Anweisungen aus Brüssel: Haben die Ungarn die Unterwerfung gewählt?

Welche Erwartungen die EU-Kommissionspräsidentin an den künftigen neuen Regierungschef Ungarns hat, stellte sie bereits klar, kurz nachdem der Wahlsieger feststand. Geld aus Brüssel gibt es erst, wenn Péter Magyar umgesetzt hat, was Ursula von der Leyen will. Wird sich Magyar für sein Land entscheiden, oder dafür, Statthalter von der Leyens zu sein?

picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Omar Havana

Ursula von der Leyen hat nicht lange gefackelt, sondern ihren Statthalter für Ungarn gleich wissen lassen, was sie für seinen Wahlsieg, für den sie doch so viel getan hat, nun auch erwartet – und zwar subito. Kaum waren die Wahllokale geschlossen, kaum der Wahlsieg von Magyar klar, kaum hatte Viktor Orbán als guter Demokrat seine Niederlage eingestanden und, wie es sich für einen Demokraten gehört, dem Wahlsieger gratuliert, stellte von der Leyen in demütigender Weise den Ungarn die Rechnung aus.

Im Klartext: Geld aus Brüssel gibt es erst, wenn Magyar macht, was von der Leyen will. Im Gouvernanten-Ton belehrte von der Leyen Magyar: „Für mich ist es sehr wichtig, dass wir intensiv mit der neuen ungarischen Regierung an den Mitteln arbeiten, die bereitgestellt werden müssen, und an den Reformen, die umgesetzt werden müssen – aber an Mitteln, die dann auch bereitgestellt werden können, weil das ungarische Volk sie verdient. Lassen wir ihn also erst einmal sein Amt antreten.“ Frau von der Leyen urteilt darüber, was die Ungarn wie ein Kind verdienen und was nicht. Wer brav ist, bekommt ein Bonbon, wer braver ist vielleicht auch zwei.

Von der Leyens respektlose Sätze lese man genau: Nur wenn das ungarische Volk artig ist, das Volk, das so lange von der Leyen gegenüber so bockig und eigensinnig war, nur wenn es alles befolgt, was Brüssel vorgibt, dann gibt es Geld aus Brüssel, und vor allem erst danach, erst, wenn es alles erfüllt hat, was sich die Brüssler Aufpasser wünschen. Magyar muss erstens Orbáns Entscheidungen rückgängig machen und zweitens Ungarn von der Leyen unterwerfen. Das ungarische Volk hat sich in diese Situation leider selbst hineingewählt. Die Gründe dafür haben Roland Tichy und Boris Kálnoky genau beschrieben.

Einen Vorwurf dürfen gerade wir Deutschen in keiner Weise erheben, denn für dieses Ergebnis haben deutsche Politiker von Merkel, Merz bis von der Leyen und viele deutsche Medien, von Welt bis ARD und ZDF alles getan, was sie konnten.

Zuweilen wurde ich in den letzten Jahren in Ungarn von Ungarn gefragt, warum die Deutschen so „böse“ auf die Ungarn seien. Trauer und Unverständnis mischte sich in die Frage, denn Ungarn ist im Gegensatz zu Polen ein durch und durch deutschfreundliches Land. Ich hatte immer geantwortet, dass es die Politiker und die rotgrüngeschalteten Medien seien, nicht aber die Deutschen, und schon gar nicht die Ostdeutschen, dass es diese Politiker und Medien wären, die sich in Polemik und Framing ergingen und sich auch zuweilen zur Hetze hinreißen ließen. Man kann es den Ungarn nicht verdenken, dass sie nicht länger zum Paria gemacht werden wollten. Selbst die wendige und immer an Brüssler Geld interessierte Meloni hat Orbán oft genug im Regen stehen lassen. Jetzt wird sie selbst ins Rudern geraten.

Vor allem können wir Deutschen den Ungarn nicht verübeln, dass sie nicht länger unseren Job machen wollten. Dass sie es so lange taten, dafür haben wir ihnen dankbar zu sein. Denn es ist an Deutschland als Mittelmacht auszugleichen, Verbündeter der kleineren Staaten, besonders in Mitteleuropa, Stimme der Vernunft zu sein, anstatt Radikalisierungen zu befördern. Diese Rolle, die Kohl noch gespielt hatte, der Merkel nicht mehr gerecht wurde, haben die Rotgrünen von Baerbock bis Kiesewetter und Merz vollständig aufgegeben und in ihr Gegenteil verkehrt.

