• Autoren
  • Unterstützung
  • Grundsätze
  • Podcast
  • Shop
  • Einblick-Abo

Menü

» Unterstützen Anmelden

Roland Tichy bei „Talk im Hangar-7“ (Servus TV), 9. April 2026
Roland Tichy bei „Talk im Hangar-7“ (Servus TV), 9. April 2026
„Tichys Einblick“ – so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen
„Tichys Einblick“ – so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen

Menü

Skip to content
  • Tichys Einblick
  • Kolumnen
    • Aus aller Welt
    • Blackbox
    • Goergens Feder
    • Helds Ausblick
    • Herles fällt auf
    • Interviews
    • Josef Kraus: Lernen und Bildung
    • Klima-Durchblick
    • Lichtblicke
    • Neue Wege
    • Olaf Opitz: Klare Kante!
    • Stephans Spitzen
    • Vorwort zum Sonntag
  • Daili|es|sentials
  • Meinungen
  • Videos
    • Interview
    • Kommentar
  • Feuilleton
    • Medien
    • Bücher
    • Lebensstil
    • Glosse
    • Mode
    • Musik
  • Wirtschaft
    • Geldanlage
    • Mobilität
    • Digital
Fr, 10. Apr 2026
EU-Bestechungsskandal: Teilgeständnis der abgesetzten EU-Vizepräsidentin Kaili – TE-Wecker am 21. Dezember 2022
DER PODCAST AM MORGEN
EU-Bestechungsskandal: Teilgeständnis der abgesetzten EU-Vizepräsidentin Kaili – TE-Wecker am 21. Dezember 2022

Der TE-Wecker erscheint montags bis freitags – und bietet Ihnen einen gut informierten Start in den Tag. Ideal für den Frühstückstisch – wir freuen uns, wenn Sie regelmäßig einschalten. An Wochenenden und Feiertagen erscheint der Wecker mit einer Schwerpunktsendung.

VON Holger Douglas | 21. Dezember 2022
Zwei Linke-Mitglieder beantragen Parteiausschluss von Ramelow IMAGO / Jacob Schröter
Selbstzerfleischung einer Partei
Zwei Linke-Mitglieder beantragen Parteiausschluss von Ramelow

Zwei Linke-Mitglieder wollen Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow aus der Partei klagen. Ein entsprechendes Schreiben ist bei der Schiedskommission der Linken in Thüringen eingegangen. Hintergrund ist Ramelows Haltung zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. 

VON Redaktion | 20. Dezember 2022
Buhrow: Der Beitrag des „unverzichtbaren“ ÖRR wird niemals sinken IMAGO / Sven Simon
ARD-Intendant verteidigt Spitzengehälter
Buhrow: Der Beitrag des „unverzichtbaren“ ÖRR wird niemals sinken

Im Berliner Abgeordnetenhaus verteidigt ARD-Intendant Tom Buhrow die hochdotierten Rundfunk-Spitzenposten und steigende Gebühren. Kritik an der Vermischung von Kommentar und Meldung kontert Buhrow: die Zeitungen seien auch nicht besser.

VON Marco Gallina | 20. Dezember 2022
Ach, Harry! Ach, Meghan! Gut, dass ihr geflohen seid IMAGO / Cover-Images
Never explain. Never complain. 
Ach, Harry! Ach, Meghan! Gut, dass ihr geflohen seid

Wer möchte schon ein Royal sein? Der zweitgeborene Prinz und seine schauspielernde Ehefrau haben wohl nie begreifen können oder wollen, was es heißt, einem königlichen Geschlecht anzugehören.

VON Cora Stephan | 20. Dezember 2022
Landwirtschaftsminister Özdemir tut nichts gegen die Nahrungsmittelinflation   IMAGO / Political-Moments
"Ramschpreise"
Landwirtschaftsminister Özdemir tut nichts gegen die Nahrungsmittelinflation  

Während viele Menschen hierzulande an den Weihnachtsgeschenken sparen müssen, weil die Lebenshaltungskosten so stark gestiegen sind, will der Landwirtschaftsminister weiterhin dafür sorgen, dass billige Lebensmittel teurer werden. 

