Präsidentschaftskandidatin Warren will Reiche mit über 100% besteuern

Weltweit geraten Reiche immer stärker ins Visier der Sozialisten. Sie müssen als Sündenböcke für alle gesellschaftlichen Probleme herhalten. Hier hetzen SPD, Jusos und Linke gegen Reiche, in Großbritannien Jeremy Corbyn, in den USA Bernie Sanders und Elizabeth Warren.

SOPA Images/LightRocket via Getty Images

Der linke französische Ökonom und Reichenhasser Thomas Piketty, der den ehemaligen französischen Ministerpräsidenten François Hollande bei der Einführung seiner „Millionärssteuer“ von 75 % beriet, hat mehrfach öffentlich seine Begeisterung für die Steuerpläne der demokratischen Präsidentenschaftskandidatin Elizabeth Warren ausgedrückt. In der Zeit erklärte Piketty stolz, dass zwei ihm nahestehende Ökonomen das Wirtschaftsprogramm von Warren geschrieben haben. „Die von Warren jetzt vorgesehenen Steuersätze lassen sich auf fünf bis zehn Prozent pro Jahr für Multimilliardäre ausweiten. Schon jetzt scheint sicher, dass diese Debatte im US-Wahlkampf des Jahres 2020 eine Schlüsselrolle spielen wird. Die New Yorker Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez schlägt einen Steuersatz von 70 Prozent auf die höchsten Einkommen vor. Bernie Sanders fordert einen Satz von 77 Prozent auf die höchsten Erbschaften. Warrens Ansatz ist am innovativsten, aber alle drei Vorschläge ergänzen sich und können sich gegenseitig bereichern.“ Soweit Thomas Piketty.

Über 100 Prozent Steuern!

Warren will die Einkommensteuer erhöhen, eine neue Steuer für soziale Sicherheit von 14.8% einführen sowie eine Vermögensteuer von bis zu 6%. Zudem sollen reiche Investoren Capital-gains taxes in derselben Höhe entrichten, wie sie auf andere Einkünfte entfallen, selbst wenn sie ihre Assets nicht verkaufen.

Das Wall Street Journal rechnete kürzlich vor: “Consider a billionaire with a $1,000 investment who earns a 6% return, or $60, received as a capital gain, dividend or interest. If all of Ms. Warren’s taxes are implemented, he could owe 58.2% of that, or $35 in federal tax. Plus, his entire investment would incur a 6% wealth tax, i.e., at least $60. The result: taxes as high as $95 on income of $60 for a combined tax rate of 158%.”

Je nach der Höhe der Bundesstaaten-Steuer, der Rendite der Investments und der persönlichen Umstände des Investors können die Steuern unterschiedlich hoch ausfallen, aber Steuern über 100 Prozent, so das Wallstreet Journal, werden keine Seltenheit sein, besonders für Milliardäre.

Schweden: Astrid Lindgren zahlte über 100% Steuern

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Steuersätze über 100% – das klingt absurd, ist aber keineswegs neu. In Schweden scheiterte diese Politik schon in den 70er Jahren. Bekannte Unternehmer wie etwa Ingvar Kamprad (Ikea) verließen Schweden aus Protest gegen die sozialistische Steuerpolitik. Ein bekanntes Beispiel aus dieser Zeit ist der Fall der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, die durch Figuren wie „Pippi Langstrumpf“ oder „Karlsson auf dem Dach“ weltberühmt wurde. In den 30er- Jahren war sie unter dem Einfluss von Arbeiterschriftstellern zu einer Anhängerin der Sozialdemokraten geworden.

Aber auch Lindgren war von den hohen Steuersätzen betroffen und machte ihrer Empörung Luft, indem sie in einer führenden schwedischen Tageszeitung ein „Steuermärchen“ veröffentlichte und dort vorrechnete, dass ihre Steuerbelastung bei 102 (!) Prozent liege. Der schwedische Finanzminister Gunnar Sträng kommentierte den Artikel: „Wenn man so viel verdient wie Astrid, dann soll man auch hohe Steuern zahlen.“ Arrogant erklärte er im schwedischen Parlament: „Dieser Artikel ist eine interessante Kombination aus literarischem Können und profunder Ahnungslosigkeit über die verschlungenen Pfade der Steuerpolitik. Aber wir verlangen ja auch gar nicht, dass Astrid Lindgren sie begreift.“ Zudem behauptete er, Lindgren habe falsch gerechnet.

Die Schriftstellerin ließ sich nicht beirren und entgegnete: „Märchen zu erzählen hat Gunnar Sträng sicher gelernt, aber zum Rechnen taugt er nicht! Es wäre besser, wir würden den Job tauschen!“ Die Öffentlichkeit stand auf Lindgrens Seite. Wenn damals Wahlen gewesen wären, hätten die Sozialdemokraten nur noch 38 Prozent und die bürgerlichen Parteien 53 Prozent erzielt. Schließlich nahm sich der schwedische Ministerpräsident Olof Palme selbst der Sache an und gestand im Fernsehen ein, dass Astrid Lindgren richtig gerechnet hatte.

