Das Böse ist rechts, links ist das Gute

Jede Religion und jede Denkrichtung, auch der Medienmächtige heute hält sich für gut, und wird deshalb versuchen, für sich und „das Gute“ Macht auszuüben. Je mehr Einfluss eine Religion oder Philosophie hat, desto eher kann sie in den Dienst von Machtinteressen gestellt werden („An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“). Klaus-Jürgen Gadamer in mehreren Folgen über DAS GUTE UND DAS BITTERBÖSE.

© Ulrich Baumgarten via Getty Images

Ihr Schlangenbrut! Wie wollt ihr Gottes Gericht und der Hölle entrinnen? Matthäus 23, 33

Satire macht nur als Gegenentwurf Sinn, sonst ist sie auf einem Auge blind, auf dem anderen schielt sie.

Wenn politisch Engagierte auf die Bühne eines Theaters stürmen und sich ungefragt in das Geschehen einmischen, dann ist das gut, wenn es Linke sind. Ganz böse wird es, wenn sich rechte „Identitäre“ wie bei einem Jelinek-Stück geschehen, das gleiche Recht herausnehmen. Dieselben Journalisten, die das eine gut finden, verurteilen das andere aufs Schärfste. Die Identitären begründen ihre Aktion im besten 68er Deutsch als „ästhetische Intervention“, die sich nicht gegen die Flüchtlinge auf der Bühne gerichtet habe, sondern „gegen die Heuchler im Publikum und der Politik“. Alles in bester 68er Sponti Manier. Aller klar? Alles gut? Nein, ganz böse, wie wir in den uniformen Medienreaktionen belehrt werden.

Ist es nicht unglaublich, dass diejenigen, die in den 70erJahren die gleichen Sponti-Aktionen durchführten, heute nach der Polizei rufen. Ein Vorgehen, das sie damals verachtet hatten. Eine nichtautoritäre linke Aktion müsste sagen: Ich bin zwar nicht eurer Meinung, aber für die Belebung unserer einseitigen Theaterszene bedanken wir uns. Keine Macht für niemand! Lasst uns diskutieren!

Heute sagt die inzwischen autoritäre Linke: Keine Diskussion! Ich hole die Polizei. Und alle Medien assistieren. Nachdenklichkeit? Keine!

Opposition gegen Merkel wird schon deshalb nicht gewünscht, weil das Merkel´sche Gut-Sein auch von den meisten Medien als alternativlos empfunden wird. Die Argumentation des Grünen auf der Straße ist legendär linksautoritär: Was brauchen wir eine Opposition, da sich doch alle Parlaments-Parteien inklusive der Medien darauf geeinigt haben, dass die Merkel-Politik die einzig vernünftige ist.

Das haben wir in der Geschichte doch schon öfters gehört …

Ist Manipulation gut? Jeder würde spontan sagen, Manipulation ist ganz böse. Aber Erziehung ist nichts anderes als Manipulation. Erzogen wird zu den Werten, die die Mächtigen der jeweiligen Gesellschaft für richtig erachten.

Das Volkserziehungsmedium in Deutschland ist das Fernsehen. Dort wird uns bis in jeden Tatort hinein vorgekaut, was gut und was böse ist. In der täglichen Kleber-Show machen er und seine Kollegen gar keinen Hehl daraus, dass das gut ist, was sie dafür halten. Merkel ist gut. Sarrazin ist böse. Obama ist gut, Putin ist böse. Und Erdogan ist Erdowahn. Und treu-herzig schauen die blauen Augen aus dem Flachbild.

Ist in einer Gesellschaft der Druck gut zu sein groß, so liegt Scheinheiligkeit nahe. Die ARD meint: Es ist ein ganz, ganz starkes Zeichen, dass der Papst zur Mitmenschlichkeit auffordert und 3 (drei!) Flüchtlingsfamilien in den Vatikan aufnimmt. Ganze 3 Familien werden voller Nächstenliebe bei den vatikanischen Hallen einquartiert.

Und die deutschen Kirchen fordern ungezügelte Flüchtlingsaufnahme. Es ist aber nicht bekannt, dass sie massenweise Emigranten in ihre Gemeindehäuser aufnehmen. Es ist eine jämmerliche Scheinheiligkeit der Kirchen, die uns von den Medien unterstützt, hier zugemutet wird.

