Der Katastrophen-Chef folgt auf den Affärenminister

Der angeschlagene Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) entlässt seinen Innenminister Roland Wöller (CDU) wegen fragwürdiger Personalentscheidungen. Nachfolger soll ausgerechnet der umstrittene Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz Armin Schuster werden.

IMAGO / Future Image
Armin Schuster beim Katastrophenschutztag NRW unter dem Motto Blackout auf dem Bonner Münsterplatz, 02.10.2021

Affären konnten bürgerliche Parteien noch nie gut durchstehen wie Parteien aus dem linksgrünen Spektrum. Jetzt muss der sächsische Innenminister Roland Wöller (CDU) seinen Posten im schwarz-rot-grünen Kabinett in Dresden räumen. Ministerpräsident Michael Kretschmer hat den in Duisburg geborenen CDU-Politiker nach fragwürdigen Personalentscheidungen und mehreren Polizei-Skandalen entlassen.

Der scheidende Innenminister, seit 2017 im Amt, soll eine Studienfreundin seiner Frau für den Chefposten der sächsischen Polizeihochschule in Rothenburg im Landkreis Görlitz vorgesehen haben. Wöller traf daraufhin der Vorwurf der Vetternwirtschaft und selbst Polizeigewerkschaften forderten seinen Rücktritt. Er wies das zurück, da Stellen allein auf Basis von Auswahlverfahren nach Eignung, Leistung und Befähigung besetzt würden. Gerettet hat es den CDU-Minister nicht.

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Jetzt soll ausgerechnet der nach der Jahrhundertflut im Ahrtal 2021 umstrittene Chef des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) Armin Schuster am kommenden Montag seine Ernennungsurkunde zum sächsischen Innenminister erhalten.

Wen hat sich hier Regierungschef Kretschmer für sein schon länger in der Kritik stehendes Kabinett ausgesucht? 

Seit 2009 gehörte der 1961 in Andernach (Rheinland-Pfalz) geborene Armin Schuster dem Deutschen Bundestag als direkt gewählter CDU-Abgeordneter des Wahlkreises Lörrach-Müllheim an. Zuvor war der heute 60-Jährige lange Zeit in unterschiedlichen Führungsfunktionen bei der Bundespolizei tätig. Mit seiner Amtsübernahme als BBK-Chef legte Verwaltungswirt Schuster am 9. November 2020 sein Bundestagsmandat für Baden-Württemberg nieder.

Kommt hier die nächste Katastrophe für Sachsen?

Ein Katastrophenschutz-Chef soll jetzt Sachsens Innenminister werden. „Von einer Katastrophe in die nächste“, unken CDU-Kreise. Armin Schuster gilt hier nicht als großer Hoffnungsträger. Schuster gehöre zu denen, die nie Verantwortung übernehmen, berichten Insider. Allerdings soll er immerhin die Flüchtlingspolitik von CDU-Kanzlerin Angela Merkel kritisiert haben, worauf deren Veto Schusters Berufung zum Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz verhindert habe, um die Nachfolge von Merkel-Opfer Hans-Georg Maaßen anzutreten. Als Trostpreis wählte der auf diese Weise von seiner Kanzlerin blamierte, frühere Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) für Schuster den Posten des Katastrophenschutzamtschefs aus.

„Unsere Warn-Infrastruktur hat vollständig funktioniert“

Doch bei der schlimmen Jahrhundertflut im rheinland-pfälzischen Ahrtal spielte Schuster, neben der urlaubenden, eitlen und jetzt gescheiterten Landesumweltministerin Anne Spiegel von der Grünen, alles andere als eine gute Rolle. Der CDU-Mann, der nie gerne Verantwortung übernimmt, behauptete am 20. Juli 2021 im Deutschlandfunk-Interview, beim Katastrophenmanagement hätte es keine Probleme gegeben. Die Bild-Zeitung machte auf das unglaubliche Interview mit den Worten aufmerksam: „Die unfassbaren Skandal-Aussagen müssen Sie lesen.“ 

Gefragt, warum so viele Menschen am vergangenen Mittwochabend nicht rechtzeitig gewarnt wurden, antwortete Schuster allen Ernstes: „Unsere Warnungen, unsere gesamte Warn-Infrastruktur, hat vollständig funktioniert.“ 

Interview Ralph Thiele:
Flutkatastrophe Ahrtal: »Ein Staat, der so schlecht performt, riskiert seine Existenz«
Was dieser Katastrophen-Chef zu sagen hatte, überraschte nicht nur den Radio-Journalisten, sondern schockierte auch die Zuhörer, kommentierte Bild: „Es klingt wie ein Interview aus einer anderen Welt. Einer Welt, in der nicht gerade 165 Menschen in der schlimmsten Flutkatastrophe der jüngeren deutschen Geschichte ertrunken wären und über 1000 weitere immer noch vermisst würden.“