VON Redaktion | 20. Dezember 2022
Flohmarkt der Medikamente IMAGO/Fotostand, ANP, IPON - Collage: TE
Eine Krise nach der anderen
Flohmarkt der Medikamente

Erst Lauterbachs Idee eines Gesundheitskiosks für Arme. Nun legt der Ärztepräsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, nach. Und nein, was nun folgt, ist kein Witz. Es ist bitterernst. Leider. Von Friedrich Pürner

VON Gastautor | 20. Dezember 2022
Angekündigtes Desaster: Der peinliche Puma und der uralte Marder IMAGO / Sven Eckelkamp
Blamage für Deutschland
Angekündigtes Desaster: Der peinliche Puma und der uralte Marder

Die Fehler beim „Puma“-Schützenpanzer dürften zu einer endlosen Geschichte werden – aber es ist eine mit (ignorierter) Vorgeschichte. Jetzt muss der 1971 eingeführte „Marder“ herhalten. Nutznießer des Versagens könnte ausgerechnet die Rüstungsindustrie sein.

VON Josef Kraus | 20. Dezember 2022
Karl Lauterbach will Medikamente künstlich teurer machen IMAGO / Political-Moments
Engpass bei Arzneimitteln
Karl Lauterbach will Medikamente künstlich teurer machen

Deutschland erlebt einen Engpass mit Arzneimitteln. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat nun vorgeschlagen, Medikamente zu verteuern, damit sie nach Deutschland und nicht in Nachbarländer geliefert werden.

VON Redaktion | 20. Dezember 2022
Die Deutschen lehnen die Migrationspolitik der Ampel ab IMAGO / Frank Ossenbrink
INSA-Umfrage
Die Deutschen lehnen die Migrationspolitik der Ampel ab

Die illegale Migration von Asylbewerbern ist 2022 stark gestiegen. Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist darüber besorgt, wie eine aktuelle Umfrage zeigt, und lehnt die Migrationspolitik der Bundesregierung, die nichts dagegen tut, ab.

VON Redaktion | 20. Dezember 2022
Gedenken am Breitscheidplatz: 100 Minuten für die Hinterbliebenen Quelle: Maximilian Tichy
Schnell wieder zum Tagesgeschäft
Gedenken am Breitscheidplatz: 100 Minuten für die Hinterbliebenen

Vor sechs Jahren ermordete ein islamistischer Terrorist 13 Menschen in Berlin. Für die Hinterbliebenen blieben auf der Gedenkfeier am Montag 100 Minuten. Dann ging es wieder wie immer. Doch der Fall Breitscheidplatz ist nicht abgeschlossen: Die Probleme, die den Anschlag ermöglichten, sind größer als je zuvor.

VON Maximilian Tichy | 20. Dezember 2022
Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist eingefroren IMAGO / Cover-Images
Putin in der Sackgasse
Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist eingefroren

Der Verteidigungskampf der Ukrainer ebenso wie die Kriegswalze Russlands stehen derzeit still – und alle Beteiligten, auch die Ukraine-Unterstützer im Westen, befinden sich scheinbar in der Sackgasse. Über Optionen darf spekuliert werden.

VON Tomas Spahn | 20. Dezember 2022
Übernahme von ProSiebenSat1: Silvio, zur Rettung! IMAGO / Italy Photo Press
Glosse - Glosse - Glosse
Übernahme von ProSiebenSat1: Silvio, zur Rettung!

Hilfe, die Italiener kommen! Deutsche Medien, Politiker und Gewerkschaften machen mobil und hoffen auf einen Varusschlachtmoment. Offenbar lautet die Devise: noch eine Niederlage wie gegen Musk, und wir sind verloren!

