Langzeitstudie: Medizinische Transition senkt psychische Belastung bei Jugendlichen nicht

Eine große Langzeitstudie aus Finnland zerlegt das Leitnarrativ der Transideologie. Bei Jugendlichen sinkt nach medizinischer Transition der psychiatrische Behandlungsbedarf nicht, teils steigt er sogar massiv an.

picture alliance / Sipa USA | SOPA Images

Die politische Erzählung war lange bequem, moralisch aufgeladen und gegen Kritik abgeschirmt. Wer Zweifel anmeldete, wurde und wird als rückständig oder gleich als Feind markiert. Nun kommt ausgerechnet aus Finnland eine große Langzeitstudie, die den Kern dieser Erzählung frontal trifft. Die medizinische Transition von Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 23 Jahren senkt den Bedarf an fachpsychiatrischer Versorgung nicht. In einem beträchtlichen Teil der Fälle steigt die psychiatrische Belastung sogar deutlich an.

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Die im Magazin Acta Paediatrica veröffentlichte Untersuchung erfasste 2.083 Personen, die sich in Finnland vor dem 23. Lebensjahr zwischen 1996 und 2019 an spezialisierte Gender-Dienste wandten. Dazu kamen 16.643 Kontrollpersonen aus der Allgemeinbevölkerung. Die Nachbeobachtung lag im Median bei fast fünf Jahren, einzelne Fälle wurden über ein Vierteljahrhundert verfolgt. Das ist keine kleine Aktivistenstichprobe und kein gefühliger Erlebnisaufsatz, sondern ein großer Datensatz mit Registerdaten und langer Laufzeit.

Das Ergebnis ist verheerend für die politische Betriebsreligion der „geschlechtsbejahenden“ Medizin. Unter jenen, die eine medizinische Geschlechtsangleichung erhielten, also 38 Prozent der Kohorte, stieg der Anteil mit Bedarf an fachpsychiatrischer Behandlung stark an. Bei biologisch männlichen Jugendlichen, die eine feminisierende Behandlung suchten, sprang der Anteil von 9,8 Prozent vor der Überweisung auf 60,7 Prozent mindestens zwei Jahre danach. Bei biologisch weiblichen Jugendlichen, die eine Transition zum männlichen Geschlecht vornahmen, stieg er von 21,6 auf 54,5 Prozent.

Auch insgesamt lagen die an Gender-Dienste überwiesenen Jugendlichen weit über den Kontrollgruppen. Schon vor der Überweisung zeigten sie eine deutlich höhere psychiatrische Morbidität, 45,7 Prozent gegenüber 15,0 Prozent. Danach lag sie bei 61,7 Prozent gegenüber 14,6 Prozent. Selbst nach Bereinigung um die psychiatrische Vorgeschichte blieb das Risiko für spezialpsychiatrische Versorgung drei- bis fünfmal höher als bei den Altersgenossen. Die Autoren schreiben ausdrücklich, dass die psychiatrischen Bedürfnisse nach medizinischer Geschlechtsangleichung nicht abnehmen und die Eingriffe bei einigen Personen mit einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit verbunden zu sein scheinen.

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 Besonders aufschlussreich ist, was Finnland daraus längst praktisch abgeleitet hat. Das Land gehörte zu den ersten in Europa, die die Evidenz zur Behandlung Minderjähriger systematisch überprüften. Die nationalen Leitlinien setzen deshalb gerade nicht auf die routinemäßige Weiterleitung zu Hormonen und irreversiblen Eingriffen, sondern auf gründliche Diagnostik und Behandlung gleichzeitig bestehender psychischer Probleme. Die beiden finnischen Gender-Kliniken verfügen nicht zufällig über Abteilungen für Jugendpsychiatrie. Dahinter steht die Erkenntnis, dass viele junge Menschen mit Geschlechtsdysphorie erhebliche zugrunde liegende psychische Belastungen mitbringen.

Genau hier wird es politisch hochbrisant. Ebenfalls für Medien, die hier an der Seite von Jugendtrans-Gruppen lobbyiert haben. Denn diese Studie steht nicht allein. Sie fügt sich in eine wachsende finnische Forschungslinie ein, darunter Arbeiten zu Funktionsfähigkeit und zur Frage, wie häufig Jugendliche später wieder von einem Transitionswunsch Abstand nehmen. Auch bei den Suizidraten zeigt sich laut den Autoren kein einfaches politisches Erlösungsmärchen. Das erhöhte Risiko erklärt sich weitgehend durch bereits vorhandene psychiatrische Vorbelastung, nicht schlicht durch die Geschlechtsdysphorie selbst. Mit anderen Worten: Die medizinische Transition beseitigt nicht automatisch das Problem, wenn das eigentliche Problem tiefer liegt.