Obwohl der DLF-Journalist erstaunlicherweise nachhakte, die Warnungen müssten doch irgendwo steckengeblieben sein, sonst hätte es ja nicht so viele Tote gegeben, blieb Schuster bei seiner Behauptung, alles hätte funktioniert. Die Wettervorhersage des Deutschen Wetterdienstes sei „im Nachhinein ziemlich gut“ gewesen, aber natürlich nicht so präzise, welchen Ort es in welcher Intensität und räumlichen Ausdehnung treffe. Die Meldungen gingen an die Hochwasserzentralen und Kreisbehörden. Die hätten „auf unser Leitsystem“ zugegriffen.

Mit anderen Worten alles habe auf Behördenseite funktioniert, behauptete seinerzeit der Bundesamtschef. Heute hat sogar ein Untersuchungsausschuss „desaströse Versäumnisse“ vor allem seitens der grünen Landesumweltministerin Spiegel, aber auch von Behörden aufgelistet.

Auch die Nachfrage im DLF-Interview vom Juli 2020, er müsse doch wissen, dass in zahlreichen Orten die Sirenen eben nicht Alarm geschlagen hätten, weshalb die Menschen nicht gewarnt worden seien, ließ Schuster abblitzen.

Als lebe er gut fünf Tage in einer anderen Dimension, schrieb Bild, gebe er dennoch zum Besten: „Ich habe meinen Mitarbeitern gerade untersagt, jetzt Manöverkritik zu machen. Wir helfen jetzt und sind noch mitten in der Akut-Phase. Deswegen kann ich Ihnen nicht sagen, in welcher Gemeinde und welchem Ort ein Lautsprecherwagen gefahren ist, eine Durchsage gemacht worden oder eine Sirene anging. Das kann ich Ihnen nicht sagen.“

Thomas Haldenwang
Der Verfassungsschutz-Chef weiß schon jetzt, was sein Amt 2022 aufdecken wird
Das sagt der oberste Katastrophenschützer Armin Schuster, den der frühere Bundesinnenminister Seehofer im November 2020 zum Präsidenten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe machte. CSU-Politiker Seehofer lobte ihn bei der Amtseinführung: „Armin Schuster ist für das BBK eine hervorragende Wahl. Gerade jetzt stehen wir im Bevölkerungsschutz vor großen Herausforderungen.“

Jetzt soll ausgerechnet Katastrophen-Schuster im Kabinett des schwer angeschlagenen CDU-Ministerpräsidenten Kretschmer nach der Amtsaffäre seines Vorgängers Wöller durchstarten.

In Sachsen gibt es jedoch nicht nur eine zerstrittene CDU, sondern auch ein ungemütliches Kabinett mit SPD und Grünen. Kretschmers CDU ist zudem inzwischen in Umfragen klar hinter die größte Oppositionspartei im Landtag AfD gefallen. Die Alternative für Deutschland stieg laut einer aktuellen INSA-Umfrage auf 28 Prozent, während die CDU auf 25 Prozent sinkt. Sie ist damit nur noch ein Prozentpunkt vom absoluten Tief mit 24 Prozent bei einer INSA-Umfrage vom 13. Juni 2019 entfernt.

Die Personalie Innenminister Schuster dürfte diesen Fall im Freistaat wohl kaum stoppen. Es sei denn CDU-Politiker Schuster entdeckt wieder seinen kritischen Anti-Merkelkurs, forciert mit seinen Polizeibehörden die Überwachung der inneren und äußeren Sicherheit bei unkontrollierter und illegaler Masseneinwanderung und deren zum Teil kriminelle Folgen. Doch ist so ein klarer Sicherheitskurs für besorgte Bürger von einer CDU-Regierung mit SPD und Grünen zu erwarten?

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Kommentare ( 31 )

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Teiresias
26 Tage her

Unsere politische Klasse – einer besser als der andere.

Wir sind wahrlich gesegnet!

T. Ruebsal
26 Tage her

Kretschmer hat gar nichts zu wählen, er muss nehmen, was man ihm vorsetzt. Seit 30 Jahren bekommen wir Sachsen nur den politischen Abfall der West-CDU.

Last edited 26 Tage her by T. Ruebsal
Wilhelm Roepke
26 Tage her

Ein riesiges Geschenk an die Ampelkoalition im Bund. Ein Posten mehr für einen Parteifreund verfügbar.

