Das Wort für Gold ist Geld

Globale Konzerne, die schon Weltkriege überdauert haben, sind wie physisches Gold eine gute Wahl. Schuldverschreibungen in Fiatgeld dagegen eher weniger. Denken Sie mal darüber nach, ob Aktien wirklich so „riskant“ sind.

Als ich meiner Frau diesen Artikel zum Redigieren und Bereinigen der Tippfehler gab, die man als Autor einfach übersieht, meinte sie ungefähr nach der Hälfte kritisch:

„Puh, das ist aber harter Tobak. Das wird nur lesen, wer sich wirklich für das Thema interessiert.“

Nun gut, dann ist das eben so. „Wat mut dat mut“ sozusagen. Es gibt eben Themen, die kann man nicht auf Anne-Will-Niveau erklären.

Wagen wir es trotzdem.

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Der Goldpreis fällt und fällt, dabei haben doch im Sommer viele schon wieder fantastische Kursziele in die Welt gesetzt. Selbst Renzis Scheitern, kann den Goldpreis am Anfang dieser Woche nicht in Bewegung setzen.

„Manipulation!“ ruft da der klassische „Goldbug“ – böse Zungen sagen zu diesem Menschenschlag auch „Jünger des gelben Gottes“. Für diesen Typus gibt es auf alles immer nur eine Antwort: Gold.

„Recht so, Gold ist nutzlos!“ ruft auf der anderen Seite, der sich in der Regel progressiv gebende „Gold Hasser“, für den Gold nur ein nutzloses, archaisches Metall ist und der oft am liebsten auch Bargeld gleich mit abschaffen würde.

Die emotionalste Anlageklasse

Dieser Gegensatz ist typisch für Gold, denn Gold ist wahrscheinlich die emotional am stärksten aufgeladene Anlageklasse, die es überhaupt gibt.

Bei so viel Emotion ist rationales Argumentieren schwierig, weil viele den Drang haben, mit der Anlage-Frage gleich auch ihre persönliche Weltsicht zu vermischen. Gold ist Ausdruck einer Weltanschauung für viele.

Und genau da liegt das Problem. Ich will daher hier und heute versuchen, ein paar Schneisen in den emotionalen und weltanschaulichen Dschungel zu fräsen. Und dabei auch gleich die Frage zu beantworten, warum Gold derzeit so fällt und warum das (dieses Mal) gar nichts mit „Manipulation“ zu tun hat.

Und natürlich subsummiere ich unter dem Begriff „Gold“ hier auch die anderen Edelmetalle mit teilweise ähnlicher Funktion wie Silber oder Platin, der Einfachheit halber spreche ich hier aber nur über den prominentesten Vertreter dieser Klasse: Gold.

Investieren, Spekulieren oder Vermögen speichern?

Die wahrscheinlich größte Verwirrung entsteht dadurch, dass jeder über Gold redet, keiner aber sagt, unter welcher persönlichen Agenda er darüber überhaupt spricht.

Machen wir uns bitte klar, dass es prinzipiell drei Arten gibt, in denen wir mit Vermögen umgehen können, wenn wir seinen Wert erhalten oder steigern wollen.

Die vierte und fünfte Art – Konsumieren und Verschenken – erhält aber das Vermögen nicht und die lassen wir hier daher mal beiseite.

Was zum Vermögenserhalt bzw. seiner Wertsteigerung bleibt, ist:

(1) Wir können unser Vermögen in Geld „speichern“.
(2) Wir können unser Vermögen „investieren“.
(3) Wir können mit unserem Vermögen „handeln“ oder genauer gesagt „spekulieren“.

Die Unterschiede sind sehr wichtig, denn je nachdem was man eigentlich will, muss man zu unterschiedlichen Schlüssen kommen, gerade auch bei Gold.

Sprechen wir die Alternativen also mal durch.

(1) Wir können unser Vermögen in Geld „speichern“.

Genau das ist die Definition von „Geld“ und genau deswegen wurde es vor tausenden von Jahren erfunden.

