Am 7. Oktober 2023 wurde den Israelis nicht zum ersten Mal vor Augen geführt, mit wem sie es zu tun haben und ihr ganzes Leben lang zu tun haben werden. Paradoxerweise stärken gerade die Resilienz und Wehrhaftigkeit des jüdischen Staates dessen Gegner.
picture alliance / newscom | Jim Hollander
Drei Jahre nach dem Terror der Hamas ist der Hass auf Israel weltweit gewachsen.
Das Massaker der palästinensischen Terroristen an mehr als 1.200 Menschen, darunter viele Kinder, Frauen und Alte, war mehr als nur eine brutale Botschaft an den jüdischen Staat. Die Ereignisse des 7. Oktober 2023 im israelischen Grenzgebiet zum Gazastreifen erinnerten jeden, der es erkennen wollte, an die ewige Existenz des Bösen in unserer Welt – und an die Entschlossenheit der islamistischen Feinde der jüdisch-christlichen Hemisphäre.
Die Verleugnung und Relativierung des offensichtlich lustvoll begangenen und demonstrativ gefeierten Massenmords und der anschließende Ausbruch von Hass auf die Juden weltweit sind nur weitere Belege für eine Welt, die aus den Fugen gerät, vor allem aber auch für den Zustand des freien Westens, der nicht mehr zwischen Gut und Böse, Wahrheit und Lüge, Opfer und Täter, Freund und Feind unterscheiden kann.
Wenn in 100 Jahren Kinder im Geschichtsunterricht über den barbarischen Angriff der Hamas auf Israel hören, wird der Lehrer viel erklären müssen – vor allem, warum ausgerechnet seit dieser tausendsten Kriegserklärung gegen Israel der Antisemitismus global ein ungeahntes Ausmaß angenommen hat, der Hass auf das kleine jüdische Volk mit gerade mal 15 Millionen Menschen weltweit so groß wurde wie noch nie seit der Gründung des winzigen Juden-Staates 1948. Falls es denn – angesichts der vielen dystopischen Bedrohungen – in 100 Jahren noch Menschen und Kinder gibt, Schulen und Geschichtsunterricht oder das Ringen um Wahrheit und Wahrhaftigkeit.
Begeisterung im Westen für Terrorismus gegen Juden
Der Geschichtslehrer im 22. Jahrhundert würde sicher auch die Filme aus Europa oder den USA präsentieren, wo Hunderttausende, vor allem junge Menschen begeistert und leidenschaftlich die Symbole und Fahnen der Terrororganisationen tragen, die Parolen der menschenverachtenden Islamisten skandieren.
Und dann würde er vielleicht die mit den Handys der Angreifer aus dem Gazastreifen aufgenommenen Videos zeigen; vermutlich in sehr dosierter Form, denn die Dokumente der Grausamkeit, Morde, Vergewaltigungen und Folterungen sind auch für Erwachsene schwer erträglich. Besonders schockierend ist der erkennbare Stolz der Terroristen auf ihre Gewaltorgien, denen Kibbuz-Bewohner ebenso zum Opfer fielen wie israelische und ausländische Besucher des Supernova-Musikfestivals unter freiem Himmel.
Die ganze Welt konnte und sollte sehen, mit welcher Genugtuung und welchem Triumph die weit mehr als 2000 überwiegend jungen Kämpfer aus dem Gazastreifen mordeten, folterten und vergewaltigten, Israelis zu unfassbaren Grausamkeiten an ihren eigenen Familienangehörigen zwangen, Leichen schändeten und schließlich 251 Geiseln verschleppten.
Das barbarische Treiben war von langer Hand geplant. Dokumente belegen, dass die islamistischen Drahtzieher des Terrors selbstgewiss aller Welt demonstrieren wollten, zu welchen Monstrositäten sie fähig waren. Jeder konnte erkennen, wes Geistes Kind die Führer und Aktivisten dieser Terrororganisationen sind, die im Namen ihres „antizionistischen, antikolonialistischen Kampfes“ nur ein Ziel kennen: die Auslöschung des jüdischen Staates, ein Palästina „From the river to the sea“, vom Jordanfluss bis zum Mittelmeer.
Islamisten kennen die Mechanismen des Westens
Die Chefideologen in der arabischen Welt und in Iran sind ausgezeichnete Kenner der Mechanismen internationaler Politik, insbesondere auch der Realitäten in den westlichen Gesellschaften. Schon kurz nach dem Massaker im israelischen Grenzgebiet warnten weltweit führende Politiker – wie Irlands Außenminister Micheál Martin, UN-Generalsekretär António Guterres oder Frankreichs Präsident Emmanuel Macron – Jerusalem vor „unverhältnismäßigen“ Militäraktionen und forderten „maximale Zurückhaltung“ zum Schutz der Zivilbevölkerung.
