Wenn Wärmepumpen-Pläne von Regierungen auf die Realität treffen

Die Regierung Großbritanniens will jährlich 600.000 Häuser mit Wärmepumpen nachrüsten. Der Energieversorger British Gas macht ihr nun einen Strich durch die Rechnung. In Deutschland rechnet die FDP mit Gesamtkosten von 2,5 Billionen Euro für den Heizungsaustausch: Das Gesetz könne so nicht kommen.

IMAGO / Rainer Weisflog

British Gas zieht die Reißleine. Der nach eigenen Angaben größte Gas- und Stromversorger Großbritanniens hat jetzt erklärt, dass er dem Einbau einer Wärmepumpe nur dann zustimmen werde, wenn die auch die gewünschte Leistung bringen könne. Auch an den kältesten Tagen soll es im Haus wirklich warm werden. Sollte eine der installierten Wärmepumpen diesen Test nicht bestehen, so werde das Unternehmen das Geld zurückerstatten.

„Das ist schön und gut“, schreibt Kolumnist Ross Clark im britischen Telegraph. Er ist auch Autor des Buches „Not Zero: Wie ein irrationales Ziel Sie verarmen lässt, China hilft (und nicht einmal den Planeten retten wird)“. Dies ist übrigens eine „knallharte Polemik“ gegen einen potenziell verheerenden politischen Konsens, der Großbritanniens Wirtschaft lähmen, Milliarden kosten und nicht einmal effektiv sein könnte, wie es in der Ankündigung heißt.

Jetzt erst recht:
Immobilienbesitzer kaufen verstärkt Ölheizungen statt Wärmepumpen
„Aber das bedeutet“, fährt Clark fort, „dass Millionen von Haushalten keine Wärmepumpe von British Gas installieren lassen können. In Großbritannien gibt es acht Millionen Häuser mit massiven Wänden, die nur schwer und zu vertretbaren Kosten auf die erforderlichen Isolierungsstandards gebracht werden können. Wenn andere Unternehmen dem Beispiel von British Gas folgen, hat die Regierung keine Chance, ihr Ziel zu erreichen, bis zum Ende dieses Jahrzehnts jährlich 600.000 Häuser mit einer Wärmepumpe nachzurüsten. British Gas hat den Netto-Null-Ambitionen der Regierung gerade einen großen Strich durch die Rechnung gemacht.“

Er wolle nicht negativ klingen. Er würde sein Haus viel lieber mit einer elektrischen Wärmepumpe beheizen als mit dem vorhandenen, stinkenden Ölheizkessel. Er hätte sie schon vor Jahren eingebaut, wenn er davon überzeugt gewesen wäre, dass sie das Haus warm halten könne.

„Aber nach den Erfahrungen vieler Menschen zu urteilen, sind die Luft-Wärmepumpen, die derzeit massenhaft vermarktet werden, dieser Aufgabe einfach nicht gewachsen. Sie sind eine effektive Möglichkeit, die Temperatur in Ihrem Haus zu erhöhen, wenn Sie es nicht wirklich beheizen müssen, aber wenn Sie in einem alten Haus wohnen und keine andere Heizungsmöglichkeit haben, werden Sie an den kältesten Tagen wahrscheinlich frösteln. Es gibt nicht viel Wärme, die man der Luft entziehen kann, wenn es draußen minus 10 Grad hat. Unter der Erde ist mehr Wärme zu finden, aber um diese anzuzapfen, braucht man eine viel teurere und platzraubende Erdwärmepumpe. 10.000 Pfund für eine Wärmepumpe auszugeben, die nur als Grundheizung taugt, scheint ein schlechtes Geschäft zu sein, wenn man für ein Fünftel des Preises einen Gaskessel kaufen kann, der die ganze Arbeit erledigt.“

Vielleicht werde sich die Technologie verbessern und die Kosten sinken. Der Einspruch von British Gas in dieser Woche sollte der Regierung eine Warnung sein, so Clark. „Es ist nie eine gute Idee, Ziele zu setzen, bevor man sicher ist, dass die Technologie so weit fortgeschritten ist, dass sie erreicht werden können.“ Der Schluss von Ross Clark: „Wärmepumpen sehen immer mehr nach einer Verschwörung gegen die Öffentlichkeit aus!“

Hierzulande taxiert die FDP laut dts die Folgekosten durch die Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) auf mehr als zwei Billionen Euro. Wie die Bild unter Berufung auf Berechnungen des energiepolitischen Sprechers Michael Kruse (FDP) meldet, sind für die Haushalte bis 2045 „Gesamtkosten von mindestens 2,5 Billionen Euro“ zu erwarten. „Dieser Wert könnte je nach Sanierungsbedarf noch erheblich steigen“, zitiert Bild aus Kruses Berechnungen.

In den Zahlen sind neben den Kosten für Kauf und Einbau zum Beispiel von Wärmepumpen auch Aufwendungen für Gebäudedämmung, neue Heizkörper sowie Solaranlagen enthalten. Kruse kommt damit auf rund 20 Mal so hohe Kosten wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) im GEG offiziell ausweist. In dem Gesetz geht Habeck bis 2045 von Kosten in Höhe von rund 130 Milliarden Euro aus.

Kruse forderte Habeck auf, „endlich ehrlich die Gesamtkosten zu benennen“. Es könne „nicht sein, dass Belastungen künstlich kleingerechnet werden“, sagte Kruse zu Bild: „Klimaschutz funktioniert nur dann, wenn er mit den Menschen und nicht mit der Brechstange gemacht wird. Dieses Gesetz ist nicht effizient beim Mitteleinsatz. Es kann so nicht kommen.“

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Kommentare ( 75 )

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Franjo
1 Jahr her

Statt Wärmepumpen, die die Wärme aus der Erde holen, zu installieren und teuer zu bezahlen könnten wir doch, ökologisch korrekt, auch gleich in Erdhöhlen hausen. Da bräuchten wir keine Pumpen und auch gleich keine Häuser mehr!

