbst an ihrer Misere schuld seien.
    Drittens, dürfen wir alle froh sein, dass das deutsche Eurorettungseinerlei endlich aufgebrochen wird und zwischen Ihnen, Herr Tichy, der AfD, den Merkelisten und den Linken und allen anderen, die andere interessante Ideen haben, endlich eine offene, befreite Diskussion – hoffentlich frei von Stereotypen – entstehen kann.

    Denn ja, auch wenn es nach AfD klingt, Merkels Eurorettung, Merkels Moralerzählung, ihre wirren Rettungskonzepte, ihr “Fahren auf Sicht” sind nicht alternativlos. In der ganzen Welt wimmelt es nur so vor qualifizierten Lösungsvorschlägen. Nur hierzulande, hat die Feigheit des politischen Systems vor einer Überkanzlerin Merkel, die demokratische Debatte im Keim erstickt und den ganzen Kontinent in ein schuldbeladenes Schweigen gehüllt. Nur bei den G20 konnte Streit aufkommen und unsere Kanzlerin wurde dort regelmäßig in die Enge getrieben. Aber damit ist jetzt Schluß. Ab morgen wird es wieder Debatten geben. Echte Debatten. Alternativen. Bestimmt erfindet dann auch die Kanzlerin eine. Ich freue mich drauf.

  9. „Wenn ein Anleger auf ein Ereignis hofft, das einfach nicht eintreten will und daraufhin immer weiter zukauft, anstatt die Verluste zu begrenzen, nennt man ihn bestenfalls einen Narren. Wenn die EZB das tut, tut man so, als hätte sie den Stein der Weisen gefunden. Man kann nur staunen.“

    1. Vielleich darf man EZB auch “boese” Absichten unterstellen?

  10. Es wird bis zum alternativlosen finanzpolitischen EU/EURO – Untergangsendsieg gehen.

    Wer das noch nicht verstanden hat, ist ein Träumer. Die EU – Eliten fahren Europa lieber an die Wand, anstatt Fehler einzugestehen und diese zu korrigieren, weil das würde Ihnen Ihre Macht kosten.