Ein mutiger kubanischer Priester macht seinen Landsleuten für 2026 Hoffnung

In der desaströsen wirtschaftlichen Lage Kubas erhebt der Priester Alberto Reyes aus der Erzdiözese Camagüey (zwischen Havanna und Santiago de Cuba) mutig die Stimme gegen das sozialistische Regime. Vielen Kubanern gilt dieser tapfere Regimegegner als „Stolz der Katholiken“.

IMAGO

Der kubanische Staatspräsident Miguel Díaz-Canel gibt öffentlich zu, dass die gegenwärtige Staatskrise Kubas eine außergewöhnliche sei durch die „Anhäufung von Verzerrungen, Widrigkeiten, Schwierigkeiten und eigenen Fehlern“.

  • Das BIP ist 2025 um mindestens 1,5 Prozent geschrumpft.
  • Der Hauptdevisenbringer Tourismus stagniert auf niedrigem Niveau; während 2019 noch fast 5 Millionen Touristen ins Land kamen, waren es 2025 knapp 2 Millionen Besucher.
  • Die landwirtschaftliche Produktion sinkt auf breiter Front. Der Zuckerertrag etwa sank 2025 trotz passabler Wetterbedingungen auf nur noch 1,9 Prozent der vorrevolutionären Ernte von 1958 (Tichys Einblick berichtete: Sozialismus ist, wenn Kuba der Zucker ausgeht)
  • Die Stromerzeugung beträgt zeitweise 35 Prozent der benötigen Menge. Längerer Stromausfall gehört in allen Teilen Kubas zum Alltag mit schwerwiegenden Folgen für die Wirtschaft und für die Kühlhaltung von Lebensmitteln. 2025 gab es vier landesweite längere „Blackouts“. Die Planwirtschaft setzt neuerdings auf Sonnenenergie, um von teuren Brennstoffimporten unabhängiger zu werden.
  • Unter anderem durch Vernachlässigung der Müllentsorgung und den Hurrikan Melissa haben Mücken ideale Brutstätten gefunden. Es kam zu einem epidemischen Anstieg von Infektionskrankheiten (Dengue-, Chikungunya- und Oropouche-Fieber) mit mindestens 55 Todesfällen unter Kindern. Hilfreiche Medikamente gibt es gegen harte Devisen auf dem Schwarzmarkt.
  • Landesweit kann keine stabile und druckvolle Wasserversorgung gewährleistet werden. Man versucht die Tourismusbranche und die Wirtschaft zu „priorisieren“, was nicht nur in den Krankenhäusern auf Kritik stößt.
  • Die Kindersterblichkeit ist 2024 auf 9,7 pro 1000 Lebendgeburten gestiegen und liegt damit über der in den USA. Das ist für Kuba schmerzhaft, da bis dato die niedrige kubanische Kindersterblichkeit ein Aushängeschild und Hauptpropagandamittel der Regierung für die Vorteile des Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus war.
  • Kuba hat in den letzten 5 Jahren über 5 Prozent seiner Bevölkerung durch Auswanderung verloren; da vor allem die Jungen gehen, sind mittlerweile 25,7 Prozent über 60 Jahre. Kuba ist damit ähnlich überaltert wie Deutschland. Die finanziellen Unterstützungen der Exilkubaner für ihre Verwandten in der alten Heimat sind zu einer überlebensnotwendigen Einnahmequelle des Landes geworden. Kuba hängt am Tropf der Exilkubaner.
  • Die Sendung von Gesundheitspersonal und Soldaten unter anderem nach Venezuela ist ein Devisenbringer. Kuba veröffentlichte diese Woche die Identitäten der 32 kubanischen Soldaten, die bei der US-Militäraktion in Venezuela zur Gefangennahme des dortigen Präsidenten Nicolás Maduro getötet worden seien. Die Kubaner waren Teil von Maduros Leibgarde, die hälftig aus Venezolanern und Kubanern bestand. „Getreu ihrer Verantwortung für Sicherheit und Verteidigung erfüllten unsere Landsleute würdig und heroisch ihre Missionen im Namen der Revolutionären Streitkräfte und fielen nach hartnäckigem Widerstand im direkten Kampf gegen die Angreifer oder infolge der Bombardierung der Einrichtungen“, erklärt die kubanische Regierung im Sozialismus-Sprech. Damit räumt Havanna entgegen früherer Dementis ein, dass zumindest eine kleine militärische Präsenz im befreundeten Venezuela vorhanden ist.
  • Kuba erhielt im vierten Quartal 2025 70 Prozent seines Mineralöls, das nicht nur für das Transportwesen, sondern auch für die kubanische Stromerzeugung unbedingt notwendig ist, von seinem engsten Verbündeten Venezuela. Mexiko hat auf Druck der USA seine Ölexporte nach Kuba bereits eingeschränkt. Die veränderte Lage in Venezuela könnte die Situation in Kuba 2026 weiter verschlechtern.
  • Der US-Außenminister Marco Rubio ist in Bezug auf Kuba ein Hardliner: „Wenn ich in Havanna leben und der Regierung angehören würde, wäre ich zumindest ein wenig beunruhigt“, erhöht Rubio den Druck auf Kuba.

