Birgit Kelle: Ein Muttertier

Mit „Dann mach doch die Bluse zu!“ und "Gendergaga“ hat Birgit Kelle sich bereits eine treue Leserschaft erworben wie auch Feindschaften, die mitunter jeder Beschreibung spotten. Beides muss man sich erst einmal verdienen.

© Kerstin Pukall

Also manchmal könnte man sich das schon fragen: Mensch, Mädchen, warum tust Du Dir das an? Natürlich ist die Autorin und Journalistin Birgit Kelle eine gestandene Frau und alles andere als ein Mädchen. Noch mehr, da die vierfache Mutter in ihren Arbeiten und bei öffentlichen Auftritten eine beispielhafte Souveränität an den Tag legt. Wer ihr fehlende Debattenbereitschaft vorwerfen will, liegt falsch oder absichtsvoll daneben.

Offensichtlich scheint die konservative Feministin mit ihrer Haltung den Nerv der Zeit  zu treffen. Ihr mittlerweile drittes Buch rund um dieses ewige Ringen zwischen Mann und Frau hat ebenfalls das Potenzial zum Bestseller. Wahrscheinlich sogar noch mehr, als die beiden erfolgreichen Vorgänger. Es trägt den Titel „Muttertier“ und erscheint im Fontis-Verlag.

Vielleicht bietet sich vorab Raum, mal festzuhalten, dass, was man Frau Kelle in den letzten Jahren an Unflat um die Ohren gehauen hat, mehr als nur ein dickes Fell braucht. Immerhin bescheinigte ihr die ZEIT, Kelle sei Deutschland. Was immer man damit Ungutes gemeint haben könnte. Gegen Falschbehauptungen einer Autorin der TAZ setzte Kelle eine Einstweilige Verfügung durch und eine Online-Petition gegen die Autorin, die ihr Verleumdung, Lüge und Hetze vorwarf, ist mittlerweile geschlossen und scheiterte schon an der ersten kleineren quantitativen Hürde.

Kommen wir zu etwas Erfreulichem. Zu Birgit Kelles drittem Buch „Muttertier“. Schon stilistisch zeigt die Journalistin, die mittlerweile regelmäßig ganzseitig in der WELT
Debatten anstößt und dort zu den meistgelesenen Autorinnen gehört, dass sie längst zu den Besten ihres Faches zählt. Ihr gelingt spielend, was zu den großen Talenten des Schreibens gehört: immer wieder aus der seichten Welle anregenden Erzählens aufzutauchen mit einer kapitalen Goldmakrele am Dreizack. Mit Sätzen, die glänzend formuliert sind. Und die offensichtlich das Potenzial haben, auf eine Weise zu provozieren, dass einige ihrer Gegenüber aus der Debatte nicht nur aussteigen, sondern umstandslos ins Denunziationsfach wechseln. Was schade ist, denn Birgit Kelle ist, wie dem folgenden Gespräch zu entnehmen, auf besondere Weise streitbar. Nein, sie scheint sogar an jedem weiteren Wortgefecht zu wachsen. Mit Vergnügen.

Mit „Dann mach doch die Bluse zu!“ und „Gendergaga“ hat Birgit Kelle sich bereits eine treue Leserschaft erworben, wie auch Feindschaften ihr gegenüber entstanden sind, die mitunter jeder Beschreibung spotten. Beides muss man sich erst einmal verdienen.

„Muttertier“ ist sicher Birgit Kelles persönlichstes Buch. Und als dritte Streitschrift gewissermaßen die Vollendung eines bemerkenswerten Triptychons deutscher Befindlichkeiten. Auch ihre Gegner müssten doch eigentlich dankbar sein, dass es sie gibt. Denn selten hat man die Gelegenheit, die eigenen Positionen so genau zu überprüfen. Sich zu reiben an dieser wohl modernsten Konservativen unter den Autorinnen. Eine Eiche. DIE Eiche. Logischerweise mit weiblichem Artikel. Also, reiben wir uns mal an Frau Kelle, wenn sie gestattet.

Alexander Wallasch:Muttertier“, wer liest ein Buch mit so einem Titel? Das klingt doch nicht sympathisch“, sagt meine Frau. Nun sind Sätze von Männern, die mit „sagt meine Frau“ enden, per se verdächtig, aber lassen wir das bitte außer Acht. Also: Haben Sie an Ihrer eigentlichen Zielgruppe vorbei geschrieben?

