Sex und Politik: Das Elend des 68er-Erbes

Ganz klar, die freie Liebe ist neben den marxistisch-maoistischen Ansätzen der 68er-Bewegung das Erfolgsrezept der 68er-Bewegung gewesen; einer Bewegung, deren Ideologismen uns bis heute im Würgegriff haben, auch wenn es kaum noch ein Bewusstsein darüber gibt. Das größte Feindbild der 68er war nicht der Staat, den sie kaputt machen wollten, nicht der Kapitalist, den sie beseitigen wollten, nicht Amerika, gegen das sie demonstrierten und auch nicht der „Muff von tausend Jahren unter den Talaren“. Das wirkliche Feindbild der 68er und der Freie-Liebe-Apologeten, war der Kleinbürger, der Spießer. Das wahre Hassbild dieser Bewegung war die glückliche, die stabile, die auf Zukunft angelegte sexuelle Beziehung und die heile Familie. 

Auf den zweifelsfrei nicht einfach erreichbaren Idealtypus der Familie haben die 68er, die dann die Systemmacht im Land übernahmen, eingedroschen was das Zeug hält und das hat sich so verselbständigt, dass es inzwischen längst die Gesellschaft selbst ist, die die tradierte Familie und die Ehe, die im Grundgesetz noch unter Staatsschutz gestellt sind, zerhäckselt und bis zur Unkenntlichkeit erwürgt. Das tradierte Familienbild steht schon seit langem unter einem diffusen Generalverdacht. Und auch die Eltern-Kind-Beziehung steht seit fünfzig Jahren und heute mehr denn je im Visier der Bildungsideologen, die die Eltern-Kind-Beziehung auf vielfältige Weise zunehmend entwerten.

Sexualität ist eine höchst persönliche, individuelle Sache und gleichzeitig ist das Ausleben der Sexualität eine politische Angelegenheit. Sex ist Politik. Dieser alte Spruch trifft durchaus zu. Sexuelle Beziehungen, sexuelle Normen, auch die Norm der freien Liebe, haben höchste gesellschaftliche Relevanz. Die Beziehung zwischen den Geschlechtern, die Kultur des Sex kann gesellschaftsgestaltende Wirkung haben. Die Realität einer buddhistischen Gesellschaft, einer hinduistischen, einer christlichen, einer muslimischen, einer atheistischen oder eben einer Gesellschaft, die von einer 68-Ideologie mit Freier-Liebe-Komponente beeinflusst ist, ist durchaus auch deswegen unterscheidbar, weil die Kleinstrukturen innerhalb der genannten Gemeinschaften, in denen die Menschen leben, sprich die Familie, die Lebensgemeinschaft, das Nahumfeld höchst unterschiedlich organisiert sind. Die Regelwerke, wie Männer und Frauen oder gleichgeschlechtliche Partner miteinander umgehen oder miteinander umzugehen haben, prägen eine Gesellschaft nicht unerheblich und sie prägen auch den Nachwuchs entscheidend. Und deswegen reproduzieren sich die Gesellschaften auch vergleichsweise organisch über lange Zeiträume.

Eine Hilfsüberlegung: Oft war es in der Geschichte so, dass das Phänomen von Massenvergewaltigungen der Sieger nach Kriegen gegenüber den Frauen des besiegten Volkes eine erhebliche Verstärkung des Sieges und der Beherrschung des gesamten besiegten Volkes bewirkten. Eine Massenvergewaltigung ist in dem Sinne eine politische Inbesitznahme des Volkes auf einer quasi typisierten privaten Ebene. Die Massenvergewaltigung arbeitet eben mit dem Eingemachten.

Massenvergewaltigungen zerstören die individuellen Strukturen im besiegten Volk und schaffen oft genug irreversible Tatsachen auf der seelischen Ebene und auf der körperlichen Seite. Und: Die Sieger hinterlassen ihre Spuren auch in den nachfolgenden Generationen des besiegten Volkes. Wer die sexuelle Macht hat, hat oft auch im ganz privaten, individuellen Bereich die Macht und das lässt sich gesellschaftlich durchaus hochrechnen.

