Der Drohnenfaktor in Äthiopien und im Jemen

Drohnen haben sich binnen weniger Jahre zu einem bevorzugten Kampfmittel insbesondere in Konflikten der zweiten und der dritten Welt entwickelt; sie spielen inzwischen entscheidende Rollen auf den Gefechtsfeldern dieser unruhigen Welt.

IMAGO/Zuma Wire
Erneute Wendung im äthiopischen Bürgerkrieg. Ausländische Waffenlieferungen an die Regierungstruppen machen den Rebellen der Tigray Defense Forces (TDF) zu schaffen. Bewaffnete Drohnen spielen bei deren Bekämpfung eine ausschlaggebende Rolle. Nach dem Krieg um Bergkarabach zwischen Aserbaidschan und Armenien vor Jahresfrist ist dies nun ein weiterer Waffengang, in dem nicht mehr das herkömmliche Militär mit Bodentruppen und etwas Luftwaffe den Ausschlag für Sieg oder Niederlage gibt.

Äthiopien, am Horn von Afrika gelegen, gilt als eines der Ursprungsländer des modernen Menschen. Auch unser Kaffee stammt von dort. Nach dem Krieg um Eritrea und dessen Unabhängigkeit 1993 hat sich seit 2020 ein Konflikt um regionale Wahlen in der Nordprovinz Tigray zu einem veritablen Bürgerkrieg ausgeweitet. Mit dem Einsatz bewaffneter Drohnen war es den Regierungstruppen zunächst gelungen, in Tigray einzumarschieren. Die wiedererstarkten Rebellen bei ihrem Marsch auf die Hauptstadt Addis Abeba abzuwehren, erforderte den Einsatz neu beschaffter türkischer Kampfdrohnen, nachdem die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Drohnenunterstützung eingestellt hatten.

Daneben nimmt allem Anschein nach auch im seit sechs Jahren tobenden Konflikt im Jemen der Einsatz von Kampf- und Aufklärungsdrohnen zu. In diesem Stellvertreterkrieg zwischen dem Iran und Saudi-Arabien setzen die Huthis immer wieder Drohnen ein und attackieren beispielsweise saudische Flughäfen. Die Verteidigung gegen Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Jemen bereitet dabei selbst den potenziell weit überlegenen Saudis zunehmende Schwierigkeiten. Bereits 2020 hatten die Huthi-Rebellen möglicherweise unter iranischer Unterstützung mit Marschflugkörpern Ölanlagen des Staatskonzerns Aramco in Saudi-Arabien angegriffen.

Paradigmenwechsel: Der moderne Krieg ist ein Drohnenkrieg

Wer Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, der überzeuge sich von dem fundamentalen Paradigmenwechsel (Neusprech Game Changer), der gegenwärtig im Bereich des Militärischen stattfindet. In einer Zeit, in der Fotodrohnen von jedem besseren Supermarkt angeboten werden, stürzen sich sowohl Waffenhersteller als auch Armeen und Konfliktparteien auf dieses aktuelle Mittel der Wahl. Zur Beherrschung der Technik sind selbst bisherige Schwellenländer wie die Türkei in der Lage und steigen zu Produzenten unbemannter Fluggeräte auf. Im Krieg um Bergkarabach wurden deren technische Fähigkeiten nachdrücklich demonstriert.

Die Vorteile liegen seit Jahren auf der Hand: Drohnen können rund um die Uhr zuschlagen und kurzfristig lageabhängige Schwerpunkte bilden, sie sind auch nicht einfach zu bekämpfen. Unbemannte Fluggeräte verursachen einen vergleichsweise geringen Aufwand, es müssen keine Besatzungen mit teuren Flugstunden in Übung gehalten werden, ferner kann die Aufklärung der Lage Hand in Hand gehen mit der Bekämpfung des Gegners. TE hat hierzu mehrfach berichtet:

Drohnen haben sich daher binnen weniger Jahre zu einem bevorzugten Kampfmittel insbesondere in Konflikten der zweiten und der dritten Welt entwickelt, sie spielen inzwischen entscheidende Rollen auf den Gefechtsfeldern dieser unruhigen Welt.

Deutscher Michel aufwachen!

