„Warum ich eine Gewerkschaft für Freie Rede gründen möchte“

Toby Young präsentiert – zunächst nur in England – die Idee einer Hilfsorganisation für Andersdenkende. Wir übersetzen seinen Artikel, der im australischen Magazin "Quillette" erschienen ist.

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Mit dem Referendum im Nacken und der Massenzuwanderung im Gepäck hilft man sich in England wie in Deutschland mit einer Beschönigung der Umstände. Das bedeutet: Klare Benennungen werden geahndet. In Politik, den Medien und besonders auch an den Universitäten. Darüber hinaus findet die Propaganda für allerlei progressive Weltverbesserungsideologien ihr negatives Gegenstück in der Verfolgung all derjenigen, die da nicht mitwollen. Die Konsequenz immer häufiger: Eine existentielle Verfolgung von in der Öffentlichkeit stehenden Figuren, allen voran Professoren, die es gewagt haben, im öffentlichen Raum vermeintlich konservative Äußerung zu machen, also zum Beispiel der Minderheitenheiligung und der Selbstbezichtigung nicht zu huldigen.

In England ist die Stimmung noch aufgeheizter als bei uns. Der prominente Publizist Toby Young ist einer der Verfechter der Meinungsfreiheit in England. Er weiß wovon er schreibt, hat es ihn kürzlich doch selbst erwischt. In seiner Eigenschaft als Privatschulengründer musste er eine Regierungskommission für Erziehung verlassen, weil er vor zehn Jahren vermeintlich anzügliche Twitterkommentare abgesetzt hatte. Der darauf einsetzende Shitstorm hat ihn fast die Existenz gekostet – und ihn dazu gebracht, auf Abhilfe zu sinnen. Nun präsentiert er – zunächst nur in England – die Idee einer Hilfsorganisation für Andersdenkende. Wir übersetzen seinen Artikel, der im australischen Magazin Quillette erschienen ist.

Warum ich eine Gewerkschaft für Freie Rede gründen möchte

Im vergangenen April verlangte der Historiker Niall Ferguson eine ‚NATO für Autoren‘. Angeregt vom 1949 gegründetem Nordatlantischen Bündnis, in den zwölf westliche Demokratien übereingekommen waren, dass ein bewaffneter Angriff auf jeweils ein Mitglied als Angriff auf alle gewertet werden müssen, schlug er vor, dass Akademiker und Intellektuelle aus allen Bereichen eine akademische Resolution unterschreiben sollten, in der sie versprechen, jeden zu verteidigen, der in den Sozialen Medien angeprangert oder aufgrund von Anschuldigungen von seinem Arbeitgeber beargwöhnt wird. Zu den Opfern moderner Hexenjagden zählte er Autoren wie Bret Weinstein, Bruce Gilley, Jordan Peterson und Roger Scruton und sagte, dass die Lektion klar sei: „Wir hängen da alle mit drin – und zwar jeder einzeln.“

Ich halte das für eine exzellente Idee. Es gibt aber eine praktische Schwierigkeit. Eine der Erfolgsgeheimnisse der NATO, mit der sie die Sowjetunion abschrecken konnte war, dass sie nicht verlangte, dass einzelne Länder in der Verteidigung gegen die Sowjetunion vorangehen mussten. Vielmehr stellt die NATO den institutionellen Rahmen für eine kollektive Antwort dar, in dem sie das Risiko auf alle Schultern verteilt.

Meinungskorridor
"Die Bewegung" entscheidet, wer in diesem Land öffentlich reden darf
Was könnte also ein gleichwertiger Mechanismus in der NATO für Autoren sein? Wenn ein nonkonformistischer Wissenschaftler in ‚offenen Briefen‘ attackiert wird, können ja nicht alle Intellektuellen, die Fergusons Abkommen unterschrieben hätten, mit einer Stimme sprechen. Sie müssen stattdessen, wie der Angegriffene selbst, ihre Köpfe einzeln aus dem Fenster strecken und das Risiko eingehen, dann ebenfalls einzeln attackiert zu werden. Tatsächlich weist die Liste der Häretiker mittlerweile schon ein solches Opfer auf. Das Vergehen Nigel Biggars, Professor für Moraltheologie in Oxford, war es lediglich gewesen, einen Artikel über Bruce Gilley, Professor für politische Wissenschaften an der Portland Universität, geschrieben zu haben, in dem er seinen Kollegen gegen Kollegenmobbing wegen seines Essays über die positiven Aspekte des Kolonialismus verteidigt hatte. Dieser Essay war schon zurückgezogen worden war, nachdem der Herausgeber Gewaltandrohungen erleben musste. Darüber hinaus erzeugte das zwei offene ‚Gegenbriefe‘, die Biggar verurteilten und von Dutzenden akademischer Historiker unterschrieben worden waren (diese Reaktion mit niemanden überraschen, der mit der Linkslastigkeit in den Geisteswissenschaften vertraut ist).

