Essener Tafel: Notfalls mit Gewalt zurück auf Kurs

Vor dem Chef der Essener Tafel Jörg Sator verbeugen wir uns, vor einem Mann, dessen Anstand ihn gegen eine Phalanx von selbsternannten Tugendwächtern immun macht.

© Sean Gallup/Getty Images

Lange Jahre war es Schullektüre. Fast jeder kennt wohl A. Paul Webers „Das Gerücht“, eine der bekanntesten Grafiken überhaupt. Entstanden 1943, illustrierte es ursprünglich so etwas, wie die Leichtgläubigkeit der Massen. Heute kommt das Bild zu neuen Ehren, wenn es sinnbildlich steht für eine opportunistische Gefolgschaft, für eine lange Reihe einflussreicher gesellschaftlicher Gruppen und Institutionen, wenn es darum geht, Kritik an der Zuwanderungspolitik der Merkel-Regierung zu diskreditieren, gemeinschaftlich den Nazi-Vorwurf zu erheben gegen jeden, der sich quer stellt oder nur eine unbequeme Wahrheit zu laut und zu deutlich ausspricht.

Diese Entwicklung beschleunigt sich zunehmend, eskaliert, wird immer unverschämter, agressiver und aufdringlicher: Selten konnte man das bisher so gut beobachten, so exakt beschreiben, wie am Fall der Essener Tafel, die vorübergehend weitere Ausländer nicht mehr in ihre Kartei aufnimmt, weil bereits 75 Prozent der Kunden Ausländer sind und beispielsweise ältere deutsche Kunden nicht mehr kommen, die dennoch bedürftig sind. Im Übrigen werden alle Kunden reglementiert, es gibt Wartelisten, immer müssen Kunden abgewiesen werden, unabhängig ihrer Herkunft.

Der Aufschrei kam schnell, die Maschine ratterte los. Die Kampagne begann.

Gipfelnd bisher in einer maximal unanständigen Headline des Focus, die in ihrer Abgeschmacktheit, in ihrer Maßlosigkeit die religiös-ideologischen Züge der Maschine („Das Gerücht“ illustriert das perfekt) allerdings optimal dechiffriert: „Essener Tafel-Chef zeigt keine Reue – Aufnahmestopp für Ausländer“.

Der Spiegel fährt innerhalb kürzester Zeit gleich drei Artikel gegen die Maßnahmen der Essener Tafel hoch, fast so, als befürchte man dort, die Stimmung der Bürger könnte sich zugunsten der Entscheidungen der privaten Helfer aus dem Ruhrpott richten. Hier soll es die Masse der Artikel richten, man schreibt und schreibt und schreibt, bis noch der hinterwäldlerische Abschreiber genug Material für sein faules wie willfähriges Copy & Paste zur Verfügung hat. Der Spiegel als linksideologische Nachrichtenagentur.

Und er erhält Schützenhilfe quasi aus allen gesellschaftlich relevanten Bereichen bis hin zum Sozialminister von Nordrhein-Westfalen, der sich doch tatsächlich bemüßigt fühlt, als weithin wahrnehmbare Solostimme in den Chor der Kritiker der Tafelentscheidung „mutig“ einzustimmen. Möglicherweise will er sich sogar an die Spitze der Protestbewegung stellen, will der Kopf des schmierigen Wurms sein. Dass es auch die unter seiner Regierung wachsenden prekären Verhältnisse sind, die solche privaten Tafeln überhaupt nötig gemacht haben – für ihn völlig uninteressant. Oder nein, seine Einmischung dient ja sogar allererst der Abwehr solcher maximal unbequemer Wahrheiten.

Soziale Medien, Zeitungen, Gewerkschaften, Kirchen, Politiker, Parlamentarier, Parteimitglieder, Regierungsmitglieder, Künstler, NGO’s, die Wohlfahrtsverbände – die Front der Gutmeinenden steht in atemberaubender Geschwindigkeit, gipfelt in der Ansage linksradikaler – womöglich wie Antifa staatlich quersubventionierter Kräfte –  der Tafel mal eine Besuch abstatten zu wollen. Was das heißt, wissen inzwischen immer mehr Bürger, die es nur wagen, öffentlich Kritik an der Bundeskanzlerin zu üben. Notfalls wird also der Focus-Spiegel-Artikel ebenso wie die Minsterpräsidentenhaltung mit Gewalt in die Fresse der aufständischen Tafelhelfer geprügelt.

