China: Flüchtlinge sind keine Migranten

China will keine Flüchtlinge aufnehmen, nachdem im chinesischen Facebook Weibo eine Art Volksabstimmung stattfand. Kein Thema für deutsche Medien und Politik.

© Feng Li - Pool/Getty Images

Als der chinesische Außenminister Wang Yi am 23. Juni 2017 den Libanon besuchte, verkündete er im Beisein des libanesischen Außenministers (Quelle chinesisch):

„Die aktuelle Flüchtlingsproblematik in Nahost ist hervorstechend. Nahöstliche Länder inklusive des Libanon haben große Anstrengungen unternommen, um Flüchtlinge aus Ländern wie Syrien aufzunehmen. Flüchtlinge sind keine Migranten. Die auf der ganzen Welt verstreuten Flüchtlinge sollen wieder in ihr Vaterland zurückkehren und ihre Heimat wiederaufbauen. Dies ist nicht nur der Wunsch jedes einzelnen Flüchtlings, sondern entspricht auch den Zielen der internationalen humanitären Anstrengungen und ist zugleich Teil der Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen zur politischen Lösung der Syrien-Frage.“

Mit dieser klaren Aussage dürfte der chinesische Außenminister die Bevölkerung in China beruhigt haben, die sich zuletzt zu Zigtausenden im Netz darüber aufregt, ob China nun vielleicht auch von den Vereinten Nationen zur Aufnahmen von Flüchtlingen aus dem Nahost verleitet würde.

Es ist erstaunlich, dass bislang nahezu sämtliche deutschen Medien diese Aussage Chinas zur Flüchtlingspolitik ignorieren. Lediglich die chinesischstämmige Redakteurin der Deutschen Welle, Zhang Danhong, befasste sich letztens in einem Artikel mit diesem Sachverhalt, der auf der deutsch- und chinesischsprachigen Seite der Deutschen Welle erschien.

Ein Publikumsaufstand auf Weibo

Am 20. Juni veröffentlichte das Flüchtlingskommissariat der Uno eine Kurznachricht auf dem chinesischen Internetdienst Weibo (in China vergleichbar mit Facebook) mit dem folgenden Inhalt:

„Der 20. Juni ist der Weltflüchtlingstag.  Das UN-Flüchtlingskommissariat hat in Peking gemeinnützige Filmveranstaltungen durchgeführt, um den 65,6 Millionen Flüchtlingen weltweit und allen, die die Flüchtlinge unterstützen und ihnen Achtung schenken, Respekt zu zollen.“

Das löste eine Lawine in der chinesischen Internet-Community aus. Die Kurznachricht des Flüchtlingskommissariats wurde mehr als 29.000 Mal kommentiert. Bei den meisten Kommentaren stieß das Statement des UN-Flüchtlingskommissariats, das bis zum heutigen Tage übrigens nur 2.311 Mal geliked wurde, auf breite Ablehnung.

Hier eine Auswahl der meist-gelikten Kommentare dazu in der deutschen Sprache (Anmerkung: Teile der Inhalte wegen Schimpfwörtern gelöscht):

Das beliebteste Kommentar stammt vom Nutzer „黑枣哥_马永春1“, er wurde 51.252 Mal geliked.:

„Ich bin immer der Meinung gewesen, dass jene, die Respekt verdienen, entweder eine sehr hohe Tugend besitzen oder in der wissenschaftlich-technischen Forschung etwas geleistet haben. Doch die Uno will, dass wir den Flüchtlingen Respekt zollen. Das verstehe ich überhaupt nicht. Weil man Flüchtling ist, ist man schon etwas Großartiges? Soll man als Flüchtling schon Respekt von anderen erwarten? Was ist das für eine Logik? Kann die Uno mich mal belehren?”

Der Kommentar von Nutzer „南京东路下一站” wurde 23.254 Mal geliked.:

„Nach kaum drei Tagen Krieg sind sie schon geflüchtet. […] verteidigen ihre Heimat nicht, stattdessen verfälschen sie ihr Alter und kommen in ein anderes Land und begehen alle möglichen Straftaten. Was gibt es schon, wovor man Respekt haben sollte?”

Auf 20.149 Likes brachte es Nutzer  “卫崽mama“:

„woher diese […] kommen, wisst ihr etwa nicht? Warum sollen sie nach China kommen? Wollt ihr die Katastrophen nach China bringen?“

Nutzer “笙歌沸” kriegte 18.166 Likes:

„[…], bringt keine Flüchtlinge nach China, […]“

Der unmissverständlichen Ablehnung von Nutzer “超级美丽的水蜜桃” applaudierten 14.622 Likes:

„Komm gar nicht nach China, um Aktivitäten nachzugehen und Propaganda zu betreiben! China will keine Flüchtlinge akzeptieren! Die Geburtenplanungspolitik wurde nicht dreißig Jahre betrieben, um Platz für andere zu machen!”

