Was ein Virus schafft

Das Virus ist endlich einmal keine Frage der Moral. In der Angst vor dem Virus sind wir vereint. Niemand widerspricht ihr. Endlich pausiert der Fortschritt. Nur noch die Panikmache hat Konjunktur - und die Dosensuppenindustrie.

Es muss nur ein Virus kommen und schon zerfallen Gewissheiten und Gepflogenheiten. Hysterie wird als Volkssport endlich akzeptiert. Sind wir noch gesund?

I.

Wir schaffen das – nicht mal eine Merkel im Popularitätsrausch würde ihr Mantra dem Virus entgegen schleudern. Sie würde selbst nicht daran glauben, und niemand ihr. Wo bleibt da die Willkommenskultur? So schlimm wird es schon nicht werden. Gehören Viren nicht von jeher zu Deutschland?

II.

Grenzen dicht! Israel schottet sich ab. Wenn es nur gelänge. Italien und andere Länder schließen Schulen, Theater, Fußballstadien. Als ob das hülfe. Paradoxe Welt: Ein Handschlag, ein Wangenkuss, eine Umarmung werden als Bedrohung wahrgenommen. Abstand zwei Armlängen – zu jedermann. Wer sein Gesicht noch zeigt, ist fahrlässig. Widerstandslos lassen wir uns alles nehmen, was uns ausmacht. Soll die Zivilisation Selbstmord begehen aus Angst vor dem Sterben?

III.

Außer es wird wirklich ernst. Am Montag fiel im schönen Basel auf Anordnung der Regierung sogar der Morgenstraich aus, der höchste Feiertag dieser stolzen Stadt. Das war in hundert Jahren keinmal geschehen. Morgens um vier war das Zentrum dennoch von Tausenden belebt. Als gesetzestreue Bürger verzichteten sie lediglich auf Masken, Pfeifen und Trommeln, zogen aber wie immer, nur eben diesmal leise singend durch die nächtlichen Gassen. Man konnte ihnen die Fastnacht verbieten, aber nicht das Zusammensein. Die Seuche brach nicht aus. Gegen das Virus half die Obstruktion natürlich auch nicht, aber gegen die Ohnmacht. Die Bürger fanden zu einer anrührenden Form des Widerstands gegen eine Obrigkeit, die aus Angst noch mehr schlottert als das Volk. Eine schaurig schöne Nacht: Wir lassen uns nicht erniedrigen, schon gar nicht von einem Virus – das war die Botschaft dieser wackeren Alemannen. Wir lassen uns nicht das Menschsein verbieten.

IV.

Zyniker könnten behaupten, dass die Dinge sich gerade prächtig entwickeln. Dank des Virus! Erledigt das Virus doch manches, wogegen die Politik machtlos ist. Niemand bekämpft die Globalisierung so nachhaltig wie das Virus. Die Lieferketten zerbrechen. China beherrscht nicht mehr den Weltmarkt. Womöglich erledigt das Virus sogar die Weltwirtschaft und damit Trumps Wahlchancen! Nichts ist mehr auszuschließen. Endlich nimmt man Grenzen wieder ernst. Das genießt der rechte Spießer. Endlich gehen den Flugzeugen die Passagiere aus, freut sich der radikale Grüne. Und der aufrechte Linke kann von so einer Revolution nur träumen – es müsste nicht mal jeder hundertste Reiche erschossen werden. Erledigt alles das Virus. Es schafft sogar den Westen ab. Dagegen gibt es auch kein Mittel, denn die Apotheke der Welt liefert nicht mehr.

V.

Kann man nicht sogar sagen: Das Virus entspaltet die Gesellschaft? Endlich müssen wir über den Erhalt unseres Wohlstands nicht mehr streiten, das Virus beantwortet alle Illusionen. Und endlich keinen Diskurs mehr führen über Luxusprobleme wie Migration, Grundrente oder marode Schulen. Sie sind sowieso dicht. Das Virus ist endlich einmal keine Frage der Moral. In der Angst vor dem Virus sind wir vereint. Niemand widerspricht ihr. Endlich pausiert der Fortschritt. Nur noch die Panikmache hat Konjunktur – und die Dosensuppenindustrie.

VI.

War da noch was? Ach ja, das Klima. Jetzt hoffen alle auf ein staubtrockenes, heißes Frühjahr. Es wäre das Einzige, heißt es, das das Virus noch stoppen könnte.

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Kommentare ( 118 )

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118 Kommentare auf "Was ein Virus schafft"

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„Endlich nimmt man Grenzen wieder ernst. Das genießt der rechte Spießer. “

Vielen Dank, Herr Herles. Vielen, herzlichen Dank!

Interessant, wie Sie so über TE-Leser und -Unterstützer denken!
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8.3./17:53

“Endlich nimmt man Grenzen wieder ernst. Das genießt der rechte Spießer.“
Ich bin ein Fan von Ihnen, Herr Herles, aber diese Bemerkung ist voll daneben.

