Die Angst und Söders Faust im Nacken

Die Ideologie der Gesundheit fußt - wie die verwandte Klimahysterie - auf Verzicht. Nur darum geht es. Nicht wir entscheiden, andere tun es für uns. Eigenverantwortung war gestern.

Wir hassen Fleischfresser. Sind Fleischfresser nicht irgendwie zugleich Rassisten? Denn auch der Mensch ist bloß ein Schwein. Macht Mist. Schafft Schweinesysteme. Noch schlimmer als fleischfressende Rassisten sind fleischproduzierende Rassisten. Sie verbreiten auch noch Seuchen. Haben wir das endlich kapiert! Ja? Dann wissen wir, weshalb der lasche Laschet nicht Kanzler werden darf. Er hat es versäumt, beizeiten die böse Fratze des karnivoren Kapitalismus zu bekämpfen. Tönnies heißt sie. Wer die Kirche im Dorf und das Kind im Bad lässt, hat schon verspielt.

I.

Söder muss nur warten, bis der Ruf erschallt, vom Inn bis an den Belt. Der lasche Armin gibt den Bruder Aaron, der sein Volk zügellos ums goldene Kalb tanzen lässt, während Markus den Moses macht, der sein Volk darben lässt und ihnen Gesetzestafeln um die Ohren haut. Weh dem, der nicht gehorcht, spricht der Herr und beruft sich auf einen gewissen Christian Heinrich Maria Drosten als Verfasser der Gebote. Dazu muss er nicht einmal mehr einen Berg besteigen. Es reichen schon die Bekanntmachungen im Spiegel und im heute-journal.

II.

Ich bin alt genug, mich daran erinnern zu können. Aber ich erinnere mich nicht. Kaum jemand erinnert sich. Dreißig- bis fünfzigtausend Westdeutsche starben 57/58 an der Asiatischen Grippe. Keiner hat sie genau gezählt. Die Pandemie schlug fünfmal so hart zu wie Corona heute. Doch niemand erinnert sich an das Virus H2N2, das weltweit zwei bis vier Millionen Menschenleben forderte. Kam auch aus China. Es gab eine zweite Welle, doch keinen Impfstoff. Kanzler Konrad Adenauer versäumte es trotzdem, mal kurzerhand das Wirtschaftswunder zu stoppen. Überhaupt keine Maßnahmen. Es wurde bloß weiter fleißig in die Hände gespuckt. Die Massenmedien beschimpften den Kanzler dafür nicht einmal, sondern berichteten nüchtern und beruhigend. Was war da los? Nicht nur das Virus verbreitete sich langsamer, auch die Nachrichten. Die Deutschen hatten wenige Jahre zuvor Schrecklicheres erlebt, Aufbauen war wichtiger als diese elende Grippe. Sie ließen sich widerstandslos durchseuchen. Etwa vierzig Prozent der Bevölkerung erkrankten. Es gab damals 2,8 statt 7,6 Milliarden Menschen auf der Welt und die allermeisten waren ganz weit weg. Niemand empfand die Überbevölkerung als Bedrohung. Niemand wollte die Globalisierung zurückdrehen – es gab sie noch gar nicht. Es gab nur das Virus, schlimmer als Corona. Doch niemand sah in der Seuche ein Menetekel gegen Konsumrausch und Umweltzerstörung. Der Tod war ein unvermeidbares Risiko, das man akzeptierte, so der Göttinger Wirtschaftshistoriker Hartmut Berghoff. Heute ist der Staat für alle Tragödien zuständig, nur nicht für die kollateralen Tragödien seiner Maßnahmen. Wohlstandssatt saß damals noch niemandem vor der Glotze. Und erst echt gruselte sich noch niemand vor der eigenen Dekadenz. Zehn Jahre später kam das mutierte Virus als Hongkonggrippe zurück. Scherten sich nun die bewegten Studenten darum? Nein, auch sie nahmen davon keine Notiz.

III.