Sogar wenn sich im Angesicht solcher Mobbingaktionen Wissenschaftler zusammentun, um ihre intellektuelle Freiheit zu verteidigen, gehen sie trotzdem ein Risiko ein. Als mehr als 30 von ihnen im Juni einen gemeinsamen Brief an die Sunday Times schrieben, in dem sie die Atmosphäre maoistisch motivierter Intoleranz an den britischen Universitäten in Bezug auf Transgenderthemen anprangerten, zirkulierten innerhalb weniger Tage Petitionen, die die Entlassung einiger der Unterzeichner forderten. In der darauffolgenden Woche erschien ein ‚Gegenartikel‘ in der Sunday Times, unterzeichnet von über 1000 Akademikern, jeder mit seinem eigenen persönlichen Gender-Pronomen.

Wie könnte man also Fergusons Vorschlag in die Tat umsetzen ohne die Gefahr, dass immer wieder einzelne im Feuer stehen? Ferguson selbst glaubt, dass dies möglich ist. Er möchte eine Dachorganisation gründen, die verschiedene freiheitsliebende Institutionen der Anglosphäre zusammenbringt. Es würde dann diese Institution Andersdenkende verteidigen und nicht die Individuen, die darin organisiert wären.

Ferguson Idee hat mich selbst aber auf eine andere Idee gebracht, nämlich die, eine Gewerkschaft zu gründen. Die passende Analogie aus der Zeit des Kalten Krieges wäre hier nicht die NATO, sondern Solidarnosc, die polnische Gewerkschaft, die im Danziger Hafen 1980 gegründet worden. Unter den 21 Forderungen des Streitkomitees und ihres Vorsitzenden Lech Walesa war Redefreiheit – also eine Garantie, dass ein Arbeiter, der die Kommunistische Partei kritisierte, dafür nicht gefeuert werden konnte. Diese Forderung fand Eingang in das offizielle Abkommen mit der polnischen Regierung – und war der erste Riss im sowjetischen Kontrollsystem in Osteuropa. Zehn Jahre später gewann Solidarnosc die ersten halb freien Wahlen in Polen seit dem Zweiten Weltkrieg, die dann in der Folge in einer Kettenreaktion den Fall der Berliner Mauer auslöste.

Keine Meinungsfreiheit
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Mir schwebt also eine britische Solidarnosc (obwohl wir es nicht so nennen würden) vor, eine Mitgliederorganisation für Leute, die mit Schreiben oder irgendwelchen anderen Formen des Selbstausdrucks ihr Geld verdienen (ein bisschen wie PEN, bevor er von den Linken vereinnahmt wurde). Mitglieder werden könnten also Akademiker, Intellektuelle, Kolumnisten, Experten, Romanciers, Dichter, Bühnenautoren, Fernseh- und Filmautoren, Comedians und so weiter, also Autoren jeder Art. Und zwar nicht nur die, die bereits einen Namen haben, sondern auch diejenigen, die das noch anstreben. Studenten genauso wie sogar – im Endeffekt – ältere Schüler. Denn immerhin findet ja gerade auf den Universitätscampi und den Gymnasien die größte Zensur statt.