Was würde Jesus dazu sagen? Matth 23, 4: Sie bürden den Menschen große Lasten auf, doch sie selbst rühren keinen Finger, um diese Lasten zu tragen. Mit allem, was sie tun, stellen sie sich zur Schau. 33Ihr Schlangenbrut! Wie wollt ihr Gottes Gericht und der Hölle entrinnen?

Liebe Frau Merkel, Papst Franziskus könnte ein Vorbild für Sie sein. Sie könnten auch die ganze Welt zur Aufnahme der Flüchtlinge auffordern, und als ganz ganz starkes Zeichen 10.000 Flüchtlingsfamilien aufnehmen. Da würde Ihnen gewiss ganz Deutschland ganz ohne Gehirnwäsche der Medien folgen.

Es ist kein „Wunder“, dass die Vorstellung des Guten und des Bösen aus den monotheistischen Religionen kommt. In anderen Kulturen gibt es zwar ein richtig oder falsch, und diese Vorstellungen werden rigide durchgesetzt, ein religiös begründetes gut oder böse ist aber unbekannt. Verzichtet man auf die Idee des Bösen, ist das Christentum seiner Wurzeln beraubt. Durch seinen Kreuzestod hat Jesus das Böse überwunden. Gibt es dieses nicht, dann ist Jesus für nichts gestorben und das Christentum hat seinen Urgrund verloren.

Gott ist die Inkarnation des Guten, der dem sündigen Menschen vergibt und verzeiht. Der gute verzeihende Gott macht aber nur Sinn, wenn es den sündigen Menschen gibt, der Böses tun kann. Dies bedeutet, dass das Christentum die Vorstellung des Bösen braucht, da sonst die Idee des guten verzeihenden Gottes obsolet wäre.

In asiatischen Religionen gibt es weder das Böse, noch die Sünde. Schlechte Taten, die sich negativ auf das Karma auswirken, gibt es natürlich zuhauf. Aber diese sind nicht mit einem christlich schlechten Gewissen verbunden. Im Hinduismus sind die Götter eigentlich Menschen mit Superkräften, die in einem eigenen Götterhimmel leben. Wie ganz normale Menschen tun sie das Gute und gleichzeitig lügen und betrügen sie und haben ihre heimlichen Geliebten.

Ganz ähnlich geht es im griechischen Götterhimmel zu. Die Götter handeln gut oder schlecht, die Vorstellung des Bösen ist aber fremd. Zeus behandelte die Jungfrau Europa eigentlich wie heute ein IS-Terrorist Frauen behandelt. Erst entführt er sie, dann vergewaltigt er Europa und zeugt drei Söhne. Als er genug von ihr hat, gibt er sie an den kretischen König weiter. War das jetzt gut? War das jetzt böse? In jenen Religionen spielen diese Begriffe keine tragende Rolle. Es gibt gut und schlecht. Der Gegensatz gut und böse, ist wie schon Friedrich Nietzsche bemerkte, eine Konstruktion des Christentums. Heute wissen wir, es ist eine Erfindung der monotheistischen Religionen. Wenn ich das Böse erfinde, strahle ich als das Gute um so heller. Wo viel Schatten, ist viel Licht.

Jede Religion und jede Denkrichtung, auch der Medienmächtige heute hält sich für gut, und wird deshalb versuchen, für sich und „das Gute“ Macht auszuüben.

Je mehr Einfluss eine Religion oder Philosophie hat, desto eher kann sie in den Dienst von Machtinteressen gestellt werden („An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“). Jede Religion oder Philosophie ist also nur so gut, wie sie mit ihrem eigenen Missbrauch, also mit den Schwächen der Menschen rechnet, und sich deshalb so wenig wie möglich missbrauchsfähig macht. Das hat der Buddhismus geschafft, das Christentum erst nachdem seine Macht zurückgestutzt wurde, darauf wartet der Islam bislang vergebens. Kleber & die Böhmermänner denken in ihrem naiven Gutmenschentum nicht einmal darüber nach, welche Folgen es hat, das Gute autoritär durchzusetzen und politisch Unkorrekte abzuwerten.

Vielleicht lohnt es sich einmal als Ungläubiger manche Matthäus-Worte des Neuen Testaments gegen die autoritäre Öko-Linke Bourgeoisie zu verteidigen:

Matthäus 7, 2 ff: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.

Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden.

Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?

Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken?

Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

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Kommentare ( 27 )

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