Birgit Kelle: Also meine älteste Tochter hat „geiler Titel“ gesagt. Sie wissen ja, wie die jungen Menschen so reden, Sie haben ja auch vier pubertierende Kinder zu Hause. Ich bekomme nur selten Komplimente von meiner 18-Jährigen. Normalerweise trag ich die falschen Schuhe zur falschen Handtasche, schau die falschen Filme und kann als lebendes Muttertier furchtbar peinlich, anstrengend und nervig sein. Sie ist mit ihren 18 Jahren potentielle Mutter, damit potentielle Leserin. Und selbst meine eigene Mutter ist mit dem Buch und mir zufrieden. Auch das hab‘ ich nur selten.  Ich kann also in Ruhe Schampus aufmachen. Schon zwei Treffer versenkt. Ach so, ich glaube Sie müssen dringend mal mit Ihrer Frau reden. Oder ihr ein paar Blumen kaufen.

Quasi passend zu Ihrer Buchveröffentlichung landen Sie auf einer neuen Gendergegner-Jagdkartei namens agentin.org, dieses Mal von der Heinrich-Böll-Stiftung. Nun kann man, was die da genau wollen, vor lauter Unterstrich und Sternchen kaum sinnvoll lesen, aber offensichtlich hat man hier das neue Feindbild der „Anti-Feminist_innen“ kreiert, die nun per Alternativ-Wiki im denunziatorischen Gestus an die Wand gestellt werden soll. „Manche würden gerne Behauptungen in Gesprächen und Diskussionen widerlegen, wissen aber nicht genau wie.“, begründet man die Denunziation. Wenigstens das Gefühl müssten Sie ja kennen, seit Sie mit „Gendergaga“ und „Dann mach doch die Bluse zu!“ so erfolgreich auf Dauervortragsreise sind durch den deutschsprachigen Raum. Wie getroffen fühlen Sie sich noch von so einer multiplen Verfolgungsorgie hasserfüllter Geschlechtsgenossinnen?

Ich finde es ganz gut, dass die inzwischen Angst haben, dass ich Erfolg haben könnte und sich deswegen nun genötigt fühlen, mich in ihr Denunzianten-Portal aufzunehmen. Ich sehe das also positiv. Ansonsten kann ich die gar nicht ernst nehmen. Es zeigt aber sehr deutlich zwei Dinge: Erstens die Diskursunfähigkeit der gesamten Gender-Front. Wenn die doch so Recht haben, könnten sie es doch einfach erklären. Sie könnten argumentieren. Überzeugen. Ergebnisse vorweisen. Immerhin verschleudern sie Millionen unserer Steuergelder für ihre Gender-Gedöns-Forschung, bei der nichts rauskommt, außer lebensunfähige „Gender-Experten“,  die dann auch noch einen Job wollen. Mütter hingegen arbeiten an der echten Zukunft. Mit echten Menschen. Mit echten Erfahrungen, wie das Leben wirklich ist, abseits problembehafteter Morgenstuhlkreise in der feministischen Queer*Trans-Hastenichtgesehen-Gruppe des Uni-Asta, wo kinder- und ahnungslose „Intersektional-Feministinnen“  gemeinsam ihren weiblichen Opferstatus beweinen.

Es zeigt aber auch ein Zweites: Die Heinrich-Böll-Stiftung ist ja nicht die erste Stiftung, die neuerdings Netzpranger für Autoren, Journalisten und auch Aktivisten mit der angeblich falschen Gesinnung ganz offen ins Netz stellen. Wir kennen das ja schon von der Ex-Stasi-Mitarbeiterin Anetta Kahane und ihrer mit Steuergeldern gepamperten Amadeu Antonio Stiftung: Diese Leute haben ein seltsames Demokratie- und Meinungsfreiheits-Verständnis. Die sind immer sehr für Vielfalt, solange niemand widerspricht. Ansonsten ist man nicht zimperlich, mit öffentlichen Prangern zu arbeiten, mit Unterstellungen und Vermutung. Das ist Fake-News auf einem ganz neuen Level.