Geld ist ein Wertspeicher, ein Aufbewahrungs-Gefäß für die von uns geschaffenen Werte, in dem man sein Vermögen in abstrakter und vor allem tauschbarer Form, dauerhaft speichern kann.

Weswegen Geld seine Funktion nur dann ausfüllen kann, wenn es wertstabil bleibt; zu große Inflation macht Geld wertlos und setzt seine Funktion außer Kraft.

Wer also sein Vermögen „unter dem Kopfkissen“ hortet, will weder damit handeln – also nicht auf Gewinn spekulieren – noch es investieren – also auf Erträge hoffen – sondern der will es im Speichermedium „Geld“ einfach erhalten. Das ist ein legitimer Wunsch, der gar nicht so einfach umzusetzen ist, wie es scheint.

Das ideale, langfristige Aufbewahrungs-Gefäß dafür sind nicht die Baumwolllappen oder elektronischen Bits einer wie auch immer gearteten Notenbank. Sondern es ist Gold.

Denn Gold ist Geld.

Lassen wir uns nichts Anderes weismachen, Gold ist primär Geld, zusammen mit Silber das älteste Geld der Welt. Und noch dazu das einzige Geld der Welt, das nicht von Staaten oder Notenbanken völlig kontrolliert wird.

Sicher, man kann Gold konfiszieren, verbieten und die Besitzer erschießen, aber das kann man mit jedem anderen Geld auch.

Wenn Sie aber Ihr Vermögen „sicher“ über eine lange Zeit bewahren und vielleicht an die nächste Generation übergeben wollen, ist und bleibt Gold eine gute Wahl – zumindest so lange, wie man noch nicht in Replikatoren ala Star Trek, beliebige Atome künstlich formen kann – wovon ja schon die Alchemisten des Mittelalters träumten.

Notgeld ist physisch

Und Gold ist deswegen auch ein wichtiges „Notgeld“ für den Fall des Falles, in dem alles andere nicht funktioniert und einem niemand mehr echte Ware für die „Baumwolllappen“ eintauschen will.

Auch Pixel und Bits in Cyberwährungen in Computersystemen, wird übrigens in der nächsten Systemkrise niemand mehr für echte Ware in Zahlung nehmen. Wer physisch fassbares (Bar-)Geld abschaffen will, legt die Axt an die Grundlagen der Zivilisation und verhält sich völlig geschichtsvergessen.

Ebenso geschichtsvergessen wie alle in der Gegenwart, die über die ach so progressive kulturelle Relativierung völlig vergessen haben, dass die Freiheit, auf denen Ihre Wohlstands-Manierismen überhaupt wachsen können, in Jahrhunderten hart von ihren Vorfahren erkämpft wurden.

Man nannte das „Aufklärung“ und die ist es auch heute noch Wert, dafür zu streiten und sie nicht auf dem Altar des Kulturrelativismus zu opfern. Nein, nicht alle Kulturen sind gleich wert und gleich erstrebenswert, es gibt nicht nur eine technologische, sondern auch eine kulturelle Entwicklung vom Primitiven zum Modernen. Aber das bringt uns vom Thema weg, zurück zum Geld.

Geld braucht Vertrauen

Denn Geld ohne Vertrauen ist kein Geld. Geld funktioniert nur, wenn Vertrauen in den langfristigen Werterhalt da ist. Und Vertrauen ist ein scheues Reh, das mit lösch- und hackbaren Bits grundlegend inkompatibel ist – um das zu beweisen, braucht es nur die richtige Krise, und die kommt irgendwann so sicher wie das Amen in der Kirche.

Bei Gold aber ist das Vertrauen in den Werterhalt und in die Tauschfähigkeit in mehreren tausend Jahren gewachsen. Es gibt kein Geld auf dieser Welt, das dieses Vertrauen übertreffen kann – selbst der Dollar nicht.