Zwischen Gender und Tinder

Freie Liebe hat die westlichen Gesellschaften porös gemacht, zersetzt und die Menschen für vielerlei Verirrsinnigungen, die unter dem Stichwort der täglich neuen Reformen laufen, die das Zusammenleben und die individuellen Beziehungen immer wieder neu stören, anfällig gemacht. Die Versingelung der Gesellschaft, die viele Ursachen hat, hat ganz wesentlich mit dieser konzeptlosen Verunsicherungsideologie der Freien Liebe begonnen. Freie Liebe und Kinderkriegen schließen sich auf Dauer im Regelfall aus. Der Westen ist dabei nicht nur seiner berühmten Werte verlustig zu gehen, sondern einhergehend entäußert er sich auch seiner Zukunft, einer Zukunft, die in jeder Gesellschaft in der Reproduktion ihrer selbst besteht, aus den Kindern, die nämlich zumeist in den Familien geboren werden.

Eine ganz wichtige Identifikationsgröße für die meisten Menschen mit der eigenen Gesellschaft lag immer in der auf Zukunft gerichteten familiären Kontinuität. In dem Maße in dem diese Identifikation wegbricht, beendet sich eine Gesellschaft selbst und schaltet auf Abwicklung. In einem ganz anderen Sinn, als es die rot-grüne Vokabel von der Ich-AG aus den Hartz-Reformzeiten meinte, beschreibt das Wort den gesellschaftlichen Ist-Zustand perfekt. Immer mehr Singles werden zu autonomen Ich-AGs, nicht nur beruflich, sondern auch in ihrem Privatleben. Statt Stammkneipe gibt es das Smartphone. Statt Partnersuche der selektierende Wisch nach links oder nach rechts. Tinder, die Dating-App, die die Charts stürmt, macht’s möglich.

Ein paar Aktien und ein bisschen angelegtes Kapital soll die Altersversorgung, die früher von der Großfamilie und bis jetzt vom Staat übernommen wurde, ersetzen. Und die Menschen, derer es vorallem für die Altersversorgung bedarf, sollen aus anderen Ländern importiert werden und diese Menschen sollen gefälligst auch das Kinderkriegen erledigen.

Die westlichen Gesellschaften haben den Schuss nicht gehört. Sie schwelgen in Genderideologien, die von kleinen Lobbygruppen höchst undemokratisch in die westlichen Rechtsordnungen als geltende Gesetze implementiert wurden. Mit der gesetzlichen Abschaffung von Mann und Frau, deren Existenz nur noch Einbildung und Überrest einer falschen, tradierten Normierung wären, ist im Prinzip plötzlich vom Sex nicht mehr viel übrig geblieben. Nicht Endstation Sehnsucht, sondern Endstation tote Hose. Die westlichen Gesellschaften werden damit endgültig zu zukunftsuntauglichen Parallelgesellschaften in den eigenen Ländern.

Immer lauter und wütender redet die Gesellschaft von Integration daher, während sie es auch den Migranten und Zuwanderern immer schwerer macht, sich in diese Gesellschaft zu integrieren, die zunehmend ein geistig-emotionales Vakuum anbietet, in das sich niemand ernsthaft integrieren kann oder will. Die meisten Migranten kommen aus eigenen Welten, die nicht von den Verwerfungen der Freien Liebe überhaupt berührbar wären. Sie bringen Familienstrukturen mit, Kinder und eine gesellschaftliche Vitalität der Selbstbehauptung und der Reproduktion, die es in den westlichen Gesellschaften kaum noch gibt. Die migrantischen Gesellschaften werden sich von den Genderideologen und Bildungsideologen die Butter nicht vom Brot nehmen lassen. Und sie sind auch von der Singlegesellschaft nicht anfixbar. So kann man in einem kurzen und naturgemäß auch verkürzenden Abriss der Geschichte des Westens seit dem Sieg der Ideologie der Freien Liebe durchaus sagen, dass dieser Westen mit seiner freien Liebe, vorläufig noch etwas aufgesetzt fröhlich, untergehen wird.




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