Schweden vertrieb seinen berühmtesten Künstler

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Nur einen Monat, nachdem Lindgren ihren Artikel veröffentlicht hatte, verkündete Ingmar Bergman, laut den Filmfestspielen in Cannes der „Beste Filmregisseur aller Zeiten“, er werde Schweden wegen eines Konfliktes mit den Finanzbehörden verlassen. Ende Januar hatten sich zwei Polizeibeamte in Zivil am Empfang des Königlich Dramatischen Theaters angemeldet und darum gebeten, den Regisseur sprechen zu dürfen, der gerade mit Proben zu einer Theateraufführung beschäftigt war. „Ich hoffe, er kommt, sonst ist hier Schluss mit lustig“, sagte einer der Polizisten der Sekretärin. Bergman wurde stundenlang auf dem Polizeipräsidium vernommen, seine Wohnung und sein Büro wurden durchsucht, sein Pass beschlagnahmt. Die Verhaftung machte weltweit Schlagzeilen.

Astrid Lindgren sprang dem Regisseur öffentlich zur Seite – es ging auch bei Bergman um die absurd hohe Besteuerung. Der Finanzminister meinte nur, die Steuergesetzgebung müsse auch für „Kulturleute“ gelten. Später wurde das Verfahren eingestellt, weil nichts an den Vorwürfen dran war. Gegen den ersten Staatsanwalt, der die Vorwürfe gegen Bergmann erhoben hatte, wurde wegen eines Dienstvergehens ein Verweis erteilt und Bergman wurde von allen Vorwürfen exkulpiert. Nach den Vernehmungen litt er an schweren Depressionen und musste stationär behandelt werden. Er entschloss sich, Schweden zu verlassen, unter anderem, weil ihm die Beamten des Finanzamtes andeuteten, sie seien trotz des eingestellten Verfahrens nicht fertig mit ihm. Bergman und seine Frau flogen nach Paris, wo sie von einem großen Presseaufgebot empfangen wurden. Schweden hatte es geschafft, seinen vielleicht bekanntesten lebenden Künstler ins Exil zu treiben.

Die Schweden haben diese Politik längst aufgegeben. Die Einkommensteuern sind heute dort zwar immer noch im internationalen Vergleich hoch, aber es gibt weder Erbschafts- noch Schenkungssteuer und auch keine Vermögensteuer. Elizabeth Warren will Amerika mit ihren Steuerplänen zu einem Land machen, in dem reiche Leute über 100 Prozent Steuern zahlen müssen. Diese Bürger werden die USA verlassen – so wie es damals viele schwedische Unternehmer taten.

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Kommentare ( 60 )

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60 Kommentare auf "Präsidentschaftskandidatin Warren will Reiche mit über 100% besteuern"

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Immer sind die Anderen schuld.

Nun gut, die Chance, daß Warren gewählt wird ist dieselbe Erfolgschance, wie ein Schneeball im Hochofen hat. Aber das hat man ja von Trump auch vorher behauptet.

Ich sage mal so einfach: Der einzige Demokrat, der Trump schlagen kann ist Bloomberg

Wer reich ist, wird schon beim kleinsten Anzeichen einer solchen Raubsteuer das Land verlassen. Das kann er sich leisten, und das steht ihm auch zu. Und wenn es keinen anderen Weg gibt, dann nimmt er eben die 50.000 Arbeitsplätze mit. Aber Arbeit ist doch eh umweltschädlich und rassistisch, werden die GrünInnen sagen.

Folglich wird eine Steuererhöhung für Reiche eher einer SteuerABSCHAFFUNG gleichkommen. Der Staat wird WENIGER einkommen haben.

Die Linken wollen denjenigen, die ihnen die Hand geben, den ganzen Arm ausbeißen.

In den USA sind genügend Representatives und Senatoren derart reich, dass sie ihr Salär als kleines Zubrot betrachten können, bitte Pelosi nachsehen!

Wenn alle kommunistisch werden, wie offenkundig die Deutschen es heute wollen, wird der Wohlstand, der ohnehin in Wirklichkeit nachweisbar nicht mehr so hoch ist wie er noch vor 20 Jahren war, halt zusammenbrechen. Friedlich wird das ganz sicher nicht vonstatten gehen. Diejenigen, die Leistung erbringen, weil sie es ihrer Mentalität entsprechend wollen, nicht nur so nach außen, mit vielen Pausen und „Feiertagen“(!), schaffen für sich „Freiräume“, welche sie verteidigen, und wenn ihnen das nicht gelingt, geht es so aus wie in der DDR – die offenkundig nicht auszulöschende Fata Morgana namens „richtiger“ Sozialismus wird eben ein weiteres Mal zugrundegehen, und… Mehr

Als armer Tropf denk ich mir da nur, ob die nun bei 75% oder bei 15% sich um die Steuer drücken mit geschickter Buchführung macht keinen Unterschied.