Also, Gold ist Geld. Und nach meiner Ansicht braucht jedes größere Vermögen einen gewissen Prozentsatz an „Notgeld“ in Form von Edelmetallen. Es ist ein zwingender Bestandteil der Risikodiversifizierung.

So … nach diesem klaren Plädoyer, denken Sie nun sicher, hier würde ein Vertreter der in Deutschland weit verbreiteten Goldindustrie schreiben. Aber nein, keine Sorge, denn nach dem Plädoyer für Gold als ultimatives Geld und als zwingender Teil der Vermögensdiversifizierung, kommen wir nun zur zweiten Möglichkeit

(2) Wir können unser Vermögen „investieren“.

Hier hört man immer wieder, jemand hätte „in Edelmetalle investiert“. Mit Verlaub, das ist völlig falsch. Ich muss das so deutlich sagen. Denn eine Investition tätigt man per Definitionem, um einen Rückfluss – einen Ertrag – zu erzielen. Wir reden dabei nicht über einen Differenzgewinn, dazu kommen wir noch in (3), das nennt man Handel oder Spekulation.

Wir reden hier darüber, dass wir unser Vermögen deshalb investieren, weil wir einen additiven, regelmäßigen Rückfluss aus dem Investment erwarten. So ein Rückfluss kann eine Dividende sein, oder ein Zins, oder eine Miete, oder eine regelmäßige Ausschüttung oder anderes.

All das sind Motivationen zu investieren. Dazu ist Gold aber völlig ungeeignet.
Denn Gold wirft nichts ab, es führt zu keinen Innovationen, es produziert nichts, es schafft keinen Wert.

Gold ist einfach totes Metall.

Es ist eben Geld und wenn Sie Euro oder Dollar nehmen und damit Gold kaufen, investieren Sie nicht und legen auch nicht an, sondern Sie tauschen nur das eine Geld in das andere, so wie Sie Euro in Dollar tauschen.

Mit Gold wählen Sie dann das langfristig stabilere Geld, das dafür im täglichen Leben aber schwieriger benutzbar ist als der Baumwolllappen für die Brieftasche.

Direkt in Edelmetalle zu „investieren“, ist also ein Widerspruch in sich, in Geld investiert man nicht. Und deshalb wird auch niemand mit größerem Vermögen und Verstand, alles in Edelmetallen deponieren. Ein gewisser Prozentsatz, von vielleicht 10% – 30% je nach Vorliebe, mag wegen der oben beschriebenen Funktion als „Notgeld“, als Vermögens-Diversifizierung Sinn machen. Aber darüber hinaus eher nicht, denn vom Barren im Schließfach kann man nicht leben und essen kann man ihn auch nicht.

Denn Gold ist keine Investition. Es ist einfach ein totes Metall ohne Funktion, außer um es sich als Schmuck umzuhängen – aber es erhält in seiner Geldfunktion langfristig Wert. Der Werterhalt ist wichtig, der Sinn einer Investition ist aber Wertsteigerung, nicht nur Erhalt.

Womit wir bei der dritten Variante sind, der „Spekulation“,

(3) Wir können mit unserem Vermögen „handeln“ oder genauer gesagt „spekulieren“.

Ja, ich weiß schon, das machen doch nur böse Zocker, man selber ist doch „seriöser Investor“. Schon klar. 😉

Dabei ist die „böse“ Spekulation ein zentraler Treiber unseres Fortschritts, wie ich hier dargestellt habe: Der Spekulant als Motor des Fortschritts.

Und vor allem sind wir in Realität fast alle Spekulanten, auch die, die sich lieber politisch korrekt „Investor“ nennen wollen, am besten noch mit dem schönen Wort „nachhaltig“ dabei, ach wie wohlgefällig. 😉

Denn im Gegensatz zum Investor, der dauerhaften Ertrag aus einer Investition ziehen will, kauft der Händler/Trader/Spekulant etwas mit dem primären Ziel, das Asset später zu einem höheren Preis wieder zu verkaufen und die Differenz als Gewinn einzustreichen.