Es kam, wie es kommen musste. Israels Regierung erklärte der Hamas und anderen Terrororganisationen wie erwartet den Krieg, mit dem erklärten Ziel, ihre militärische und politische Herrschaft in Gaza zu zerschlagen. Das Drama nahm seinen unvermeidbaren Lauf, die Bilanz nach drei Jahren: allein im Gazastreifen wurden etwa 75.000 Araber (und 1.300 israelische Sicherheitskräfte) getötet, mehr als 170.000 Menschen wurden verletzt, darunter viele Kinder und Frauen. Die Wohngebiete sind weitgehend zerstört, ebenso die Infrastruktur.
Viele Bewohner Gazas definierten sich auch zuvor noch in dritter und vierter Generation als Flüchtlinge, obwohl sie längst in festen Wohnverhältnissen lebten und von internationalen Hilfsorganisationen versorgt wurden. Nun wurden Hunderttausende tatsächlich zu Vertriebenen im eigenen Land. Hunderttausende leben unter elender Bedingungen, auch wenn es wohl keine Region vergleichbarer Größe gibt, in die mehr internationale Hilfe – von der UN, der EU, vielen Staaten und Organisationen – fließt als in die Palästinensergebiete.
Die Hamas war auf Krieg und Elend vorbereitet
Die Kämpfer und Funktionäre der Extremistengruppen, die sich laut Umfragen der Unterstützung großer Teile der palästinensischen Bevölkerung sicher sein konnten, waren auf den Krieg vorbereitet: sie verschanzten sich in einem gigantischen Tunnelnetz, großteils unterhalb der Wohngebiete, in Kommandozentralen, Stützpunkten und Waffenlagern in oder unter Krankenhäusern, Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen.
Israels Militär stand vor der Wahl, entweder von vornherein den Kampf gegen die Islamisten zu verlieren oder zahlreiche zivile Opfer in Kauf zu nehmen. Schließlich gehörte es maßgeblich zum Konzept der Terrororganisationen, sich überall in zivilen Einrichtungen, in den Wohnungen der Familien zu verbergen.
Der israelische Publizist Nachum Kaplan erklärt die unterschiedliche Wahrnehmung des Krieges vor allem mit der Realitätsferne der Kommentatoren in aller Welt. Israels Militärs wüssten, dass Untätigkeit üble Konsequenzen nach sich ziehen kann. Während Soldaten rasch entscheiden müssen, glaubten Außenstehende, jede Entscheidung könne und müsse erst komplex geprüft werden. Die Weltfremdheit der Kritiker Israels scheint nicht nur bei Kriegshandlungen Ursache für unterschiedliche Bewertungen zu sein.
Kalkül der Islamisten ging auf: Israel verhasst wie nie
Drei Jahre nach dem Massaker der Hamas müssen die Israelis erkennen, dass das Kalkül der islamistischen Ideologen und der arabischen Terrororganisationen weitgehend aufgegangen ist. Israel, das zwar nur als eine, wenngleich sehr wichtige Säule der westlichen Welt angesehen wird, hat international schweren Schaden hinnehmen müssen. Zumindest die Ayatollahs in Qom und Teheran denken, dass die Vernichtung des jüdischen Staates ein nicht unwesentlicher Schritt wäre zum Ende der westlichen Vorherrschaft.
Israel wurde ein Krieg aufgezwungen, dessen iranische und arabische Drahtzieher offenbar darauf kalkulierten, dass er möglichst viele zivile Opfer in der eigenen Bevölkerung fordern würde. Mit einem Waffengang, der Israel in der Welt zur Zielscheibe heftiger Kritik machte, wurde das barbarische Wüten im israelischen Grenzgebiet letztendlich politisch reich belohnt. Die internationale Reaktion hätte kaum israelfeindlicher sein können. Insbesondere wurden alle Juden in der Welt für den „imperialistischen“ Zionismus mitverantwortlich gemacht.
Der Antisemitismus erreichte in den vergangenen drei Jahren ein Ausmaß, mit dem kaum eine jüdische Gemeinde in der westlichen Welt gerechnet hatte. In den USA, wo mehr als sechs Millionen Juden leben, wurde zahlreiche jüdische Studenten und Professoren angefeindet und teilweise angegriffen. Ähnliches geschah an sehr vielen Universitäten in ganz Europa.