VON Marco Gallina | 20. Dezember 2022
Industrie sieht Standort Deutschland in Gefahr dts Nachrichtenagentur
"Strom- und Gaspreisbremsen"
Industrie sieht Standort Deutschland in Gefahr

Der Bundesverband der Deutschen Industrie ist äußert unzufrieden mit den von der Ampel-Koalition beschlossenen Strom- und Gaspreisbremsen.

VON Redaktion | 20. Dezember 2022
„Gaspreisdeckel“: EU überstimmt Deutschland – TE-Wecker am 20. Dezember 2022
DER PODCAST AM MORGEN
„Gaspreisdeckel“: EU überstimmt Deutschland – TE-Wecker am 20. Dezember 2022

Der TE-Wecker erscheint montags bis freitags – und bietet Ihnen einen gut informierten Start in den Tag. Ideal für den Frühstückstisch – wir freuen uns, wenn Sie regelmäßig einschalten. An Wochenenden und Feiertagen erscheint der Wecker mit einer Schwerpunktsendung.

VON Holger Douglas | 20. Dezember 2022
Breitscheidplatz: Faesers Gedenken überzeugt nicht IMAGO / Seeliger
6 Jahre nach dem Terroanschlag in Berlin
Breitscheidplatz: Faesers Gedenken überzeugt nicht

Bundesinnenministerin Nancy Faeser gedenkt der Opfer des Breitscheidplatzes vom 19. Dezember 2016. Doch ihr bekundetes Bedauern und ihr Reden vom „Kampf gegen den islamistischen Terrorismus“ sind angesichts ihrer eigenen Politik wenig glaubwürdig.

VON Marco Gallina | 19. Dezember 2022
Neue ZDF-Krimi-Serie in Sylt: mehr Haltung als Unterhaltung Screenshot ZDF
Nord Nord Mord
Neue ZDF-Krimi-Serie in Sylt: mehr Haltung als Unterhaltung

Bei den Krimi-Machern des ZDF gilt offenbar die Maxime: Ist der Ort auch noch so klein und fein, er kann doch eine Frauen-Mörderhöhle sein!

VON Emil Kohleofen | 19. Dezember 2022
EU-Staaten überstimmen Deutschland im Streit um „Gaspreisdeckel“ dts Nachrichtenagentur
EU-Staaten überstimmen Deutschland im Streit um „Gaspreisdeckel“

Wie nach dem EU-Gipfel zu erwarten hat sich heute die Mehrheit der EU-Energieminister über den Widerstand Deutschlands gegen den Gaspreisdeckel hinweggesetzt.

VON Redaktion | 19. Dezember 2022
„Spirit Einwanderungsland“: Nahles wärmt die Willkommenskultur auf IMAGO / Chris Emil Janßen
Bundesagentur für Arbeit
„Spirit Einwanderungsland“: Nahles wärmt die Willkommenskultur auf

Die Ex-Arbeitsministerin und jetzige Arbeitsagenturchefin Andrea Nahles wünscht sich mehr Zuwanderung, um offene Stellen in Deutschland zu besetzen. An die Arbeitslosen in ihrer Verantwortlichkeit denkt sie zuletzt. Und auch die deutschen Auswanderer sind ihr nur einen Nebensatz wert.

VON Matthias Nikolaidis | 19. Dezember 2022
Macht Elon Musk nun Donald Trumps Schwiegersohn zum Twitter-Chef? IMAGO / Wolfgang Maria Weber
Wird Jared Kushner sein Nachfolger?
Macht Elon Musk nun Donald Trumps Schwiegersohn zum Twitter-Chef?

Der Multi-Unternehmer Elon Musk ließ bei Twitter über sich als Unternehmenschef abstimmen – und wird wohl demnächst an einen Nachfolger übergeben. Seit Übernahme der Aktienmehrheit im Oktober änderte er die Unternehmenspolitik der Plattform radikal. Und er dürfte sie auch in Zukunft prägen.

VON Redaktion | 19. Dezember 2022
Viele ukrainische Flüchtlinge landen in Deutschland in der Schwarzarbeit dts Nachrichtenagentur
Nannys, Haushaltshilfen oder Pflegekräfte
Viele ukrainische Flüchtlinge landen in Deutschland in der Schwarzarbeit

Geheime Chatgruppen vermitteln ukrainische Flüchtlingsfrauen als Nannys, Haushaltshilfen oder Pflegekräfte in Privathaushalte.