Klare Worte gegen die sozialistische Regierung kommt aus Kuba heraus von dem Priester Alberto Reyes. Zum Jahreswechsel spricht er in den sozialen Medien erstaunlich offen:

„Weihnachten 2025 könnte das schlimmste Weihnachten in unserer Geschichte gewesen sein. Nie waren wir als Volk so versunken, so gefesselt und so unterdrückt wie jetzt. Kuba stand 2025 im Zeichen des Todes. Es ist schwer, das Volk leiden zu sehen, während alles zusammenbricht. Die Regierungspolitik ist gescheitert. Der Kommunismus ernährt sich von der Verachtung gegenüber dem, der vorankommt.“

Das klingt anders als bei vielen deutschen Kuba-Touristen, die im Che-Guevara-T-Shirt schwärmen, wie fröhlich und zufrieden die Einheimischen dort trotz Mangelwirtschaft seien, und dass Kuba so ein tolles Bildungs- und Gesundheitswesen habe.

Als die Bewohner seiner Stadt in der Nacht mit ihren Kochtöpfen Lärm machten, weil es mal wieder keinen Strom gab, läutete Alberto Reyes zur Unterstützung mit eigenen Händen die Glocken. Auf Druck der Regierung und seines Bischofs ließ er aber bei weiteren Stromausfällen davon ab.

Reyes fordert die Freiheit, auch öffentlich über einen Systemwechsel diskutieren zu dürfen:

„Wir brauchen die Möglichkeit, an den Urnen das politische System zu wählen, das man bevorzugt. Die sozialistische Regierung hat zwischen leeren Versprechungen, wiederholten Lügen und brutaler Repression jeden Veränderungsversuch erstickt, während das Land für alle, außer für sie, immer unproduktiver und unbewohnbarer wurde. Aber wenn das Ende einer Diktatur kommt, ist es notwendig, diejenigen zu richten, die der Gesellschaft Schaden zugefügt haben.“

Die südamerikanische „Theologie der Befreiung“ richtet sich in Kuba gegen ein sozialistisches Regime.

In Anlehnung an Martin Luther King träumt Alberto Reyes von einem besseren Kuba:

„Ich träume von einer Insel, von der niemand mehr auswandern möchte. Ich träume von einem Land, frei von politischen Gefangenen. Ich träume von Gerichten, wo die Repression durch das Recht ersetzt wird. Ich träume von einem Land, wo Elend und Wohlstand durch Freude und Fortschritt verdrängt werden. Ich träume von einem Wandel.“

Durch solche mutigen Priester wie Reyes steht die katholische Kirche in Kuba mit anderen Oppositionellen im Zentrum der Auseinandersetzung mit der Macht. Woher nimmt Reyes den Mut für seine Tapferkeit? Ist es sein Alter von 69 Jahren, durch das er nicht mehr viel zu verlieren hat? Ist es sein zölibatärer Status, wodurch er keine Repressalien gegenüber seiner Familie zu befürchten braucht? Ist es sein christlicher Glaube, der ihm die Gewissheit schenkt, dass er nicht diejenigen zu fürchten braucht, die nur seinen Körper, aber nicht seine Identität bei Gott zerstören können? Ist es die Kraft der weltweiten katholischen Kirchengemeinschaft, die ihm den Rücken stärkt?

Es wird spannend sein, wie lange Reyes noch in Kuba als Priester wirken darf. Und es wird spannend sein, ob das marode Regime von Kuba sich noch ein weiteres Jahr mit mancherlei Improvisation, Parolen und Repression über Wasser halten kann. Vielleicht werden die mit Kuba befreundeten Länder Algerien, Russland, China oder der Iran einspringen, um Kuba über den Verlust des Partners Venezuela hinwegzuretten und um das sozialistische Kuba als Stachel im Vorgarten der USA am Leben zu erhalten.

Durch die vielen Auswanderungen bleibt der innenpolitische Druck von Regimegegnern auf die kubanische Regierung wahrscheinlich überschaubar und unterdrückbar. Aber viele (Exil-) Kubaner setzen auf die USA, dass sich ihr Traum auf ein neues freieres Kuba vielleicht schon 2026 erfüllen möge.


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Kommentare ( 4 )

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4 Comments
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Retlapsneklow
11 Stunden her

Demnach haben die USA mit ihren direkten und indirekten Sanktionen einiges mit dem Schlechtergehen der Kubaner zu tun. Muss man das menschlich gut finden?

verblichene Rose
11 Stunden her

Gefühlsmäßig springt mir der Beitrag zu sehr hin und her, denn auch auf Cuba scheint es sich um hausgemachte Probleme zu handeln, weshalb ich manchmal sehr an Deutschland erinnert bin. Und was die (unnötige!) Kritik an die USA angeht, so muß ich auch den Kopf schütteln, denn als Ankerland soll es gut genug sein, aber wenn Cuba doch so toll und christlich/heroisch ist, warum türmt man dann ausgerechnet hin zum bösen Ami? Eine derartige Kritik sortiere ich deshalb dort ein, wo ich sie bei Iranischen Demonstranten absolut nicht akzeptieren kann, wenn die mit ihren Parolen durch deutsche Straßen latschen. Ich… Mehr

Waldschrat
11 Stunden her

Da sag ich nur eines, wir sind Kuba dicht auf den Fersen. Die Kommunisten sind Verbrecher und das, was danach kommt, ist nicht viel besser.

Venator
12 Stunden her

Venezuela, Iran, bald vielleicht Kuba…
2026 hat noch gar nicht richtig angefangen und macht schon jetzt richtig Laune. Bin gespannt, wie viele und welche Dominosteine noch kippen. Der Wind dreht sich gerade gewaltig. In diesem Jahr ist Musik drin.

Last edited 11 Stunden her by Venator