11.748 Likes gab es für Nutzer „能在水上漂2000“:

„Nach der Wertvorstellung der Chinesen sind solche, die ihr Land aufgegeben haben und geflüchtet sind oder überhaupt keinen Widerstand leisten und keine Verbesserungen versuchen, Personen, die am wenigsten Rückgrat besitzen. Solche Personen verdienen am wenigsten Respekt.“

Chinesische User über Deutschland

So kommentiert Weibo-Nutzer kkkdhusjhh (einen anderen Weibo-Eintrag des Flüchtlingskommissariats:

„Deutschland wurde von den Flüchtlingen in einen Scherbenhaufen verwandelt? Glaubt ihr, wir sind blind? Wenn die Flüchtlinge besser gebildet und braver wären, hätten wir auch keine solche feindliche Haltung! […] Die Stabilität Chinas ist nur schwer zustande gekommen. In der heutigen Welt des chaotischen Zeitalters schätzen wir unser derzeitiges Leben sehr! Ist es falsch, dass wir unser Land und die Stabilität unseres Lebens bewahren wollen?”

Weitere Kommentare werden wegen der Gehässigkeit in den Texten nicht weiter aufgeführt.

Nach diesem Sturm im Internet haben etliche staatliche Medien in China über das Thema Flüchtlinge berichtet. Es wurden Umfragen zum Thema Flüchtlingsaufnahme durchgeführt, was die Stimmung weiter anheizte. Das auslandschinesische Nachrichtenportal Duowei News berichtete, dass die Zentrale des Kommunistischen Jugendverbands (KJV) der Provinz Guangdong über ihre offizielle Seite auf Weibo eine Abstimmung zum Thema „Flüchtlinge aus dem Nahost werden immer mehr, hat die chinesische Regierung die Verantwortung, Flüchtlinge aufzunehmen?“ durchführte. Das Ergebnis der Umfrage: von über 10.000 Umfrageteilnehmern haben lediglich 51 Personen für die Option „Flüchtlinge sollen aufgenommen werden, weil sie bemitleidenswert sind“ gestimmt. Bei den beiden anderen Optionen  sollen keine Flüchtlinge aufgenommen werden.

Duowei News meldete, dass ein weiterer Nutzer auf Weibo ebenfalls eine Umfrage zum Thema „Willst du, dass China Flüchtlinge aufnimmt?“ durchgeführte. Innerhalb kurzer Zeit haben 150.000 Personen an der Umfrage teilgenommen. Lediglich 2,5 Prozent der Umfrageteilnehmer wollen Flüchtlinge aufnehmen. Der Anteil derer, die keine Flüchtlinge in China aufnehmen wollen, beträgt hingegen 97,5 Prozent.

Es gibt Vermutungen, dass die Berichte und Umfragen dazu als eine Art Stimmungstest genutzt wurden, um den Aufnahmewillen der chinesischen Bevölkerung auszutesten. Manche vermuten, dass die Aufnahme einer begrenzten Zahl von Flüchtlingen Chinas Ansehen vor dem Hintergrund des Projekts der „Neuen Seidenstraße“ erhöhen könnte.

Doch wenn das ein Test gewesen wäre, so drohte er außer Kontrolle zu geraten. Wie Duowei News schreibt, soll ein Weibo-Nutzer einen Kommentar mit tausend Wörtern verfasst haben. Der Text richtet sich auch an die chinesische Regierung: „Ihr habt dreißig Jahre lang eine Geburtenplanungspolitik betrieben, nicht um Platz für andere zu machen“, „Weil ich keine Situationen sehen will, dass das chinesische Volk wegen der Aufnahme von Flüchtlingen geschädigt wird – weil ich keine Situationen sehen will, dass die ganze Gesellschaft wegen der Aufnahme der Flüchtlinge durch die Regierung unsicherer wird – weil ich nicht will, dass China, eine große Familie von 1,4 Milliarden Menschen, ins Chaos gerät –  weil ich nicht will, dass sich in China andauernd Terrorangriffe ereignen.“

Innerhalb kurzer Zeit wurden fast zehntausend Kommentare zu diesem Artikel abgegeben, die dann von den entsprechenden Behörden gelöscht wurden. Doch es bildete sich im Netz eine enorme, einheitliche Gegenstimme, die zunehmend außer Kontrolle zu geraten drohte. Vor diesem Hintergrund hat der chinesische Außenminister nun im Libanon ein Machtwort ausgesprochen: Flüchtlinge sind keine Migranten. China wird also keine Flüchtlinge aus dem Nahost aufnehmen.

