Brandenburg, Spargel und Grüne – oh weh

Was sie an den Grünen am meisten stört, sagten bei Allensbach 51 Prozent „unrealistische Ziele“, 48 Prozent „Vorschriftenmacherei“ und 41 Prozent „Sie tun so, als wären sie bessere Menschen“. Keine Partei verkörpert den „Nanny State“ so sehr wie die Grünen.

© Sean Gallup/Getty Images

In der Kabarettszene hat Rainald Grebe Kultstatus. Sein Lied „Brandenburg“ wurde auf Youtube über 5 Millionen Mal angeklickt. Darin singt er: „Es gibt Länder, wo was los ist. Es gibt Länder, wo richtig was los ist. Und es gibt Brandenburg.“ In dieser Hommage an die Weite des Ostens Deutschlands kommt all das zum Ausdruck, was Brandenburg ausmacht: Natur, Einsamkeit – und Langeweile. Brandenburg ist der Kontrast zum hektischen und flippigen Berlin: „In Berlin kann man so viel erleben. In Brandenburg soll es wieder Wölfe geben“.

Man könnte meinen, Grebe übertreibt. Doch ab und zu holt die Wirklichkeit die Satire ein. So in dieser Woche: Der Spargelanbau in Brandenburg wird Thema im Landtag in Potsdam. Nicht der gute märkische Boden ist dabei Gegenstand der Debatte, auch nicht die Erfolgsbilanz der Spargelbauern – die Saison fängt ja gerade erst an. Die Grünen beschäftigen sich mit dem königlichen Gemüse und wollen etwas für Flora, Fauna und den Tourismus tun. Der Anbau von Spargel unter Folie ist ihnen ein Dorn im Auge. In einem Antrag für die kommende Landtagssitzung im April fordert die dortige Fraktion, den Spargelanbau unter Folie auf 10 Prozent der Anbaufläche zu begrenzen und unter beheizten Folien ganz zu verbieten. In den öffentlichen Kantinen darf dann nur „freilaufender“ Spargel kredenzt werden. Spätestens jetzt setzt Rainald Grebe ein: „Nimm dir Essen mit, wir fahr’n nach Brandenburg.“

Lange Zeit haben die Grünen mit solchen Forderungen Erfolg gehabt – nicht nur unter wohlgesonnenen Journalisten und Intellektuellen, sondern auch beim Wähler. Doch das scheint vorbei zu sein. Die FAZ veröffentlichte kürzlich eine Allensbach-Umfrage zum Image und Profil der Partei. Darin kommt ein enormer Imageverlust der Grünen zum Vorschein: 2010 gefielen 43 Prozent der Deutschen die Grünen, heute sind es nur noch 10 Prozent. Nur noch 13 Prozent halten die Grünen für „in“. Auf die Frage, was sie an den Grünen am meisten stört, antworten 51 Prozent „unrealistische Ziele“, 48 Prozent „Vorschriftenmacherei“ und 41 Prozent „Sie tun so, als wären sie bessere Menschen“. Keine Partei in Deutschland verkörpert den „Nanny State“ so sehr wie die Grünen.

Lebst du noch oder gehorchst du schon?
Immer nur dagegen: Vorschreiben und Verbieten
Manche meinen, das Beispiel sei ein Einzelfall, es sei aus dem Zusammenhang gerissen und nicht repräsentativ. Doch das ist nicht so. Das Autofasten, der Veggie-Day oder das Verbieten von Verbrennungsmotoren in Autos sind keine Einzelfälle, sondern folgen einer missionarischen Logik, mit der sie seit 40 Jahren versuchen, ihr Weltbild für andere verbindlich zu machen. Sie scheuen dabei nicht davor zurück, ihre fixen Ideen über das Wohl und die freien Entscheidungen des Menschen zu stellen. Dabei ignorieren sie, ob hinter den von ihnen veranlassten Eingriffen in das Eigentum, Schicksale stecken.

Wenn niemand mehr in Brandenburg wohnt, weil die Verbotskultur alle Lebensbereiche umfasst, dann ist vielleicht dem Seelenheil einiger Grünen gedient, aber nicht den Menschen, die dort leben. Die Grünen konstruieren einen Gegensatz zwischen den Interessen des Einzelnen und der Natur. Doch diesen Gegensatz gibt es in einer Marktwirtschaft nicht. Wer Eigentum hat, pflegt und hegt es und betreibt in der Regel keinen Raubbau. Der Spargelbauer in Brandenburg will auch morgen und übermorgen noch Spargel anbauen. Er will die Grundlage für seinen Lebensunterhalt nicht nur für sich und seine Mitarbeiter erhalten, sondern auch für seine Kinder.

Die staatlichen Eingriffe in das Eigentum erzeugen Verantwortungslosigkeit, weil sie die Haftung kollektivieren. Das Spargelfeld ist nur noch formal im Eigentum des Landwirts. Tatsächlich greift der Staat in die Verfügungsgewalt über das Eigentum immer mehr ein. Nicht nur das Vermögen wird über die Grundsteuer gemindert und der Ertrag über die Einkommensteuer reduziert, sondern das Ordnungsrecht zwingt den Eigentümer zu einem Verhalten, das ein politischer Akteur wie die Grünen für ihn festlegt. Nur die „Vergesellschaftung der Produktionsmittel“ ist ein noch stärkerer Eingriff in das individuelle Eigentum. Die Lehre daraus: Brandenburg ist zu schön, um es dem Nanny State der Grünen zu überlassen.