Das möchte man rufen, damit diese Erkenntnisse nun endlich auch bei der Ausrüstung unserer Armee zum Tragen kommen. Aufklärungsdrohnen sind zwar in der Bundeswehr in verschiedener Form eingeführt, die geforderte Bewaffnung wurde aber von der SPD jahrelang mit teils fadenscheinigen Argumenten verhindert. Immerhin enthält der Ampel-Koalitionsvertrag nun eine Passage, nach der die Bewaffnung von Drohnen ermöglicht werden soll. Die Merkel-Regierungspartei SPD musste erst zur Scholz-Kanzlerpartei aufsteigen, bis sie über dieses Stöckchen springen wollte. Dies unter „verbindlichen und transparenten Auflagen und unter Berücksichtigung von ethischen und sicherheitspolitischen Aspekten“. Wohltönende Begleitmusik, nachdem das Bundesministerium der Verteidigung bereits seit Jahren entsprechende Auflagen festgeschrieben hat.

Wer nun glauben machen möchte, es sei mit der Bewaffnung der von Israel geleasten Heron TP-Drohnen getan, irrt sich gewaltig. Die überfällige Ausstattung der Bundeswehr mit bewaffneten Drohnen kann nur ein erster Schritt sein. Die Weltkugel hat sich ohne Rücksicht auf deutsche Bedenkenträger weitergedreht. Wer auf einem heutigen Gefechtsfeld bestehen und seine Soldaten schützen möchte, benötigt ein in sich greifendes und abgestimmtes Konzept verschiedener Drohnen für verschiedene Aufgaben. Daneben – wie hier ebenfalls gefordert – benötigt die Bundeswehr mit höchster Priorität eine funktionsfähige Flugabwehr, um der latenten Bedrohung durch verschiedenartige Kleinstdrohnen etwas entgegensetzen zu können.

Mit den auch in der Bundeswehr verfügbaren Patriot-Abfangraketen ist bei Kosten von einer Million Dollar pro Stück gegen die „fliegenden 10 000-Dollar-Rasenmäher“ (NZZ) der Huthis wenig auszurichten. Diese sind in großer Zahl einsetzbar, kaum zu orten und mit schwerfälligen Riesenraketen nicht mit Aussicht auf Erfolg zu bekämpfen. Diese Erfahrung macht derzeit das Königreich Saudi-Arabien: Dem Wüstenstaat fehlen die passenden Abwehrmittel, die Munition wird knapp.

Bis die Deutschen endlich zu Potte kommen, wird es aber wie üblich Jahre dauern. Die Bundeswehrplaner werden zunächst aktuelle Studienergebnisse vorzulegen haben als Basis für amtliche Forderungsdokumente. Auch sind vor einem Vertrag entsprechende Gelder in den Haushaltsplan einzustellen, was wiederum zulasten anderer Forderungen gehen dürfte, wenn nicht der Verteidigungsetat aufgestockt wird. Auf brauchbares Gerät zur Abwehr dieser aktuellen Bedrohung durch den um sich greifenden Drohneneinsatz wird die Truppe folglich weitere Jahre warten müssen. Achtung Sarkasmus: Mögliche Gegner werden sicherlich Rücksicht darauf nehmen, bis auch die deutschen Bedenkenträger so weit sind, dass sich ihre Soldaten adäquat wehren können!


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Kommentare ( 29 )

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29 Comments
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Dieter
7 Monate her

Deutschland kann sich ja ein paar Kargu-2 Drohnen aus der Türkei mitbringen lassen: https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/drohnen-libysche-regierung-soll-autonome-drohnen-eingesetzt-haben — https://de.rayhaber.com/2021/06/turk-yapimi-drone-kargu-2-iha-akilli-algoritma-ile-dusmani-algiliyor-ve-yok-ediyor/onome-drohnen-eingesetzt-haben Zielrichtung: große Mutterdrohne setzt eine reihe kleiner Drohnen ab, sprengt sich selbst z.B. an einer Hauswand und öffnet damit einen Zugang für die kleinen KI gesteuerten Drohnen. Diese schwärmen aus, identifizieren die Zielperson und sprengen diese in die Luft. In der Abwehrtechnik wird an Drohnenschwärmen welche sich in Kamikazemanier auf potentielle Angreifer stürzen gearbeitet (bzw. haben bereits diverse Freilandtest sowohl in China als auch Alska durchlaufen) Einige Marines tragen bereits kleine nur wenige Gramm leichte Aufklärungsdrohnen im Krigsgebiet bei sich. Die Suche nach dem… Mehr

