Die geschichtsvergessene SPD und die Wiederauferstehung der DDR

Die Sozialdemokratie übt sich im Vergessen ihrer eigenen Geschichte. Nur so ist das Kokettieren von Faeser und anderen mit dem Linksradikalismus zu verstehen.

imago Images

Das hat die alte Tante SPD nicht verdient! Jahrzehntelang hat man dort den eigenen Mythos gepflegt, „Geschichte der Arbeiterbewegung“ wurde an den Universitäten gelehrt in Konkurrenz zu den Mythen aus der DDR, wo die KPD zum Sieger der Geschichte gekürt wurde. Doch die heutige Sozialdemokratie übt sich in Sonderheit auf der weiblichen Seite in Geschichtsvergessenheit.

Alte Sozialdemokraten wussten noch, wer der Gegner war – nicht der Kapitalismus, mit dem man sich längst arrangiert hatte. Sondern die KPD, auch und gerade, wenn sie sich SED nannte – als Ergebnis einer Zwangsvereinigung von SPD und KPD in der DDR. Sie erinnerten sich erst recht noch daran, dass Sozialdemokraten von der Kommunistischen Internationale gut zehn Jahre lang, bis 1935, als „Sozialfaschisten“ geschmäht wurden. Stalin bezeichnete Sozialdemokratie und Faschismus als „Zwillingsbrüder“.

"Koalition der Willigen"
Sicherheits-Thinktank: Pläne von Nancy Faeser heizen illegale Migration an
Bis 1934, also noch nach Hitlers Sieg, galt die SPD als „Hauptfeind“ der KPD (vgl. hier).  Eine gemeinsame Front gegen die NSDAP war damit ausgeschlossen, obwohl beide Parteien bei der letzten unter freien Bedingungen stattfindenden Reichstagswahl im November 1932 mit zusammen 37,3 Prozent der abgegebenen Stimmen die 33,1 Prozent für die NSDAP übertrafen (vgl. hier).

Als „Antifaschisten“ kamen in der DDR stets nur diejenigen in Frage, die der SED politisch genehm waren – nicht etwa diejenigen, die ihre Verfolgung im Dritten Reich überlebt hatten. Das gilt auch für die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN), ein ganz und gar trügerischer Name für einen von der SED finanzierten Verein, dessen Feigenblatt der „Kampf gegen Rechts“ war und ist. In deren Postille namens „Antifa“ schrieb sich die jetzige Innenministerin vor wenigen Monaten ihren „Kampf gegen Rechts“ von der Seele, obwohl sie womöglich wusste, dass der Verfassungsschutz den VVN misstrauisch beäugt.

Immerhin hatte sie mit Parteikollegen im Mai 2020 eine parlamentarische Anfrage hinsichtlich der politischen Einschätzung der VVN-BdA gestellt und als Antwort erhalten, dass das Landesamt für Verfassungsschutz in Hessen die Organisation als linksextremistisch einschätzte.

VVN-BDA
Faeser-Affäre: Immer weniger Abgrenzung gegen den Linksextremismus
Ältere Sozialdemokraten wussten übrigens auch noch, dass sich Schriftsteller im Dienste der SED wie Bernt Engelmann mit zugespieltem Material aus der DDR stets bemühten, die Bundesrepublik als einen Hort alter und neuer Nazis darzustellen. Verblüffend, wie sich das heute wieder fortsetzt: Rechts ist mittlerweile alles, was nicht eindeutig links ist – oder eben „Antifa“.

Nun, der „Kampf gegen Rechts“, angeblich „politische DNA meiner Partei“, dem sich Frau Faeser verschrieben hat, gilt in diesem Land allgemein als selbstverständlich, vor allem für eine Generation, die mit „Rock gegen Rechts“ aufgewachsen ist. „Gegen rechts“ ist so ziemlich der preisgünstigste Ausweis für die richtige Gesittung, den man mit sich führen kann. Und das soll nun die neue Kampfrichtung sein? Als ob es keine anderen Gefahren für die innere Sicherheit gäbe.

Und so haben wir nun eine Innenministerin, die zwar „Verfassungsfeinde … schneller aus dem Dienst entfernen (will) als bisher“, dabei jedoch nur einen Extremismus kennt: den von Rechts. Linksextremismus, insbesondere bei der gewaltaffinen Antifa? Kennt sie nicht. Gewalttätige Islamisten? Achwas. Eine Gefahr, die ganz allgemein vom steigenden Migrationsdruck ausgeht, von Männern etwa, die, um es vorsichtig zu sagen, sich um Recht und Kultur in unserem Land wenig scheren? Nie was von gehört. Im Gegenteil: Das Land soll weiterhin aufnahmewillig „vorangehen“.