Eine Folge der wuchernden Judenfeindlichkeit war auch ein starker Anstieg jüdischer Auswanderer in Europa. Seit dem Oktober 2023 sind israelischen Behörden zufolge etwa 60.000 Einwanderer ins Land gekommen. In Frankreich, wo sich Juden aufgrund der Aggressivität mancher islamischer Gruppen schon lange um ihre Sicherheit sorgen, haben inzwischen mehr als 100.000 der früher 500.000 Juden das Land verlassen.
Zehntausende Israelis wandern auch aus
Allerdings löste der Krieg auch eine neue Auswanderungswelle aus Israel aus: Zehntausende kehrten nach israelischen Medienberichten seit Oktober 2023 dem jüdischen Staat langfristig den Rücken.
Israel hat seinen Feinden militärisch heftige Niederlagen beigebracht, sie aber politisch gestärkt. Es gelang zwar, die maßgeblichen Anführer und Drahtzieher der Terrororganisationen, die für den Angriff verantwortlich waren, zu töten oder gefangen zu nehmen, ebenso auch die meisten direkt an den Terrortaten beteiligten Aktivisten.
Diese Gefahr schien den Verantwortlichen des Massakers durchaus bewusst zu sein. Man muss angesichts dieser Tatsache den oft demonstrierten Fatalismus und die Todesbereitschaft vieler Islamisten ernst nehmen. Sehr viele scheinen den Tod nicht zu fürchten, vielleicht auch, weil ihnen als „Märtyrer“ das Paradies versprochen wird.
Dank der konsequenten Unterstützung von US-Präsident Donald Trump und seiner israelfreundlichen Regierung seit Januar 2025 hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu neben dem Gaza-Krieg auch weitgehend freie Hand, die von Teheran finanzierte und ausgerüstete Hisbollah massiv anzugreifen und entscheidend zu schwächen.
Militärische Erfolge auch gegen Iran
Schließlich führte die politische Nähe zwischen den beiden Politikern auch zu gemeinsamen Waffengängen der USA und Israels gegen das Mullah-Regime in Iran. Im Gegensatz zu vielen Regierungen Europas machen sich Netanjahu und Trump keinerlei Illusionen über die ungebrochene Feindseligkeit der Islamisten gegen den Westen und ihre Unfähigkeit zu Kompromissen und friedlichen Lösungen.
Die Angriffe 2025 und 2026 auf Iran sollten verhindern, dass Teheran zu einer nuklearen Militärmacht aufsteigt. Aber auch wegen der stetig wachsenden Raketen- und Drohnenkapazitäten des islamischen Gottesstaates hatte Jerusalem befürchtet, dass Israel angesichts der quantitativen Wucht eines möglichen iranischen Angriffs nicht mehr zu verteidigen wäre.
Militärisch scheinen die USA und Israel im Kampf gegen die islamistischen Terrororganisationen und deren Schutzmacht Iran enorme Erfolge erzielt zu haben. Auch bröckelt weiter die Front arabischer und islamischer Staaten, die sich den Kampf gegen den jüdischen Staat auf die Fahnen geschrieben haben.
Nach dem Abraham-Abkommen 2020 (mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Marokko) hat auch die Kooperation zwischen Israel und Saudi-Arabien und anderen, früher israelfeindlich gesinnten Nahost-Staaten zugenommen.
Allerdings gibt es einen neuen Pakt zwischen Pakistan, Saudi-Arabien und der Türkei, der sich zwar vor allem gegen Iran zu richten scheint, aber auch für Jerusalem zur Bedrohung werden könnte; schließlich ist inzwischen auch die Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan eines der Länder, die mit radikaler Rhetorik gegen Israel und der Unterstützung islamistischer Organisationen grundsätzlich die Legitimität des jüdischen Staates in Frage stellen.
Internationale Isolation Israels wächst
Die politischen Folgen des verheerenden Angriffs auf Israel vor drei Jahren sind gravierend. Israel leidet unter wachsender Isolierung, die sich inzwischen sogar in Sanktionen von EU-Ländern gegen den jüdischen Staat ausdrückt. Auch Deutschland verhängte 2025 auf Anweisung von Kanzler Merz zeitweise ein Ausfuhrverbot bestimmter militärischer Güter, die angeblich im Gazakrieg zum Einsatz kommen könnten.
Dabei ist der deutsche Regierungschef noch deutlich israelfreundlicher als fast alle seiner EU-Amtskollegen. International gibt es nur noch wenige Spitzenpolitiker, die sich klar zur israelischen Politik bekennen. Neben Trump gilt vor allem Argentiniens Präsident Javier Milei als leidenschaftlicher Fürsprecher Jerusalems.
