Das doppelte Chaos und drei Szenarien

Die zynischen Verzichtspredigten der Politik lösen kein Problem, etwa durch Revision oder wenigstens Aufschub der verfehlten „Energiewende“. Stattdessen verschuldet sie den Staat ins Bodenlose und erwartet Gehorsam der systematisch in die Zahlungsunfähigkeit getriebenen Bürger. Und dann?

Ein Mangel an Vertrauen und Gas, die generelle Inflation und die unbezahlbare Energie ballen sich zur Megakrise. Außer zynischen Verzichtspredigten hat die Politik kaum Sinnvolles zu bieten. Sie löst kein Problem, etwa durch Revision oder wenigstens Aufschub der verfehlten „Energiewende“. Stattdessen verschuldet sie den Staat ins Bodenlose und erwartet Gehorsam der systematisch in die Zahlungsunfähigkeit getriebenen Bürger. Und dann? Hier sind drei (von vielen denkbaren) Szenarien. Üblicherweise unterscheidet man zwischen Best-Case- und Worst-Case-Szenario. In der gegenwärtigen Situation weiß man nicht mehr, was best sein könnte. Alles ist worst, noch nicht einmal best of worst. Das liegt am doppelten Irrsinn der Situation.

I.

Der doppelte Irrsinn: erstens die „Energiewende“. Die Koppelung der Strom- an die Gaspreise führt unweigerlich dazu, dass auch die Elektrizität unerschwinglich wird, abgesehen davon, dass auch sie knapp ist, wenn wie gewünscht, alles mit Strom betrieben werden soll, das Heizen wie der Individualverkehr. Strom soll das Gas ersetzen und dazu noch das Klima retten, darf aber nicht aus Kernkraftwerken kommen. Die grünen Fundamentalisten haben es längst kapiert. Auf den gegenwärtigen Zustand haben sie hingearbeitet, nur nicht mit Putin gerechnet. Zweitens sperren sich in der grünen Ampel-Koalition nicht nur Weltinnenpolitikerin Baerbock und Wirtschaftslenkungsminister Habeck und andere Traumtänzer noch immer gegen das Notwendige. Es fehlt ihnen an Erfahrung, Wissen, Kompetenz, Pragmatismus, den richtigen Beratern und vielem anderen. Und einen Kanzler, der endlich von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch macht, haben wir auch noch nicht gesehen. Diese Regierung lenkt mit kafkaeskem Regelungsbürokratismus und dem Ausschütten von Milliarden, die sie nicht hat, von der eigenen Handlungsunfähigkeit ab. Die Wirtschaft bricht trotzdem massiv ein. Zur Inflation kommt Arbeitslosigkeit. Der Staat ist nun so überschuldet, dass die Fehler nicht mehr mit Geld gemildert werden können. Also was nun?

II.

Szenario 1: Mit dem Lebensstandard fällt die Zustimmung zu Parteien und Politikern dramatisch. Selbst bei den Grünen splittert der Lack. Doch gerade deshalb hält die Ampel – aus Angst vor Neuwahlen. Die Regierenden setzen auf Zeitgewinn, glauben, im Frühjahr, wenn es wieder wärmer wird, sei die Krise beherrschbar, das Volk bis dahin hinreichend abgestumpft. Friedhofsruhe statt Aufruhr. Vielleicht lenkt ja auch das Virus noch einmal ab und die Leute verkriechen sich hinter ihren Masken.

III.

Szenario 2: Wider Erwarten lassen sich die Bürger doch nicht länger ruhig stellen. Streiks und Unruhen im ganzen Land. Die Ampel platzt. Aus Angst vor den Wählern stürzen die Grünen Olaf Scholz und heben CDU-Chef Friedrich Merz mittels Konstruktivem Misstrauensvotum auf den Kanzlerstuhl. Die Union hat den grünen Ideologen in der neuen Koalition noch weniger entgegenzusetzen als SPD und FDP in der Ampel. Am Niedergang des Landes ändert sich nichts. Die nächste Wahl – 2025 – droht für die schwarz-grüne Koalition zum Desaster zu werden. Die soziale Frage überlagert nun die Klimahysterie. Der sozialnationalistische Flügel beherrscht jetzt die AfD und macht der Union ernsthaft zu schaffen. Die SPD erinnert sich ihrer Wurzeln. Sahra Wagenknecht, inzwischen mit einem Teil der Linken in die SPD eingetreten, wird Parteivorsitzende und Kanzlerkandidatin. Jahre der Instabilität stehen bevor. Am Ende droht das Bündnis SPD-AfD.