Artikel in "antifa"-Zeitschrift
Innenministerin Nancy Faeser: Flirt mit dem linksextremen Rand
Nein, die SPD hat das nicht verdient. Sie hat übrigens auch Saskia Esken nicht verdient, Bundesvorsitzende der SPD, die damit prahlte, „58 und Antifa“ zu sein – selbstverständlich. Woraufhin der SPD-Vorstand twitterte: „157 und Antifa. Selbstverständlich!“ Das ist so geschichtsvergessen wie unanständig. Denn als die SPD, beziehungsweise ihre Vorgängerorganisationen im 19. Jahrhundert gegründet wurden, gab es noch lange keinen Faschismus.

Haben wir das verdient? Hat Deutschland eine Innenministerin verdient, die ihrer Aufgabe offenkundig nicht gewachsen ist?

Ach, fragen wir nicht. Der jetzige und womöglich demnächstige Bundespräsident arbeitete einst bei einem Blättchen, das auf der Payroll der SED stand. Er sei, betont ein alter Schulfreund, noch immer der gleiche wie damals. Der Kanzler wiederum gehörte bei den Jungsozialisten dem ultralinken Stamokap-Flügel an, was die SED, deren Gast er regelmäßig war, durchaus goutierte.

Was regen wir uns also auf? Die DDR mag als Staat Vergangenheit sein. Doch ihre Ideologie ist aus Deutschland nicht mehr rauszukriegen. Wann benennt sich die Bundesrepublik Deutschland endlich um?


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Kommentare ( 65 )

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Mozartin
3 Monate her

Diese „Auferstehung“ wird es nicht geben, weil sich der Stamokap-Flügel nie wirklich in der SPD durchgesetzt hat. Ich finde es schon irgendwie auch witzig, dass ich bei TE etwas über die Geschichte der SPD lesen kann. Sie sind gewissermassen auch Expertin dafür. Die Vita vom Bundespräsidenten kannte ich nicht. Vor Schröder machte Klaus-Uwe Benneter viel her in der SPD, aber wiewohl ich gegen den „Radikalenerlass“ war, war ich gegenüber den sogenannten Linken immer auch verhalten. Nicht, weil die etwa fehl am Platze wären in der SPD, sondern weil ich wohl nie nur SPD war, aber die SPD eben auch nie… Mehr

horrex
3 Monate her

Mir fällt gerade der Name des italienschen Sozialisten nicht ein der – sinngemäß – diesen Satz geprägt hat:
Wenn eines Tages der Faschismus siegen wird
wird er n i c h t sagen ich bin der Faschismus.
Er wird sagen: „Ich bin der Antifaschismus“!

Längst ist hier in D. bei 1000 kleinen Indikatoren sichtbar geworden,
dass sich bei der SPD (sogar bei Teilen der CDU!) hinter einem (noch) gemässigten offiziellen Auftritt eindeutig linksfaschistische Ziele/Absichten verbergen die, wie schon mehrfach zu bemerken war, nicht im Einklang mit dem GG stehen.

  • Sei es aus Überzeugung/Gesinnung oder „nur“ Machtkalkül. –
Friedrich Wilhelm
3 Monate her
Antworten an  horrex

Sehr geehrter Herr ‚horrex‘,
der Ihnen entfallene Name lautet Ignazio Silone.
Allerdings ist jenes Zitat zwar berühmt, gilt jedoch als nicht verbürgt, da es sich angeblich nicht in den Schriften des sozialistischen Schriftstellers selbst findet, sondern einem Forumgespräch zur Kieler Woche 1963 entstammt, das der Schweizer Essayist, Literaturkritiker und Journalisten François Bondy publizierte.
Hochachtungsvoll

Nibelung
3 Monate her

Die DDR ist nicht untergegangen, denn wer anschließend über seine Gesinnungsgenossen Gesamtdeutschland beherrscht hat doch den Sieg davon getragen und die Pflege der linksradikalen Gruppen gehört doch zwangsläufig mit dazu und die Kommunisten im Westen, ob grün oder rot angestrichen unterscheiden sich doch keinesfalls von der ehemaligen Rot-Schwarzen, die uns als Begrüßungsgeschenk überreicht wurde und ein Traum aller Linken damit in Erfüllung ging, von dem sie bis heute reichlich Gebrauch machen.

KoelnerJeck
3 Monate her

Wenn man die Geschichte der SPD bemüht, muss man vorn anfangen! Die SPD war schon immer nationalistisch, weil sich der Sozialismus nur national durchsetzen ließ. Dessen Gründer Lassalle war der erste nationale Sozialist (vgl. Ludwig von Mises, Im Namen des Staates, Die Episode Lassalle). Der Begriff „Sozialdemokratie“ ist eine Erfindung der deutschen Sozialisten, es verbindet die Begriffe Sozialsimus und Demokratie. Die russischen Sozialdemokraten nannten sich Bolschewiken. Leo Trotzki: Die russische Sozialdemokratie: „Die übliche Definition der Sozialdemokratie als einer Verbindung zwischen wissenschaftlichem Sozialismus und Massenarbeiterbewegung erhält, auf Russland angewendet, einen besonders ausdrucksvollen Charakter, weil dort ursprünglich die sozialistische Doktrin ausschließlich in… Mehr

Last edited 3 Monate her by KoelnerJeck
Deutscher
3 Monate her

Man bezeichnet gern die Linke als Nachfolgepartei der SED, aber vergisst dabei, dass die SPD ebenfalls SED-Bestandteil war und dieses Erbe also mit der Linken teilt.