Edmund
26 Tage her

Der bundesweite Warntag am 10.9.2020 wurde 1 Jahr lang vorbereitet und hatte dennoch nicht funktioniert. Schuld daran waren selbstverständlich alle anderen, nur nicht das BBK. Insofern war die Ahrtalkatastrophe hinsichtlich der nicht erfolgten Warnung absehbar.
Das BBK versinkt stattdessen in Selbstdarstellung und Eigenlob. Der YouTube-Kanal strotzt nur so davon.

Emsfranke
26 Tage her
Antworten an  Edmund

Armin Schuster wurde am 10.11.2020 zum Präsidenten des BBK ernannt. Zumindest für den erfolglosen Warntag am 10.9.2020 kann er nicht in Verantwortung gesehen werden. Wenn man in Betracht zieht, dass ein Bundesamt, welches in nahezu allen Bereichen seiner Zuständigkeit von verantwortungslosen politischen Vorgesetzten vernachlässigt wurde (es galt über Jahre u.a. das Mantra „der kalte Krieg ist vorbei, was soll da noch das regelmäßige Probeheulen von veralteten Sirenen etc.) , dann dauert eine „Renovierung“ und die Wiederherstellung mindesten 1 Jahr. Insofern, meine ich, sollte man nicht alle Übelkübel über Armin Schuster auskippen. Die Verantwortung für das Versagen der Warnketten und den… Mehr

Edmund
24 Tage her
Antworten an  Emsfranke

Die Ahrtalkatastrophe war am 14.07.2021.
Was hat Schuster bis dahin getan?
Was hat er seitdem getan, um eine Wiederholung zu verhindern?

ludwig67
26 Tage her

Nach Hans, ist Kretsche einer der nächsten Dominosteine des Merkelismus, der fallen wird. Entweder regelt das die Partei, oder später der Wähler.

Impfpflicht-Wüst ist im Mai fällig, Günther (und mit ihm die unterirdische Frau Prien) wahrscheinlich eher nicht aber Schleswig-Holstein ist zu Grün mittlerweile.

Nicht dass danach etwas besseres käme, im Gegenteil, aber die CDU muss lernen, dass die Merkel Hinterlassenschaft Stimmengift ist.

Kaltverformer
26 Tage her

Ich finde die Kommentare inzwischen insofern erschreckend, weil noch immer das Humoreske, das Duldende, oder auch das Erduldende vorherrscht.
Haben wir, die wir hier Kommentare posten (sofern sie nicht gegen die aktuelle Meinungsfreiheit verstoßen), die die Mehrheit der Bevölkerung nicht erreicht und wahrscheinlich auch nicht interessiert, unser Volk, unsere Gesellschaft, unsere Lebensweise schon aufgegeben?

Julischka
26 Tage her

Nachdem Sachsen schon eine Skandaljustizministerin hat, eine Dame der stolzen 5% Grünen, die in ihrer Jugend gern „Advent, Advent ein Bulle brennt….“ trällerte, ist ein Katastrophenminister mehr oder weniger doch auch schon wurscht! Gibt es in dieser ReGIERung überhaupt jemanden, der keinen Dreck anstecken hat???

Patrick Heinen
26 Tage her

§ 129
Bildung krimineller Vereinigungen

(1) 1Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine Vereinigung gründet oder sich an einer Vereinigung als Mitglied beteiligt, deren Zweck oder Tätigkeit auf die Begehung von Straftaten gerichtet ist, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren bedroht sind. 2Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine solche Vereinigung unterstützt oder für sie um Mitglieder oder Unterstützer wirbt.

Absatz 1 ist nicht anzuwenden,

1. wenn die Vereinigung eine politische Partei ist, die das Bundesverfassungsgericht nicht für verfassungswidrig erklärt hat,

Karl Schmidt
26 Tage her

Die Kommunikation war tadellos; nur das Wetter hat nicht mitgespielt.

Reinhard Peda
26 Tage her

Hundert Menschen gehen wählen. Was glauben diese Menschen was Sie wählen dürfen? Bei den üblichen Verdächtigen dürfen Sie nur „Parteisoldaten“ wählen. Und egal welche von denen gewählt werden, die halten alle zusammen beim Ausplündern des Bürgers! Und solange der Wähler nicht begreift das es beim wählen nicht um Personen geht sondern um die Abwahl von Parteien, werden Sie verehrter Wähler, weithin ausgeplündert und die demokratischen Grundrechte nicht zuerkannt bekommen! Darf weiterverbreitet werden. Reinhard Peda – Analyst