Mut sieht anders aus!

Nein, eine Jamaika-Regierung hätte keinen Aufbruch, keine marktwirtschaftliche Erneuerung für dieses Land, sondern noch mehr Stillstand erzeugt.

© Vladimir Wrangel / Shutterstock
Ein Ludwig Erhard der Gegenwart fehlt

Die Lordsiegelbewahrerin der Sozialen Marktwirtschaft ist die Ludwig-Erhard-Stiftung, die der erste Wirtschaftsminister und spätere Bundeskanzler 1967 selbst in Bonn gegründet hat. Erhard verstand unter der Sozialen Marktwirtschaft eine marktwirtschaftliche Ordnung, die Wohlstand für alle schafft und daher in ihrer Wirkung sozial ist. Heute wird die Soziale Marktwirtschaft von vielen eher als Mittelding zwischen Marktwirtschaft und Sozialismus verstanden – quasi ein dritter Weg nach skandinavischem Vorbild. Doch Erhard war davon weit entfernt. Schon direkt nach dem 2. Weltkrieg war er Mitbegründer der Mont Pelerin Society, dem Zusammenschluss von liberalen Ökonomen, dem auch die späteren Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich-August von Hayek und Milton Friedman angehörten. Ludwig Erhard, der trotz mehrfacher schriftlicher Aufforderungen Konrad Adenauers nie einen Aufnahmeantrag in der CDU gestellt hatte, zeichnete in der entscheidenden Phase seines Wirkens eines aus: Mut. Einen Tag vor der Währungsreform am 20. Juni 1948 kündigte er die Abschaffung der Zwangsbewirtschaftung und der Preisbindung an und löste damit den größten Wirtschaftsboom der Nachkriegsgeschichte aus.

In diesem Geist traf sich gestern die Erhard Stiftung in Berlin, um ihren Preis für Wirtschaftspublizistik an Renate Köcher und Marc Beise zu verleihen. Über der Veranstaltung schwebte die Diskussion über die gerade gescheiterten Sondierungsverhandlungen von Union, FDP und Grünen. Diese Sondierungen, die in ihrem Umfang in Wirklichkeit Koalitionsverhandlungen waren, sind im Wesentlichen an einem gescheitert: Mut.

Es gab keine Entscheidungen von Mut, die eine marktwirtschaftliche Erneuerung in Deutschland zum Ziel hatten. Es stand nicht die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, die Stärkung des Einzelnen oder die Entbürokratisierung im Fokus, sondern die Akzeptanz, dass der Staat die gesellschaftlichen Probleme durch noch stärkere Intervention und Kontrolle in den Griff bekommen muss. Die Verbindung wäre das Gegenteil dessen gewesen, was Ludwig Erhard wollte. Dafür tragen die Grünen die entscheidende Verantwortung. Bei ihrem gesinnungsethischen Politikentwurf wird der Staat in allen Lebenslagen gebraucht, um die Welt zu retten. Nur ein kleines, aber bezeichnendes Beispiel verdeutlicht das. Es steht im Sondierungspapier unter „Green Finance“. Hier soll eine Bundesregierung EU-weit eine neue Anlagekategorie für nachhaltige Finanzprodukte etablieren. Muss sich eine Regierung um diese Frage kümmern oder lässt man die Marktteilnehmer nicht selbst entscheiden, ob sie in diese Produkte investieren wollen oder nicht? Und ist dies für eine Sondierung entscheidend, ob man anschließend in Koalitionsverhandlungen eintritt? Oder ein anderer Punkt: eine nationale Strategie sollte die Reduzierung von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten erreichen. Der zuckerfreie Sonntag wäre vielleicht unter Verbraucherminister Jürgen Trittin die Folge gewesen. Volkserziehung von ganz oben anstatt Eigenverantwortung in der Familie.

Nein, diese Regierung hätte keinen Aufbruch, keine marktwirtschaftliche Erneuerung für dieses Land, sondern noch mehr Stillstand erzeugt. Ludwig Erhard würde sich bei diesem Anblick im Grabe umdrehen und hätte dazu gesagt:

„Was sind das für Reformen, die uns Wände voll neuer Gesetze, Novellen und Durchführungsverordnungen bringen? Liberale Reformen sind es jedenfalls nicht. Es sind Reformen, die in immer ausgeklügelterer Form Bürger in neue Abhängigkeiten von staatlichen Organen bringen, wenn nicht sogar zwingen.“

Daher gilt: lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

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Kommentare ( 39 )