Und „später“, kann dabei durchaus auch erst in 3 Jahren sein. Wenn das von vorne herein der Zweck des Kaufes war, ist es immer noch keine Investition, sondern eine (langfristige) Spekulation.

Und wer Gold zu diesem Zweck kauft, ist selbstverständlich auch ein Spekulant.
Übrigens ist diese Spekulation ein ganz normaler Vorgang, den praktisch alle von uns ganz instinktiv machen. Schon wer auf dem Schulhof bestimmte Karten aus Panini-Heften in der Hinterhand behielt, weil er davon ausging, dass sie selten sein werden und hohe Tauschraten garantieren, hat „spekuliert“. Wer heute bei Ebay teuer „vertickert“, was er vorher billig eingekauft hat, „handelt“ oder „spekuliert“ auch.

Den Wunsch, mit Gold einen Handelsgewinn zu erzielen, sollte man aber tunlichst nicht mit seiner Funktion als „Notgeld“ vermischen. Was aber permanent immer wieder passiert, in Medien ebenso, wie bei der Argumentation von Anlegern. Beides, Notgeld und Handelsgewinn, sind aber völlig verschiedene Dinge, die wenig bis nichts miteinander zu tun haben.

Nur der Preis zählt

Wer mit Gold handeln will, sollte daher auch das ganze Gerede um „Manipulation“, den „wahren Wert“, den „physischen Bedarf“ und so weiter gleich vergessen. Denn es gibt nur einen Preis der zählt, und das ist hier im Westen im Wesentlichen der, der für Gold an der Comex in New York aufgerufen wird.

Dass dieser Preis an der Comex von wenigen großen Marktteilnehmer stark beeinflusst werden kann und wurde und man das vielleicht „Manipulation“ nennen kann – geschenkt. Kann sein, das spielt aber für den Spekulanten keine Rolle.
Dass der physische Bedarf vielleicht für einen ganz anderen Preis sprechen würde, auch geschenkt im Handelsszenario. Denn wenn man das gekaufte Gold später mit Gewinn verkaufen will, zählt wieder nur das, was man dafür bekommt, und das orientiert sich eben in der westlichen Welt am Preis der Comex. Ja schon klar, natürlich gibt es das Londoner Fixing. Aber woran orientieren sich die Händler da wohl? Richtig, am Marktpreis.

Gold ist aus Sicht des Spekulanten also genau so viel wert, wie man beim Verkauf dafür bekommt, nicht mehr und nicht weniger. Wer mit Gold handeln will, sollte seine Zeit und Energie also nicht mit Verschwörungstheorien und Manipulationsgeschichten vergeuden. Selbst wenn es so wäre, spielte es keine Rolle, weil man es nicht ändern kann.

Denn der Sinn der Spekulation ist zu höherem Preis zu verkaufen, und nur das zählt. Und wenn heute die Notenbanken den Preis manipulieren, wie behauptet wird, warum sollten sie das dann morgen nicht auch machen?

Wer Gold dagegen im Sinne (1) als Ersatzgeld hält, den muss das alles nicht interessieren, denn der Preis von Gold im Falle des Falles wird sich dann auf der Straße bilden – ganz ohne Comex. Und dieser Preis wird wenig mit dem zu tun haben, was heute für Papiergold aufgerufen wird.

Vom Manipulationsgerede

Um übrigens zu dem Manipulationsgerede zurück zu kommen.

Es stimmt, der Goldpreis kann der Spielball relativ weniger, sehr großer Adressen sein. Der Markt ist dort einfach nicht liquide genug, dass ein einzelner Marktelefant nicht Einfluss nehmen könnte. In den Jahren der Baisse von 2013-2015 ist das immer wieder klar sichtbar geschehen, besonders gerne in der Nacht.

Ist das „Manipulation“, wenn jemand einfach seine Marktmacht zum eigenen Vorteil ausnutzt? Wenn Sie das so nennen wollen, wegen mir ja.