Mal Hand auf’s Herz, was wäre denn, wenn Männer so ein Gedöns um ihr „Mann sein“ machen würden wie ihr Frauen? Letztlich sind Sie doch auch mit „Muttertier“ nur die andere Seite der Medaille, die so unfassbar nerven kann, wenn Frauen ihr „Frau sein“ in Endlosschleife öffentlich debattieren. Wenn Sie in „Muttertier“ über die Frau schreiben: „Sie kann Leben schenken und Leben weitergeben“, dann klingt das doch für Männer so, als würde der Maler dem Pinsel seine Teilhabe am Bild streitig machen wollen. Was ist eigentlich das Pendant zum „Muttertier“, der „Herr im Haus“?

Hab ich das jetzt richtig verstanden, Sie sehen sich als Pinsel? Ich wittere auch einen gewissen Gebärneid in Ihren Worten. Niemand hindert Männer daran, sich ihre Vatergefühle selbst von der Seele zu schreiben. Genaugenommen hab ich in meinem Buch nahezu wörtlich dazu aufgefordert. Im Zweitberuf bin ich ja Männerversteherin. Sie sind doch auch ein „Vatertier“ Herr Wallasch. Und ich glaube auch, dass dieses Buch nicht nur für Mütter, sondern auch für kinderlose Frauen, denen ich ein ganzes Kapitel gewidmet habe und auch für Väter gut zu lesen ist. Denn vieles, was wir als Mütter instinktiv tun, was wir instinktiv fühlen, wie wir handeln, wenn es nicht theoretisch um irgendwelche Kinder, sondern um unsere eigenen geht, werden Väter zu hundert Prozent unterschreiben können. Und im Übrigen ja und nochmal ja: Frauen können Leben schenken. Nur Frauen können das. Es ist der elementare Unterschied zwischen Männern und Frauen. Es ist ein unglaubliches Potenzial, das wir Frauen da in den Händen halten. Würde man die Mutterschaft mal für einen Moment strategisch, statt mit dem Herzen betrachten, dann könnte man auch formulieren: Mutterschaft ist ein riesiger Machtfaktor. Das Überleben der Menschheit hängt davon ab, ob, wann, von wem und wie oft wir uns als Frauen schwängern lassen. Nun sehen wir Frauen das aber in der Regel nicht strategisch, sondern emotional. Wir bekommen ja nicht Kinder, zum Macht auszuüben, sondern um uns daran zu freuen. Weil wir es wollen, weil wir gerne Kinder haben möchten, weil es eine unglaubliche Erfahrung ist und ein Geschenk. Deswegen nutzen wir diese Macht, die uns die Natur, manche sagen, die uns Gott geschenkt hat, nicht als politisches Machtinstrument. Wir haben uns ganz im Gegenteil sogar einreden lassen, die Mutterschaft sei unser größtes Problem auf dem Weg zu einem emanzipierten Leben.

Als verheirateter Mann sollten Sie allerdings wissen, dass die Formulierung „Herr im Haus“ theoretisches Wunschdenken ist. Denken Sie bitte noch an die Blumen für Ihre Frau.

Also da haben Sie ja gerade nochmal die Kurve bekommen vom Machtgelüst via Mutterschaft hin zum freudigen Ereignis. Dennoch klingt es wie eine Bedrohung. Aber womit drohen Sie konkret? Ich kann es nicht erkennen. Auch hat Gebärmutterentzug via Pille und Kondom keinen Supergau ausgelöst. Und vor nicht allzu langer Zeit, Ihre Mutter wird sich erinnern, sind viele Frauen dem Samen noch hinterher gehechelt, weil die Vaterschaft eben auch die Versorgung der Mutter mit sich brachte. Heute springt der Staat ein, wenn‘s eng wird mit Vati. Eine Versorgung alleinerziehender Mutter ist doch längst eine Option mit Modellcharakter auf Kosten des Steuerzahlers. Im Übrigen – Gottesgeschenk hin oder her – dürften Ihrer Biologiekenntnisse ausreichend genug sein, zu verstehen, dass ohne Männer nichts geht, es sei denn, Frauen mutierten zu sich selbstbefruchtenden Autogamist*innen. Ich verstehe auch den Potenzialgedanken der Mutterschaft nicht. Wenn Sie schon einen Nutzfaktor vor die Freude stellen, welcher Nutzen soll das konkret sein? Was meine Frau angeht, da muss man schon mehr auffahren, als nur Blumen. Nennen Sie es Emanzipation. Ich nenne es gegenseitigen Respekt.