Natürlich melden sich sofort die üblichen Gegenstimmen. Aktivistische Kommentatoren behaupten, der Anstieg psychiatrischer Kontakte könne auf stärkere Überwachung im integrierten finnischen Versorgungssystem zurückgehen. Andere greifen Zeitschrift und Methodik an.

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 Doch gerade die Stärke dieser Studie liegt in ihrem landesweiten Umfang, den objektiven Registerdaten und dem sehr langen Beobachtungszeitraum. Sie ist kein Schlusspunkt aller Forschung. Aber sie ist ein schwerer Schlag gegen die Behauptung, die medizinische Transition sei für psychisch belastete Jugendliche eine einfache, sichere und politisch moralisch alternativlose Lösung.

Die Forscher selbst mahnen weitere sorgfältige Abklärung an, gerade bei gleichzeitig bestehenden Problemen wie Autismus, Depression, Angststörungen und Traumata.

Genau das wäre der nüchterne, verantwortliche Weg. Doch die Politik hat sich in vielen Ländern wie auch in Deutschland lieber an ein ideologisches Skript geklammert. Wer bei Minderjährigen vorsichtige Diagnostik, psychotherapeutische Klärung und klare Zurückhaltung gegenüber irreversiblen chemischen wie physischen Eingriffen forderte, wurde und wird nicht nur moralisch unter Druck gesetzt. Gegen Kritiker wird jede Form von Denunziation und juristische Mittel in Stellung gebracht, wie nicht nur Rona Duwe zu berichten weiß.

Jetzt zeigt sich, wie fahrlässig diese Politik war und immer noch ist. Sie hat nicht Wissenschaft verteidigt, sondern eine Lobbygruppe und ein Dogma. Und dieses Dogma hat Jugendliche nicht geschützt, sondern sie einer Medizin ausgeliefert, die ihre seelischen Probleme offenkundig oft nicht löst und mitunter sogar verschärft. Das politmediale Versagen liegt deshalb klar auf dem Tisch: Statt Ideologie braucht es endlich wieder umsichtige Diagnostik und Verantwortung.

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Kommentare ( 6 )

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Nicolai94
41 Minuten her

Die Studie bestätigt nur, was zumindest mir schon Jahre klar ist:
Die meisten Transjugendlichen haben in Wirklichkeit psychische Probleme aufgrund von Misshandlung, Missbrauch, Vernachlässigung o. Ä. und es ist die Transpropaganda, die ihnen einredet, Transsexualität wäre die Ursache.
Wenn jemand behauptet, Transgender zu sein, glaube ich ihm das nur, wenn er aus eine liebevollen Vorzeigefamilie kommt.

Apfelmann
45 Minuten her

Angeblich h wurde die deutsche Verbrecherin Marla-Swenja Liebich nun endlich verhaftet. Nach ihrer Transition ist sie abgehauen und hat sich ihrer Verurteilung entzogen. So verhält sich ein Trans-Krimineller. Einfach Abschaum.

OJ
45 Minuten her

Das haben wir doch schon immer geahnt ❗

Raul Gutmann
52 Minuten her

Zu den geläufigsten Weisheiten Adornos zählt jene über die „Abdrosselung des Denkens“ durch empirische Sozialforschung. Ihre Resultate könne selbst „die bescheidenste Vernunft vorwegnehmen“. 
Jenes Diktum scheint dem Wortlaut nach wenig mit dem Sachverhalt zu verbinden, auf den zweiten Blick erkennt man seine die exakte Paßgenauigkeit.
Wie bitte? Wer rief hier gerade mit abfälligem Tenor, „die politische Transgenderideologie werde allein durch Mietwissenschaftler gestützt“? Diese queerfeindliche Aussage muß mit aller gebotener Schärfe zurückgewiesen werden, Sie schäbiger Lump, Sie.

Last edited 51 Minuten her by Raul Gutmann
jansobieski
58 Minuten her

Es ist so, wie man es bereits vorher analysieren konnte: Die verursachende psychiatrische Störung wird nicht dadurch geheilt, dass der Körper verunstaltet wird, sondern das Gegenteil tritt ein. Es zeigt sich, dass der Wahn „im falschen Körper zu leben“ ein Wahn bleibt.

Endlich Frei
1 Stunde her

Wieso ist das überhaupt eine Angelegenheit für die Allgemeinheit: Es kann sich auch nicht jeder eine plastische Operation auf Kasse verlangen, weil die Nase optisch nicht passt oder die Beinchen nicht lang genug sind. Wir aber „transitieren“ – miunter sogar illegale Grenzüberschreiter – auf Kasse ??? Wir sind auf die Welt gekommen, wie Gott uns schuf. Wem das nicht recht ist, der soll sich vor Geburt durch seine Eltern gegen Risiken versichern lassen. Wir können nicht anfangen die halbe Menschheit im OP umzubauen. Operationen sollten sich auf medizinische Notwendigkeiten beschränken, der Rest ist – und dazu gehören geschlechtliche Befindlichkeiten –… Mehr