Aber der 61-Jährige Tafelleiter aus Essen widersetzt sich trotzdem. Und er macht das mit einem bewundernswerten rheinischen Humor, mit einer Widerspenstigkeit, die die Maschine immer nur noch schneller und aggressiver laufen lässt. Die Maschine steht jetzt nackt da. Ihre obszöne Hässlichkeit in einer Focus-Schlagzeile zusammengefasst. Diejenigen, die Löschungen auf Twitter und Facebook, die das Maas’sche NetzDG mit dem privat-unternehmerischen Hintergrund der Sozialen Medien verteidigen, sehen das bei der privaten Hilfsorganisation Tafel nun allerdings völlig anders.

Den Chef der Essener Tafel Jörg Sator ficht das rein äußerlich kaum an. Während eines einzigen Gesprächs mit einem Journalisten klingeln bereits über ein dutzend weitere. Die wenigsten meinen es gut mit ihm, die meisten wollen sich nur an die Spitze des Wurms schreiben, immer noch mehr Schmieröl in die verdreckte Maschine kippen. Und dieser Sator liefert ab: „Von mir aus kann die Angela mich anrufen. Ich würde der das so sagen, wie es ist.“ Unter den Syrern und Russlanddeutschen gebe es „ein Nehmer-Gen“, so Sartor. Einige würden drängeln und schubsen, es fehle an „einer Anstellkultur“. „Wenn wir hier um 9 Uhr die Tür aufmachen, dann wird die Oma, die seit 7 Uhr da steht, weggeschubst“.

Als nächstes sind die Hilfsorganisationen dran, die Aufnahmepause für Ausländer bei der Essener Tafel zu kritisieren.

Die Wohlfahrtsverbände sind ebenfalls schnell dabei. So kritisiert der Wohlfahrtsverband Der Paritätische, dass die Essener Tafel mit ihrer Entscheidung rechten Parteien in die Hände spiele. „Natürlich kann ich nachvollziehen, dass Tafeln unter großem Druck stehen und ihre Ressourcen im Blick haben müssen“, sagte NRW-Landesgeschäftsführer Christian Woltering. Aber Maßnahmen wie ein Aufnahmestopp seien Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten.

Na klar, denn genau darum geht es ja eigentlich, nicht um Bedürftige und nicht Bedürftige. Nur hier steht ein ehrlicher Ruhrpottler im Wege, dem es völlig egal ist, wer außerhalb der Karnevalssaison die Jecken tanzen lassen will. Wer seine Helfer zu Jecken machen will.

Und der Bundesverband der Tafeln, denn auch so einen gibt es, befürchtet noch etwas ganz anders, wenn Sator berichtet: „Im Moment macht mir Berlin die Hölle heiß, der Bundesverband. Ich soll das zurücknehmen, wegen der Sponsoren und so.“ Na klar, die lebensmittelspendenden Sponsoren sind das nächste Angriffsziel der Drecksmaschine. Der Verband befürchtet es zu Recht: Denn die Maschine ist lernfähig. Das Prinzip hat sogar schon die erste Proberunde hinter sich, als man Unternehmen gegen kritische Medien aufbringen wollte, als man über eine Werbeagentur mit großem Ministerium- und Parteiaufträgen als Versuchballon startete.

Denn logisch, es geht den Beteiligten dieses gigantischen Shitstorms gegen Sator nicht um die Leute, die seine Hilfe in Anspruch nehmen, es ihnen geht um die Verteidigung einer immer hässlicher agierenden Refugees-Welcome-Ideologie der sich in einem verhängnisvollen Automatismus Gruppen und Organisationen immer schneller anschließen, nur um nicht von der Maschine „satoriert“ zu werden. Mitläufer und Dummschwätzer vorneweg.

Und um Ihnen das ganze Ausmaß der Idiotie zu verdeutlichen hier eine nicht chronologische Aufbereitung der Kommentare lautesten Schreihalse in dieser maschinistischen Kackophonie:

Aber sieh einer an, wo viel Schatten, ist auch ein wenig Licht. Ralf Becker vom WDR mahnt Alternativen an statt die Verdammung der Aufrechten von der Essener Tafel: „Die Schlaumeier, die sich jetzt von allen Seiten aus Politik und Verbänden zu Wort melden und meinen, sie müssten mit Ausländerfeindlichkeit und Menschenverachtung argumentieren, frage ich: Wisst Ihr überhaupt, wovon Ihr redet? Was für ein Blödsinn!”

