Von der Leyen gesteht Fehler, will aber nicht daran schuld sein

Wer übernimmt Verantwortung für das Impfdesaster? Die Kommissionspräsidentin windet sich. Der erste Schritt, um Vertrauen wieder herzustellen, wäre eine Entschuldigung.

imago Images/Hans Lucas

Die Impfstoffbeschaffung der EU war ein Desaster. In früheren Zeiten erwarteten die Öffentlichkeit und die Parteifreunde nach verheerenden politischen Fehlern den Rücktritt. Aber das gilt nicht mehr (es sei denn man hat sich von einem AfDler wählen lassen).

Ursula von der Leyen hat es verbockt. Selbst Jens Spahn befürchtete das und wollte eine nationale Impfstoffbeschaffung starten – doch die Bundeskanzlerin pfiff ihn zurück. Von der Leyen hatte volle Rückendeckung aus Berlin und ist voll mit dem Kopf gegen den Schrank gelaufen. Nun stellt sich ihr die Frage: Wie damit umgehen? Entschuldigen?

Heft 02-2021
Tichys Einblick 02-2021: 2021 - Endlich wieder leben
Merkel hat es sich einfach gemacht: „Im Großen und Ganzen ist nichts schief gelaufen“. Die meisten anderen Regierenden sprechen in ähnlicher Weise davon, dass heute nicht die Zeit für Schuldzuweisungen wäre. Und morgen natürlich auch nicht. Und außerdem sei schließlich, wie Spahn sagte, das Virus der Gegner. Also nicht von der Leyen oder andere politische Verantwortliche.

De EU-Kommissionspräsidentin hat sich schließlich entschieden, den Fehler einzugestehen, aber ohne dafür um Entschuldigung zu bitten. Wie das geht? So:

„Mir ist bewusst, dass ein Land ein Schnellboot und die EU eher ein Tanker sein könnte. Wenn wir einen Vertrag abschließen, brauchen die Mitgliedstaaten weitere fünf Tage, um ‚Ja‘ zu sagen – und das sind fünf Tage, fünf Arbeitstage.“ Damit will Von der Leyen uns wohl sagen: Die EU war’s, also nicht ich persönlich. Und dann ergänzt sie noch: „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der europäische Ansatz der richtige ist.“

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte von der Leyen zum Aufbau von Produktionskapazitäten: „Das hätten wir früher machen können“. Aha, hätten wir gekonnt. Offenbar wollte man aber nicht. „Wir hätten früher wissen müssen, dass es bei diesen neuen Verfahren zu Beginn eine Achterbahnfahrt geben wird, bevor man einen stabilen Prozess erreicht. Dafür kann man uns kritisieren.“

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„Rückblickend hätten wir stärker parallel über die Herausforderungen der Massenproduktion nachdenken müssen.“ Allein: Dafür, dass nicht über die Herausforderungen der Massenproduktion (oder gleich der industriellen Revolution?) herumphilosophiert wurde – dafür hat von der Leyen nun wirklich keiner kritisiert. Es geht darum, dass zu wenig eingekauft wurde. Weil man monatelang um Peanuts herumdiskutiert hat und sich nicht damit auseinander setzen wollte, welche Impfstoffe vielversprechend sind und welche nicht. Dass BionTech ein aussichtsreicher Kandidat wird, war schon im Frühsommer klar, und dass hier Produktionskapazitäten in Europa fehlen, auch. Aber auf eine Order von BionTech wollte man anfänglich trotzdem ganz verzichten.

Der erste Schritt um Vertrauen wieder herzustellen, wäre eine Entschuldigung, in der die Fehler deutlich benannt werden, statt Strohmänner aufzustellen und diese dann demonstrativ mit Spiritus zu übergießen.

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Kommentare ( 44 )

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44 Comments
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friedrich - wilhelm
1 Monat her

……im übrigen: die ema meldet annähernd 30.000 impfschäden!

friedrich - wilhelm
1 Monat her

……corrigendum: alles mögliche und unmögliche bewirkt werden kann!

friedrich - wilhelm
1 Monat her

……ihr haltet euch also immer noch mit der impfung auf. das wäre gut, wenn ihr einmal einen fachmann oder eine fachfrau darauf sehen laßt! dann werdet ihr nämlich feststellen, daß biontech n o c h eine produktlinie fährt, für die es probanden sucht. mit dieser variante wird ein mrna – wirkstoff in den menschen eingebracht, der sich in diesem quasi zu einer gen – plattform entwickeln kann, über die genetisch dann alles mögliche und derzeit noch unmögliche genetisch im menschen bewirken kann. das wäre dann glatt ein vergehen gegen § 21 charta der menschenrechte in der eu! derzeit wird gerade… Mehr