IV.

Szenario 3: Der Kanzler verstummt vollends. Er muss nicht einmal zurücktreten, er ist nur unsichtbar. Vizekanzler Habeck mimt Kanzler. Die Mehrheit hängt an seinen Lippen. Wenigstens einer, der Verantwortung übernimmt oder so tut. Die Mehrheit glaubt nach wie vor an das Gute und Wahre und an den historischen Auftrag des deutschen Volks. Wenn es schon nicht sich selber rettet, dann wenigstens den Rest der Welt. Habeck kann erklären, worauf es nun alternativlos ankommt. Ein neues Gesellschaftsmodell muss her. Die Deutschen fahren die Wirtschaft herunter, arbeiten dafür nur noch an drei Tagen die Woche, wenn sie es trotz Grundeinkommen wollen sollten. Eine gewaltige Fluchtwelle ist zu beobachten, ins benachbarte Ausland, aber auch aufs Land, wo Städter versuchen, als Selbstversorger zu überleben. Aus der Mitte der „Zivilgesellschaft” heraus bildet sich eine „nationale Bewegung“ verschiedener NGOs einschließlich der Kirchen, mit dem Ziel, den abgewirtschafteten Parteienstaat mittels einer neuen Antiparteienpartei zu überwinden. Der nächste Irrtum. Das Parlament löst sich selbst auf. Habeck wird die Galionsfigur des neuen Einparteienregimes. Nur so funktionieren in Deutschland Revolutionen.

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Kommentare ( 106 )

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106 Comments
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Muensteraner
1 Monat her

Hm, ich sehe keine der hier aufgeführten Szenarien als denkbar an. Aber der Artikel regt zum weiterdenken an. Ich frage mich sowieso in letzter Zeit immer öfter, was ist nun mit dem hoch gepriesenen Elektroauto? Kauft bzw bestellt jemand sich noch so etwas bei den hohen Strompreisen? Lohnt das noch für den Elektroautofahrer? Für die in Deutschland auf Elektroautos umgestellten Autoproduktionen? Oder droht auch hier der Anfang vom Ende durch Stillstand der Produktion wegen zu geringer Nachfrage? Und löst das vlt die nächste Arbeitslosenwelle aus? „Nein, nein, nein und nochmals nein!“ Las ich von einer grünen Abgeordneten bzgl des Weiterbetriebs… Mehr

Kanahlen
1 Monat her

Szenario III, erinnert an Jan van Leiden und dessen Täufereich in Münster. Psrallelen sind nicht zu leugnen.

Soviel ist heute bekannt, es ging nicht gut aus.

Da kommt kein prima Klima.

Manfred_Hbg
1 Monat her

Zitat: „Die Koppelung der Strom- an die Gaspreise führt unweigerlich dazu, dass auch die Elektrizität unerschwinglich wird,“ > „dass auch die Elektrizität unerschwinglich wird“, „durfte“ ich grad erfahren nachdem ich kurz zuvor ein Schreiben von meinen Stromanbieter vorgefunden habe in dem mir Folgendes mitgeteilt wurde: a) So werde ich nach vielem vorausgehenden Blablabla erst einmal daran erinnert das ich bis zum 30.06.22 33,31Cent/kWh zahle. b) Dann teilt man mir mit FREUDE mit, dass ja ab den 01.07.22 die EEG Umlage wegfällt und ich ab dann „nur“ noch 28,88 Cent/kWh zahlen muß(die Co2 Abzocke lasse wir hier mal beiseite). Toll 👍🙂… Mehr

Belinea
1 Monat her

Jedem der seit mindestens 2 Jahren wirklich auf die Zeichen der Politik und vor allem Ihrer Medienknechte geachtet hat, sollte wissen, dass wir auf einen geplanten Untergang getrimmt werden. Natürlich alles zu unserem Besten! Willkommen in der neuen Ostzone. Da war immer Sonn..tag und das Land blühte mit jeder Neujahresrede weiter auf. Welch ein Glück es geht zurück. Mit unserem Hofschranzen- Parlament ( könnte auch Volkskammer genannt werden) und Ihrer ICH als erstes Regierung, der scheinbar jede Bildung und Moral fehlt, wird sich aber nichts ändern. Jeder einzelne ist jetzt gefragt und muss den Mut aufbringen auch im kleinsten Kreis… Mehr