Wenn also ein Mitglied vom ‚Mob‘ für den Fenstersturz ausgesucht wird, dann wird es die Gewerkschaft sein, die verteidigt. Die Organisation, nicht die anderen Mitglieder. Die Gewerkschaft würde dem Opfer Zugang zu einer Liste von gleichgesinnten Rechtsanwälten verschaffen, ihn beraten, wie er seine Kosten, etwa durch Crowdfunding decken könnte, ihm Kontakte zu möglichen Spendern vermitteln, ihn beraten, wie man eine passende PR-Strategie fährt. Kurz: man würde ihm Zugang verschaffen zu einem Netzwerk von gleichgesinnten Kollegen, von denen einige schon ähnliches erlebt haben.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass der harte Teil am Gemobbtwerden die Isolation ist, ein sozialer Außenseiter zu werden. Mir hat die Unterstützung meiner Familie und meiner engen Freunde geholfen. Aber andere fanden die Erfahrung so traumatisch, dass sie sogar Selbstmordversuche unternahmen, manche sogar leider erfolgreich. Die Situation ist besonders gefährlich für freie Mitarbeiter. Das habe ich erkannt, als ich Stephen Elliott traf, den Autor und Regisseur, den man ihn auf der Shitty Media Men List 2017 fälschlicherweise der Vergewaltigung bezichtigt hatte. Er erzählte mir, dass viele der anderen angeklagten Männer auf dieser Liste Festangestellte bei renommierten Medien waren, die das ganze mit der Hilfe ihrer Arbeitgeber abbiegen konnten – obwohl einige dann doch ihre Jobs verloren. Als Freier hatte Steven diese Privilegien nicht und verlor alle seine Aufträge, einfach weil die Leute glauben, dass er schuldig sei. Er verlor Autoren- und Werbejobs, er wurde aus Konferenzen ausgeladen, sein neues Buch wurde nicht besprochen, sein Romane wurden gar nicht erst veröffentlicht, sein Literaturagent ließ ihn fallen, und enge Freunde riefen nicht mehr an. Er zog sich zurück, wurde drogensüchtig und wollte sich schließlich umbringen. Glücklicherweise überlegte er sich das Ganze und entschied sich, stattdessen zu kämpfen. Seine Gegenklage gegen die Ersteller der Shitty Media Men List windet sich gerade durch die New Yorker Instanzen.

Wenn Steven eine Gewerkschaft gehabt hätte, wie sie mir vorschwebt, hätte er keine Selbstmordgedanken hegen müssen. Wenn man von zehntausenden Leuten in den sozialen Medien attackiert wird, viele von ihnen Kollegen, ist es schön, wenn man eine Armee hinter sich weiß. Die Feinde der freien Rede jagen im Rudel; ihre Verteidiger müssen sich also auch zusammenrotten.

Der Präsident der konservativen Akademikerorganisation National Association of Scholars sagte dazu: „Unsere Funktion ist, unseren Mitgliedern psychische Unterstützung zu gewähren und Kontakt herzustellen mit Gleichgesinnten. Denn normalerweise haben Leute in einer solchen Situation keinen Plan.“

Der Fall Britannien
Britische Öffentlichkeit und Gerichte - Douglas Murray über Tommy Robinson
Manche Akademiker zum Beispiel werden von der Situation, angegriffen zu werden, völlig überrascht. Ihnen müsste man zunächst einmal genau zuhören, um festzustellen, inwieweit sie ihre die Situation überblicken. Meistens sind die Vorgänge, um die es geht, genau dokumentiert. Man muss sie nur genau unter die Lupe nehmen. In diesen Dokumenten finden sich oft Tatsachen, die der Gegenseite schaden und die Sache zu Ende bringen. Zum Beispiel wird gern behauptet, man behandle den Angegriffenen genau wie alle anderen. In den Akten finden sich dann aber Notizzettel mit Aufschriften wie: „damit machen wir ihn fertig!… “

Ein weiterer wichtiger Aspekt unserer Freien-Rede-Gewerkschaft ist, dass wir uns für all diejenigen einsetzen, die der ‚Hassrede‘ bezichtigt werden oder über die sich nur beschwert wird, weil sie eine abweichende Meinung vertreten. Man müsste dann sicherstellen, dass die Sache formal ordentlich behandelt wird, egal, ob es sich um einen Festangestellten oder Freien handelt. Für Letztere ist das schwieriger, aber nicht unmöglich. Wenn eine große Organisationen wie die BBC oder Google jemanden entlassen oder ihn als freien Mitarbeiter nicht länger beschäftigen will, weil er einem Shitstorm ausgesetzt ist, dann könnte unsere Gewerkschaft Druck ausüben, dass er nicht als Freier einfach fallengelassen werden darf, sondern dass für ihn dieselben Prozesse eingehalten werden müssen wie für Festangestellte.

