Blocus: Wie ein 20-jähriger Sohn pakistanischer Einwanderer die Gewalt auf Spaniens Straßen organisiert

Schwarze Kleidung, Sturmhauben, Molotowcocktails. Spaniens uniformierte Blocus-Bewegung rüstet für Halloween. Ein 20-Jähriger Sohn pakistanischer Einwanderer zieht die Fäden. Als Profilbild verwendete er das Gesicht eines Mannes, dem die Führung der berüchtigten Mocro Maffia zugeschrieben wird. Die kriminelle Organisation hat marokkanische Wurzeln und internationale Verbindungen.

picture alliance / abaca | Europa Press/ABACA

Plünderungen, Angriffe auf Polizisten, selbst gebaute Sprengsätze. Für Halloween bereitet die Jugendbewegung Blocus schwere Ausschreitungen in spanischen Großstädten vor. Ihr Drahtzieher ist ein 20-Jähriger pakistanischer Herkunft, der sich mit dem Bild eines berüchtigten Mafiabosses schmückt. Eine Recherche enthüllt, wie die Randalierer ihre Angriffe organisieren, welche Geschäfte sie ausrauben wollen und warum die Polizei inzwischen massiv gegen das Netzwerk vorgeht.

Was als Jugendbewegung aus Frankreich nach Spanien überschwappte, entwickelte sich binnen kurzer Zeit zu einem Netzwerk für organisierte und kriminelle Straßengewalt. Unter dem Namen „Blocus“ verabreden sich junge Männer zu Plünderungen, planen Angriffe auf Polizisten und diskutieren über Waffen und selbst gebaute Sprengsätze. Ihr nächster großer Auftritt soll am Halloween-Abend stattfinden. Dann wollen sie in den Großstädten der Iberischen Halbinsel „die Straßen in Brand setzen“.

Eine Woche lang gelang es der spanischen Zeitung Crónica, sich in eine verschlüsselte Signal-Gruppe der Bewegung einzuschleusen. Was die Journalisten dort beobachteten, hatte mit politischem Protest wenig zu tun. Es ging um die Auswahl lohnender Ziele zum Plündern, das Auskundschaften von Polizeistandorten, die Bewaffnung der Teilnehmer und die Organisation von Fluchtwegen.

„Meine Informanten werden mir sagen, in welchen Geschäften keine Blauen [Polizisten] sind. Ich werde den Standort sofort weitergeben, und der Rest ist Magie“, erklärte einer der Organisatoren. Andere forderten, Schraubenschlüssel und spitze Gegenstände zum Einschlagen von Schaufenstern mitzubringen, schwarze Kleidung und Halloween-Masken zu tragen oder improvisierte Sprengsätze herzustellen. Auch von einer „Armee von mindestens 100 aktiven Leuten, die zu allem bereit sind“, war die Rede. Das ist keine spontane Randale mehr. Hier wird Gewalt geplant, organisiert und mit konkreten Zielen versehen.

Im Mittelpunkt des Netzwerks steht ein 20-Jähriger mit spanischem Pass, der in einer Familie pakistanischer Herkunft aufgewachsen ist. Von Picanya bei Valencia aus trieb er die Verbreitung der Blocus-Bewegung voran, die zuvor bereits in Frankreich entstanden war. In Barcelona trat er unter dem Pseudonym „FUCK A.E.A.T“ auf. Als Profilbild verwendete er das Gesicht eines Mannes, dem die Führung der berüchtigten Mocro Maffia zugeschrieben wird. Die kriminelle Organisation hat marokkanische Wurzeln und internationale Verbindungen.

Auch das Umfeld der Bewegung ist aufschlussreich. Nach den Recherchen von Crónica handelt es sich überwiegend um junge Menschen marokkanischer Herkunft, häufig aus zerrütteten Familienverhältnissen. Eine gemeinsame politische Ideologie ist nicht erkennbar. Was sie verbindet, ist vor allem das Interesse, die Unruhen für Plünderungen auszunutzen. Es geht um Beute und Gewalt. Allerdings schliesst die Polizei Verbindungen zu islamistischen Kreisen und organisierter Kriminalität nicht aus.

Bereits am 24. Oktober hatte der 20-jährige die schweren Ausschreitungen in Barcelona vorangetrieben. Für Halloween sollte die nächste Eskalation folgen. Die Vorbereitung erfolgte über soziale Netzwerke und verschlüsselte Messenger. Nachdem die Behörden mehrere Telegram-Gruppen geschlossen hatten, verlagerten die Organisatoren ihre Kommunikation.

Allein drei Telegram-Kanäle mit dem Namen „Blocus Bcn“ wurden im Laufe der Woche auf Antrag des spanischen Innenministeriums abgeschaltet. Die Ermittler der katalanischen Mossos d’Esquadra, der Nationalpolizei und der Guardia Civil gingen zunehmend gegen das Netzwerk vor.

Für die Teilnehmer galt eine strenge Uniform: vollständig schwarze Kleidung, Handschuhe und Sturmhauben. Kein Körperteil sollte erkennbar bleiben. Aus der vermeintlichen Jugendbewegung wurde damit ein Netzwerk, das nicht nur Plünderungen, sondern auch gezielte Gewalt gegen die Sicherheitskräfte vorbereitete. In den Chats diskutierten die Teilnehmer ausführlich über mögliche Bewaffnung. Steinschleudern, Pfefferspray und ein Metallschläger wurden ebenso erwähnt wie Molotowcocktails. Einer prahlt sogar damit, eine 9-Millimeter-Pistole und eine Beretta zu besitzen.

Inzwischen reagierten die spanischen Sicherheitsbehörden mit einer Serie von Festnahmen. Bis Freitag, den 30. Oktober, wurden mindestens zehn Personen festgenommen, denen die Organisation oder Förderung von Blocus-Aktivitäten vorgeworfen wird. Weitere Festnahmen schließen die Ermittler nicht aus.
Bemerkenswert ist nicht nur die geografische Verbreitung der Bewegung von Valencia über Barcelona bis Bilbao, Málaga und Teneriffa. Auffällig ist auch das Alter der Festgenommenen. Mehrere der mutmaßlichen Organisatoren sind minderjährig, andere gerade erst volljährig.

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