Die Frage indes bleibt, ob deutsche Regierungsvertreter es wagen werden, China deswegen als „Dunkelchina“ oder die Chinesen als „Ausländerfeinde“ zu bezeichnen. Man darf gespannt sein.

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Kommentare

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  • Martin Lederer

    Die Gretchenfrage ist doch, wieso die Deutschen sich das gefallen lassen.
    – Entweder sind sie wirklich solche „Flüchtlignsfans“ (würde ich nicht ausschließen).
    – Oder Sie sind so eingeschüchtert, dass sie es über sich ergehen lassen.
    – Oder Sie sind solche Mitläufer, dass sie alles mitmachen würden.
    – Oder eine weitere Möglichkeit?

    Ich weiß nicht, was die Gründe sind. Eventuell eine Mischung aus allem.

  • Martin Lederer

    Das ist kein Selbsthass. Sie hassen einfach Deutsche oder Weiße. Sich selber zählen sie nicht dazu. Sie sind Weltbürger.

  • Nonstop Nonsens

    Sie haben es richtig erkannt, Selbstmitleid ist versteckter Hochmut. Immer sind die anderen schuld, bloß nicht, dass ich noch einen Finger rühren muss. Ausländer sind zwar unerwünscht, aber einen Billigjob will ich ja auch nicht unbedingt machen (die Alten sind da nicht so fein). Menschen in DE sind deart mental abgestumpft, dass sie sich eher für eine Ungerechtigkeit entscheiden würden, als etwas gemeinsam (Gott bewahre) dagegen zu unternehmen. Und dann fehlt es ja an Kindergeld um Kinder zu haben… Wie haben es die Deutschen nur vor dem Sozialstaat überhaupt geschaft zu überleben?! Ironie.

    Das Schlimme ist es halt, dass eine Opferposition (Selbstmitleid) zu kompfortabel ist, als dass sich jemand entscheiden würde, diese zu verlassen. An Ausreden und Schuldzuweisungen wird es nicht mangeln. Das Nazi-Diss-System ist schon gut gewählt. Es legitimiert zusätzlich das „Nichtstun“.

    Zum Glück sind nicht alle so, das birgt Hoffnung.

  • birte

    Soweit ich es beurteilen kann, haben Asiaten eine ganz andere Weltsicht. Sie sind nicht vom christlichen „halte auch die andere Wange hin“ oder Mitleid bis zur Selbstaufgabe geprägt. Und natürlich kennen sie keine deutsche „ewige Erbschuld“. Die Moralkeule, wie sie bei uns bei jeder Gelegenheit ausgepackt wird, zieht bei ihnen – gottseidank – nicht.

  • ZurückzurVernunft

    Danke
    Und bezüglich der Gefährder haben Sie vermutlich recht.
    Dazu kommt sicher ein großes Potential, weil es nichts gefährlichere gibt als junge frustrierte Männer.
    Unser Asyl ist ja bekanntlich fast ausschließlich ein Asyl für junge Männer. Und ohne Arbeit, Geld und Frauen besteht da schon erhebliche Gefahr. Selbst wenn sich nur jeder 1000ste wirklich radikalisiert ist da ein erhebliches Potenzial.

  • Hans Amstein

    Oh, wie gerne würde ich Ihnen widersprechen… 🙁

  • Poco100

    Klar, „alle Nazis ausser uns“, denken diese pathoiogisch getränkten „Geister“, die eigentlich lebenslang in solche Anstalent gehörten, in denen dias Personal mit weißen Kitteln früher rumlief, dort rein ! Alle !!!

  • Alex

    Deutschland und Schweden gelten wohl nicht nur in China als gelungenes Beispiel, wie man mit einer vollkommen planlosen Politik ein funktionierendes Staats- und Sozialsystem innerhalb kürzester Zeit an die Wand fahren kann.

    Chapeau zu dieser Leistung, liebe Politiker.

    Auch euer „200.000 pro Jahr“ Unsinn wird dieses Land innerhalb weniger Jahre an die Wand fahren, halt nicht mit Vollgas, aber trotzdem mit Totalschaden.

    Macht einen nur noch traurig, insbesondere wenn man Kinder hat, wie ich .

  • Sabine W.

    Zu Ihrem ersteren Argumentationscluster passt folgender Artikel, finde ich:
    http://www.achgut.com/artikel/migration_und_kriminalitaet_wann_wacht_europa_auf

  • berk

    Wenn man diese Ausagen anonym unseren Regierenden zur kommentierung vorlegt, würde sicher die Interpretation von rechten, Mischpoke, Mob und Nazis kommen.
    Ein versuch wäre es wert. Damit man erkennt, wie voreingenommen und vorgefasst unsere Politiker instinktiv reagieren.