Wer wäre gegen Vorsicht und Rücksicht? Dort wo es sinnvoll ist und keine schlimmeren Schäden anrichtet. Aber in Berlin, wo jeder herum demonstrieren darf, wie es ihm gefällt, ist das Singen in geschlossenen Räumen verboten. Als menschliche Ölsardine dürfen wir wieder nach Mallorca fliegen, aber nicht neben anderen im Theater sitzen. Fußballer sollen spielen, Orchestermusiker auf keinen Fall. Wir sind kein Kulturstaat, jetzt wird es endgültig klar. Wir haben immer nur so getan. Wir zählen täglich die Tassen im leeren Regal. Ostseestrände werden von Ostwestfalen gesäubert. Sollen sie doch nach Italien fahren. Solche Willkür hat System. Der Mensch soll den Ausnahmezustand spüren. Corona als Machtinstrument. Vernunft und Lebensfreude könnten gut miteinander harmonieren, wenn man mit seiner Partnerin zuhause tanzt: behauptet der von keinerlei Selbstzweifel belästigte und vor Rechthaberei strotzende Aktionist Söder. Ernsthaft. Ein Satz für die neue grüne Markus-Bibel im Westentaschenformat, die an jeden kostenlos verteilt wir, der sich freiwillig testen lässt. Und alle nicken dazu. Fast alle. Da sitzt doch noch dieser kahl geschorene Tropenmediziner Jonas Schmidt-Chanasit in der Runde und behauptet: Der Dauerzustand des Alarmismus führe zu Ermüdung. Das sei dann kontraproduktiv. Das soll ein Virologe sein? Er hat nichts kapiert.

IV.

Der Alarmismus nämlich ist erwünscht. Er ist die Grundlage einer neuen Herrschaftsform. Die Diktatur demokratisch gewählter Gesundheitspatriarchen. Die das Volk vor sich selbst schützt. Wir sind längst nicht mehr nur in den Fängen einer Pandemie, sondern auch einer neuen Ideologie. Gesund bleiben ist die erste Bürgerpflicht. Kein Virus, kein Fleisch, keine gefährliche Kultur, keine Unfälle mehr auf Autobahnen, schon gar nicht mit Hilfe von Verbrennungsmotoren, keine Weltreisen, usw. Die Ideologie der Gesundheit fußt – wie die verwandte Klimahysterie – auf Verzicht. Nur darum geht es. Nicht wir entscheiden, andere tun es für uns. Eigenverantwortung war gestern.

V.

Treiber der neuen Ideologie ist Angst. Erst sitzt den Deutschen die Angst im Nacken. Danach die Faust. Erst die zweite Welle, dann die Hitzewelle, dann die nächste Schweinegrippe. Wie bestellt – schon spukt sie durch die Medien. Anders als die alten Israeliten folgen die Deutschen freiwillig. Moses musste erst ein Blutbad anrichten und Aaron entmachten. Die Deutschen aber glauben sogar, sie hätten das Gelobte Land bereits erreicht.

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Kommentare ( 90 )

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90 Kommentare auf "Die Angst und Söders Faust im Nacken"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Der Mitkommentator Horrex schreibt: Kaum Einer – selbst hier – fragt sich „cui bono?“, wem nutzt es und wozu!
Das ist die entscheidende Frage. Großteile der Regierungen, der Eliten, der MSM haben gewaltig Dreck am Stecken. Das soll vertuscht werden.
https://uncut-news.ch/2020/07/05/deutschland-drehscheibe-des-sex-und-menschenhandels-ex-ermittler-mit-neuem-buch/

Es tut gut, mal einen Artikel mit kurzen Sätzen zu lesen. Völlig ernst gsmeint.

Mal abwarten, wie weit es mit seiner Majestät Söder bestellt sein wird, wenn in Bayern die Wirtschaft Dank des strengen Söders abschmiert.