VON Redaktion | 19. Dezember 2022

Posts navigation>

« Ältere Beiträge
Neuere Beiträge »
9. April 2026

Mehr ist nicht genug

Rekordsteuereinnahmen – und trotzdem mehr Schulden

Von
Sophia Juwien

Lars Klingbeil kann sich freuen: Bund, Kommunen und Länder erlebten 2025 einen Geldregen. Doch trotz der Gesamteinnahmen von über zwei Billionen Euro, konkret 2.081 Milliarden Euro, wächst das Defizit von Bund, Ländern und Kommunen weiter:

Obwohl der deutsche Staat den Bürgern immer mehr Steuern abnimmt, wachsen die Ausgaben noch schneller. Geld lässt sich schneller verschenken als einnehmen. Und es reicht dem Staat immer noch nicht.

Bund, Länder und Gemeinden schlossen 2025 mit einem Finanzierungsdefizit von 127,3 Milliarden Euro ab. Damit ist das Defizit um 22,9 Milliarden Euro höher als 2024.

Ursprung der hohen Staatseinnahmen

Allein auf Bundesebene kassiert der Staat etwa 25 verschiedene Arten von Steuern ein. Dazu gehören unter anderem die Einkommensteuer, die Lohnsteuer, die Kapitalertragsteuer, die Körperschaftsteuer und die Umsatzsteuer. Hinzu kommen noch viele weitere Steuern. Um nur einige weitere zu nennen: die Biersteuer, die Tabaksteuer, die Zwischenerzeugnissteuer, die Kraftfahrzeugsteuer und die Luftverkehrsteuer.

Dazu kommen, je nach Lage, gut zehn verschiedene Abgaben und Umlagen und mehrere hundert verschiedene Gebühren.

Im vergangenen Jahr bedeutete das konkret: Weil die CO₂-Abgabe zum Jahreswechsel 24/25 von 45 auf 55 Euro pro Tonne stieg, kassierte der Staat gleich zweimal ab: Einmal durch die höhere CO₂-Abgabe und einmal durch die Mehrwertsteuer, die auf den Spritpreis inklusive Abgabe und Energiesteuer erhoben wird. Für 2026 wird dies einen noch größeren Geldsegen mit sich bringen: Die CO₂-Abgabe steigt noch einmal um 10 Euro pro Tonne und die Hormus-Krise sorgt für steigende Rohölpreise und damit explodierende Mehrwertsteuereinnahmen. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) schätzt, dass das allein im März 2026 für Mehreinnahmen in Höhe von 490 Millionen Euro sorgt.

Mehr, immer mehr

Doch auch das reicht nicht. Den um 5,2 Prozent gestiegenen Einnahmen standen im vergangenen Jahr sechs Prozent mehr Ausgaben gegenüber. Und das, obwohl die Wirtschaft in Deutschland in diesem Zeitraum nicht gewachsen ist. Der Bürger hat also weniger in der Tasche, weil der Staat ihm mehr abnimmt und dieses Geld prompt verpulvert.

Möglich wurde das durch die als Sondervermögen getarnte Megaverschuldung des Kanzlers. Demzufolge können Bund und Länder über zwölf Jahre neue Schulden außerhalb der regulären Schuldenbremse aufnehmen.

Nur wird das Geld nicht in Infrastruktur investiert: Brücken und Schulen bleiben marode. Bei der Deutschen Bahn bleibt ein Investitionsstau von 130 Milliarden Euro weiterhin bestehen, so das Unternehmen im März dieses Jahres. Und im strukturschwachen Saarland werden 120 Millionen Euro aus dem Sondervermögen in Schwimmbäder „investiert“.

