Klingbeil-Merz im Umfragetief: Diese Regierung hat das Land verloren

Der neue Deutschlandtrend wird für die Regierung Klingbeil-Merz zum Offenbarungseid. Die Ablehnung reicht tief ins eigene Lager. Diese Koalition regiert am Land vorbei und verliert jeden Rückhalt. Das ist keine normale Krise mehr, sondern offener Zerfall.

IMAGO

Selbst wirkliche Marxisten, wenn es sie noch gäbe, und nicht nur Salonmarxisten, wüssten, dass wirtschaftlicher Niedergang und der Verlust von Akzeptanz und Vertrauen, zu einer Situation der Veränderung führen, die sie „revolutionäre Situation“ nennen, wenn die da oben nicht mehr so regieren können, wie sie wollen, und die da unten nicht mehr so zu leben vermögen wie bisher. Es beginnt immer in der ersten Phase mit dem Anwachsen von übler Stimmung und Erbitterung, steigert sich zu Verdruss und offener Ablehnung und führt dazu, dass Alternativen gesucht und gefunden werden. Was zu beobachten ist, ist die Erosion des Parteiensystem, die mit dem Zerfall der SPD beginnt. Mal versuchen die Genossen, ein bisschen die Grünen nachzumachen, dann ein bisschen die Linken, während sie ihre Wählerschaft systematisch vertreibt, ohne von den anderen beiden Parteien Wähler von sich zu überzeugen. Die Leute wählen das Original. Der SPD stehen zu ihrer Rettung und Erneuerung nur zwei Möglichkeiten offen, entweder sich in der Regierung als die „rechte“ Partei zu profilieren, also die Union rechts zu überholen, oder mit der AfD zu kooperieren, da sind sowieso ihre Wähler hingegangen. Letztes würde die AfD ablehnen. Warum soll sie Aufbauhilfe für die SPD leisten? Denn rechte Politik ist inzwischen Politik für die Arbeitnehmer, die Handwerker, die Gewerbetreibenden.

Frische Luft bekommt die SPD nur noch, wenn ihr im Fallen die Winde entgegenschlagen. Der Union geht es im Grunde nicht viel besser, es sieht zur Stunde nur noch ein bisschen besser für sie aus. Die Funktionäre der Union dürfen den Aufschlag der SPD noch genießen, aber nicht allzu lange, dann erfolgt bereits ihr eigener. Alles hängt mit dem Moment der Krise zusammen, an dem sie wahrgenommen und nicht mehr verdrängt wird, weil sie nicht mehr verdrängt werden kann.

Zunächst zu den Zahlen: Laut Deutschlandtrend für April sind nur noch 15 % der Bürger mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden, 9 % weniger als im März, „sehr zufrieden“ niemand mehr. Hingegen sind 84 % der Bürger „weniger“ oder „gar nicht“ zufrieden mit der Regierung Klingbeil-Merz. Man wundert sich so gesehen nicht, dass Friedrich Merz jeden Staatsbesuch wahrnimmt und ginge er auch noch Palau, Nassau oder Andorra, wenn er nur möglichst viele Länder zwischen sich und Deutschland bringen kann. Elf Prozent der Bürger kamen im Vergleich mit dem Monat April zu den Unzufriedenen hinzu. Dabei kündigt sich die große Krise erst an. Noch wäre durch entschlossenes und zielklares Regieren für Deutschlands Bürger Zeit, den Ausbruch der großen Krise zu verhindern. Doch eine falsche Politik auf allen Feldern von Wirtschaft über Migration, bis Bildung und natürlich im Bereich der Sozial- und Gesundheitssysteme, Propaganda statt Fakten, wachsende Bevormundung und die Unfähigkeit der Regierenden beschleunigt den Ausbruch der großen Krise. Mehr noch, alles, was die Regierung unternimmt oder unterlässt, befeuert die Krise. Immer weniger, fast niemand mehr traut dieser Regierung noch etwas zu, dafür traut man ihr inzwischen alles zu. Und da die Bürger nicht „Schwatz und Quatsch“ studiert haben, sondern ein untrügliches Gefühl für die Realität besitzen, schwant ihnen, was ihnen, was dem Land droht. Dass 97 %, 93 % und 85 % der Anhänger der AfD, der Linken und der Grünen unzufrieden sind mit der Arbeit der Regierung, wobei Arbeit schon ein Euphemismus ist, mag nicht erstaunen, aber das auch 78 % der Anhänger der SPD mit der Arbeit der Koalition unzufrieden sind, sollte Klingbeil und Bas dazu bringen, sich Sachverstand zu holen, doch den finden sie weder bei den Gewerkschaften, noch bei den Jusos, nicht bei Fratzscher, Kempfert und Schnitzer. Und auch bei Lauterbach nicht.