Und es stimmt, wenn es hart auf hart kommt und das Vertrauen in das Fiatgeld schwindet, haben Staaten und Notenbanken ein Interesse daran, den Goldpreis zu deckeln oder den Besitz zu verbieten. All das ist schon passiert und wird wieder passieren.

Aber haben Notenbanken heute ein Interesse daran, ob Gold bei 1.100 USD oder 1.300 USD notiert? Wohl kaum, das treibt derzeit keinen Notenbanker um.

Womit wir bei der Frage sind:

Warum fällt Gold nun wieder so stark?

Dafür braucht es keine Manipulation. Massive, einzelne Einschläge, die den Markt verzerren, kann ich an der Comex derzeit nicht sehen – im Gegensatz zu 2013-2015. Und eine Einflussnahme der Notenbanken ist derzeit ohne Logik und eher Phantasie. Was bleibt sind ganz logische, rationale Gründe.

Gold hat derzeit kein Eigenleben, sondern fällt mit dem steigenden Dollar und mit den steigenden Zinserwartungen.

Das ist ganz logisch und historisch schon immer so gewesen. Wenn man mit (fast) sicheren US Staatsanleihen höhere Renditen erzielen kann, sinkt die Attraktivität von zinslosem Geld und genau das ist Gold.

Und wenn ein Fiatgeld wie der Dollar steigt, wird Gold, nominal in Dollar gerechnet, relativ weniger wert. Auch das ist nicht überraschend.

Der Grund warum das passiert, ist auch klar. Der Markt spielt gerade „Risk ON“, weil er auf die Konjunkturprogramme Trumps setzt und damit eine Reflationierung verbindet. Wenn man also stark vereinfachen will, fällt Gold gerade wegen Trump.

Es ist der Realzins, nicht die Inflation!

Übrigens ist es auch zu einfach und letztlich falsch zu glauben, dass Gold mit steigender Inflation auch zwingend steigt. Man muss hier unterscheiden.

Wenn die Inflation aus dem Ruder läuft und das Fiatgeld an Vertrauen verliert, dann – in der Vertrauenskrise – wird Gold stark steigen. Aber nicht wegen der Inflation, sondern aufgrund seiner stabilisierenden Funktion als werterhaltende Ersatzwährung.

Bei einer normalen Inflation ohne Vertrauenskrise aber, gibt es keinen Automatismus nach dem Gold dann steigt. Was dann zählt ist der Realzins, also die Wertänderung des Vermögens unter Berücksichtigung der Inflation. Nur wenn der Realzins sehr niedrig oder sogar negativ ist, hat Gold aus offensichtlichen Gründen des Werterhalts starken Rückenwind.

Dass Gold gerade bei steigenden Anleihen-Renditen wieder fällt, ist also völlig logisch und in Ordnung wenn damit der Realzins steigt. Wer derzeit mit Börsenhandel Geld verdienen will, setzt auf Konjunkturprogramme und die US Konjunktur und nicht auf ein totes, zinsloses Metall.

Fazit.

Die Wahrheit abseits des Mythos ist:

Gold ist nicht die Anlage-Antwort auf alles.

Gold muss und wird nicht zwangsläufig massiv steigen.

Gold ist kein Investment, weil es nichts abwirft.

Aber Gold ist Geld. Mit Silber das älteste, stabilste Geld der Welt.

Und das einzige Geld, das Notenbanken und Staaten nicht völlig kontrollieren können.

Und das alleine gibt Gold einen sehr berechtigten Platz in der Vermögens-Diversifizierung. Einen Grund es anzubeten und alleine darauf zu setzen, gibt es damit aber noch lange nicht.

Wie ich über die übertriebene Untergangs-Angst denke, habe ich in Von Untergangspropheten und Erfolg an den Finanzmärkten schon 2013 geschrieben und es ist immer noch gültig.

Auch 1946 war übrigens die Stange Zigaretten am Ende das intelligentere „Notgeld“, weil sich Gold so schwierig teilen lässt. Bleiben wir also gedanklich flexibel und versteifen uns nicht auf nur ein vermeintliches Allheilmittel.

