Und sie bewegen sich doch – die Machthaber, wenn das Volk genug protestiert

Die Demonstrationen im Iran und China und die Reaktionen der Machthaber belegen, dass Demonstrationen für die Freiheit wirken. Und sie beschämen gleichzeitig die Mächtigen in Deutschland und Europa, die sich nicht an der Freiheitsliebe der Demonstranten, sondern an den Vorstellungen der Machthaber orientieren.

IMAGO / NurPhoto
Frauen ohne Kopftuch im großen Basar von Tehran, 03.12.2022

Die Nachrichten kommen nicht nur fast gleichzeitig, sondern tragen auch dieselben Botschaften in die Weltöffentlichkeit. Iran und China, zwei autoritäre, freiheitsfeindliche Regime, die sich selbst als große Gegenentwürfe zur offenen Gesellschaft des Westens verstehen, haben gleichzeitig auf jeweils zentralen Politikfeldern der Unterdrückung nachgegeben.

Chinas Regime vollzieht – in nur leichter Verschleierung – eine Lockerung seiner völlig überzogenen Null-Covid-Radikal-Maßnahmen. Und die Mullahs im Iran wollen die „Sittenpolizei“ abschaffen. Beide Institutionen sind Sinnbilder und Spitzen der gesteigerten Irrationalität und des Totalitarismus (also des Anspruchs auf den „ganzen“ Menschen) dieser Regime. In beiden offenbaren sich autoritäre Ansprüche von Gewaltherrschaften, die längst den Bezug zu den Wünschen der Menschen verloren haben, für deren Sitten- und Seelenheil beziehungsweise Gesundheitsschutz sie zu stehen beanspruchen: Polizisten durch die Straßen patrouillieren zu lassen, die Frauen das Kopftuch zurechtrücken und sie bei Zuwiderhandeln totprügeln; ganze Stadtteile mit Barrikaden abzuriegeln und Menschen dadurch dem Feuertod zu überlassen, weil die Regierenden sich nicht trauen, die Irrationalität ihres Versprechens einzuräumen, ein Virus auszurotten.

Videos aus Wuhan, Peking, Schanghai
Landesweite Proteste in China gegen Corona-Maßnahmen und Xi Jinping
Beide Regimes, die aus Revolutionen gegen vorherige Unterdrückungsregime hervorgingen (die im Nachhinein betrachtet sehr viel milder erscheinen als die vermeintlichen Befreier) haben die Geduld und Leidensfähigkeit ihrer Völker, die sie wie Untertanen behandeln, überstrapaziert.

Die Völker sind auf die Straßen gegangen, im Iran wochenlang, in China genügten wenige Tage. In beiden Fällen wurde aus akutem Zorn über eine konkrete, ganz besonders empörende Tat beziehungsweise Unterlassung des Regimes schließlich der generelle Ruf nach dessen Ende.

Beide Regime zeigen durch ihr Nachgeben – auch wenn es Finten sein sollten –, dass sie die Botschaft ihrer Völker durchaus vernommen haben und verunsichert sind. Kaum eine Gewaltherrschaft kann auf Dauer komplett gegen die Bedürfnisse des eigenen Volkes regieren.

Die Nachrichten aus dem Iran und China sind im Rückblick auf dieses dramatische Jahr 2022 immerhin ein Hoffnungsschimmer für die Menschen in den beiden Ländern und für alle Freunde der Freiheit weltweit. Vielleicht können sie auch ein Mut machender Lichtblick sein: Für die Freiheit zu demonstrieren und sein Recht darauf gegen Machthaber einzufordern, ist nicht vergeblich – zumindest wenn genug Freiheitsfreunde zusammenkommen und wenn sie auch gegen Gewaltmaßnahmen Mut zeigen, zusammenhalten und hartnäckig sind.

nichts mit Kultur oder Religion zu tun?
Demonstrationen in China, Iran – und in Europa: ein Ausblick auf die Zukunft
Für die freiheitsverwöhnten (oder gar übersättigten) Menschen in Westeuropa und insbesondere in Deutschland sind beide Demonstrationsbewegungen eine Mahnung. Die beiden Auslöser der Proteste in Iran und in China sind schließlich auch hierzulande präsent, auch wenn sie glücklicherweise nicht unmittelbaren Herrschaftsdruck ausüben.