Ich drohe nicht, sondern Sie fühlen sich bedroht. Das ist ein Unterschied. Möglicherweise ist das ja auch der Grund, warum zum Beispiel im Islam die Herrschaft über die Frau und auch die Frage, wer sie befruchten darf, so verbissen und notfalls mit Gewalt von den Männern verteidigt wird. Die wissen noch, dass die Sexualität und auch die Fruchtbarkeit der Frau etwas Bedrohliches haben kann und deswegen kontrollieren und domestizieren die Männer dort bis heute die Frauen.

Nun habe ich gerade das Gefühl, dass Sie schon begonnen haben, das Männer-Buch hier zu schreiben, da klingt doch ganz viel Frust über die Frau von heute mit. Im Übrigen sind Frauen glaube ich nie dem Samen hinterhergehechelt Herr Kollege. Wenn Sie am Ende den Respekt als Grundlage der Kommunikation zwischen Mann und Frau betonen, dann sollte das doch auch für die Formulierung der Fragestellung gelten. Da werde ich dann doch zur Feministin. In den früheren Zeiten, in denen Männer die Frau auf einen Status als Mutter und Hausfrau reduziert und ihnen verweigert haben, andere Optionen im Leben zu wählen, war es ihr Überlebensmodell, geheiratet zu werden und Kinder zu gebären. Da klingt es dann doch etwas zynisch, wenn man ihr anschließend vorwirft, dass sie das aufgedrängte Lebensmodell als Sicherheit dann auch ausfüllte. Nun gibt es heute sicher auch die Frauen, die es als Lebensmodell betrachten, sich schwängern zu lassen. Auch dazu gehören – wie Sie selbst ausgeführt haben – immer noch zwei. Es  gibt die Frauen, die das suchen und die Männer, die das mitmachen. Soweit ich mich erinnern kann, werden Sie als Mann ja auch nicht gezwungen, Vater zu werden.

Komplizierter als auf den ersten Blick
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Aber natürlich sind Sie leichter ersetzbar. Auch das liegt in der Natur der Sache: Wir brauchen als Frauen nur Ihren Samen, den Rest macht der Arzt. Die Gebärmutter ist aber noch nicht ersetzbar. Sie wird gebraucht zur Fortpflanzung. Und ja, das ist ein Machtfaktor und sogar ein Geschäftsmodell für eine ganz neue Branche in der inzwischen weltweit Millionen umgesetzt werden: Leihmutterschaft. „To rent a womb“ nennen es die Amerikaner. Ich miete mir den Bauch einer Frau als Gebärmaschine und kaufe ihr das Kind anschließend ab. Weltweit bereits legal, in Deutschland noch nicht. Es wird kommen. Und damit wird die Ausbeutung der Frau eine neue Stufe erreichen. Hat man bislang nur ihre Sexualität in Form der Prostitution ausgebeutet, ist es nun ihre Fruchtbarkeit. Und am Ende bleiben verkaufte Mütter und verkaufte Kinder. Moderner Menschenhandel.

Die Subhead zu „Muttier“ lautet „Eine Ansage“, sind Sie kampfesmüde, dass Sie nicht „Kampfansage“ schreiben mochten? Denn natürlich ist Ihre Streitschrift für das Muttersein schon aus sich heraus  – so persönlich sie auch gehalten sein mag – eine Kampfansage nicht nur an den traditionellen Feminismus, sondern auch an das so genannte Patriarchat.

