Macht hoch die Tür! Anmerkungen zur Berliner Weihnachtsbotschaft

In Deutschland ist eine Mentalität zuhause, die mit der Globalisierung nicht Schritt halten kann. Das hat das umnachtete helle Deutschland mit dem radikalen Islam gemein. Der Wille folgt nicht der Realität sondern einer für überlegen erachteten Moral.

Servus Tichy, ich mag Weihnachtsmärkte nicht. Diese Gemütlichkeitsexzesse, als handgeschnitzt etikettiert, doch längst von der Stange. Falscher Hüttenzauber, in Glühwein ertränkte Besinnlichkeit. Jetzt darf man Weihnachtsmärkte nicht mehr nicht mögen. Wäre ich zynisch, was Santa Claus verhüten möge, würde ich sagen: Wir haben es einem radikalislamischen Massenmörder zu verdanken, dass der Weihnachtsmarkt als Inbegriff christlichen Brauchtums deutscher Herkunft verklärt wird.

I.

Der weihnachtliche Konsumrausch gehört zur Leitkultur, jetzt erst recht. Im Übrigen ist er ein Exportschlager, wie geschaffen für das globale Emotion-Business. Aus Abneigung, den Spätherbst im grauenvoll grauen, wenn auch von hundert Weihnachtsmärkten illuminierten Berlin zu verbringen, flog ich ins Leere Viertel. Die Vorstellung, auf der saudischen Halbinsel, inmitten von Sanddünen (und Salafisten) entginge ich dem Rummel, erwies sich als Irrtum. Auch der Rand der Rub al Chali ist weihnachtlich geschmückt. In allen Hotelhallen stehen gewaltige Knusperhäuschen – Gingerbread, not eatable – , Christbäume mit mehr Kugeln als Tannennadeln aus Plastik, schlittenfahrende Nikoläuse im Kunstschnee, wozu Chöre einschlägige Schlager singen. Das alles liebt der weiß gewandete Muselmann ebenso wie seine von Kopf bis Fuß schwarz verhüllte Muselfrau, die gerne Zimtsterne und Glaskugeln einkauft.

II.

Ich war entzückt. Klar, auch der Rummel in der Wüste hat nicht viel mit Christentum zu tun. Er ist aber ein schönes Beispiel der Globalisierung, dachte ich. Jeder nimmt sich aus allen Kulturen, was und wie es ihm gefällt. Also akzeptiert er auch deren Hintergrund. Who cares? Irgendwie sind wir alle gläubige Ungläubige geworden – und das ist vermutlich gut so. Globalisierung bringt auch Vorteile. Gefährlich sind nur die, die sich gegen den Wandel der Welt sperren und Religionen und Ideologien von vorgestern folgen. Und spielt die Weihnachtsgeschichte nicht sowieso im Morgenland?

III.

Und dann der Anschlag in der grauenvoll grauen Hauptstadt, ein Treffer ins Herz des deutschen Gemüts. Ich blieb gefasst, denn es war genau das, womit alle, die nicht ganz verpeilt sind, gerechnet hatten. Die für die öffentliche Sicherheit Verantwortlichen, die auch damit gerechnet hatten, hatten die Märkte nicht besser schützen wollen. Auch das war bekannt. Die Bürger dieses Landes, ob sie schon länger hier leben oder nicht, fragen sich nun, warum sich Polizei und Justiz die Mühe machen, Listen von „Gefährdern“ zu führen, aber die nicht aus dem Verkehr zu ziehen, sobald die Gefährdung konkret wird? Ein mehrfach verurteilter Berufskrimineller, kein Flüchtling, von dem bekannt war, dass er einen Massenmord plant, bewegt sich frei durch Deutschland. Ausländerbehörden, Polizei, Justiz verlieren ihn aus den Augen. Jemand bietet sich als Selbstmordattentäter an und wird nicht abgeschoben und nicht eingesperrt, obwohl es die Rechtslage hergibt und verlangt (Prantl beschreibt es genau). Solange dies die Praxis des Rechtsstaats ist, brauchen wir nicht über Burkaverbote und Obergrenzen diskutieren. Aus Kontrollverlust wird Staatsversagen. Wie naiv, wie pflichtvergessen, wie stumpfsinnig bürokratisch dürfen Innenminister, Staatsanwälte, Richter sein?

IV.

Die Antwort fällt leider nicht schwer. Sie sind, wie sie sind, weil auch Polizei und Justiz die Gesellschaft spiegeln. Einmal, weil sie von gewählten Politikern abhängig sind. Der politische Wille der schwarz-rot-grünen Merkel-Koalition war ja nicht zu überhören. Nehmt es nicht so genau mit „Flüchtlingen“ aller Art. Achtet die Moscheen. In Deutschland ist eine Mentalität zuhause, die mit der Globalisierung nicht Schritt halten kann. Das hat das umnachtete helle Deutschland mit dem radikalen Islam gemein. Der Wille folgt nicht der Realität, sondern einer für überlegen erachteten Moral. Der moralisch geläuterte Deutsche glaubt, dass Wünschen noch immer geholfen hat. Er ist Romantiker geblieben. Will in allem Fremden zuerst das edle Wilde sehen. Dieser Romantik entspringt die Illusion der Willkommenskultur wie auch die Weigerung, Praxis und Philosophie der Sicherheit den Gegebenheiten des Terrors anzupassen. Die Hauptstadt der Bewegten weigert sich noch immer, mehr Überwachungskameras zu installieren. Deutschland stemmt sich gegen Sicherheitsstandards, wie sie in London oder gar in Israel üblich sind. Keinen Gefährder zu diskriminieren, solange er nicht getötet hat, entspricht dem weich gespülten Ideal vom Rechtsstaat. Die Gefährder des Rechtsfriedens sitzen in hohen Ämtern. Untauglich für die globalisierte Welt ist nicht bloß der, der sie ablehnt, sondern auch der, der sie nur verharmlosend und beschwichtigend wahrnimmt.

V.

Die Weihnachtsbotschaften triefen jetzt von Mahnungen gegen den Hass. Wie rechtschaffen und zugleich billig das ist! Wie wäre es mit mehr Realitätssinn in einem angeblich weltoffenen Land? Zu Weltoffenheit gehört nicht nur Offenheit, sondern auch Realitätssinn. Macht hoch die Tür für den Verstand!

christmastree

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