Die Union hat noch etwas Glück mit ihrer genügsamen Wählerschaft, denn da sind „nur“ 57 % der Anhänger unzufrieden mit der Arbeit der Koalition, aber es ist eben auch mehr als die Hälfte, Tendenz steigend. Hatte Friedrich Merz als Oppositionspolitiker einst nicht gefordert, dass eine Regierung, die so niedrige Zustimmungswerte besitzt, die Vertrauensfrage stellen müsste? Nun liegen die Werte seiner Regierung unter denen der Ampel. Die Sozialdemokraten werden die Christdemokraten mit in den Abgrund reißen, aber ganz stimmt das Bild nicht, denn die Christdemokraten haben beschlossen, dabei den Sozialdemokraten das Händchen zu halten. Gestern standen sie am Abgrund, heute sind sie schon einen Schritt weiter.

Laut Sonntagsfrage würden nur noch 12 % die SPD wählen, die Grüne 14 % und die Linke 10 %. Obwohl nur 36 % Rotgrün wählen würden, wird Deutschland rotgrün in den Niedergang regiert. Die Union liegt bei 26 % und die AfD bei 25 %, in anderen Instituten liegen Union und AfD gleich auf. Daran trägt die Union als inzwischen weitere rotgrüne Partei, zu der sie hinter der Brandmauer geworden ist, die Schuld. Die Union hat der AfD nun auch die Mitte überlassen. Klingbeils Reformvorschläge von der Abschaffung des Ehegattensplittings bis hin zu den Vorschlägen zur Gesundheitsreform werden von den Bürgern mehrheitlich abgelehnt, 74 % haben überdies kein Vertrauen in die Bundesregierung, die Sozialsysteme „zukunftssicher“ zu machen.

Man könnte auch formulieren, dass sie der Regierung nur darin vertrauen, dass die Regierungsmitglieder ihre eigene Zukunft sichern.

Was die Regierung nicht bemerkt, ist, dass sie immer weniger Bürger überzeugt, im Gegenteil, dass Rhetorik, vor allem wenn sie sich im Pathos suhlt, nur noch erbittert, weil es wie Hohn klingt, wenn Lars Klingbeil von Opfer und Johann Wadephul davon spricht, dass wir Syrien aufbauen müssen und gleichzeitig jeder sieht, wie Deutschland tagtäglich zerfällt. Wenn diese Regierung wenigstens den Niedergang verwalten würden, aber nicht einmal das bekommen sie hin.

Propaganda und Verschwörungstheorien durch rotgrüne Medien sollen es richten, Verbote und Einschüchterungen, wenn das nicht reicht. Doch das Problem in der Eskalation besteht darin, dass man immer weiter eskalieren muss, wenn man die Probleme nicht löst, sondern sich die Probleme verschärfen, sie sich geradezu potenzieren, denn natürlich verschärft bspw. eine Rezession auch die Situation der Sozialsysteme. Oder um es anders auszudrücken, an einer bestimmten Stufe der Eskalation können die Herrschenden nicht mehr eskalieren, sondern sie werden eskaliert, sie sind dann nur noch Getrieben. Eine solche Situation nennt man Geschichte.

Es könnte sein, dass die SPD als erste der ehemaligen Volksparteien Geschichte sein wird. Der Tag ist nicht mehr fern, sie ist ja jetzt bei Lichte besehen schon keine Partei mehr, sondern nur noch ein Apparat. Und die Union?