Ich habe festgestellt, dass gerade andere Frauen meine Worte immer sehr unterschiedlich verstehen. Der gleiche Text kann völlig unterschiedliche Reaktionen auslösen, ganz unterschiedlich verstanden werden, je nachdem, wen ich vor mir habe. Von anderen Müttern bekomme ich bis heute am häufigsten die Worte: „Sie sprechen mir aus der Seele“. Die lesen das, und haben das Gefühl, endlich hat mich jemand verstanden. Sie glauben nicht, wie oft ich mit Müttern zu tun habe, die langsam das Gefühl haben, Sie seien irgendwie exotisch, nur weil sie ihre Kinder gerne noch selbst großziehen, während alle Welt ihnen erklärt, sie müssten ihre Kinder jetzt mal dringend in irgendeine Kita bringen, um endlich Karriere zu machen.  Kinderlose Feministinnen lesen den gleichen Text und verfallen automatisch in Schnappatmung. Ich erlebe kinderlose Frauen, die sagen, ja genauso ist es, andere kinderlose Frauen, die sich auf die Füße getreten fühlen. Ich erlebe Väter, die nicken, und Väter die sagen, ich will mich nicht auf den Status als Pinsel reduzieren lassen. Sie sehen also: Sie haben das als Kampfansage verstanden, andere finden es schrecklich und wieder andere schmelzen dahin. Es ist eine Ansage, weil ich eine Grenze ziehen wollte, ab der ich von anderen Menschen keine weiteren guten Ratschläge, Hinweise und Anweisungen zu meinem Frausein und meinem Muttersein haben möchte.

Als vierfacher Vater kann ich ein Lied davon singen: diese perfekten Kindergartenmütter und diese Elternabendglucken, die den leckersten Kuchen aufs Schulbuffet stellen und immer die tollste Freizeitgestaltung für die Kinder auf Zuruf parat haben und die selbstverständlich immer genau wissen, wann es wo die Sammelkarte für das örtliche Schwimmbad am preiswertesten gibt – Frauen als perfekter Fluchtgrund in den Hobbykeller. Wie viel von diesem oft viel sympathischeren bohrenden Zweifel und wie viel Unsicherheit darf der Leser auch von Ihnen in ihrer Mutterrolle erwarten? Hatten Sie in „Muttertier“ den Mut, auch mal mit Ihrer Mutterrolle zu hadern und können sich dennoch als gute Mutter begreifen?

Ich glaube, es wäre gelogen, wenn nicht jede Mutter immer wieder an ihren Fähigkeiten und Entscheidungen zweifeln würde. Gerade habe ich mit meiner Mutter telefoniert und sie fragte mich, wann ich denn eigentlich aufhören würde, meinen Kindern zu erzählen, dass sie sich warm anziehen müssen und all diese Dinge, die Kinder nicht hören wollen, vor allem nicht von ihrer eigenen Mutter. Und ich habe geantwortet: Nie! Ich bemühe mich, eine gute Mutter zu sein, hatte aber leider nie Feuchttücher in der Handtasche und auf Elternabenden ertappe ich mich dabei, wie ich mich als Rabenmutter fühle, weil offenbar immer alle außer mir wissen, wann die nächste Klassenarbeit geschrieben wird und was in Erdkunde gerade im Lehrplan steht. Ich brülle auch mal rum, wir alle haben auch schlechte Tage. Was ich außerdem immer wieder neu lernen muss, ist hinzunehmen, dass Väter anders erziehen, andere Prioritäten setzen und man nicht nur fordern kann, sie sollen sich mehr einbringen. Man muss sie dann auch machen lassen. Jede Mal wenn ich von Vortragsreisen zurückkomme, betrete ich mein Haus und sehe es offenbar mit anderen Augen als mein Mann und die Kinder. Und früher hab ich dann alle rumkommandiert und aufräumen lassen, bis irgendwann mein damals Neunjähriger, als ich  gerade wieder im Aufräumwahn im Flur stand, mich fragte: „Mama, wann musst du wieder weg fahren?“. Und da hab ich begriffen, dass ich mich mal entspannen muss.

„Mutterglück“ – das ist doch nur eine Hälfte der Elternfreude. Nun ist Ihr moderner Feminismus oberflächlich zwar männerfreundlicher, aber manchmal dachte ich beim Lesen: Dann doch lieber so eine Steinzeit-Feministin, da weiß man wenigstens, woran man ist. Wenn Feminismus jetzt zusätzlich mit den „Waffen der Frauen“ an die Front geht, dann wird’s eng. Sind ihre männlichen Leser – Sie haben da eine große Fan-Gemeinde –  in die Kelle-Falle gelaufen?