Chinas völlig irrationalisierte, bizarre Corona-Politik und der Protest dagegen offenbaren hoffentlich unseren heimischen Null-Covid-Politikern und ihrem sozial-medialen Vorfeld den Wahn, dem sie sich selbst ausgeliefert. Das Vorhaben, eine Virus-Erkrankung durch politische Isolationsmaßnahmen auszumerzen, wie es auch hiesige Eiferer betrieben, ist größenwahnsinnig mit Neigung zum Totalitären. Die Peinlichkeit, die die chinesischen Freiheitsdemonstranten ihnen bereiteten, war vielen Medienberichten über die chinesischen Proteste anzumerken.

Noch peinlicher muss jenen westlichen Apologeten des Kopftuchs und anderer Symbole des politischen Islams (etwa des  Muezzinrufes) der Anblick all der mutigen Iranerinnen sein, die das Tuch öffentlich herunterrissen und verbrannten. Nun tragen immer mehr Frauen in Teheran und anderen Städten ihr Haar offen zur Schau, nicht nur bei Demonstrationen, sondern auch im öffentlichen Alltag, wie viele Bilder der letzten Tage belegen. Die kopftuchfreien Iranerinnen müssen Pseudo-Feministinnen wie Claudia Roth beschämen, die einst freiwillig mit Kopftuch im Iran auftrat.

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Kommentare ( 30 )

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egal1966
1 Monat her

Lieber Herr Knauss, insbesondere in Bezug auf den Iran wäre ich mir gar nicht so sicher, ob diese „Proteste“ nicht (wieder einmal) von Außen angefeuert, finanziert und gesteuert werden. Man hat es schon dutzende mal in anderen Ländern gesehen, wie insbesondere die USA und der Westen solche „Proteste“ von Außen gezielt anzetteln, mit Geldern und Waffen unterstützen, um dort ein „Regimechange“ zu erzwingen. Mit „Demokratie“, “ Menschenrechte“ und „Freiheit“, welches man sich auf die Fahnen schreibt, obwohl es damit in Westen auch nicht viel besser steht, hat dieses wenig zu tun, wenn man nur mal etwas “ geopolitisch“ denkt. Da… Mehr

Transformation
1 Monat her

Ich glaube das nicht. Es ist nur „Schein“. Man will seitens China keine ausländische Hetzpresse haben, denn diese Länder sind Geschäftspartner. Wie es tatsächlich vor Ort gehandhabt wird, wird der ausländischen Presse nicht gezeigt. Man wird dafür sorgen, dass gerade die Menschen, die auf den Pressefotos erscheinen, die Konsequenzen zu spüren bekommen. In China ist jeder, der sich in der Öffentlichkeit bewegt, durch KI/AI identifiziert, da alles mit Kameras überwacht wird, sowie Drohnen. Man weiß also genau, wer sich am Protest beteiligt hat, der total überwachte und mit Punktesystem versehene, gläserne Bürger ist dort lange Realität. Im Iran ist es… Mehr

Last edited 1 Monat her by Transformation
Hannibal Murkle
1 Monat her
Antworten an  Transformation

Dennoch gibt es in China öfter Proteste als im Zombie-Westdeutschland – die jährliche Anzahl der Streiks ist laut Medien buchstäblich sechsstellig. So viel Angst scheinen die Chinesen doch nicht zu haben – in Schland brauchen die Michels keine KI, eigener Schatten reicht.

Haeretiker
1 Monat her

Ich glaube nicht dass die Proteste in China und Iran irgendeine nennenswerten Auswirkungen haben werden, weil

  1. Die Machthaber in China und in Teheran sind üble Totalitaristen aber nicht blöd. Sie verfügen über genügend Intelligenz, um zu ahnen wann ihre Macht gefärdet ist.
  2. Proteste im Westen bewirken nicht viel, weil die Totalitaristen nicht wirklich die souveräne Macht besitzen. Diese ist in Bündnistreue versenkt.
  3. Der Großteil der Bevölkerung im Westen glaubt, dass 2. ein Naturgesetz sei.
Hannibal Murkle
1 Monat her
Antworten an  Haeretiker

Die NachDenkSeiten zitierten die größte englischsprachige Zeitung Hongkongs, die erinnerte, dass Zero COVID China 3% BIP kostet – vorsichtig formuliert, sachlich, aber auch deutlich. Ich glaube schon, dass Xi & Co die Argumente verstanden haben – die nehmen ernster als Grün:innen alles, was das BIP tangiert.

chino15
1 Monat her

Ihr Lob für die Demonstranten in China & Iran in allen Ehren, aber wenn man die Fakten betrachtet, war/ist in Deutschland und Europa ein deutlich größerer Bevölkerungsanteil auf den Straßen: zuerst die Gelbwesten in Frankreich, dann die Landwirte in NL (hin und wieder auch hier), die Millionen „Corona-Leugner“ europaweit und aktuell zumindest 100.000e für Frieden, Energiesicherheit und Preisstabilität in vielen europäischen Städten unterschiedlicher Staaten. Vermutlich haben wir es nur den hiesigen „Corona-Leugnern“, die von Anfang an auf die Straße gingen bzw. unter dem Risiko wirtschaftlicher und sozialer Ächtung ihre Meinung äußerten (Bhakdi, Hockertz, Wodarg, G. Frank u.a.) zu verdanken, dass… Mehr