Lang ist die Reihe der Israel-Gegner: Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva bezeichnete, wie viele andere auch, Israels Vorgehen als „Völkermord“ und verglich es mit Hitlers Vernichtung der Juden. Noch deutlicher wurde der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der schon im Dezember 2023 Netanjahu mit Hitler verglich, Israel als „Terrorstaat“ und Gaza als ein „Konzentrationslager“ beschrieb.
Weltweit dominiert eine anti-israelische Stimmung, die aber enorm an Schärfe gewonnen hat. Nicht nur in den Palästinenser-Gebieten, sondern auch an vielen Orten in der Welt wurde im Oktober 2023 der schlimmste Massenmord an Juden seit dem Holocaust lautstark gefeiert.
Mitverantwortung Netanjahus am Massaker
Das Mitleid mit den Opfern und mit Israel hielt sich in Grenzen, zumal, nicht zu Unrecht, auch das Versagen Netanjahus und der israelischen Sicherheitskräfte angeprangert wurde, die angesichts gravierender Fehleinschätzungen der Absichten und Fähigkeiten der Hamas in keiner Weise auf einen solchen Angriff vorbereitet waren und dann auch noch viel zu spät reagierten.
Heute werden die Palästinenser, verantwortlich für die barbarischen Gewaltexzesse 2023 und traditionell für unzählige Terroranschläge weltweit, als Opfer bedauert und gewürdigt. Die Israelis dagegen, die seit 1948 fast ununterbrochen unter kriegerischen Angriffen und terroristischen Anschlägen leiden, gelten vielen, wenn nicht den meisten Menschen in der Welt als die eigentlichen Täter. Niemand trägt stärker dazu bei, dieses groteske Bild aufrechtzuerhalten, als linke Ideologen, die Israel des Völkermords und der Apartheidpolitik, des Neokolonialismus und der Bestreben nach Expansion beschuldigen.
Fast alles an diesen Vorwürfen hält einer sachlichen Überprüfung nicht stand. Kaum eine Armee hat in der Geschichte der Kriege solche Anstrengungen unternommen, die Zivilbevölkerung zu schützen, wie die israelische im Gazastreifen – wobei sie gegen Gegner kämpfen musste, die ihre eigenen Angehörigen als menschliche Schutzschilder missbrauchten.
Kulturszene „bekennt“ sich zum „Freiheitskampf“ der Palästinenser
Die internationale, schon seit langem israelfeindliche Kulturszene des Westens bejubelt derzeit den Film „NAZA“, in dem israelische Filmemacher anonyme Kronzeugen der israelische Streitkräfte präsentieren, die Israels Gräueltaten belegen sollen. Israel habe zivile Opfer bewusst einkalkuliert und moderne Technologie eingesetzt, um massenhaft Menschen zu töten. Inzwischen sind zahlreiche sachliche Fehler nachgewiesen, in einer Sequenz wird von einem Angriff berichtet, bei dem mit bis zu 500 zivilen Opfern kalkuliert worden war – einen solchen Vorgang aber hat es nach Angaben des Streitkräfte und Berichten israelischer Medien zufolge nie gegeben.
Aber sachliche Aspekte, Tatsachen und Fakten spielen in der weltweiten Israel-Debatte kaum eine Rolle. Große Teile der internationalen Öffentlichkeit wollen nicht die hässlichen Realitäten sehen, obwohl die Islamisten der Hamas oder des Islamischen Staates, die Regierungen in Teheran oder Kabul immer wieder ihren Hass auf Israel und den Westen, ihre grenzenlose Menschenverachtung auch gegenüber der eigenen Bevölkerung demonstrieren.
Sehr viel lebendiger sind die Bilder der mächtigen Juden, die weltweit die Fäden in der Hand haben sollen, vom hässlichen Israeli, der angeblich brutal die Palästinenser unterdrückt und vertreibt. Wer weiß schon, dass es in der ganzen Welt nur 15 Millionen Juden gibt, von denen etwa acht Millionen in Israel leben.
Araber in Israel mit gleichen Rechten
Der Vorwurf der Apartheid ist geradezu lächerlich angesichts der Präsenz von arabischen Israelis in allen Bereichen des jüdischen Staates, inklusive Militär, Justiz und Politik. Wer bestreitet, dass Israel, übrigens inklusive Samaria und Judäa, dem heutigen Palästinensergebiet, die traditionelle Heimat des jüdischen Volkes ist, dem ist nicht zu helfen. Die Zionisten sind weniger Kolonialisten im Land der Bibel als die Amerikaner in den USA, die Chinesen in Tibet oder die Russen in Kaliningrad (Königsberg) oder Karelien.