Sagen Sie es mir, Sie sind ein Mann. Ich glaube eher, dass Sie gerad instinktiv begriffen haben, dass Sie als Männer in Wahrheit einpacken können, wenn das sogenannte „Schöne Geschlecht“ seine härteste Waffe auspackt: Unwiderstehliche Weiblichkeit. Ich hab mir sagen lassen, dass die spaßfreien Steinzeit-Feministinnen ja nicht unbedingt im männlichen Beuteschema ganz oben liegen. Als Mann werden Ihnen diese Damen nicht gefährlich. Sie können den Feind klar benennen und dementsprechend auch bekämpfen und diese Frauen kämpfen mit den gleichen Waffen zurück. Nicht umsonst leidet die feministische Bewegung unter dem Urteil, hart, aggressiv und unweiblich zu sein. Es ist ja etwas dran an der Sache. Wenn Frauen anfangen, mit den Waffen der Frau zu kämpfen, sind Männer deutlich wehrloser. Deswegen tun wir das ja auch mich großer Freude. Ich persönlich finde das ja viel spannender. Frauen sind subtiler. Wir können mit freundlichem Lächeln gemein sein. Und wenn wir dann noch die Bluse auf haben, sehen Sie gar nicht das Messer, das wir Ihnen gleich in den Rücken rammen, weil sie abgelenkt sind.

Sorry, da muss ich Ihnen widersprechen. Wenn ich tatsächlich mal die Wahl hätte zwischen einem – nennen wir es so: – Gespräch zwischen Margarete Stokowski oder Sophia Thomalla, dann würde ich die Spiegel-Autorin immer bevorzugen. Es gibt doch nichts Unangenehmeres im Kollegenumgang, als wenn eine Kollegin in Erkenntnis irgendeines Unvermögens nicht etwa der oder dem Besseren Platz macht, sondern in der Not ihre weibliche Karte zieht oder was sie dafür hält, anstatt sich weiterzubilden, wie es jeder Mann erledigen müsste. Noch schlimmer, wenn man es ihr auf den Kopf zusagt und sie möglicherweise noch die Diskriminierungsmaschine anwirft. Eine kompetente Frau ist ein Segen. Eine halbkompetente ein Fluch für das Betriebsklima.

Sie reden vom Gespräch, ich rede von Sex. Und jetzt überdenken Sie noch einmal ehrlich und männlich die Kollegin Stokowski im Vergleich zu Sophia Thomalla. Danke.

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Sie haben außerdem gerade unterschwellig Frau Thomalla ihr gutes Aussehen vorgeworfen. Normalerweise müsste Frau Stokowski Sie deswegen jetzt maßregeln. Wird sie aber nicht tun, weil die Nachwuchsfeministinnen sich in der Regel durch Inkonsequenz auszeichnen, vor allem in Sachen Sexismus. Ich halte kompetente Frauen ebenfalls für einen Segen, würde einer Frau aber nicht die Kompetenz absprechen, nur weil sie gut aussieht oder ein Leben führt, das ich weder gut finde noch verstehe. Und genau da ist vielleicht der Unterschied zwischen mir und der Kollegin vom Spiegel, die erst kürzlich in einem Beitrag ernsthaft verheiratete Frauen auf eine Linie mit Prostituierten setzte. Weil verheiratete Frauen ja nichts anderes tun als Nutten: Sie lassen sich von Männern aushalten. Ich stehe als Hausfrau also bloß nicht an der Straße, sondern am Herd. Das ist genau der Feminismus, auf den ich keine Lust habe, weil er verlogen und niederträchtig ist.