Das wäre ein großer Fortschritt. Denn zusammen mit der massiven Explosion der Social Media in der vergangenen zehn Jahren wurden wir ja auch Zeuge der Kultur des Ausgrenzens – durch digitale ‚Schauprozesse‘, in denen Leute, die etwas falsches oder tabuisiertes gesagt haben, effektiv sofort schuldig gesprochen werden, ohne dass man ihnen die Möglichkeit gegeben hätte, sich zu verteidigen. Ironischerweise behaupten genau dieselben Leute, die diese Hexenjagden veranstaltet, dass sie an ‚die Gerechtigkeit‘ glauben. Ihre Form der ‚sozialen‘ Gerechtigkeit wahrscheinlich, aber keine natürliche Gerechtigkeit. Eine Gewerkschaft der Freien Rede, die sich für die einsetzt, die sich auf der digitalen Anklagebank wiederfinden, ist also unbedingt notwendig.

Einer der Gründe für den Erfolg von Rufmordkampagnen ist ja, dass es gelingt zu suggerieren, dass die Ansichten eines betreffenden Individuums völlig absurd seien und von der Allgemeinheit abgelehnt werden. Also erfolgreich so zu tun, als würde niemand diese Auffassung teilen.

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Ich selbst glaube aber, dass die dominante Ideologie in Schulen und an Universitäten – ihre Hinwendung zur ‚sozialen Gerechtigkeit‘, das Streben nach ‚Dekolonialisierung‘ des Curriculums, der Glaube an ‚Safe Spaces‘, ‚Micro-Aggressionen‘ und ‚Triggerwarnungen‘, die Betonung der ‚Sicherheit‘ für die Studenten, die über den Erwerb von Wissen gestellt wird und so weiter, – dass all diese Überzeugung nicht so weit verbreitet sind, wie uns weisgemacht werden soll. Und das wäre ein weiterer Vorteil einer Gewerkschaftsmitgliedschaft – es wäre eine gute Möglichkeit zu zeigen, dass es draußen noch breite Unterstützung für abweichende Meinungen gibt, besonders an der Universität.

Dann lasst uns nicht vergessen, dass die Intersektionale Linke ein existenzielles Interesse daran hat, den Eindruck zu erwecken, dass ihre Auffassungen weiter verbreitet seien, als sie in Wirklichkeit sind. Genau das macht es härter für jeden, öffentlich eine andere Meinung auszudrücken. Sie wollen also das Overton Window kleiner machen. Wenn du ein hoch qualifizierter Akademiker bist, der den Quatsch, den sie propagieren, nicht glaubt, zum Beispiel dass deine Kunstakademie ‚strukturell rassistisch‘ sei – dann ist es wahrscheinlicher, dass du nichts sagst, wenn du weißt, dass diese Auffassung sozusagen offiziell geworden ist. Das ist auch der Grund, warum aggressive Aktivisten sofort jeden einzelnen verfolgen.

George Orwell hat diese Art der Selbstzensur – die Angst, sozial ausgegrenzt zu werden, wenn man die falschen Auffassungen artikuliert – als die größere Gefahr für die freie Rede als staatliche Zensur identifiziert:

‚Zu jedem Zeitpunkt gibt es eine Orthodoxie, eine Anzahl von Ideen, von denen angenommen wird, dass alle rechtschaffenen Menschen sie ohne Zweifel akzeptieren… jeder, der diese Orthodoxie infrage stellt, findet sich mit überraschender Effektivität zum Schweigen gebracht. Eine wirklich unpopuläre Meinung wird niemals offen angehört werden, weder in der populären Presse noch in den Qualitätsmedien.“

Der Blogger Robert Alexander hat hierzu ein Beispiel beigesteuert:

„Hier ist eine Geschichte, die ich von einem Freund gehört habe, die ich ein wenig abändere, um den Unschuldigen zu schützen. Ein anerkannter Psychologieprofessor unterzeichnete einen offenen Brief, in dem Psychologen den Glauben an natürliche Geschlechterunterschiede verurteilten. Mein Freund wusste, dass dieser Professor an diese Unterschiede glaubte und fragte ihn, warum er unterschrieben habe. Daraufhin sagte er ihm, dass er erwarte, dass jeder andere im Department unterschreiben werde – und dass es ist wirklich schlecht aussehen würde, wenn er es selbst nicht auch täte. Als mein Freund fragte, warum er glaube, dass jeder andere unterzeichnen würde, sagte er: Wahrscheinlich aus denselben Gründen wie ich.“

Das ist ein Beispiel für das, was Ökonomen Vorliebenleugnung nennen. Man versteckt seinen eigenen Standpunkt aus Angst vor negativen Konsequenzen. Das spielt mit Sicherheit eine große Rolle in der Unterdrückung abweichender Meinungen an den Universitäten oder generell in der Öffentlichkeit. Eine Organisation zu gründen mit tausenden von Mitgliedern, die bereit wären, den intellektuellen Status Quo herauszufordern, wäre hier ein effektives Gegengewicht zu dieser Vorliebenleugnung.

Natürlich gibt es solche Organisation schon anderswo, zum Beispiel in Nordamerika. Deshalb stellt sich die Frage: Sollte sich diese Gewerkschaften nur um britische Angelegenheiten kümmern und in London ansässig sein? Ich denke zunächst, ja – zumindest am Anfang. Später sollte sich die Mitgliedschaft aber nicht auf spezielle Länder beschränken. Warum? Weil nach meiner Erfahrung die Unterstützung von Menschen auf der ganzen Welt oft entscheidend ist, besonders wenn es darum geht, für Gegenpetitionen einflussreiche Unterzeichner zu gewinnen oder zum Zwecke des Crowdfunding.

In Fällen wie dem des australischen Physiker Peter Ridd, der Jahrzehnte lang das Barrier Reef erforscht hatte und der für das Beharren auf seiner Überzeugung, dass es nicht bedroht sei, von der Universität gefeuert wurde, wurde klar, wie psychologisch wichtig es für Leute sein kann, zu wissen, dass sie nicht alleine sind. Peter Ridd wurde aufrechterhalten von der Tatsache, dass er von Dutzenden Akademikern in ähnlicher Situation in den USA und England E-Mails bekommen hatte.

Zum Ende kommen würde ich noch gerne folgendes zur Diskussion stellen – ich würde mich da über Feedback freuen. Sollte die Institution eine politische Ausrichtung haben oder unparteiisch sein?

Peter Wood, der Präsident NAS, die sich ebenfalls der Verteidigung der freien Rede verpflichtet, erinnert sich, dass seine Organisation anfangs versucht habe, sich politisch neutral zu positionieren, aber dass das ein Fehler war.

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Er sagt: „Wir versuchten uns anfangs außerhalb der politischen Strömungen zu stellen. Wir sagten jedoch, dass wir gegen die Bevorzugung bestimmter Rassen bei Universitätszulassungen seien. Sofort wurden wir deshalb als konservative Organisation bezeichnet. Wir haben dann jahrelang betont, dass wir unpolitisch seien. Das hat nichts genutzt – sondern umgekehrt dafür gesorgt, dass sich Konservative von uns nicht repräsentiert fühlten. Wir kamen also zu dem Schluss, dass, wenn uns jemand als konservativ bezeichnen wollte, dies tun sollte. Der Kampf gegen die Kategorisierungen ist aussichtslos und verschreckt nur die natürlichen Unterstützer.“

Es ist natürlich klar, dass eine Organisation, wie ich sie mir vorstelle, von den Linken sofort als konservativ oder ‚neurechts‘ bezeichnet werden wird, nur weil man für Rede- und Meinungsfreiheit eintritt. Dieser Blog hier wurde schon vom Guardian als rechtsgerichtet und reaktionär bezeichnet, obwohl wir offiziell für nichts stehen als intellektuelle Freiheit. Trotzdem würde ich die Gewerkschaft nicht gerne konservativ oder klassisch-liberal nennen, um diejenigen, die sich nicht zu den Konservativen rechnen, nicht abzuhalten. Viele Intellektuelle und Akademiker, die jetzt unter Feuer geraten, kommen ja von links. Ich würde zum Beispiel auch gerne ein paar genderkritische Feministinnen in unseren Reihen sehen. Viele von ihnen werden ja jetzt von den Trans-Aktivisten angegriffen. Viele britische Feministinnen werden von ihrer Studentengewerkschaft deshalb gar nicht mehr vertreten. Ihnen würde ich gern einen neuen Hafen bieten, auf dass auch nicht nur weiße alte Männer vertreten sind. Die Gewerkschaft könnte so zeigen, dass für Diversität und gutgelaunte Toleranz eintritt.