Niklas
1 Monat her

Ich finde es etwas mau, hier nur eine Entschuldigung einzufordern. Wir Bürger müssen der Politik nicht wie Bittsteller gegenübertreten, DIESE BAGAGE ARBEITET FÜR UNS!! Wir haben verdammt nochmal einen Anspruch darauf, dass die Arbeit ordentlich erledigt wird! Aber so lange die Medien im „Team Regierung“ spielen, ist das fast unmöglich. Deshalb würde ich dort ansetzen und skandalisieren, wie es sein kann, dass die Massenmedien eher als fünfte Kolonne denn als vierte Gewalt auftreten. Man stelle sich das Medienecho vor, wenn ein Friedrich Merz für irgendetwas davon verantwortlich gewesen wäre. Unisono würde es aus dem Medienrüssel trompeten: „Er muss zurücktreten! Jeden… Mehr

Last edited 1 Monat her by Niklas
RA.Dobke
27 Tage her
Antworten an  Niklas

In einer Demokratie entschuldigt man sich nicht, man nimmt nach mangelhafter bzw. ungenügender Erledigung seines Amtes schlicht den Hut! Ende!

Paul Brusselmans
1 Monat her

Erinnern wir uns: Die EU startete als Europ Wirtschaftsgemeinschaft von 6 Staaten, mit dem Ziel, kriegswichtige Kohle und Stahl unter internationale Kontrolle zu bringen. Ein gemeinsamer Wirtschaftsraum entstand, mit gemeinsamen Normen für Industrieprodukte, denn es war nicht selbstverständlich, dass deutsche Fernseher in Frankreich funktionierten und umgekehrt. Mit Regionalbeihilfen für die Entwicklung Süditaliens und den Landwirtschaftsbeihilfen angensichts der Tatsache, dass Leb€ensmittel importiert werden mussten, erfolgte der erste Sündenfall. So kamen zB KMU-Förderungen dazu, weil der Spanier Matutes, dem die Balearen grossenteils gehören, als Kommissar ein Hobby brauchte. Hinzu, da die Kommission nicht mehr wachsen durfte, kamen ca 50 „Agenturen“. Es ist… Mehr

Andreas aus E.
1 Monat her
Antworten an  Paul Brusselmans

Knapp gefaßt erspart Ihr Kommentar gute 5 Meter Buchregal zum Thema EU, dazu Behörden allgemein.

Hannibal ante portas
1 Monat her

Es geht doch nur darum die Nachfrage nach dem raren von allen herbeigesehnten kostbaren Impfstoff, der alle Probleme lösen wird, anzuheizen. Eigentlich einfachstes Marketing, läuft aber von morgens bis abends auf allen Kanälen. Wer redet jetzt noch von fehlenden Langzeitstudien und sonstigen Risiken?

Anne W
1 Monat her

Diese Frau, von Merkels Gnaden im Amt und auch der Jens, auch noch von Merkel geschützt, stehen in Reihe mit der unfähigen Kanzlerin selbst.

Mehr Schein als Sein!!

November Man
1 Monat her

300 Millionen Euro hat die EU-von der Leyen als Vorkasse an AstraZenica für den Aufbau von Produktionskapazitäten gezahlt.
Den produzierten Impfstoff haben Andere bekommen.
Diese Frau war von Anfang an untragbar, ich fordere den sofortigen Rücktritt der von der Leyen, und zwar bevor sie noch mehr Schaden anrichtet. 

MaFiFo
1 Monat her

VdL muss aufpassen, dass man sie nicht aus dem Parlament jagt, wenn Israel durchgeimpft ist und zur Normalität zurückkehrt, während wir im Lockdown verharren und unsere Toten betrauern. Die Protagonisten dieser Tragödie gehören angeklagt und wegen Totschlags durch Unterlassen durch den internationalen Gerichtshof verurteilt. Ich empfinde eine unbändige Wut auf diese arrogante Versagertruppe!

heinzB
1 Monat her

Spahn sagt,das Virus sei der Gegner und nicht absolut unfähige Politiker.. Letzteres ist meine Einschätzung.. Man stelle sich mal vor,dass alle Entscheidungsträger der letzten 1000 Jahre nach jedem Virus auch so Amok gelaufen wären? Da muss man sich schon die Frage stellen,ob mit der Panik der heutigen Zeit die Bevölkerung weltweit so enorm gestiegen wäre,trotz vielen Krankheiten,ob Virus ,oder Pest und vieles mehr,die die Menschheit in tausenden von Jahren begleitet haben..? Zu Frau VDL ist nur zu sagen,dass die weder durch einen Virus,noch durch Wahlen an die Macht kam… Sie stand auf keiner Wahlliste,bzw. hat sich den EU-Wählern gestellt.. Sie… Mehr