Nein, nein. Denn nun versuchen Sie mich doch tatsächlich in Ihr stereotypes Klischee von männlichem Begehren zu pressen. Ich bleibe dabei: Bei Frau Stokowski habe ich ein besseres Gefühl, ohne sie näher zu kennen. Mag ja sein, ich bilde mir ein, sie ist zusätzlich noch sexy in brain. Und als Mann erlaube ich es mir bitte, allein zu beurteilen, wen ich warum attraktiver finde. Aber zurück zum Buch: Im Schlussplädoyer von „Muttertier“ sprechen sie von der Frau als „schönes Geschlecht“, von Männern, die Frauen immer noch gerne auf Händen tragen wollen. Von Männlichkeit als Geschenk. Von einer Männlichkeit, die erst durch echte Weiblichkeit aufzublühen im Stande sei. Da werden sich viele Männer gebartpinselt und geschmeichelt fühlen. Ich sehe da allerdings ein rotes Lämpchen angehen. Denn wir Männer sind doch jene, die immer noch die ganzen Scheißarbeiten machen müssen, die auf dem Bau schuften oder bei der Feuerwehr und Müllabfuhr und die im Verteidigungsfalle Ihr Leben riskieren müssen und zum Dank dafür durchschnittlich etliche Jahre früher sterben und der Frau, wenn die Kinder aus dem Hause sind, bei der Selbstverwirklichung im schlimmsten Falle samt Klangschale und Hunderudel – jeder einzelne aus der rumänischen Tötung gerettet – zuschauen dürfen. Nein, Männlichkeit ist erst dann Selbstverwirklichung, wenn sie sich selbst genügt und selbst gefällt. Wenn sie eben nicht gönnerhaft „erlaubt“ wird, weil Frau dann ihre Weiblichkeit besser spürt. Wenn also auch Männer „Muttertier“ als Befreiung ihrer geknebelten Männlichkeit verstehen sollen, dann würde ich ihr Buch heimlich in einer Guerilla-Aktion mit einem Warnhinweis versehen. Oder gleich ein blaues Fädchen dran heften, dann weiß jeder Mann: Finger weg, dieses hysterische Wesen kommt mit vergifteten Pralinen!

Ich erlaube Ihnen ihre Männlichkeit nicht, ich gönne Sie Ihnen vom ganzen Herzen.  Ich tue es aber auch aus Eigennutz als Frau. Denn wir können nicht einerseits fordern, dass der Mann sich ständig ändern soll und gleichzeitig beweinen, wo denn die echten Kerle hin sind. Man muss sich schon entscheiden, was man als Frau will: Einen Mann, oder ein Haustier. Das genau unterscheidet mich vermutlich von den klassischen Feministinnen, die leider bis heute ein echtes Problem mit der Männlichkeit haben. Es ist doch inzwischen nahezu ein Running-Gag, dass für alles Übel dieser Welt angeblich der weiße, alte, heterosexuelle Mann die Schuld tragen soll. Männlichkeit wird in diesem Kontext allerhöchstens noch akzeptiert, wenn sie schwul daher kommt. Ist ja auch klar: Das ist für Frauen ungefährliche Männlichkeit. Möglicherweise wissen auch die Damen Feministinnen instinktiv, dass ein echter Kerl eine echte Versuchung ist für die normale Frau. Es gibt ja nicht umsonst den Sinnspruch: Feminismus endet, wenn der Richtige kommt. Dann neigen wir Frauen nämlich zu ähnlich irrationalem Verhalten wie verliebte Männer im Anblick ihrer Angebeteten. Die natürliche Anziehungskraft zwischen Mann und Frau ist etwas Großartiges. Ich plädiere dafür, den Unterschied von Weiblichkeit und Männlichkeit nicht länger als Problem, sondern als Bereicherung zu betrachten. Nicht als etwas, das man durch gendersensible Erziehung verhindern, sondern als etwas, das man kultivieren muss. Gleichberechtigung kann nur funktionieren, wenn wir den Männern ihr Mannsein lassen und uns auch selbst das Frausein gönnen.

Ach kommen Sie, das sind doch Plattitüden, diese Wahl zwischen Bürohengst-Versorger und Handwerker im karierten Hemd, das meinten Sie doch. Und wie kämen Sie auf die Idee, Frauen könnten Männern Ihr Mannsein wegnehmen? Männer können es Frauen allenfalls verwehren, wenn sie merken: Perlen vor die Säue. So wie Sie eingangs erklärten, Mutterschaft sei ein riesiger Machtfaktor. Ich kann Ihnen allerdings recht geben, was unsere männlichen Kinder und Jugendlichen angeht: Was an ihrer eigenen Rolle frustrierte Erzieherinnen hier einer ganzen Generation von werdenden Männern angetan hat und noch antut, dürfte tiefer gehen und viel gravierendere Folgen haben, was echte Männlichkeit angeht, die ja selbst bei Ihnen offensichtlich nur noch als Stereotyp eine Idee ist.