Borkner
1 Jahr her

Das wäre immerhin ein erstrebenswertes Ziel. Diese EU muss weg.

Knackfloh Goe
1 Jahr her

Wem könnte ich noch glauben? Der Autoindustrie? Die hat mich betrogen mit der Abgasreinigung. Gut, die reinigt, aber nicht immer. Den Pharmakonzernen? Die Covid-Impfstoffen schützen, aber nicht immer. Wir haben die AKWs abgeschaltet. Wir sind sicher! Leider nicht für immer. Der Wind könnte den fallout aus Frankreich/Belgien oder Tschechien/Polen zu uns bringen.
Und jetzt die Wärmepumpe! Die heizt, aber sicher nicht immer. Sorry, ich zögere noch bis ich viele glückliche Wärmepumpenbesitzer auf der Straße treffe.

Teiresias
1 Jahr her

Es geht nicht um Klima, es geht um Enteignung von Hausbesitzern.
Für dieses Ziel können die Kosten nicht hoch genug sein.

ComCom
1 Jahr her

Eine passend dimensoinierte Wärmepumpe bekommt ein Haus immer warm. Es ist nur die Frage was kostet das dann. Wer in einem 200m² Zugluftpalast wohnt und etwa 40000kWh Waerme benötigt zahlt bei einer schlechten JAZ von etwa 2 etwa 8000 Euro pro Jahr.

fatherted
1 Jahr her

Leute….macht es euch doch nicht so schwer. Die flächendeckende Wärmepumpe wird am Stromnetz scheitern. Siehe Vonovia. Vor dem Einbau muss der Elektriker eine Genehmigung vom Stromversorger/Netzbetreiber einholen….liegt die nicht vor….gibt es keinen Anschluss ans Stromnetz. So….wenn alle also WPs einbauen…wird das Netz überlastet….auch mit Smart-Meter ist das nicht mehr steuerbar….denn es sind dann zu viele WPs….dazu noch die Ladestationen für die E-Autos und der normale Verbrauch. Also….einfach mal mit den Netzbetreibern reden…was von deren Standpunkt aus möglich ist….dann ist die Diskussion ganz schnell vorbei.

jopa
1 Jahr her
Antworten an  fatherted

Das alles ist ja schön und gut, aber interessiert das da oben irgendjemanden? Die gehen doch nach dem Motto vor: Bei mir kommt der Strom aus der Steckdose, was brauch ich da Kraftwerke?

martin ruehle
1 Jahr her
Antworten an  fatherted

Seit wann hält der gesunde Menschenverstand die grünen Klima-Apokalyptiker davon ab, den Irrsinn ihrer weltfremden Ideologie in Gesetze zu gießen und uns mit Verboten und ihrem ruinösen „Ablasshandel“ zu erpressen?!

Bernhardino
1 Jahr her

Ich denke, der „Streit“ um die Wärmepumpe ist eine kalkulierte Abrede zwischen den Grünen und der FDP. Die Stammwähler der Grünen sind unbeirrbar und bringen die Grünen immer über die 5%-Hürde. Anders bei der FDP, denen die Wähler abspringen, die die FDP mit rechtslastigen Sprüchen vor Wahlen regelmässig fängt. Ich denke, das durch „heroischen Kampf“ der FDP das Gesetz nicht kommt, und die „Verhinderung“ auf ihre Fahnen schreiben darf. Zutiefst dankbare, aufgrund der Rettung ihrer Angst vor existenzieller Vernichtung, Wahlberechtigte wählen daraufhin die FDP. Anfang nächsten Jahres, vor den Bundestagswahlen wird es wohl so geschehen.

Lizzard04
1 Jahr her

Von Habeck zu fordern, „endlich ehrlich die Gesamtkosten zu benennen“, ist einfach lächerlich! Da kann man gleich einen Brief an den Weihnachtsmann senden! Seit wann können Leute, die, nachdem sie offensichtlich Mathe und Physik in Klasse 5 abgewählt haben („Länder, die 100000km entfernt liegen, also Geographie auch), um sich rein einem ideologischen Glauben zu unterwerfen (“ Mit dem Abschalten der Atomkraftwerke wird Strom aus Solar und Wind billiger“ KGE), auch nur ansatzweise mit Zahlen und der Realität umgehen!

Lizzard04
1 Jahr her

Von Habeck zu fordern, „endlich ehrlich die Gesamtkosten zu benennen“, ist einfach lächerlich! Da kann man gleich einen Brief an den Weihnachtsmann senden! Seit wann können Leute, die, nachdem sie offensichtlich Mathe und Physik in Klasse 5 abgewählt haben („Länder, die 100000km entfernt liegen, also Geographie auch), um sich rein einem ideologischen Glauben zu unterwerfen (“ Mit dem Abschalten der Atomkraftwerke wird Strom aus Solar und Wind billiger“ KGE), auch nur ansatzweise mit Zahlen und der Realität umgehen!

Lizzard04
1 Jahr her

Von Habeck zu fordern, „endlich ehrlich die Gesamtkosten zu benennen“, ist einfach lächerlich! Da kann man gleich einen Brief an den Weihnachtsmann senden! Seit wann können Leute, die, nachdem sie offensichtlich Mathe und Physik in Klasse 5 abgewählt haben („Länder, die 100000km entfernt liegen, also Geographie auch), um sich rein einem ideologischen Glauben zu unterwerfen (“ Mit dem Abschalten der Atomkraftwerke wird Strom aus Solar und Wind billiger“ KGE), auch nur ansatzweise mit Zahlen und der Realität umgehen!