Bund, Länder und Kommunen missbrauchen das Sondervermögen, um damit Haushaltslöcher zu stopfen. Der Trick lässt sich am Beispiel der Bahn einfach illustrieren: Die Bundesregierung feiert sich öffentlich damit, dass aus dem Sondervermögen mehr Geld in Ausbau und Sanierung der Deutschen Bahn fließt. Gleichzeitig wurde aber derselbe Posten aus dem bestehenden Haushalt gestrichen. Effektiv hat die DB damit nicht mehr Geld; es kommt nun nur aus der rechten, statt aus der linken Tasche.

Große Zahlen, nichts dahinter

Kostentreiber sind auch die Sozialversicherungen, deren Reform dringend notwendig ist, aber seit Jahren verschleppt wird.

Die seit Dezember 2025 eingesetzte Rentenkommission soll bis Ende Juni 2026 über konkrete Reformen der Rentenversicherung beraten. Ideen hat man, Beschlüsse gibt es bislang nicht. Der Zuschuss für die Rentenkassen aus Steuermitteln steigt aber munter weiter: Im vergangenen Jahr 6,5 Milliarden Euro mehr als 2024. Tendenz rasch steigend.

Der neue Schurke: Die Krankenkassen

Die Krankenkassen können ihre Gesamteinnahmen auf 936,1 Milliarden Euro steigern. Möglich macht dies besonders die Erhöhung der Zusatzbeiträge, die 2024, 2025 und auch 2026 erhöht wurden. Und die Krankenkassen sind immer noch pleite. Es bleibt ein Defizit von 1,3 Milliarden Euro. Die Krankenkassen leiden unter der Spendierlaune der Regierung. So versichert der Bund Bürgergeldempfänger in den Krankenkassen mit einem Monatsbeitrag von 144 Euro – sie kosten aber im Schnitt mehr als viermal so viel. Die Differenz müssen die Kassen aus den Beiträgen der Arbeitnehmer und ihren Rücklagen bezahlen.

Heute konsumieren, morgen finanzieren

Der Staat nimmt mehr ein, bei beinahe ausbleibendem Wirtschaftswachstum. Einem nominellen Wirtschaftswachstum von ca. 2,4 Prozent (reell 0,2 Prozent) stehen steigende Staatseinnahmen von 5,2 Prozent entgegen.

Doch zugleich stattet der Staat immer mehr Gruppen mit Sozialleistungen aus, die aus der Renten- und Krankenkasse finanziert werden. Immer mehr Menschen werden so von Leistungserbringern zu Leistungsempfängern – und diejenigen, die noch arbeiten schuften dafür um so mehr.

Die SPD und Lars Klingbeil freuen sich. Der Bürger zahlt die Rechnung.

Anzeige
9. April 2026

Fragen über Fragen

Hubigs geheimes Hintergrundgespräch im Justizministerium

Von
Redaktion

Kaum war der Fall Fernandes/Ulmen öffentlich, lief im Bundesjustizministerium bereits die Begleitmusik. Nicht in einer regulären Pressekonferenz, sondern in einem exklusiven Hintergrundgespräch mit ausgewählten Journalisten. Genau das berichtet der Tagesspiegel jetzt exklusiv. Kurz nach den „Enthüllungen“ über das Ex-Paar, das aber vielen tragenden Akteuren schon monatelang bekannt war, habe Justizministerin Stefanie Hubig zu einer besonderen Runde über „digitale Gewalt“ geladen. Der Sprecher des Ministeriums bestätigte dem Tagesspiegel ein „Presse-Hintergrundgespräch“ am Vormittag des 25. März 2025 zum Thema „Entwurf eines Gesetzes gegen digitale Gewalt“. Aus dem Vorgang mache ihr Haus bis heute ein Geheimnis. Allein diese Tatsache spricht Bände. Wer reine Sachaufklärung betreiben will, braucht kein solches Halbdunkel. Wer eine politische Linie setzen will, schon.