Doch nun will von der Leyen noch mehr Macht für die Brüssler Bürokratie auf Kosten der Demokratie in Europa. Die „Dynamik“ ihres Wahlsieges, des Wahlsieges ihres politischen Partners Selenskyj will sie nutzen, um die Demokratie Europas weiter zu reduzieren, denn: „Die Umstellung auf qualifizierte Mehrheitsentscheidungen in der Außenpolitik ist ein wichtiger Weg, um systemische Blockaden, wie wir sie in der Vergangenheit erlebt haben, zu vermeiden.“ Das ist deutlich, Widerspruch duldet von der Leyen nicht mehr. Aus der EU wird unter von der Leyen zunehmend eine Brüssler Zwangsanstalt. Völker haben zu parieren.

Viktor Orbán hatte die vorletzte Wahl 2022 haushoch gewonnen, er hat die Wahl am letzten Sonntag haushoch verloren. Wann hat sich Selenskyj eigentlich zum letzten Mal zur Wahl gestellt? Hat er vor, sich noch einmal zur Wahl zu stellen? Oder will er die Rolle „Diener des Volkes“ wie die deutschen Tatort-Kommissare bis zur Rente und noch darüber hinaus spielen? Wir wissen es nicht.

Unsere, nein, seine 90 Milliarden wird Selenskyj jetzt zügig bekommen. Die nächsten werden folgen.

Und Ungarn? Man darf gespannt sein, für wen sich Magyar, der nun vor der Wahl steht, schließlich entscheidet: für Ungarn oder für von der Leyen, entscheidet er sich dafür, Regierungschef oder Statthalter zu sein?

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Kommentare ( 62 )

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62 Comments
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HS_1938
28 Minuten her

Wann hat sich Selenskyj eigentlich zum letzten Mal zur Wahl gestellt?
Alberne Frage, am 21.4.2019 war das.
Hat er vor, sich noch einmal zur Wahl zu stellen?
Ja
Oder will er die Rolle „Diener des Volkes“ wie die deutschen Tatort-Kommissare bis zur Rente und noch darüber hinaus spielen? Wir wissen es nicht.
Überraschung, das wissen wir bei unserem Kanzler auch nicht. Erst recht nicht, falls Deutschland von den Russen überfallen werden sollte.

HS_1938
33 Minuten her

Unsere, nein, seine 90 Milliarden wird Selenskyj jetzt zügig bekommen. Die nächsten werden folgen.“
Hoffentlich wird das so sein. 50 Tausend tote Russen pro Monat gibt es nun mal nicht gratis. Und billiger wird das auf keinen Fall, falls später die Bundeswehr das (mit)erledigen muss.

HS_1938
38 Minuten her

Meloni hat Orbán oft genug im Regen stehen lassen. Jetzt wird sie selbst ins Rudern geraten.“
Ui jui jui, in Rom ist eine Flasche Chianti umgefallen!

Logiker
42 Minuten her

In die Botschaft welchen Landes würden heute wohl Deutsche flüchten wollen?

Die naiven Wessis halten es dann wohl eher mit dem treudoofen VoPo aus dem alten DDR-Kalauer:

Meldung in der Aktuellen Kamera:
In Berlin sprang ein Volkspolizist über den Ladentisch in einem Intershop und bat um politisches Asyl.

Last edited 39 Minuten her by Logiker
Diogenes
52 Minuten her

Haben die Ungarn die Unterwerfung gewählt? Ja, und es ist schlimm. Sie werden es noch bald bitter bereuen. Einen MP wie Orban werden sie nie mehr bekommen. Die jungen Menschen in Ungarn sind unter dem Schutz und der weisen Führung von Orban aufgewachsen und können sich garnicht vorstellen, daß sie sich mit der Unterwerfung und Anbiederung an die V.d.L Diktatur den Jahren ihres Erwachsen-Werdens ihrer Zukunft selbst berauben. Es scheint so, die dumme, dumme Idee man müsse endlich etwas ändern, – egal was ! – läßt sie so irrational handeln. „Wenn es dem Esel zu wohl wird/ist, geht er aufs… Mehr

Reinhard Schroeter
25 Minuten her
Antworten an  Diogenes

Noch vor den Auswirkungen der Unterwerfung werden es die Magyaren an der Zapfsäule spüren , dem folgt die Gas-und Stromrechnung , bevor das Messern und Vergewaltigen auch in Budapest Mode wird und das Belästigen der weiblichen Besucher auch in den ungarischen Thermalbädern zum Alltag gehören wird.
In Ungarn wird man den 12. April 2026 noch bitter bereuen.

