Hegseth feuert drei Generäle, Trump die Justizministerin

Mitten in einer bedeutenden und komplexen Militäroperation tauscht US-Kriegsminister Pete Hegseth gleich drei Generäle aus. Eine weitere Personalentscheidung in Washington überrascht: Präsident Donald Trump entlässt Justizministerin Pam Bondi – ihr Umgang mit den Epstein-Akten sorgte für Kritik.

picture alliance / Sipa USA | Sipa USA

Die US-Truppen stehen im Krieg gegen den Iran, der Aufmarsch zu einer möglichen US-Bodenoffensive wird aktuell vorbereitet – genau in diesem Zeitpunkt wird General Randy George, der bisherige Chief of Staff der US Army, abberufen. Zeitgleich auch General David Hodne, Leiter des Army Training and Transformation Command, und Generalmajor William Green Jr., oberster Militärseelsorger der Armee. Für keine dieser Entscheidungen wurde eine offizielle Begründung geliefert.

Die Gleichzeitigkeit dieser Maßnahmen lässt auf einen gezielten Umbau der militärischen Führung schließen: Innerhalb weniger Stunden wurde damit ein bedeutender Teil der strategischen und operativen Leitung der US-Armee ausgetauscht – und das mitten in einer Phase erhöhter militärischer Aktivität.

Besonders brisant ist die Entlassung von General George: Als ranghöchster Offizier der Armee war er eine Schlüsselfigur in der militärischen Entscheidungsstruktur der Vereinigten Staaten. Seine Aufgabe bestand darin, politische Vorgaben in konkrete Einsatzbefehle zu übersetzen. In einer Situation, in der US-Truppen gleichzeitig in mehreren Regionen im Einsatz stehen, war seine Tätigkeit von enormer Bedeutung.

Aktuell befinden sich Einheiten der 82. Luftlandedivision in Verlegung, während Marineinfanteristen der 31st Marine Expeditionary Unit an Bord der USS Tripoli auf mögliche Einsätze vorbereitet werden. Gleichzeitig operieren Spezialkräfte von vorgeschobenen Basen im Nahen Osten, darunter in Israel, Jordanien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Im Fokus strategischer Überlegungen steht die iranische Insel Kharg, ein zentraler Knotenpunkt für den Export von Erdöl.

Mit der Ernennung von General Christopher LaNeve zum neuen Chief of Staff setzt Kriegsminister Pete Hegseth auf einen Vertrauten: LaNeve war zuvor nicht nur stellvertretender Generalstabschef, sondern diente auch als persönlicher militärischer Berater Hegseths. Beobachter sehen darin eine klare Tendenz zur engeren Kontrolle der militärischen Führung durch das Verteidigungsministerium.

Bereits 26 Generäle gefeuert

Tatsächlich hat Hegseth seit seinem Amtsantritt bereits einen Großteil der militärischen Spitzenführung neu besetzt – 26 Generäle und Admiräle mussten gehen. Mit der Absetzung von George ist nun nahezu der gesamte Kreis der Joint Chiefs of Staff ausgetauscht, lediglich die Chefs des Marine Corps und der Space Force sind bislang noch im Amt.

Einen weiteren Aspekt der aktuellen Entwicklungen liefert ein Bericht der Washington Post: Demnach soll es wiederholt zu Spannungen zwischen Hegseth und dem Armeeminister Daniel P. Driscoll gekommen sein, der als enger Vertrauter von Vizepräsident J.D. Vance gilt. Insider beschreiben das Verhältnis als zunehmend angespannt. Da Hegseth keine direkte Befugnis hat, Driscoll zu entlassen, könnte der umfassende Umbau der militärischen Führung auch als indirekter Versuch gewertet werden, Druck auf ihn auszuüben.

Das vollständige Fehlen offizieller Begründungen für die Entlassungen verstärkt die Unsicherheit zusätzlich, ein derartiger Schritt während laufender Operationen gilt als äußerst ungewöhnlich. Üblicherweise werden bei sensiblen Personalentscheidungen zumindest grundlegende Erklärungen geliefert. Innerhalb des Militärs selbst scheint die Interpretation der Ereignisse jedoch klarer zu sein: Viele Offiziere gehen davon aus, dass die Entlassungen im Zusammenhang mit strategischen Differenzen über die nächste Phase des Einsatzes stehen könnten. Diskutiert werden unter anderem mögliche Bodenoperationen, sowie Angriffe auf die kritische Infrastruktur im Iran oder auch eine Ausweitung des Konflikts. Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, warum diese Generäle entlassen wurden, sondern: Welche Entscheidungen werden jetzt fallen, die eine derart umfassende Neuordnung der militärischen Führung erforderlich gemacht haben?

Donald Trump feuert zweite Ministerin

Während Pete Hegseth die Armeeführung austauscht, hat der US-Präsident zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen eine Ministerin aus seinem Kabinett entlassen. Nach dem Rücktritt von Heimatschutzministerin Kristi Noem Anfang März traf es nun Justizministerin Pam Bondi. Die Entscheidung gab Trump am Donnerstag persönlich über seine Plattform Truth Social bekannt.

Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die Beobachter als zunehmende Härte im Umgang mit politischen Vertrauten werten. Beide Entlassungen folgen einem ähnlichen Muster: Es sind nicht primär politische Differenzen oder inhaltliche Konflikte, die zu den Personalwechseln führten, sondern vor allem der öffentliche Eindruck.

Sowohl Noem als auch Bondi haben in den Augen des Präsidenten erheblich an Vertrauen verloren. Ausschlaggebend sei gewesen, dass ihre Entscheidungen und öffentlichen Auftritte negative Schlagzeilen erzeugten und damit das Bild der gesamten Regierung beschädigten.

Einer der schwersten Fehler der Justizministerin: Pam Bondi hat etwa versprochen, eine sogenannte Kundenliste von Jeffrey Epstein zu veröffentlichen. „Sie liegt auf meinem Schreibtisch“, sagte sie in einem Fox-News-Interview. Wenig später gab sie dann zu Protokoll, dass es eine solche Liste gar nicht gebe. Für die MAGA-Basis, die hinter dem Epstein-Skandal ohnehin eine riesige Verschwörung der Mächtigen sieht, und Trump für dessen Transparenzversprechen in dem Fall gefeiert hatte, war das wie ein Verrat.

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Kommentare ( 7 )

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Sonny
1 Stunde her

Es ist müßig, darüber zu spekulieren, welches die Gründe für deren Entlassungen waren.
Ohne Angabe von Gründen sind Kommentare dazu reine Mutmaßungen.
Allerdings halte ich es für sinnvoll, Teile meiner Mannschaft zu ersetzen, wenn sich herausstellt, dass sie nicht im Sinne der gewählten Regierungsmannschaft arbeiten.

Teiresias
1 Stunde her

In Deutschland hatten wir mal einen Ex-Gefreiten in Amt und Würden, der ebenfalls zahlreiche Generäle gefeuert hatte, die nicht seiner Meinung waren.
Überraschung: Die gefeuerten Generäle hatten am Ende recht behalten.

Hegseth war im aktiven Dienst zuletzt Major der Army National Guard in Guantanamo Bay.
Mit seiner Art, den harten Mann zu spielen (in USA oft als „cartoon tough guy“ verspottet), wurde er eine Art C-Promi bei Fox-News als „Militärexperte“, bevor er in die Politik berufen wurde.

Last edited 1 Stunde her by Teiresias
Guzzi_Cali_2
1 Stunde her

Pam Bondi war mehr als überfällig. Ich verfolge die Vorgänge in den USA mit großem Interesse und auf X wurde Bondi vor allem von Leuten aus der MAGA-Szene als „Do-Nothing-Pam“ tituliert. Statt dieser Schmusekatze sollte jetzt ein beinharter Durchgreifer ans Ruder. Der in meinen Augen geeignetste Kandidat wäre Matt Gaetz, der sich bisher noch nie von irgendjemandem die Butter vom Brot hat nehmen lassen. Sofern sie ihn nicht irgendwie weichspülen, könnte er der ganzen Epstein-Geschichte den entscheidenden Kick geben, um vor allem die konservativen MAGA-Anhänger mit ihrem soliden Wertekanon zu beruhigen.

Last edited 1 Stunde her by Guzzi_Cali_2
Kuno.2
1 Stunde her

Trump wurde zwar demokratisch gewählt, aber er gebärdet sich wie ein Diktator.

Laurenz
1 Stunde her

Warum, Herr Schmitt, recherchieren Sie nicht, oder wenn Sie doch recherchiert haben, stellen Sie nur eine Zahl in den Raum, die Zahl 26 gefeuerter Offiziere im Generals-/Admiralsrang? Die USA haben bei der Armee, dem Marine Korps, der Luftwaffe, dem Weltraum Korps, 653 aktive Offiziere im Generalsrang im Dienst. Da sind 26 nicht x 5%. Wo soll da eine Säuberung der Woken & Diversen sein? Das paßt höchstens zu Regel, bestrafe 1en, erziehe 100. Die Britische Royal Navy hat mehr Admirale im aktiven Dienst, als Schiffe. Starmer lieh sich jetzt für das NATO-Manöver im Nordatlantik eine Deutsche Fregatte aus, mutmaßlich mit… Mehr

Nibelung
1 Stunde her

Die drei Generäle haben vielleicht die Frage gestellt, ob alles richtig durchdacht ist, bevor man zum Schlag ansetzt und so wie Trump bekannt ist, könnte es dem neuen Napoleon in Washington garnicht gefallen haben und im übrigen immer wieder in der Geschichte vorgekommen ist, wenn man auf den Rat des eigenen Militärs nicht hören will um damit in die Katastrophe mit Gebrüll hinein zu reiten. Entweder waren die ersten angeblich gewaltigen Angriffe wirkungslos oder man will aus dem Eigensinn heraus, zur Endkorrektur antreten und das ist wie im Dachsbau, wo man nicht hineinfassen sollte, solange man ihn drinnen noch knurren… Mehr

Johannes S. Herbst
1 Stunde her

Management á la Champignon. Alles mit Mist bedecken, und wenn ein Kopf rausschaut, abschneiden.

Wenn die Bedenkenträger beim Militär jetzt weg sind, dann kann der Friedenspräsident ja endlich losziehen und den Iranern „unsere Demokratie und Freiheit (eingetragenes Warenzeichen)“ bringen.