Ein ebenfalls großes Problem ist die Frage: Soll die Mitgliedschaft geheim bleiben? Einerseits gäbe man damit zu, dass die Macht der Hexenjäger schon so groß ist, dass man sich nur anonym in unsere Organisation traut. Andererseits ist die Gefahr, allein schon durch die Mitgliedschaft Nachteile zu erleiden, tatsächlich sehr groß. Die Lösung liegt in der Mitte. Wir sollten Mitgliedschaften anbieten, die auf Wunsch anonym bleiben und mit allen technischen Mitteln sicherstellen, dass diese Anonymität auch gewährleistet ist. In diesem Fall könnte man aber trotzdem auch anonymen Mitgliedern helfen.

Bleibt noch die Frage: Wie sollten wir diese Organisation nennen. Hier bin ich offen für Vorschläge. Ich selbst würde aber sagen: die J.S.-Mills-Society – nach dem liberalen Vordenker des 19. Jahrhunderts John Stewart Mills.

In jedem Fall: Treten Sie mit mir in Kontakt. Wenn Sie mehr über uns wissen wollen, wenn Sie ein Gründer oder Spender werden wollen, bitte senden Sie eine E-Mail an jsmillsociety@gmail.com. Wir befinden uns bereits in der praktischen Gründungsphase.

Vor zehn Jahren schrieb ich einen Artikel für den Observer in dem ich darlegte, dass ich eine neue Art von Schule gründen wolle, die der original Grammar School ähneln sollte. Mit traditionellem Curriculum, einer kompetitiven Atmosphäre, mit Null-Toleranz gegen asoziales Verhalten, aber mit einer unvoreingenommenen ganzheitlichen Aufnahmepolitik. Die Reaktion auf meinen Vorschlag war so überwältigend, dass ich ein öffentliches Treffen in meinem Haus in London arrangieren – und gleich darauf ein Gründungskomitee gründen musste. Zwei Jahre später gründeten wir bereits Englands erste freie Schule. Heute gibt es davon 442, mit 250 anderen am Start.


Im englischsprachigen Original zuerst bei Quillette erschienen.

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Kommentare ( 21 )

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21 Kommentare auf "„Warum ich eine Gewerkschaft für Freie Rede gründen möchte“"

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Diese Idee macht Sinn und ist fuer das Ueberleben der freien Meinung unabdingbar <
Nur sollte man die Mitgliedschaft der Dichter und Denker erweitern und die "Lenker" , aus der freie, Wirtschaft,mit einbeziehen. Dann haben wir sowohl eine Antenne nach Oben als auch nach Unten. Die "Bodenhaftung" bleibt erhalten und wir haben einen schlagkraeftigen Dreierbund der unseren linken "Freunden" Paroli bieten kann.<
Nach aussen agieren Mitglieder, die Zeit, Motivation und Freude daran haben sich mit diesen Ungeistern unserer Zeit zu beschaeftigen. Auch sind sie unangreifbar fuer diese Herrschaften. Apply for Membership.

Zitat aus Rational Wiki über den Autor Toby Young und Quillette: „Having now spent time arguing with various Quillette writers and learning more about their intellectual circles, it’s become more and more clear to me the extent to which Quillette and Claire Lehmann are fronts for race realists and eugenicist psuedo[sic]-science. They all circle around the more hardcore, Nazi-adjascent[sic] outlets and people like The Unz Review, Steve Sailer, and the Ulster Institute/Richard Lynn circles (see: bringing in Toby Young as an editor).“ Ich hätte das gleiche gesagt, nur positiv. Aber TE wollte nix davon wissen; mal sehen, ob dieser sozusagen… Mehr

Ein erschreckendes Dokument! Man sieht, wie weit verbreitet der Kampf gegen die Freiheit schon ist.

Erschreckend, aber auch ermutigend.