Alexis de Tocqueville
1 Monat her
Antworten an  chino15

Das Risiko ist auch ein anderes. In Deutschland wurde man von der Polizei verprügelt, im Iran hingerichtet.
Zudem: In China und im Iran ist die Zensur noch um einiges härter, da gibt es kein TE, achgut oder sonst alternative Medien, wo man sich abseits der offiziellen Propagandaorgane informieren kann.
Wenn in China 1000 Leute protestieren, bedeutet das weit mehr, als wenn hier 1000 Leute protestieren, obwohl es wesentlich kleinerer Prozentsatz ist.

P. Pauquet
1 Monat her

Ein Beitrag mit viel Wunschdenken und „hätte“, „könnte“. Kurzfristig wird eine Schraubendrehung nachgegeben, um dann 2,3,4 Drehungen päter wieder fester zu ziehen. So war es in der Geschichte häufig. Und heute sind die Möglichkeiten ganz Andere. Und zu Westeuropa im Besonderen Deutschland, die dortigen Vorkommnisse müssten uns eine Warnung sein? … Ja müssten! Sind sieaber nicht. Der Knall ist hier nicht wirklich angekommen, allenfalls in dummem Geschwafel von Medien und Politikern. Nach ein paar Wochen ist Allles raus aus dem Wahrnehmungshorizont. Business as usual! Und die anderen „Knallereignisse“ hier im Lande werden seit Jahren nicht wahrgenommen. Dauerkoma,egal oder zu anstrengend.… Mehr

Ho.mann
1 Monat her

Eine Regierung, die der Bevölkerung Gefangenschaft als „Freiheit“ verkaufen will, ist demokratiefeindlich und somit Gegner der eigenen Bevölkerung. In der Demokratie sollte normalerweise das Diktat der Mehrheit gelten, in unserer „Scheindemokratie“ herrscht aber mittlerweile das Diktat einer Minderheit. „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ – Mahatma Gandhi

Biskaborn
1 Monat her

In Deutschland noch auf lange Zeit undenkbar. Selbst der frierende Deutsche würde nicht auf die Straße gehen, schon aus Angst irgendetwas zu verlieren und nicht zu wissen was kommt. Dazu, diesen Politikern ist wirklich nichts aber auch gar nichts peinlich!

chino15
1 Monat her
Antworten an  Biskaborn

Falsch: in Deutschland protestiert allwöchentlich ein deutlich größerer Bevölkerungsanteil als in China oder Iran: erst gegen die Corona-Schikanen, jetzt (nicht mehr ganz so viele) gegen Inflation und Krieg. Auch hier fordern die Demonstranten regelmäßig einen Regime-Wechsel. Das mediale Echo ist zwar ein ganz anderes, das Ergebnis dasselbe: die Machthaber bleiben, es gibt allenfalls ein paar Beruhigungspillen.

littlepaullittle
1 Monat her

Wirken die Demonstrationen ? Mal sehen, welche Pfeile noch in den Koechern der Herrschenden steckt. Der Unterschied zwischen autokratischen und demokratischen Regierungen ist inzwischen hauchduenn oder nicht existent: „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“ Hat Jean-Claude Junker gesagt. Also Putin, Raissi, Jinping versus vdLeyen, Sunak, Biden versus Maduro, Diaz- Canel versus Jong-Un versus … versus ….… Mehr

Markus Termin
1 Monat her

Lieber würde ich es sehen, wenn die chinesisch inspirierten Machthaber in Deutschland sich bewegen würden. Seit ein Richter aus Weimar fertig gemacht wurde (und wird!) für sein Urteil, muss man davon ausgehen, dass viele Richter sich nicht mehr trauen, an der Sache orientierte Urteile zu sprechen. Mit Michael Ballweg sitzt immer noch der meines Erachtens wahre Führer der Opposition mit einer – wie ich es sehe – geradezu bizarren Begründung im Gefängnis. Das ist wie in China. Dadurch wird der Lauf des Geschehens entscheidend geändert und man nimmt es hin. Die Bundeswehrsoldaten müssen sich mit einem nutzlosen, gefährlichen Gen-Präparat quälen… Mehr

Fritz Goergen
1 Monat her

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