Erstens „ drücken“ sich nicht alle pauschal um Steuern. Weder in dem USA oder sonstwo ist es nicht mehr so easy sich einfach um Steuern zu drücken.. Ich kann diese Argumentation nicht mehr hören. Es ist niemandes Pflicht mehr zu zahlen als er unbedingt muss, solange es sich um legale Möglichkeiten handelt. Zweitens: was meinen Sie heute sind das die sog. „ Milliardäre „ und morgen? Der sozialistische Staat ist unersättlich und kommt schnell auf den Geschmack. Abgesehen davon machen sich zuerst diejenigen auf und davon welche dies am leichtesten tun können. Dann muss man eben die Adjektive relativieren und… Mehr

Irgendwo muss ja die Kohle für all die wirren sozialistischen Visionen von unkontrollierter Masseneinwanderung bis „Klima“ herkommen. Noch schlimmer als die Reichenbesteurung ist freilich, dass es die Masse der Wähler nicht begreift. Die lassen sich – von den Propagandamedien gesteuert – auspressen bis zum Letzten und fühlen sich dabei noch als gute Menschen. Früher ging man mit der neunschwänzigen Katze in den Keller, um sich zu kasteien. Heute lässt man sich bis ins Private alles mögliche verbieten und bis aufs Hemd ausziehen.

Minuszins und Minuseinkommen, 5 Jahresplan oder eher 50 Jahre co2 Steuer, welche nie abgeschafft wird, weil co2 kann und darf nicht verschwinden vom Erdball.
Ist ganz einfach, wenn man Reiche mit 100 % besteuert, kann man 70 % bei Mittelstand und Normalo als bürgerfreundlich verkaufen.
Das Ziel der Borjahns und Kühnerts ist: Alle haben Arbeit, niemand braucht Geld,man lebt nach seinen Bedürfnissen, nimmt sich nur das, was man braucht aus dem Supermarktregal und alle sind glücklich.
Der Mensch befleißigt auch ohne Einkommen oder Besitz.

Wieso kann man 70% verkaufen? Das ist doch längst der Fall, rechnen sie doch mal alles zusammen, Brutto plus Arbeitgeberanteil, und ziehen jetzt alles ab, incl. ges. Sozialabgaben, Mwst., Energiesteuern, Versicherungssteuer, Bier und Sektsteuer, und dann die zukünftige sog. CO2steuer, die ja am besten auf 180€/to = 54 cent/ltr Diesel/Heizöl etc betragen soll, mal sehen wann Holz und Pellets zum Heizen mit einer Baumsteuer belegt wird, Fleischsteuer, Salatsteuer, Brotsteuer wären auch noch lukrativ…
Mahlzeit

Herr Zitelmann,

marktliberale Stimmen wie die Ihre verschwinden weltweit in der Versenkung. In den westlichen Industrienationen ist das Wissen um die Zusammenhänge zwischen Leistungsgesellschaft und Wohlstand durch Wohlstandsverwahrlosung weitgehend verloren gegangen und in den meisten anderen Ländern war es nie vorhanden. Das Diffamieren der Leistungsgesellschaft trägt Früchte und wird weitreichenden Wohlstandsrückgang verursachen. Das totbürokratisieren jedweder wirtschaftlicher Aktivität tut sein übriges dazu.

nein, diese Stimmen verschwinden nicht in der Versenkung. Wir sind viele, wir bleiben laut und wir werden noch viel lauter. Und sollte es dahin kommen – wenn das Land erst einmal ein paar Jahre von diesen Vollpfosten regiert worden ist, dann wird es ein weit schlimmerer Trümmerhaufen sein als die damalige DDR (weil es keinen Sponsor im Osten gibt). Spätestens dann werden auch diejenigen unter den Klimakids, die nicht als Gulag-Wärtern oder Geheimpolizisten ihren Lebensunterhalt einsammeln wollen, ins Grübeln kommen. Tatsache ist doch, dass die, die da an die Schalthebel streben, rein gar nichts können als nur krakeelen!

Sie haetten noch anfuehren muessen, dass Warren sich als ‚Native American‘ ausgab, um bei ihrer Harvard-Bewerbung in den Genuss des Minderheitenbonus zu kommen (sie ist 1/1024 Native) und wird seither Pocahontas genannt. Die Frau ist charakterlich das Letzte und passt damit perfekt zur Demokratischen Partei.

das ist in der Tat eine der Lachnummern der vergangenen Jahre. Frau Warren hat ausweislich des DNA-Tests nicht mehr indianisches Blut als der durchschnittliche Nordamerikaner. Besonders beachtlich ist dabei aber, dass die US-amerikanischen Medien diesen unwiderlegbar dokumentierten und auch öffentlich diskutierten Vorgang schnell unter den Teppich kehren und ihre Kandidatur kritiklos fördern. Man stelle sich (besser nicht) vor, dieses Früchtchen würde auf dem Stuhl des mächtigsten Staatenlenkers der Welt landen..