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Kommentare ( 131 )

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giesemann
11 Tage her

Der neue BM der Finanzen heißt nunmehr Klingbeitl. „Denk ich an den Bodensee, so tut mir gleich der Beutl weh“, Oskar v. Wolkenstein, 1414 – 18, Konstanzer Konzil. Nichts Neues unter der Sonne. Und der Friedrich gucket stumm, um den ganzen Quatsch herum. Der verständige Michel aber sagt: Friederich, sagt der Steuerzah, ich geh fort, und du bleibst da.

Albert Pflueger
11 Tage her

So, wie sich die Politik offenbar von Wählerwünschen unbeeindruckt zeigt, bleibt dem Bürger letztlich nur noch eine einzige Wahl.Irgendwann wird er die treffen. Vielleicht wirklich zu spät.

Muensterlaenderin
11 Tage her

Wie sagte ein Freund einmal zu mir: Demokratie ist die Diktatur der 51%. Hier wird wieder ein Mauerbau, diesmal „Brandmauer“ gebannt, durchgeführt. Wie war es in der DDR? Die Dissidenten stellten einen Ausreiseantrag und verliessen das Land. Das wird jetzt ein klein wenig anders gehandhabt: der Wegzug wird immer höher besteuert, so dass automatisch und systematisch die Lust zum Wegzug ausgetrieben wird. Wir leben im besten Deutschland aller Zeiten; haben dabei womöglich die schlechteste Regierung aller Zeiten. Schuld sind nicht die Regierenden, sondern die 51%, die sie wählen. Erich hatte schon Recht: „Den Szialismus in seinem Lauf halten weder Ochs… Mehr

JamesBond
12 Tage her

Ende … Heizöl bei 1,60€ Spritpreise wegen Über- und Doppelbesteuerung um 2,50 €, Energiewende mit irren Strompreisen (4x so hoch wie in Frankreich!), das war es für die Wettbewebsfähigkeit und für den Wohlstand … arbeiten tun nur noch die Dummen und der Staat kassiert ab !

Laurenz
12 Tage her
Antworten an  JamesBond

Also die Mehrheit hat das genau so gewollt.

R.Baehr
12 Tage her

Nein, nein und noch einmal nein. Dieser Koalition regiert nicht am Wähler vorbei und den Rückhalt hat sie noch lange nicht verloren, oder habe ich mir das Wahlergebnis von BW und RP nur eingebildet? Der Wähler ist entweder zu wohlstandsverwahrlost, das es ihm gleichgültig ist, wo die Reise hingeht, hat noch viel zu viel Geld, denn wo kämen angeblich die fast 4 Billionen € Vermögen her die der deutsche Bürger angeblich noch immer hat, oder er will diese Zustände schlichtweg so.

Privat
12 Tage her

Nach Meldungen werden die deutschen Tankstellen noch im April ausverkauft sein. Dann ist es vorbei in der BRD mit Benzin und Dieselverkäufen.
Wenn ich die fast tägliche, abartige Hetze gegen den russischen Präsidenten Putin verfolge, dann denke ich, das die zu erwartende deutsche Bettelei nach russischer Energie mit einer klaren russischen Ablehnung beantwortet werden muss.
Weil diese äußerst freche deutsche Dummheit kann nur durch eine klare russische Absage beantwortet werden.

Laurenz
12 Tage her
Antworten an  Privat

Ich nehme einfach eine Handpumpe & tanke aus dem Heizöltank, wenn unsere Tankstellen nichts mehr haben.

1faltspinsel
12 Tage her

Solange die CDU demokratisch links irrlichtert, wird sich in D nichts ändern. Eine innerparteiliche Gegenposition ist nicht erkennbar und so wird der Abstieg von Merz, CDU, und D weitergehen.

Deutscher
12 Tage her

Das hält den Michel nicht davon ab, dieselben Parteien wieder zu wählen.

Biskaborn
12 Tage her

Guter Artikel der aber zu wenig herausarbeitet, wonach am Ende doch wieder 75% die Verursacher allen Übels wählen! Also genau jene Parteien die ihren Wohlstand täglich schrumpfen lässt. Oder ist der Wohlstand in Deutschland dann doch so hoch, das ein wenig Verlust daran die Wenigsten wirklich schmerzt. Es scheint so und darauf bauen die linken Parteien von Linke bis Schwarze!

LiKoDe
12 Tage her

Wer die Wahl der falschen Alternative hat, kann nur eine falsche Alternative wählen.