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Hallo! Fassen wir „man“ mal wohlwollend in einem engeren Sinne als den kleinen Unternehmer, den Handwerksunternehmer, hier den Malermeister Dimpflmoser (Name auf die Schnelle bei Preußler geklaut), der sich neben seiner Tätigkeit als Maler und Unternehmer auch noch als Verwalter, Umsetzer und Bürokrat von allerlei Gesetzen und Verordnungen herumschlagen muss.
Dimpflmoser und die anderen kleinen Unternehmer wie er verdienen mit Bürokratie aber kein Geld, sondern mit ihrem Handwerk. Und Dimpflmoser und Co. beschäftigen in Deutschland etwa 16 Mio. Arbeitnehmer.
Denken Sie bei „man“ bitte nicht immer gleich an Daimler, Benz, Beemweh, Vauweh oder MAN, sondern auch mal an Dimpflmoser, Zapfenhuber und Rübenzähler.

Moin moin, Hossa! (Ist von Sexi-Rexi Gildo). Nehmen „wir“ mal an, dass Malermeister Dimpflmoser Metzger Mosers‘ Penthouse gestrichen hat und er nach 3 Wochen über Kopfweh, Übelkeit und Sehstörungen klagt und der Arzt seinem Blutbild zufolge ihm noch max. 4 Monate gibt, weil Malermeister Dimpflmoser völlig frei schalten und walten konnte. Angesichts des nahenden Endes würde Moser sich sicher nach Verordnungen über Farben, Anstriche, maximale Schadstoffkonzentrationen, Verbraucherschutz und Produkthaftung zurücksehnen. Nicht alle Verordnungen sind sinnlos und schmälern nur den Gewinn. Wenn das Alpina-Weiß aus 3.Welt-Produktion wegen Schadstoffbelastung bei uns verboten ist, darf auch Maler Dimpflmoser nicht seine Gewinnmarge damit aufpimpen… Mehr

Der Markt regiert nicht. Die Marktakteure, Nachfrager und Anbieter, agieren am Markt.
Die „unsichtbare Hand“ war im 18. Jahrhundert eine Redewendung, etwa entsprechend unserem heutigen „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“.

Das Kleinvieh tätigt keine Großinvestitionen. Und je kleiner das Vieh ist, desto mehr konsumiert denn investiert es. Nehmen Sie dem Großvieh die unermesslichen Reichtümer und verteilen Sie sie schön gleichmässig an die Mitglieder der Gesellschaft und sie werden ein Wirtschaftswunder der anderen Art erleben.

Ohne Kaufkraft der Kunden lohnen sich auch Großinvestitionen nicht. Leider argumentiert man immer monokausal, statt zu erkennen, dass es eine gute Mischung aus mehreren Faktoren braucht.

Eigenverantwortung? Ketzerei!
Ich will weiter bequem leben, mich um nichts kümmern und meckern, dass alles teuer ist!

Es muss wieder erstrangig gefragt werden: „Was kostet das“. Nutzen muss für die Mehrheit auf längere Sicht offensichtlich sein, ohne Wunschvorstellungen.
Durch ein Tal müssen wir aber schnell gehen. Die sofortige Abschaffung des EURO wird längerfristig alles bereinigen.
Das sollte die erste Aktion deutscher Politik sein, liebe Mitglieder der Ludwig Erhard Stiftung. Seien Sie mit einem Statement dazu mal mutig, wie Ihr Gründer es auch gegen alle anderen war.

Sofortige Abschaffung des Euro? Bei Target-2-Salden in Höhe von 878 Milliarden Euro (Stand 30. September 2017)?
Was glauben Sie, womit diese Summe dann ausgeglichen wird? Den neuen werthaltigen und stabilen Südwährungen?

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/233148/umfrage/target2-salden-der-euro-laender/

Frei nach diesem Artikel :“Mut sieht anders aus“, Herr Grumpler.
Target 2 bekommen Sie nicht wieder, gerade wegen der werthaltigen Südwährungen.
Ein EURO-Ausstieg kann unsere Target 2-Guthaben wenigstens in Verhandlungen mit der EZB über unsere anderen Schulden-Töpfe in Verrechnung zurückbringen.

Moin moin, Zitat: „Was sind das für Reformen, die uns Wände voll neuer Gesetze, Novellen und Durchführungsverordnungen bringen? Liberale Reformen sind es jedenfalls nicht. Es sind Reformen, die in immer ausgeklügelterer Form Bürger in neue Abhängigkeiten von staatlichen Organen bringen, wenn nicht sogar zwingen.“ Spricht der alte Ludwig da prophetisch etwa von supranationalen Hinterzimmer-TTIP-Heilsbotschaften, oder honduranischen Sonderwitschaftszonen, in denen die Investoren ganz offen staatliche Funktionen übernehmen, und nur noch die „Leibeigenschaft“ als Abrundung des Ganzen fehlt? Was sind Mut, Aufbruch, Erneuerung und sonstige nichtssagende pathetische Floskeln für Kategorien in wirtschaftlichem Denken? Dann doch bitte Butter bei die Fische: Wie wäre… Mehr

Völlige Privatisierungen wären vielleicht mal ein Ansatz. Dann wäre man zumindest den ganzen Wust von unnützen oder schädlichen Reglementierungen und Eingriffen los.