bkkopp
1 Monat her

Mir scheint bemerkenswert, dass Herr Herles im Szenario-2 nur ein konstruktives Mißtrauensvotum zu Schwarz-Grün, und nicht zu Schwarz-Rot-Gelb sieht. Ich würde in der parlamentarischen Marginalisierung der Grünen noch die relativ größte Chance für eine politische Stabilisierung sehen. Wenn der Winter sehr schlecht läuft, dann verlieren die Grünen auch in den Medien und in der allgemeinen Öffentlichkeit sehr schnell die Hälfte ihrer Zustimmung. Schließlich weiß jeder, dass die grüne Energie-Ideologie die Ursache für das Übel schon vor Putins Krieg um die Ukraine war. Deutschland hat seine Verschuldungskapazität noch nicht erreicht, weshalb über Steuersenkungen noch erhebliches Ausgleichspotential bestünde, um besser als andere… Mehr

chez Fonfon
1 Monat her

Man brauchte in diesem Sommer nur mal öfter ins Freibad zu gehen, um festzustellen, dass die Mehrzahl der Besucher tätowiert, fett und desinteressiert ist, hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung kommt Ricarda-Lang-Land dabei raus. Was wollen die wohl noch reißen? In den vergangenen Kriegszeiten wussten die meisten Leute noch, wie man kocht, näht und Kartoffeln setzt, die heutig Generation kann sich nicht einmal die Schuhe binden, wenn kein Klettband vorhanden ist. Sie kennt kein deutsches Gedicht mehr, kein Lied, kein Buch, kein Bild. Der identitätsstiftende Kern des Landes hat sich aufgelöst. Die Guten sind längst weg, weil sie keinen Bock haben, sich… Mehr

Werner Geiselhart
1 Monat her

Hier ein viertes, aber leider unwahrscheinliches Szenario: Der Michel erwacht endlich aus seinem Koma und jagt die Volks- und Industrievernichter mit der Mistgabel vom Hof. Es wird eine Regierung aus den letzten noch fähigen Politikern gebildet (daran hakt es wohl am meisten, die zu finden), die folgende Sofortmaßnahmen durchführen: Sofortige Beendigung der Energiewende Verbot des Zubaus von „Erneuerbaren“ Wiederherstellung von Kohlekraftwerken, soweit noch möglich Weiterbetrieb/Aktivierung der zuletzt stillgelegten/stillzulegenden 6 KKWs Größtmögliche Nutzung der eigenen Gasvorkommen Bauprogramm für Kernreaktoren der neuen Generation Die Windbarone/PV bekommen nur die zugesicherten Preise, keine Phantastilliarden Krisengewinne mehr Die Sozialausgaben werden für Zuwanderer ins Sozialsystem rigoros… Mehr

Digenis Akritas
1 Monat her

Weitere Szenarien:

  • Aufstand von Neubürgern, gut organisiert, orchestriert und von interessiertem Ausland unterstützt
  • Evtl. deutsche Gegenwehr wird von Ordnungskräften niedergehalten
  • Auftrennung des Landes in autonome Gebiete, Rest-Ordnung neben Anarchie (Mafio-kratie)
  • Neues Mittelalter in der Mitte Europas
  • Neue Ordnungsmacht nicht-deutscher Herkunft
chez Fonfon
1 Monat her
Antworten an  Digenis Akritas

Die Neubürger leben in einer Parallelwelt und interessieren sich nicht die Bohne für Deutschland, daher favorisieren sie überschaubare interne Clan-Strukturen. Sie wollen gar keinen Staat übernehmen, siehe Palästinenser oder Libanon, sie wollen nur bestehende Strukturen benutzen. Ein Land, das künftig weder Strom noch dicke Autos für sie bereithält, lohnt sich für sie nicht. Und Deutschland hat auch keine Rohstoffe, um sich die Taschen damit voll zu machen. Sie werden eher weiterziehen.

Franz Guenter
1 Monat her
Antworten an  chez Fonfon

Das wäre dann wenigstens etwas positives daran. Die Filetierung von Deutschland würde auch etwas nützen. Dann würden die Strukturen übersichtlicher und eine grüne Kommandowirtschaft perdu.

lube
1 Monat her

Excellente Analyse von Herrles. Ursächlich sind die unverantwortlichen Westpolitiker.

ShaundasSchaf
1 Monat her

„Mit dem Lebensstandard fällt die Zustimmung zu Parteien und Politikern dramatisch.“

Hahaha, wer’s glaubt….