Also genaugenommen haben Sie mir gerade Recht gegeben, was die Unterdrückung der Männlichkeit angeht. Denn was ist es sonst, als das Wegnehmen von Männlichkeit, wenn eine ganze Jungengeneration in einer weiblich dominierten Pädagogik gerade untergeht? Sie sagen es doch selbst, dass man unseren Jungs inzwischen Unrecht tut, indem man von ihnen verlangt, sich wie Mädchen zu benehmen. Damit sind wir wieder bei dieser ganzen Gender-Pädagogik, die normales männliches Verhalten pathologisiert hat. Ein Junge, der sich auf dem Schulhof rauft, bekam früher Nachsitzen. Heute bekommt er Ritalin. Oder haben Sie die Sexismus-Debatte vor drei Jahren schon vergessen, wo Sie als Mann – durch die Definition von Frauen – bei jedem falschen Wort bereits als Sexualstraftäter definiert wurden. Früher bekamen Sie nach einer Anmache vielleicht die Telefonnummer einer jungen Dame, heute können Sie froh sein, wenn kein Anwaltsbrief kommt. Ich hab mich ja schon damals gewundert, wo eigentlich der Aufschrei der Männer bleibt. Wir erleben doch längst den Untergang der Männlichkeit. Und Sie und Ihre Geschlechtsgenossen lassen sich das bieten. Die Frage, wie der Mann sich bitteschön richtig zu verhalten hat, wird in Deutschland von Frauen beantwortet. Man stelle sich das einmal umgekehrt vor. Dass im Fernsehen Männer darüber debattieren, wie Frau sich gefälligst zu verhalten habe. Was sie noch sagen darf und wie sie sich Männern gefälligst zu nähern oder auch fernzubleiben hat. Wir hätten schon wieder einen Aufschrei. Sie sind ein Mann? Na dann auf in den Kampf.
Es sind übrigens Frauen, die die nächste Männergeneration großziehen. Genaugenommen: Es sind die Mütter. Wir entscheiden maßgeblich, was aus unseren Söhnen wird. Aber wir brauchen auch die Väter dazu. Väter, die Büro-Hengste sein können oder auch Holzfäller oder auch – mein Favorit: Beides gleichzeitig. Eigentlich ist es egal. Wichtig ist, dass sie männliche Vorbilder sind für unsere Jungs. Und gerade deswegen ist es wichtig, dass wir unsere Kinder nicht in staatliche Obhut geben, wo Ideologen die Chance bekommen, ihre irren Gender-Ideen an unseren Kindern auszuprobieren. Diese Leute halten Männlichkeit für ein Stereotyp, nicht ich. Deswegen kämpfe ich für Mütter, die noch selbst erziehen. Für Familien, die ihre Erziehungsverantwortung wahrnehmen wollen. Deswegen bin ich gerne Frau. Weil auch Weiblichkeit kein Klischee ist, sondern etwas Wunderbares.

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Kommentare

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  • Herrenreiter

    Ja, ich denke schon, dass der Beschützer- und Versorgerinstinkt auch heute noch eine Rolle spielt. Man sieht dies z.B. ganz deutlich an der Tatsache, die auch wissenschaftlich bewiesen wurde, dass sich Frauen bei der Partnerwahl nur selten nach unten (vom sozialen Status betrachtet) orientieren. Während Frauen wie Liz Mohn oder Friede Springer ihren Chef geheiratet haben, gibt es kaum umgekehrte Beispiele. Eigentlich spräche ja nichts dagegen, dass die Chefärztin den Krankenpfleger heiratet, zumal ihr Gehalt bestimmt für beide reichen würde. Bei netten Männern „ohne Eier“ kommt noch dazu, dass sie ihr Innerstes verleugnen und versuchen, die angebeteten Frauen durch Geschenke oder Gefälligkeiten zu „kaufen“, wodurch sich die Frau erpreßt statt geschätzt und geliebt fühlt. Verständlicherweise wird da meist keine oder keine echte Beziehung daraus.

  • Rolf

    Sie denken sehr pragmatisch! Erfrischend und wohltuend!

  • Rolf

    Eine Geburtenrate von 2,1 reicht nicht!
    Wenn wir in unserem Land auch zukünftig die Mehrheit stellen wollen, dann brauchen wir ab sofort, eine Geburtenrate von 5 bis 6!!!
    Das hilft allerdings nur, wenn wir vorher die Kitas (Umerziehungslager für Kleinkinder) abschaffen und unser Nachwuchs bereits mit 8 Jahren wählen darf!