Es handelt sich um einen Frontalangriff der Marxisten. Der Anfang war die Frankfurter Schule, dann die Übernahme der Grünen. Danach kam die Wiedervereinigung und der Zusammenschluß mit den unverbesserlichen Eliten dieses Unrechtsstaates. Die Unbildung des heutigen Nachwuchses, der an den Unis heute lehrt und studiert, wird dazu führen das Feuer, daß gelegt wurde, noch weiter zu entfachen. Was könnte helfen? Zivilcourage im eigenen Umfeld, und zwar ohne wenn und aber.

Bei allem es Recht ist, aber wenn ich den Corona-Markus so höre, glaube ich fast die sogenannte „AFD-Verschwöeungstheorie“, dass seine Gattin mit der Herstellung der Masken ganz profitabel im Geschäft ist.

„Söder muss nur warten, bis der Ruf erschallt, vom Inn bis an den Belt.“ Aber, aber, Herr Herles! Söder wird nur ein weiterer Bayer sein, der Kanzler werden wollte und eine Unionsregierung verhindert. Was dann heißt, dass es womöglich knapp Rot-rot-grün wird und der GAU für’s Land. Wobei man sich heute nicht so wirklich sicher sein kann, ob Union nicht dasselbe (also auch GAU) wäre. Wir werden beim nächsten Mal auf jeden Fall zwischen Pest und Cholera wählen, beides mit COVID-Begleitung – aber eines ist sicher: Söder wird’s nicht, da würde ich fast drauf wetten! Aber wie sagte schon Ringelnatz?… Mehr

@“Wir hassen Fleischfresser. Sind Fleischfresser nicht irgendwie zugleich Rassisten?“

Nur die weißen. In mehreren IT-Firmen hatte ich viele muslimische Kollegen, die alle gerne Fleisch aßen (manchmal musste es halal sein, manchmal auch das nicht). Seltsam, dass Gutleute sich trauen, Muslime zu beleidigen – eine Art Vegetarier-Pegida oder was?

Nach Tagebau-Besetzungen und Kraftwerke-Besetzungen werden jetzt Schlachthöfe gestürmt:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article211000769/Fleischunternehmen-Aktivisten-besetzen-Toennies-Schlachthof-neue-Vorwuerfe-gegen-Gabriel.html

… gibt’s für diese unausgelasteten „Aktivisten“ nicht genügend z.B. marode Strassen zu reparieren ??? …

„Wer wäre gegen Vorsicht und Rücksicht?“ Gefühlt sind es zuviele, die gegen Rücksicht sind. Die Foren sind voll mit Kritikern der Mundschutzmaske. Diese in Supermärkten und überall wo Abstand halten nicht möglich, zu tragen ist gelebte Rücksichtnahme. Zugegeben, angenehm zu tragen sind nur wenige der Masken. Und die schönen Zeiten in denen der Atem des Hintermanns im Nacken in der Schlange vor der Supermarktkasse nicht zu spüren ist, sind leider fast schon vorbei. Anstandslos und rücksichtslos rücken einem wildfremde Leute ohne Not auf die Pelle. Ich wollte, ich könnte wie die Ölsardine eingepfercht in einem Flugzeug, nach Asien fliegen. Masken,… Mehr

„Treiber der neuen Ideologie ist Angst.“ ——> Die mediengemachte Angst. Würden die Leute die Glotze und das Radio ausmachen, bekämen sie von Corona gar nichts mit. Aber so leben sie in ständiger, künstlich erzeugter Angst vor dem äußerst unwahrscheinlichen Corona-Tod. Selbst Schuld.

*

„Alarmismus“

Corona hat gezeigt, wie man eine Schafherde einsperrt, die ganze westliche

…ohne Zaun und ohne Mauer – es genügt Internet und Glotze.

Das -, wenn Erich und Margot schon gewusst hätten!

***

Mir hat schon „Atom“ angezeigt, wohin die Reise gehen wird.
Diese Heute überrascht da nicht.
Die „Zeitzeichen“ der Zeit zu lesen…. nicht jedermanns Sache.