Brasilien muss in die Stichwahl. Der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro liegt nach dem ersten Wahlgang vor Lula. Für den linken Amtsinhaber ist dieses Ergebnis eine Niederlage. Die Entscheidung bei der Stichwahl wird knapp ausfallen. Etwas anderes kann seriös nicht vorhergesagt werden.
picture alliance / AP Photo/Eraldo Peres | Eraldo Peres
Die Präsidentschaftswahl vom Sonntag, dem 4. Oktober, brachte erwartungsgemäß keinen Sieger hervor. Der extrem linke Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei und Flávio Bolsonaro, der Sohn des vorherigen Präsidenten Jair Bolsonaro, von der Liberalen Partei lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Am 25. Oktober muss nun die Stichwahl entscheiden.
Für den Sozialisten Lula ist schon der erste Wahlgang eigentlich eine Niederlage. Der 45-jährige Flávio Bolsonaro, Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, lag seit Beginn der Auszählung vor dem Amtsinhaber. Bolsonaro erzielte 47,03 Prozent, Lula 45,16 Prozent. Lula schnitt schlechter ab als noch im ersten Wahlgang 2022, als er 48,4 Prozent erzielen konnte.
Zeitweise sah es sogar danach aus, als könnte Bolsonaro die Wahl bereits im ersten Durchgang für sich entscheiden. Erst als die Stimmen aus dem Nordosten des Landes eintrafen, der politischen Hochburg der brasilianischen Linken, verlor er an Schwung. Lula selbst zeigte sich vom Ergebnis überrascht. „Ich war überzeugt, dass ich gewinnen würde“, räumte der brasilianische Präsident ein, nachdem feststand, dass er gegen Flávio Bolsonaro in die Stichwahl muss. Für die Stichwahl entscheidend wird deshalb sein, wie sich die Wähler der drei anderen Kandidaten, die über 2 Prozent der Stimmen für sich gewinnen konnten, entscheiden werden.
Da ist zunächst der Arzt, Psychiater und und Bestsellerautor Augusto Cury, der von sich sagt, er habe einen kapitalistischen Verstand, aber ein sozialistisches Herz. Er, der sich als Kandidat der Mitte präsentiert, kam auf 2,89 Prozent. Wirtschaftspolitisch fordert er ein Haushaltsdefizit von null, niedrigere öffentliche Ausgaben, weniger Verschuldung und einen schlankeren Staat. Gleichzeitig will er die Maßnahmen in Bildung und psychischer Gesundheit ausweiten und die Chancen für Kleinunternehmer verbessern. Ob sich seine Wähler eher vom Verstand oder vom Herzen angesprochen fühlten, ist unbekannt. Genauso wenig kann jemand wissen, für welchen der beiden Kandidaten sie sich entscheiden werden.
Renan Santos ist ein weiterer Kandidat, der versucht, die politische Ordnung Brasiliens aufzubrechen. Er ist Gründer des „Movimento Brasil Livre“ (MBL) und nationaler Vorsitzender der Partei „Missão“. Zwölf Jahre lang war er der Stratege einer Bewegung, die die Amtsenthebung von Dilma Rousseff, der sozialistischen Ex-Präsidentin, vorangetrieben hatte. Aus dieser Bewegung ist inzwischen eine eigene Partei entstanden. Die Wähler von Santos, der 2,24 Prozent erreichte, werden sich vermutlich eher für Bolsonaro entscheiden. Sicher ist das aber nicht.
Die Stimmen von Ronaldo Caiado von der sozialdemokratischen PSD (Partido Social Democrático) werden, wenn man allein die Farbenlehre als Kriterium berücksichtigt, wahrscheinlich zur Wahl von Lula tendieren. Sicher ist das aber auch nicht.
Die anderen Kandidaten kamen zusammen auf 0,53 Prozent der Stimmen. Wenn es ganz eng wird, könnte aber genau das den Ausschlag geben.




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