Last edited 7 Monate her by Dieter
Frank T.
7 Monate her

Schland braucht keine Drohnen! Es ist bereits von 2000.000 oder mehr feindlichen Kämpfern eingenommen, die Regierung zahlt bereitwillig Tribut für diese und das Reststeuergeld wird in alle Welt verschenkt. Was wollen Sie denn noch verteidigen? Die sichersten Kernkraftwerke der Welt werden abgeschaltet, die Infrastruktur ist marode, die Industrie auf der Flucht.

Christian Freund
7 Monate her

Dieses angebliche „Ethisch-moralische Problem“, das durch den Einsatz von Gefechtsdrohnen entsteht ist natürlich nur ein Ablenkungsmanöver der Linken, das bei genauerer Betrachtung nur deren erbärmliche Arroganz entlarvt. Denn 1. besteht kein qualitativer Unterschied ob ein Feind durch einen Schuss aus einer Entfernung von einigen hundert Metern, oder von einer aus beliebiger Entfernung gesteuerten Drohne, plötzlich und unerwartet stirbt. Die Zeiten von Säbelhieb und Handgemenge sind schon länger vorbei. Und 2. Bedenken gegenüber dem Einsatz von Gefechtsdrohnen implizieren doch nur, dass der Bedenkenträger vom Soldaten erwartet, dass er sein Leben doch ein bisschen mehr riskieren sollte. Das ist krank. Besonders wenn… Mehr

Boris G
7 Monate her

Militärisches Denken ist im links-grün gestimmten politisch-medialen Komplex Deutschlands genauso verpönt wie Grenzsicherung.

EinBuerger
7 Monate her

Ich habe kein Problem, wenn die Bundeswehr keine Drohnen hat. Das wird dann halt ein weiterer peinlicher Vorfall der BRD bei irgendeinem internationalem Einsatz. Umso öfter diese BRD abschmiert, umso besser für alle Beteiligten und für die Deutschen.

Schwabenwilli
7 Monate her
Antworten an  EinBuerger

Ich habe schon etwas dagegen das die BW keine Drohnen hat. Der Schutz der Soldaten und Innen muss oberste Prämisse haben.

AHamburg
7 Monate her

In Deutschland hat man keine Zeit für RealitätsBlödsinn, wir müssen schließlich erstmal das Klima die Welt und das Universum retten. Dumm nur dass sich weder das Klima noch das Universum dafür interessiert

AHamburg
7 Monate her

Das hat man davon wenn man nur noch mit Weltrettungsfantasien sich beschäftigt , die Realität nicht mehr zu Kenntnis nimmt und nicht mehr merkt dass man selbst nicht mehr zu retten ist.

Steffens
7 Monate her

Drohnen scheinen besonders effektiv zu sein, wenn man dem Gegner bereits überlegen ist (eigene Luftüberlegenheit und schlechte feindliche Flugabwehr). Das Problem ist, dass ab diesem Zeitpunkt der symmetrische Krieg schon entschieden ist. Drohnen sind also ein Mittel, mit dem die siegende Seite noch schneller siegt. Anstatt so eine eigenartige Waffe anzuschaffen, sollten mehr Jagdflugzeuge angeschafft werden.

EinBuerger
7 Monate her
Antworten an  Steffens

Ich weiß nicht, ob Aserbaidschan Armenien sonst schon überlegen war?

Leopold Karl
7 Monate her

Was, bitteschön, soll die Bundeswehr verteidigen?

Schwabenwilli
7 Monate her
Antworten an  Leopold Karl

Deutschland und die Deutschen.

zumb
7 Monate her

Drohnen sind wichtig und müssen in die Bundeswehr. Den Etat kann man einfrieren. Die Truppe mit dem riesigen Verwaltungsappat kann man verkleinern.