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Kommentare ( 295 )

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Bravo Herr Wallasch für diesen mutigen Artikel! Sie sprechen mir aus der Seele. Gut dass es noch Autoren wie Sie gibt, die diese verlogene Betroffenheitshysterie entlarven. Mich hat es zutiefst erschüttert, wie leichtfertig und ungerechtfertigt in der Presse, von Politikern und anderen Institutionen die Rassismus-Keule geschwungen wird und die Ehrenamtlichen der Essener Tafel als Nazis bezeichnet werden. Unter einen solcher Artikel habe ich einen Kommentar geschrieben, der nur Minuten später gelöscht und die Kommentarfunktion danach deaktiviert wurde. Ich hatte wohl ins Schwarze getroffen. Zu einem besonders hetzerischen Artikel im neuen deutschland habe ich einen Leserbrief geschrieben, der natürlich nicht veröffentlicht… Mehr
Was ist sozial gerecht und was ist auch nicht ausländerfeindlich oder rechts/links/mitte? Ist es moralisch verwerflich, wenn – aus nachvollziehbaren Gründen – Entscheidungen zu ungunsten von „Migranten“ getroffen werden? – die „Deutsche“ ebenso treffen würden, wenn sie sich ähnlich verhalten würden? Wir reden hier nicht nur über die Verteilung von Nahrungsmitteln – hier geht es doch auch darum, den Bedürfnissen einer weiter anwachsende Zahl von Menschen gerecht zu werden. Gehen wir allein von einer weiteren Zuwanderung in eine Größenordnung von mind. 200.000 Menschen/jährlich aus (die tatsächliche Zahl wird weit höher liegen) – werden die bestehenden Probleme weiter zunehmen. Die Politik… Mehr
Die komplette Diskusssion insbesondere seitens der Politiker und der Negativ schreibenden Presse ist doch völlig daneben. Die Tafeln bestehen doch nur deswegen bzw. sind ursprünglich gegründet worden, weil die sozialen Sicherungssysteme bestimmte Personen nicht so versorgen, daß man davon leben kann (Obdachlose, Rentner, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger). Schon die Tatsache, daß es in D rund 900 Tafeln gibt, ist beschämend. Und genau darüber müssen sich die Politiker und Hetzjournalisten Gedanken machen – über nichts anderes. Wenn jetzt vermehrt „Neuankömmlinge“ bei den Tafeln sind, ist das erstens nicht im Sinne des Erfinders (weil die eigentliche Zielgruppe jetzt weniger bekommt) und zweitens Ausbeutung. Warum?… Mehr
Ich war schon immer ein Gegner der „Tafel“. Hier werden nicht Leute bedient, die „hungern“, hier geht es schon immer um „survival of the fittest“. Wie soll sich denn ein Rentner, der krank ist und hohe Medikamentenkosten hat, und auf dem Land lebt, von der „Tafel“ versorgen? Mit dem Auto jedes mal in die Kreisstadt fahren? Was ist mit dem H4 – Aufstocker, darf der dann zu den Tafel – Öffnungszeiten jedesmal „bezahlten Urlaub“ nehmen? Die Tafel ist ein perverses Prinzip, und es wundert gar nicht, dass jetzt junge vitale Migrantenbanden diese Einrichtungen kapern. Zur Tafel darf ja auch perverserweise… Mehr
Wenn die Gruppe A jeden tag vollversorgt wird und NULL NOT leidet und sogar Sonderwünsche nach speziellen Speisen erfüllt bekommt und die Gruppe B in den meisten Fällen Armut leidet dann sind das zwei verschiedene ‚Paar Schuh‘. Wenn dann die Gruppe A sich trotz Vollversorgung drastisch und unzivilisiertt gegenüber dre Gruppe B bei tafeln vordrängelt, anmasst, Leute verletzt und sogar bespuckt und genommen Lebensmittel auf der Strasse wieder vernichtet, dann sprechen Sie von SOLIDARITÄT. Offensichtlich reichen Ihre Sprachkenntnisse nicht aus, dieses Wort sinnstiftend nach Kontext, nach Semanik und Semiotik richtig einzuordnen und zu benutzen. Die Gruppe A macht das Gegenteil… Mehr

Und diesen Link dazu, wie es der Mittelschicht wirklich geht. Die ideologische Ignoranz der Politik kann man nur mit Abscheu betrachten: https://www.focus.de/regional/muenchen/muenchen-fuer-familien-wie-uns-wird-muenchen-unbezahlbar_id_8522703.html