Unterstützung
oder

Kommentare

Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Alle anderen bringen wir ungekürzt. Hinweis

  • hasenfurz

    Ach, wenn die Grünen mal nur die Landschaft mit Spargelfolien verspargeln würden, statt mit Vogel- und Fledermausschreddern, die jedem Naturliebhaber die Wuuusch! Wuuuusch! Wuuuuuschch! Ruhe stören, das würde uns Nerven- und EKG-, wie EEG-mäßig weit weniger kosten.

    A propos gute Laune: bei ‚Brandenburg‘ fiel mir natürlich noch DAS ein:

    https://m.youtube.com/watch?v=tOMVAZJVNoQ

    Viel Spaß damit!

  • Seneca

    und dennoch wird im Bund laut SPON die FDP mit diesen grünen Verhaltensoriginellen wie in Rheinland Pfalz ins Bett steigen und vier weitere Jahre Status quo produzieren. Alternative FDP ? Fehlanzeige !

  • Hellweg

    Was heißt Lebensmittel wegwerfen? Die werden kompostiert und sind Dünger für weitere Lebensmittel.
    So wie in der freien Natur sich der Wald auch ständig erneuert, wie auf umgefallenen Bäumen neues Leben entsteht, ein ewiger Kreislauf.
    Man müßte dann auch gegen Holzpellet-Heizung agitieren, oder?
    Da wird doch der Wald nur angebaut um ihn später wieder zu verheizen, na so was!
    Wie sollen denn 80 Millionen ernährt werden, ohne daß man es sieht?
    Dann noch die geplanten zig Millionen Goldstückchen, die auch mit versorgt werden sollen. Sollen wir das Essen lieber einfliegen?
    Oder die Leute in die Wälder schicken zum Beeren sammeln? 😉
    Die Steinzeit ist vorbei, vorbei, vorbei!

  • AlfredE

    Spargelessen

    Der Spargel, ist ein feines Essen

    ich selbst, ich habe noch keinen gegessen

    aber, meines Vaters Bruders Sohn
    der hat, in seiner Jugend, schon mal

    neben einem gesessen, und der
    der hatte gesehen ein Spargelessen

    • Th. Radl

      GRÜNE an die Macht – und wir landen genau da!

  • F.Peter

    Es zeigt sich immer mehr, dass den Grünen mehr daran gelegen ist, die Menschen in diesem Land zum „richtigen“ Handeln zu erziehen. Was natürlich nur bedeuten kann, dass richtig nur in ihrem eigenen Sinne verstanden werden darf!
    Es wird Zeit, dass diese Geldverschwender, Ideologen ohne jeden Sachverstand, Bevormunder der Bevölkerung, Kultur- und Nationenabschaffer aus dem Bundestag fliegen! Ein schönes Ergebnis wäre es noch, wenn diese dann für die Schäden, die aufgrund ihrer Politik entstanden sind, auch haftbar gemacht werden!

  • claudia50

    Unser Garten ist Hundies Revier,
    da verzichten wir auch auf Gifte.
    Pfirsiche und Aprikosen gedeihen hier im Regenloch Wuppertal fast gar nicht, dafür ist es ein Paradies für Nacktschnecken ?.
    Es geht mir in erster Linie nicht um großartige Erträge, sondern um den Spaß an der Buddelei.

    • Th. Radl

      ;-)))
      Passt!!!

  • Heiner

    Grüne und „Bio“ – eine wahnhafte Beziehung

    So könnte man das alles auch umschreiben.

    Man sorgt sich grün-öko-religiös um die Ernährung der Welt und verbietet alles, was auch nur im Ansatz eine Ertragssteigerung verspricht.

    Man verspargelt die Landschaft mit Windrädern, die einen nicht unerheblichen Bedarf an Landwirtschaftsfläche benötigen, und will dann mit flächenintensiverer „Öko-Bauerei“ die gleichen Erträge erbringen, wie mit moderner Landwirtschaft.

    Da fehlen die simpelsten Grundlagen der Mathematik im grün-öko-religiösen Denken!

    Allen grün-öko-religiösen Eiferern sei dieser Artikel empfohlen:

    https://www.novo-argumente.com/artikel/landwirtschaft_ist_der_kampf_des_menschen_gegen_die_natur

  • Burkhard Minack

    „Natur, Einsamkeit und Langeweile“, ja, all diese von Ihnen benannten Merkmale haben uns vor einigen Jahren bewogen, aus Berlin ins Brandenburger Umland zu ziehen. Und wir haben dies nicht einen Tag bereut!
    Die Entwicklung unserer Gemeinde zeigt (die Grundschule z.B. platzt ob des Zuzugs junger Familien aus allen Nähten und wird erweitert…), weil dies ein guter Gegenentwurf zum chaotischen Leben in dieser ach so hippen Hauptstadt sein kann.
    Ideologisierende Grüne findest Du hier nicht- an der Natur Interessierte, Naturfreunde, Naturschützer dagegen sehr wohl.
    Gegen tatsächliche oder vermeintliche Langweile kann man was tun, initiiert von einem Netzwerk aus Vereinen, Unternehmen und Privatleuten.
    Und ja, aktuell freuen wir uns auch auf den Beelitzer Spargel.