Die ehemalige Innenministerin Lambrecht hat gesagt, dass man sich das Gedankengut von Extremisten zurechnen lassen muß, wenn man mit denen was zu tun hat, auch wenn man selber kein Extremist sein will.

Dozoern
3 Monate her

Klar, dass der Hauptfeind der Kommunisten die SPD war, hatte diese sie doch schon 1919 verraten und auf ihre Mitglieder schiessen lassen. Deshalb skandierte die USPD auch: Wer hat uns verraten…Sozialdemokraten. Wer das 50 Jahre dauernde Geeiere der Hamburger SPD um die Rote Flora, den Schwarzen Block und die Hausbesetzerszene miterlebt hat, wundert sich über Frau Faesers Haltung keinen Deut. Der Antisemitismus und der Kampf gegen Rechts sind die Spielkiste der Linken. Dort zaubern sie immer wieder Nazis hervor, die sie dann als Antifaschisten bekämpfen können. Faschisten gibt’s nur im Rechten Spektrum, linke Faschisten gibt’s nicht, laut der herrschenden Lehre.… Mehr

Last edited 3 Monate her by Dozoern
Aegnor
3 Monate her

Wen wunderts? Die SPD wird seit Jahrzehnten von linksradikalen Sozial“wissenschaftlern“ dominiert, die noch nie in ihrem Leben in der Wirtschaft gearbeitet haben. Gut – vielleicht mal als Praktikanten zu Schulzeiten, mit der Erkenntnis diese Zumutung nie wieder erleiden zu wollen. Mit Arbeitern haben die nix am Hut, auch wenn ihre Eltern vielleicht mal welche waren und deswegen machen die auch schon seit vielen Jahren keine Politik mehr für dieselben. Seit einigen Jahren kommt noch die Unterwanderung durch radikale Muslime dazu, was sich massiv in der Migrationspolitik und der Haltung zu Israel bemerkbar macht. Das Kalkül ist klar – man will… Mehr

Hannibal Murkle
3 Monate her
Antworten an  Aegnor

„ Das Kalkül ist klar – man will langfristig mit den Stimmen der (islamischen) Migranten mehrheitsfähig sein“

Ob die wirklich brav Linksgrüne wählen, wenn man sich kein Fleisch mehr leisten kann? Das Hängen an der Wokeness dürfte bei den sog. Bio-Deutschen verbreiteter sein.

Reinhard Schroeter
3 Monate her

Die Partei der Arbeiterveräter hat sich Ihr Führungspersonal selbst gewählt.
Es muss also auch noch richtig von Ihrer Hände Arbeit lebende SPD-Mitglieder geben, die so etwa wie Esken und Konsorten in Amt und Würden bei der SPD gebracht haben.
Und genau hat diese Partei diese Leute da auch verdient. Sie hat noch weit mehr verdient, nämlich ihren Untergang !

Lotus
3 Monate her

Die gesamte Bundesregierung ist in gefährlichem Ausmaß unfähig. Faeser markiert den Tiefpunkt, was bei dieser Truppe eine echte Leistung ist. Für die Innenministerin muss man sich einfach fremdschämen! Dass die große Mehrheit der dt. Medien fest zu ihr hält, sie gar als Heldin des “ Kampfes gegen rechts“ feiert, bestätigt, wie berechtigt die Umschreibung „politisch-medialer Komplex“ ist. Und die FDP? Es fehlen einem die Worte.

Medea
3 Monate her

Man sollte meinen, nur weil ich von der Nachkriegszeit an in der DDR aufgewachsen bin, hätte ich im Sozialismus gelebt. Weit gefehlt! Die DDR war keineswegs ein sozialistischer, geschweige denn ein demokratischer Staat. Dieses „jeder nach seinen Fähigkeiten“ hat es praktisch nie gegeben und genauso wenig wird es irgendwo irgendwann funktionieren, höchstens in einem israelischen Kibbuz oder der idealen Familie. Die realen Menschen funktionieren so nicht! Obwohl, ein charmanter Gedanke ist es schon, den der alte Marx hatte zu seiner Zeit… Man stelle sich vor, das Vorhandensein von entsprechenden Fähigkeiten und voller Einsatz dieser wären wirklich Voraussetzung… So mancher Grüne… Mehr

MartinL
3 Monate her
Antworten an  Medea

Jeder „sozialistische“ Staat landet IMMER im selben Muster. Es KANN keinen dauerhaft funktionierenden „Sozialismus“ oder „sozialistischen Staat“ geben,weil der „Sozialismus“ in sich fehlerhaft ist.