Was hier vorgeschlagen wird, ist letztlich nichts anderes, als das, was die Linksgrünen wirklich gut beherrschen: sich zu organisieren und die daraus herrührenden Organisationen als Propaganasprachrohre und -verstärker zu benutzen, um sich als die Guten und – soweit dazu erforderlich – als Opfer zu präsentieren, um so wiederum ihre ideologischen Ziele um- und durchzusetzen.
Das die Konservativen insoweit deutlich hinterherhinken, liegt einfach daran, dass sie individualistisch(er) organisiert sind. Individualistische Einzelkämpfer haben aber gegen den organisierten, linksgrünen Mob keine Chance, wie sich in Schland bereits an Herrn Lucke, Herrn de Maiziere etc. gezeigt hat. Insoweit haben die Konservativen also großen Nachholbedarf.

Traurig, dass die Gründung einer Gewerkschaft nonkonformistisch Denkender in westlichen „Demokratien“ notwendig erscheint. In Deutschland wäre dieser Schritt auf jeden Fall nötig, wobei sich jeder, der Mitglied in der GnD wäre, sofort verdächtig machte. Die Grenze des Unsagbaren ist in den letzten Jahren weit nach links verschoben worden. Es ist ganz selbstverständlich, dass die Grenzziehung durch Linksgrüne erfolgt, Konservative haben sich daran zu orientieren. Wenn dann einer wie Sarrazin oder Broder kommt und diese imaginäre Grenze verletzt, steht die Frage im Raum, ob er sein Grundrecht auf freie Meinungsäußerung „ein Stück weit verwirkt“ hat (K. Kleber/Staatsfunk II). Dieter Nuhr hat… Mehr
Sympathische Idee, aber 1) Gewerkschaften sind keine Kopfgeburten. Erst war die (soziale) Bewegung, dann kam die Organisation. 2) Solidarnosc war keine Gewerkschaft, sondern ein Bündnis aus Arbeitern, Intellekutellen und katholischer Kirche, das sich als Gewerkschaft ausgab, weil es so von den Kommunisten schlechter diffamiert werden konnte. Vorausgegangen war ihr mindestens (!) ein Jahrzehnt, in dem die Bündnispartner, zunächst getrennt, eine Gegengesellschaft schufen. Am Anfang stand die geistige Analyse dessen, was der Feind eigentlich genau war, diese „sozialistische Gesellschaft“. 3) In diesem, der Gründung vorausgehenden Jahrzehnt hatte (fast) keiner der Beteiligten Angst, seine gesellschaftliche Stellung zu verlieren. Vielmehr war der individuelle… Mehr
„Solidarnosc war keine Gewerkschaft, sondern ein Bündnis aus Arbeitern, Intellekutellen und katholischer Kirche, das sich als Gewerkschaft ausgab, weil es so von den Kommunisten schlechter diffamiert werden konnte.“ Ja und? Eine Rose, auch wenn sie nicht Rose hieße, würde lieblich duften… Es geht doch nicht um Semantik, sondern um den Inhalt. Ob man das Baby jetzt Gewerkschaft nennt oder nicht, ist dafür erstmal irrelevant. Wie Sie aber selbst dargelegt haben, kann die Verwendung des altbekannten Begriffs durchaus Vorteile bringen. Auch die völlig neue Solidarnosc benutzte eben genau deshalb das alte Wort. Es machte propagandistisch immun und seine positive Konnotation brachte… Mehr

Eine „Gewerkschaft“ ohne soziale Bewegung ist ein „Wittgenstein-Debattierclub“, aber ich denke, Sie haben mich schon verstanden. Was sind die Bündnispartner?

Eine hervorragende Idee und der einzige Weg, um dem wachsenden Druck etwas entgegen zu setzen. Solange jeder, der sich dem System Einheitsmeinung widersetzt mit Ausgrenzung und Existenzvernichtung rechnen muss, kann sich nichts ändern.

Der beste Vorschlag zur Bekämpfung der westlichen Misere seit 2015! Wo kann ich beitreten?

Warum sollen dort nur Wissenschaftler unterschreiben? Ich unterschreibe auch gerne!

Schöne Idee. Nach der Roten Hilfe und der Stillen Hilfe, vielleicht mal eine Laute Hilfe, oder wie auch immer…