Trotz des Vetos der ungarischen Regierung hält die Europäische Union an ihrem Vorhaben fest, der Ukraine ein Finanzpaket in Höhe von 90 Milliarden Euro zu genehmigen – eine Umgehung der Blockade soll bereits geplant sein.
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Beim jüngsten Gipfeltreffen in Brüssel machten führende Vertreter der EU deutlich, dass sie entschlossen sind, Wege zu finden, die zugesagten Mittel auch ohne Zustimmung Budapests an die Ukraine auszuzahlen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte nach den Beratungen, die Union werde ihre Zusagen einhalten. „Wir werden liefern – auf die eine oder andere Weise“, erklärte sie und verwies auf die strategische Bedeutung der Unterstützung für die Ukraine. Auch der Präsident des Europäischen Rates, António Costa, meinte, der Widerstand Ungarns sei „inakzeptabel“: „Eine Vereinbarung ist eine Vereinbarung. Niemand kann den Europäischen Rat erpressen.“
Orbán bleibt bei seinem Veto
Hintergrund der Auseinandersetzung ist die Blockade von Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán, der sich seit Monaten gegen neue Finanzhilfen für Kiew stellt. Orbán begründet seine Position unter anderem mit den wirtschaftlichen Risiken und fordert eine Neubewertung der EU-Strategie gegenüber Russland. Und: Ungarns Ministerpräsident hat die Ukraine bereits mehrmals aufgefordert, den Durchfluss von weiteren Öl-Mengen von Russland nach Ungarn über die Druschba-Pipeline wieder zu ermöglichen. Einige EU-Politiker werfen ihm nun vor, die Geschlossenheit der EU in einer entscheidenden Phase zu untergraben.
Deutliche Kritik kam dazu auch von Bundeskanzler Friedrich Merz. Er bezeichnete das Verhalten Orbáns als „Akt grober Illoyalität“. Nach dem Gipfel erklärte Merz, dass das Vorgehen Ungarns nicht ohne Folgen bleiben werde. „Das, was wir erlebt haben, können wir so nicht akzeptieren“, sagte er und deutete an, dass die Debatte über die künftige Haushaltsstruktur der EU dadurch neu entfacht werden könnte.
Diplomaten zufolge prüfen mehrere Mitgliedstaaten inzwischen alternative Mechanismen, um die Finanzhilfe außerhalb der üblichen Einstimmigkeitsverfahren zu ermöglichen. Denkbar sind Modelle, bei denen eine „Koalition der Willigen“ innerhalb der EU Fakten schafft, oder bestehende Finanzinstrumente umgewidmet werden. Ähnliche Konstruktionen wurden bereits in der Vergangenheit genutzt, etwa bei Sonderfonds oder gemeinsamen Kreditaufnahmen während der Corona-Politik.
Für die Ukraine ist das Hilfspaket von existenzieller Bedeutung: Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte in Brüssel eindringlich vor den Folgen einer Verzögerung. Sein Land befinde sich weiterhin in einer äußerst angespannten Lage im Krieg gegen Russland. „Jede Unterstützung zählt – und Zeit ist ein entscheidender Faktor“, sagte Selenskyj.
Wiederaufnahme diplomatischer Gespräche
Parallel dazu deutete der ukrainische Präsident an, dass es vorsichtige Signale für eine mögliche Wiederaufnahme diplomatischer Gespräche mit Russland gebe. Diese würden insbesondere von den USA unterstützt, die weiterhin eine zentrale Rolle in der internationalen Ukraine-Politik spielen. Beobachter sehen darin jedoch noch keinen Durchbruch, sondern vielmehr erste fragile Annäherungsversuche.
Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche war die Energieinfrastruktur: Die Ukraine arbeitet gemeinsam mit der EU an der Wiederherstellung der durch russische Angriffe beschädigten Druschba-Ölpipeline, einem wichtigen Versorgungsweg für mehrere osteuropäische Länder. Die Reparatur gilt als entscheidend für die Stabilisierung der Energieversorgung in der Region.
Die aktuellen Spannungen werfen erneut grundlegende Fragen zur Entscheidungsfähigkeit der EU auf. Insbesondere zeigt die EU-Führung aktuell, dass sie das Einstimmigkeitsprinzip in zentralen außen- und finanzpolitischen Fragen aushebeln möchte, wenn das Ergebnis der bisherigen Abstimmungs-Praxis so nicht erwünscht ist.
Es bleibt abzuwarten, ob die tiefgreifende Änderung der Energie-Geopolitik nach der anhaltenden Beschädigung der LNG-Basis in Katar und der dadurch entstehenden US-LNG-Dominanz die Karten auch für die Ukraine ganz neu mischt.


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Wieso kann die sogenannte eu gegen de Interessen von Mitgliedern handeln? Ein Skandal.
Trotz des Vetos der ungarischen Regierung hält die Europäische Union ? (wer ist das?) an ihrem Vorhaben fest, der Ukraine ein Finanzpaket in Höhe von 90 Milliarden Euro zu genehmigen.
So geht man mit unserem Geld um.
Die Ukraine ist nicht mal Mitglied.
Dazwischen ist Belarus.
Bekommen die auch noch einen Kredit?
Gegen die EZ-Verträge?
Ist diesen Demokraten doch egal.
Dieser ganze Kindergarten wäre vorbei gewesen, wenn die Ukraine gesagt hätte: „ja, das Ding ist kaputt, kommt selber her, schaut es Euch an, bringt gerne Techniker mit und setzt das Ding wieder in Gang“. Aber nein, man weigert sich ja sogar die Begutachtung zu erlauben. Was will man also verbergen? Man stelle sich mal vor, du hast einen bis über beide Ohren verschuldeten Nachbarn neben dir wohnen. Und zwei Häuser weiter hat jemand ein Stromkabel zu dir gegraben. Dein verschuldeter Nachbar schneidet es durch und behauptet er wäre das nicht gewesen. Aber statt einen Elektriker dranzulassen will er niemanden aufs… Mehr
UvdLs EU Demokratieverständnis: wozu Abstimmungen? Einfach machen
siehe auch
Das Mercosur-Abkommen zwischen der EU und vier südamerikanischen Ländern liegt gerade dem Europäischen Gerichtshof zur Überprüfung vor. Das Parlament hat dem Handelsabkommen noch nicht zugestimmt, die EU-Kommission will es trotzdem in Kraft setzen. https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/eu-kommission-will-mercosur-abkommen-vorlaeufig-in-kraft-setzen,VCQVQEL
Jetzt halt das 90 Milliarden Geschenk an Herrn Selenskyi. Auch wenn es als „Kredit“ betitelt ist, es ist ein Geschenk. Die Ukraine braucht das nie zurück zahlen.
Gibt es jetzt auch einen Kredit für den Iran?
Oder legt sich die EU nur für Länder ins Zeug die von Russland angegriffen werden?