Konzertierte Aktion?
Der kurze Weg von der gefühlten Gewalt zur echten Zensur
Unmittelbar nach dem geheimen Hintergrundgespräch lief Hubig dann bundesweit durch die Medien: ARD, ZDF, RTL/n-tv, Pro Sieben/Sat 1, Welt TV, Bild, sogar Bunte und Brigitte. Der Tagesspiegel stellt dazu die naheliegende Frage, ob die Ministerin damit auf einer Medienwelle surfte, die sie im Hintergrund selbst mit erzeugt hatte.

Denn die Frage springt sofort ins Auge: Wozu brauchte eine Justizministerin mitten in einem offenen, hochumstrittenen und medial maximal aufgeladenen Fall ein solches Hintergrundformat überhaupt? Die Antwort liegt inzwischen ziemlich nackt auf dem Tisch. Der Fall sollte offenkundig von Anfang politisch verwertet werden. Aus den Vorwürfen gegen Christian Ulmen wurde in Windeseile ein Vehikel für Hubigs Gesetzesvorhaben gegen „digitale Gewalt“ gestrickt werden. Der Tagesspiegel hält ausdrücklich fest, dass Hubig den Fall offenbar zum Anlass nahm, um für Gesetzentwürfe zu werben, die wesentlich auf Deepfakes zielen. Gleichzeitig war schon früh unklar, ob der konkrete Fall überhaupt sauber in diese Deepfake-Schiene passt.

Der Möchte-Gern-Putsch
Spiegel, Fernandes, HateAid, Hubig: Der Plot kollabiert an seinen Widersprüchen
Diese politische Taktung ist sogar offen benannt worden. Die Spiegel-Autorin des Fernandes-HateAid-Plots Juliane Löffler sagte im Podcast von Anne Will, für die Veröffentlichung habe es „zwei konkrete Anlässe“ gegeben: die Vorermittlungen in Spanien und das Wissen, dass Stefanie Hubig ein Gesetz zu digitaler Gewalt plane. Genau an diesem Punkt fällt die Maske. Die Geschichte wurde also nicht einfach veröffentlicht, weil sie nun einmal recherchiert war, sondern weil sie in ein politisches Zeitfenster passte und dort maximale Wirkung entfalten konnte. Und genau diese Spanien-Schiene, auf die sich der Spiegel dabei selbst stützte, wurde wenig später von der Ulmen-Kanzlei Schertz Bergmann unter Verweis auf die spanische Staatsanwaltschaft ausdrücklich zerlegt. Das macht die Sache so verheerend: Erst wurde eine politisch verwertbare Geschichte punktgenau ins Rampenlicht geschoben, dann brach ausgerechnet einer ihrer zentralen Stützpfeiler weg. Spiegel, Tagesschau und weitere Medien mussten ihre Berichterstattungen korrigieren.

Erst wurde gezielt der Eindruck geschürt, es gehe um Deepfake-Pornografie mit Collien Fernandes als Protagonistin. Der Tagesspiegel schreibt nun selbst, tatsächlich gehe es mutmaßlich eher um Fake-Accounts, über die Sexbilder mit Personen verschickt wurden, die der Schauspielerin ähnlich sehen, dazu um Vorwürfe häuslicher Gewalt. Ulmens Anwalt wirft dem Spiegel einseitige Berichterstattung vor und will Teile der Darstellung gerichtlich untersagen lassen. Mit anderen Worten: Während der Sachverhalt an zentralen Punkten unscharf blieb oder sogar wegrutschte, lief die politische Maschine schon auf Hochtouren. Genau dafür braucht man dann Hintergrundgespräche: nicht zur Aufklärung, sondern zur Rahmung.

Das Muster ist vertraut. Ein emotional aufgeladener und gescripteter Fall schlägt ein. NGOs, Aktivisten, Redaktionen und Politik ziehen nahezu gleichzeitig denselben Deutungsrahmen hoch. Dann heißt es plötzlich nicht mehr: Was ist eigentlich belegt, was ist juristisch tragfähig, was ist bloße Behauptung. Dann heißt es: Wie schließen wir die angebliche Schutzlücke schnell genug. Hubig warb nicht nur öffentlich bei Instagram und in Interviews für ihren Kurs, sondern eben auch hinter verschlossener Tür im kleinen Kreis. Das ist keine Nebensache. Das ist der Beleg dafür, dass hier Kommunikationssteuerung parallel zur Gesetzesagenda lief.