Herr Herles, es liegt mir fern, Ihr Wohlbefinden ankratzen zu wollen. Aber haben Sie sich schon mal gefragt, warum die Türkei keine einzige Corona-Infektion meldet? Syrien ausgenommen (die haben andere Sorgen) ist bei allen Nachbarn und den Herkunftsländern der von Erdogan losgetretenen Migrantenbewegung das Virus bereits aufgetreten.
Nach Berichten soll eine Vorhut von 1000 Männern bereits die griechische Grenze überwunden haben und in Nordmazedonien gesichtet worden sein.
Was ist, wenn unter denen ein paar „Coronas“ mitmarschieren oder sich im steten Nachschub für die Lager auf den grichischen Inseln befinden?
Und Habeck will Kranke von dort nach Deutschland holen.

Herles fällt auf, meist unangenehm. Aber er macht es kultiviert — „als ob das hülfe“ wo sonst finden sich heute noch starke Verbformen — und deshalb schätze ich seine Kommentare. Allerdings stelle ich in meinem Umfeld weder Hysterie noch Panik fest. Die meisten tippen sich an die Stirn oder machen vergleichbare Handbewegungen. Mir scheint sich der ganze Wirbel auf das polit-mediale Milieu zu beschränken. Hamster, sic!, die im Rad rennen und dabei anderen Hamstern atemlos (durch Tag und Nacht) zurufen langsamer wahlweise noch schneller zu rennen.

Veranstaltungsabsagen für Promis und Politclowns wie zB. das Politikerderbelcken am Nockherberg in München oder die vom VDK geplante Großdemo am 28.03. „„Soziales Klima retten!“ Volle Züge und Fußballstadien fürs Fußvolk.
Weiterhin Demos der NGO Seebrücke für Aufnahme von Migranten, am 11.03. planen die fff-Kinder mit ihren Führerinnen Greta und Luisa den Klimastreiktag mit Großdemo.

Sie haben noch etwas vergessen.
Der Virus wurde von Gott gesandt (wie die große Sintflut), weil wir alle so schlecht sind. Also kommt hübsch alle wieder in die Kirche und betet.
Und wenn der Sommer endlich da ist, treiben wir n´ne neue Kuh durchs Dorf.

Seit ich Kritik übe an der Flüchtlingspolitik bin ich ohnehin schon ein „Nazi“, gemäß Herrn Herles´Ausführungen jetzt auch noch „rechter Spießer“, weil ich für die Einhaltung von Grenzen bin – da freu ich mich doch über nachfolgenden Artikel: https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/tichys-einblick-04-2020-der-rufmord-wie-die-buergerliche-mitte-an-den-rechten-rand-gedraengt-wird/.

Wer Covid-19 verharmlost, ist einfach nur dumm. Grenzen sind auch nicht nur etwas für „rechte Spießer“. Covid-19 hat das Potential, einen Massenanfall an beatmungspflichtigen Patienten zu erzeugen, zugleich die Ärzte/Pfleger mit einzubeziehen. Es ist dieser Doppelangriff, den das Virus in Wuhan vollbracht hat. China war gezwungen, Wuhan abzuriegeln; es gab keine andere Option mehr. Herr Herles versteht von diesen Dingen nichts. Da lässt sich so ein Artikel leicht schreiben.

Coronaviren sind nicht gleichzusetzen mit Covid-19! Covid-19 mag zur Gruppe der Coronaviren gehören, hat jedoch einige Eigenschaften, die es sehr unangenehm machen: – Lange Inkubationszeit – Je nach Mensch auffällige oder unauffällige Symptome – Sehr infektiös von Anfang an – eine zehn mal so hohe statistische Todesrate wie Influenza (2% statt 0,2% – bisher!) Daneben besteht noch eine weitere Gefahr, die wesentlich unterschätzt wird: Je mehr Ansteckungen es gibt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Mutation. Und je nach Mutation kann aus einem Virus, das eben mal 2% der Infizierten tötet, ein Virus werden, das 20-40% der Infizierten tötet! Oder… Mehr
Das wird ein Spass, wenn das Volk dereinst die ganzen gehorteten Dosensuppen aufisst … die Vitaminindustrie wird boomen. So kommt jeder zu seinem Recht. Und wir dürfen endlich wieder Angst haben. Schon hatten wir begonnen, uns an die beschworene Klimaapokalypse zu gewöhnen, Greta rang uns nur noch ein Seufzen ab – die schon wieder -, Herrn Habecks Bart wird auch langsam grau … Langeweile ergriff uns. Wer alles akzeptiert, was ihm vorgesetzt wird, braucht sich nicht mehr zu fürchten. Und da kommt endlich das Virus und wir dürfen wieder Panik schieben. Tonnen von Mehl einlagern – kann irgendjemand noch etwas… Mehr

Jedenfalls wissen wir jetzt, woran sich depperte Spießer und Propagandaopfer klammern, wenn sie Angst haben: an Nudeln und Klopapier.