Die Juden, die eine mehr als 3000 Jahre alte Geschichte von Verfolgung und Diskriminierung hinter sich haben, sind in die einzige mögliche Heimat zurückgekehrt, aus der sie als Volk einst gewaltsam vertrieben wurden. Die höchst umstrittene Frage nach dem Schicksal der dort lebenden Araber, die sich seit Ende der 60er Jahre Palästinenser nennen, hat erst einmal nicht direkt mit dem Heimatrecht der Israelis zu tun.
Wer die Siedlungspolitik Israels im Westjordanland als Versuch der Expansion anprangert, sollte wissen, dass sich die israelische Regierung in mehreren, stets gescheiterten Verhandlungen mit den Palästinensern immer offen gezeigt hat, Siedlungen im Gegenzug zu einem Frieden und Anerkennung des jüdischen Staates zu räumen. 2005 ließ der damalige Premier Ariel Scharon gewaltsam mehrere tausend Israelis aus dem Gazastreifen vertreiben, um das Gebiet in die Verantwortung der Araber zu geben. Wohin das führte, konnte man am 7. Oktober 2023 sehen.
Illusionen über eine „Zwei-Staaten-Lösung“
Das Massaker, das die Palästinenser anrichteten, war nebenbei auch eine Botschaft an die politischen Phantasten vor allem in Europa, die noch immer auf eine Zwei-Staaten-Lösung setzen. Offenkundig wurde, dass es den angeblich notleidenden, unterdrückten „Palästinensern“ gelungen war, im Gazastreifen unter den Augen tausender westlicher Hilfskräfte und der UN-Organisation UNRWA ein gigantisches Untergrundsystem mit enormen Waffenlagern zu errichten und einen massiven Angriff auf Israel vorzubereiten.
Weder die Hamas noch die anderen Palästinenser-Organisationen einschließlich der PLO von Mahmud Abbas, dem Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland, glauben ernsthaft an eine Zweistaaten-Lösung. Jeder Palästinenser, der glaubwürdig das Existenzrecht Israels anerkennt und eine friedliche Lösung des Konflikts suchen würde, müsste umgehend um sein Leben fürchten. Man muss einfach die Reden und die Schriften der palästinensischen Führer ernst nehmen.
Israel wird noch viele Kriege führen müssen
Am 7. Oktober 2023 wurde den Israelis keineswegs zum ersten Mal vor Augen geführt, mit welchen Kräften sie es zu tun haben und vermutlich ihr ganzes Leben lang zu tun haben werden. Für Netanjahu und viele Israelis bedeutet das, dass sich der jüdische Staat – geschieht kein Wunder – wohl noch Jahrzehnte in einem permanenten Kriegszustand befinden wird.
Es gibt viele kluge Erklärungen, warum Juden seit mehr als 3000 Jahren gehasst und verfolgt werden – mit der grauenvollen Schoa als historischem Tiefpunkt. Antisemitismus gebe es, weil Juden als erste Monotheisten die antike Welt herausforderten, weil sie verantwortlich für die Kreuzigung Jesu seien, weil sie seit der Aufklärung oft als Repräsentanten der Moderne und des Fortschritts galten; die Juden mussten als Sündenböcke für historische Fehlentwicklungen oder Verbrechen herhalten, sie wurden angegriffen, weil sie sich von Gott auserwählt fühlen, sie wurden abgelehnt und verteufelt, weil sie begabter, erfolgreicher, intelligenter und unbeugsamer schienen als alle anderen.
Hass auf Juden und Israel hilft allen Feinden des freien Westens
An jedem Aspekt mag etwas Wahres sein. Zum Antisemitismus hat wohl auch beigetragen, dass es den Juden gelungen ist, trotz extremer Widerstände und zu allem entschlossener Feinde auf einem wüsten, ärmlichen Zipfel der Erde einen technologisch hoch entwickelten Industriestaat und eine funktionierende Demokratie aufzubauen, der immense wirtschaftliche, wissenschaftliche und künstlerische Erfolge erzielt.
Sicher ist nur, dass der einzigartige Hass auf das jüdische Volk, das gerade mal 0,2 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht, alle Feinde der westlichen Welt, der jüdisch-christlichen Kultur und der Werte von Freiheit und Demokratie erfreut. Allerdings hoffen noch immer viele Europäer, aber auch viele Israelis und Juden in der Diaspora, das sich mit Diplomatie und Zugeständnissen die Feindseligkeit in der islamischen Welt eindämmen ließe. Der 7. Oktober 2023 könnte daran erinnern, das Vertrauen und Wunschdenken angesichts solcher Feinde denkbar schlechte Berater sind.











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