Ein Name darf bei der Aufzählung von großen liberalen Vordenkern nicht fehlen: Ludwig von Mises! Mises hat ein geistiges Monument geschaffen, das in Grundlegung und Systematik, thematischem Umfang, Geschlossenheit und Vollständigkeit der Darstellung, begrifflicher Klarheit und Schärfe sowie Zeitlosigkeit der Geltung im Bereich der Sozialwissenschaften einzigartig ist. Mises gibt den Befürwortern und Verteidigern der freien Marktordnung ein logisches Fundament, mit dem nachgewiesen werden kann, dass staatliche Eingriffe in das Wirtschafts- und Gesellschaftsleben zweck- und sinnwidrig und zum Scheitern verurteilt sind. Die österreichische Schule ist im Grunde eine Mises Schule. Die Interventionsspirale können wir in ALLEN Bereichen staatlicher Einmischung in das… Mehr
Soziale Marktwirtschaft und Mont Pelegin Society passen aber nicht zusammen, weil MPS steht ehr für Neoliberalismus als den von Ludwig Erhard angestrebte Wohlstand für alle. Wohlstand für alle bedeutet einen ungeheuren Nachfrageschub und damit eine Steigerung der Wirtschaftskraft, genau das, was Portugal aus der Finanzkrise geführt hat. Ich bin nicht sicher, ob Portugal das Nachkriegs-Deutsche zum Vorbild genommen hat, aber sie haben es dank Ludwig Erhard geschafft. Darüber hätte Merkel und Schäuble mal nachdenken sollen, aber das war ja vor der Wiedervereinigung, zu der wir nicht gefragt wurden. Ob man den Erfolg Portugal in Italien wiederholen kann ist fragwürdig, denn… Mehr

Die beiden passen sehr wohl zusammen. Medien und Öffentlichkeit (sowie die Linke) haben den Begriff „Neoliberalismus“ in einem anderen als dem ursprünglichen Sinn übernommen und im heutigen Sprachgebrauch etabliert. Dabei ist es zweifelhaft, ob man bei dem beschriebenen Phänomen überhaupt von einem „Liberalismus“ sprechen kann, da einer seiner unabdingbaren Grundpfeiler, nämlich die Zuordbarkeit und Übernahme der Verantwortung für Handlungen und deren Konsequenzen – teilweise unter staatlicher Hilfestellung – geschliffen wurde.

Sie reiben sich an Jamaika? Schnee von gestern! Haben Sie letzte Nacht Olaf Scholz bei Lanz gehört? Scholz formulierte quasi Bedingungen für eine neue GroKo, resp. eine Duldung einer Unionsminderheitsregierung: Die Vollendung der europäischen Einigung auf Basis des Macron-Plans. Unumkehrbarkeit schaffen, das, und nichts anderes wird kommen. Zentralistische Planwirtschaft und Schuldenvergemeinschaftung, im Einklang mit der sinnentleerten CDU/CSU.

Ich hoffe auch auf ihre FDP, Herr Schäffler. Ihre Verbündeten sitzen links neben ihnen. Direkt vor der Regierungsbank, auf der die personifizierte Liquidation von Ludwig Erhard sitzt.

Herr Schäffler, da muss ich Ihnen absolut widersprechen. Diese Sondierungen sind nicht am fehlenden Mut gescheitert, diese Sondierungen sind an der sozialistsichen IDEOLOGIE gescheitert. Wer das noch nicht begriffen hat, ja dem kann man dann auch nicht mehr helfen. Wir haben schon lange keine SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT mehr! Was wir haben ist absolute Planwirtschaft. Das soll mir mal einer erklären,wie es sein kann, dass ein Arbeitnehmer, der 40 Jahre und länger gearbeitet hat, weniger Geld teilweise zur Verfügung hat, als ein Hartz 4 Empfänger mit all seinen Rabatten und Vergünstigungen. Wieso bekommt der Rentner überhaupt bis zu der Bezugsgröße von HArtz… Mehr

Genau so sehe ich das auch, gut und klar aufgeschrieben.
Gruß