Aber trotzdem, physisches und persönlich zugreifbares Gold gehört nach meiner Auffassung zur Absicherung und als „Hedge“ für Krisenzeiten, in jedes größere, diversifizierte Depot.

Dann ist es aber auch gut mit der Vorsorge für Armageddon und wir sollten unsere Augen auf das richten, was wächst, gedeiht, erfindet, produziert und sich vermehrt.

Genau das nennt man übrigens *Investieren*. 😉

Übrigens, zum Abschluss noch ein abschweifender Gedanke.

Mir ist natürlich völlig klar, dass dieser – wie jeder – Artikel zu Gold auch wieder zu Kommentaren zum Geldsystem führen wird. Das ist aber ein ganz anderes Thema, das ich hier bewusst gar nicht adressiere, weil es den Rahmen so eines Artikels völlig sprengen würde.

Das Problem der mangelnden Deckung

Klar ist auf jeden Fall, dass modernes Fiatgeld letztlich nur ein ungedecktes Kreditversprechen ist, das zu 100% von Vertrauen lebt.

Klar ist aber auch, dass dieser Umstand gar nicht so dramatisch ist, wie oft dargestellt und kein wirkliches Problem für alle darstellt, die Fiatgeld wie den Euro oder den Dollar, nur kurzfristig als Durchlauf-Container benutzen und nicht zur langfristigen Wertspeicherung ihrer Lebensleistung.

Das Problem der mangelnden Deckung aller Papierwährungen, haben vor allem die, die ihr Vermögen primär in geldnahen Schuldverschreibungen anlegen, wie Festgeld, Lebensversicherungen, Staatsanleihen oder ähnlichem.

Ein Treppenwitz ist in diesem Zusammenhang, dass diese Schuldverschreibungen oft besonders beliebt bei denen sind, die auf „Sicherheit“ Wert legen.

Riskante Aktien oder sichere Aktien?

Dabei gäbe es eine einfache Methode, ertragsorientiert zu investieren *und* sein Vermögen trotzdem von einzelnen Fiat-Währungen unabhängig zu machen. Und das ist die Investition in große, weltweit agierende, Cashflow generierende, schuldenarme Konzerne, die Dinge herstellen, die man immer braucht. Die Johnson & Johnsons und Nestles der Welt also.

Denen ist fast egal, welche Währung als nächstes in die Währungsreform geht. Und Windeln braucht man immer, ob man die dann mit Dollar, Euro, Zigaretten, Goldstaub oder einer Neuwährung bezahlt, kann der Anleger getrost der Zukunft überlassen.
Genau solche Investments werden aber witzigerweise als „unsicher“ empfunden, die Lebensversicherung aber als „sicher“. Ich sehe das genau anders herum und fahre seit Jahrzehnten gut damit.

In der nächsten großen, unvermeidbaren Finanzkrise, wird durch den „Margin-Call“ sowieso zuerst alles massiv im nominellen Wert fallen, auch 2008 war das so. Gold ebenso, wie Aktien großer Konzerne oder Immobilien. Und Kunst und Oldtimer erst recht. Und Währungen werden ganz verschwinden und mit einem *Reset* neu aufgesetzt.

Sich über diesen temporären Wertverlust in der Krise Sorgen zu machen, hat keinen Sinn, denn er ist sowieso unvermeidbar und es wird auch keinen wirklichen Ort zum Verstecken davor geben.

Die entscheidende Frage ist eine ganz andere. Nämlich was danach – in welcher neuen Währung auch immer ausgedrückt – seinen alten Wert wiedererlangen wird.

Und weltweite Konzerne wie oben, die schon Weltkriege überdauert haben, sind da wie physisches Gold eine gute Wahl. Schuldverschreibungen in Fiatgeld dagegen eher weniger.

Denken Sie mal darüber nach, ob Aktien wirklich so „riskant“ sind. 😀

Ihr Hari

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Kommentare ( 11 )

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