Die Politik hat nicht Mut einzugestehen und das Vermögen einzusehen, daß sie fehlgeleitet war und ist. Im deutschen Sinne wird die Linie durchgehalten bis zum Untergang und zur aufgezwungenen Kapitulation. Für nichts ist Geld da, außer für die Goldstücke. Eine Geschichte aus der Welt des Blechs auch hier, ohne daß das Blatt die Linie erkennen würde, die die Geschichten verbindet: http://www.zeit.de/arbeit/2018-02/verwaltungsfachangestellte-laehmung-rollstuhl-erwerbsunfaehigkeitsrente

Das Problem bei den Medien ist, dass die Mitarbeiter zu gefühlten 98% aus einem links-liberalen akademischen Milieu der Geisteswissen stammen. Ich habe selber Angwandte Kulturwissenschaften studiert, ein Studiengang, der typischerweise Leute entlässt, die später im Medien- oder Kulturbetrieb Karriere machen wollen. Es ist schon so, dass die Weltbilder von Studenten dieser Studiengänge durch und durch idealistisch und links sind, was übrigens nicht heisst, dass die Leute im privaten Umgang automatisch unsympathisch oder boshaft sind. Aber es gibt festsitzende Feindbilder. Damals vor über 20 Jahren waren Themen wie „Rechts“ oder „Migration“ noch nicht so weit oben auf der Agenda. Die Feindbilder… Mehr
Ich kann Ihr Narrativ sehr gut verstehen, es bleibt aber ein reines Narrativ. Ich kenne zahlreiche Jurastudenten und VWL-Studenten, bei denen das“ links-liberal“ inzwischen zu einem reinen „links“ geworden ist. Ich studiere im Master Soziologie und bin Verbindungsstudent mit Schmiss. Zahlreiche meiner Bundesbrüder sind weiter links als meine Kommilitonen, was irgendwie schon seltsam anmutet. Man muss die Kausalität bei den Eltern verorten, die uns politisch vorprägen. An sich sind die Geisteswissenschaften eher deskriptiver Natur, zumindest die, die man Ernst nehmen kann. Vermutlich liegen hier eher Selbstselektionseffekte vor. Geisteswissenschaften erziehen nicht zum Links sein, sondern ziehen Linke naturgemäß an. Ich gebe… Mehr

Eine sehr intelligente Analyse, die es auf den Punkt bringt … .

Wir haben in den Siebzigern die Damen in den indischen Flatterklamotten und die Herren in den alten Bundeswehrparkas mit Röhrenjeans und Cordsamtschuhen für unterbelichtet gehalten und sind in die Industrie gegangen.

Diese hingegen wussten genau, wie man sich das Leben leicht macht, nämlich durch den „Marsch in die Institutionen“.

Und dort sitzen sie nun und leben ihre krausen Philosophien aus.

Tja, … nicht aufgepasst, wir sind selber schuld … .

ja, so ist es! Je linker und „ausländerfreundlicher“ der Deutsche ist, desto grösser ist seine Distanz zu Ausländern. Ich lade solche Bekannte immer mal ganz gerne ein in die Bahnhofsviertel der hiesigen Grossstädte. Nach dem Motte: Lass uns doch mal auschecken, was die Leute, für die Du Dich so einsetzt, eigentlich von jemanden wie Dir und deinen Ansichten halten! Leider ist noch nie jemand drauf eingegangen, man kennt ja irgendeinen türkischen Studenten aus der Istanbuler Oberschicht, der ist ja viel repräsentativer als Ali aus dem Wettbüro…

Hallo Jan, ich habe mir erlaubt Ihren Kommentar zu kopieren und in meiner Timeline zu posten. Ich hoffe das ist in Ordnung für Sie.
Ihrem Kommentar gibt es nichts mehr hinzuzufügen, gut auf den Punkt gebracht.
Danke
Sandra

Frau Barley und die, welche am lautesten gegen die Essener Entscheidung schreien, sollten, bitteschön, jeder eine Flüchtlingsfamilie von ihrem eigenen Einkommen mit durchfüttern. Viellicht sehen diese dann selbst bald am Verhalten der von ihnen Alimentierten, welche Kinderstube die „Ellenbogen-Orientalen“ genossen haben. Bevor Frau Barley nicht offiziell bekannt gibt, dass sie für die Verpflegung einer dieser Familien aufkommt, möchte sie doch besser ihren vorlauten Schnabel halten!
http://wort-woche.blogspot.de/2017/02/deutschland-wird-rauer-und-rabiater.html