rainer erich
59 Minuten her

Danke für den „dezenten“ Hinweis auf Frau Meloni. Und nun zu Frau vdL , über deren “ Charakter“ jedes Wort zuviel wäre. Es gibt eine Art “ charakterliche“ Abstufung und Auswahl. Man darf sehr zuverlässig davon ausgehen, dass es in zumindest in weiten Teilen des Wertewestens eine durekte Proportionalität zwischen völliger Skrupellosigkeit und transhumanistischer Moral , ein hohes Mass an krimineller Energie einerseits und dem politischen Amt andererseits gibt. Je höher das Amt, desto mieser der Charakter. Was natürlich “ logisch“ ist, denn die jeweiligen Täter bzw Machthaber hinter den politischen Akteuren besetzen die relevanten Stellen ziel – und interessenadäquat.… Mehr

Haba Orwell
1 Stunde her

Böses Medium gestern: „„Soros erobert Ungarn“: Musk schlägt Alarm vor globaler Machtübernahme“ > „… Der Wahlsieg der pro-EU Tisza-Partei über Viktor Orbán bedeutet laut Elon Musk die vollständige Übernahme Ungarns durch das Soros-Netzwerk. Während Soros und Globalisten wie Obama & Co. feiern, warnt Musk vor ausländischer Einmischung und „woken“ Ideologien. … Der Wahlsieg der pro-EU Tisza-Partei über Ministerpräsident Viktor Orbán bei den ungarischen Wahlen bedeutet, dass das Land im Wesentlichen vom Soros-Netzwerk übernommen wurde, sagte Elon Musk. … In einem separaten Post reagierte er auf einen Beitrag eines X-Nutzers, der Personen auflistete, die das Ergebnis bejubelten – darunter der ehemalige… Mehr

Peter Gramm
27 Minuten her
Antworten an  Haba Orwell

Die Kritik an Soros ist doch Antidingsbums…..geht gar nicht den Weltenretter so zu kritisieren. Ein bisschen Krieg irgendwo braucht das kapitalistische System. Die im Dunkeln sieht man halt nicht.

Logiker
1 Stunde her

Dass die Ungarn anders ticken als die Deutschen, sieht man schon daran, dass es eine 2Jahre alte Partei innerhalb dieser kurzen Zeit zu einer 2/3-Mehrheit im Lande geschafft hat. Obwohl die AfD schon viel länger noch viel bessere Gründe für eine 2/3-Mehrheit in Deutschland hätte, wird ein dringend notwendiger Umschwung durch das sedierte Wahlvolk im Westen immer noch verhindert. zur Erinnerung: die AfD hat als einzige der in Bundestag und Landtagen vertretenen Parteien nicht eine einzige der verhängnisvollen Entscheidungen der letzten 20 Jahre zu verantworten. Wahrscheinlich werden die (west-)Deutschen erst klug, wenn sie ihre Solaranlage oder ihr E-Auto versuchen auf… Mehr

Last edited 1 Stunde her by Logiker
Index
1 Stunde her

Das Entsetzen findet und findet kein Ende.
Spätestens jetzt ist es oberglasklar:
Es gibt keine EU-Kommisssion (mehr), sondern bloß noch eine erbärmliche, korrupte, abermilliardenschwere EU-Erpressermafia, an deren Spitze zwei alte weiße und verbiesterte „CDU“-Frauen stehen (Namen bekannt).
Und bei ‚Ndrangheta, der Camorra und der Cosa Nostra staunt man bloß noch Bauklötze.

Deutsche
1 Stunde her
Antworten an  Index

Und „das Beste“ an dieser Sache ist, das wird alles mit unseren Steuergeldern finanziert.

eifelerjong
1 Stunde her

Daß die Erpressung Ungarns seitens Brüssel, egal, welcher Wahlausgang, nicht beendet sein würde, war zu erwarten.
Deshalb hält sich mein Mitleid in Grenzen.
Was die EU betrifft:
Aus der großartigen Idee einer Gemeinschaft souveräner, gleichgestellter Nationen, wurde ein zutiefst undemokratischer, autoritärer Bürokratenhaufen.
Ich empfinde nur noch eines: Verachtung.
Leider werde ich altersbedingt nicht mehr erleben, wie diese von der Leyens Co. ihr 1789 mit allen Folgen erleben werden.