Neueste politmediale Kampagne
Der große Fernandes-Neubauer-HateAid-Hayali-Flachfake
Gerade deshalb wirkt das Ganze immer anstößiger, je mehr der Fall selbst in sich zusammenstürzt. Denn wenn eine Ministerin auf Gedeih und Verderb einen offenen Einzelfall mit einem eigenen Vorhaben verknüpft, bindet sie ihre politische Glaubwürdigkeit an eine Geschichte, die sie gerade nicht kontrolliert. Genau das ist hier geschehen. Statt Distanz zu halten, hat Hubig den Fall angezogen. Statt rechtsstaatlicher Nüchternheit gab es politischen Aktivismus. Und statt Transparenz gibt es bis heute die Frage, warum dieses Hintergrundgespräch so geheimnisvoll behandelt wird. Der Tagesspiegel beschreibt ausdrücklich, dass das Ministerium aus dem Vorgang ein Geheimnis mache. Wer sauber arbeitet, muss Journalistenrunden nicht verstecken. Wer Agenda setzt, schon eher.

Damit wird auch die eigentliche Absicht deutlicher. Fakten waren bei diesem Vorhaben nie die Hauptsache. Hauptsache war, einen moralisch maximal verwertbaren Anlass zu haben, an den man den nächsten Eingriff hängen konnte. Aus einem wackligen, umkämpften und in Teilen bereits angegriffenen Fall sollte politische Eindeutigkeit gepresst werden. Genau deshalb passt das Hintergrundgespräch so gut ins Bild. Es war kein bedauerlicher Kommunikationsfehler. Es war Teil derselben Operation: erst Empörung, dann Deutung, dann Gesetz. Und wenn der Anlassfall später schwächer wird, sollen die vorher gelegten Spuren die politische Richtung trotzdem halten.

Am Ende bleibt eine sehr einfache Frage, und sie ist vernichtend. Wenn Hubigs Vorhaben wirklich aus sich selbst heraus überzeugte, wozu brauchte es dann den Fall Fernandes/Ulmen als politisches Trägermaterial und dazu noch eine exklusive Runde mit ausgewählten Journalisten? Die Antwort ist klar: Weil die Ministerin wusste, dass man mit einem aufgeladenen Einzelfall Dinge durchdrückt, die nüchtern betrachtet auf weit mehr Widerstand stoßen würden. Genau darum ging es. NUm das Ausschlachten eines Falls für den nächsten staatlichen Durchgriff.

Anzeige
9. April 2026

Staat gegen Bürger

Spritpreise in Deutschland: Staat kassiert 500 Millionen extra – Merz-Regierung verweigert Entlastung

Von
Redaktion

Die Wahrheit an der Zapfsäule ist brutal einfach. Während Millionen Autofahrer unter den explodierenden Preisen für Benzin und Diesel ächzen, klingeln beim Staat die Kassen. Allein im März 2026 zahlten die Deutschen laut Berechnungen des RWI 500 Millionen Euro zusätzlich an Kraftstoffsteuern. Das ist der eigentliche Skandal dieser Krise. Der Staat leidet nicht mit. Er verdient mit – und zwar kräftig.

RWI-Forscher Manuel Frondel bringt den Kern auf den Punkt. Der Staat sei der eigentliche Nutznießer der hohen Kraftstoffpreise. Am 4. April lag der Dieselpreis bei bis zu 2,45 Euro pro Liter. Gegenüber der Zeit vor dem Iran-Konflikt im Februar entspricht das allein beim Diesel zusätzlichen Mehrwertsteuereinnahmen von rund 12 Cent pro Liter. Bei einem täglichen Verbrauch von rund 100 Millionen Litern summiert sich das auf 12 Millionen Euro pro Tag oder 360 Millionen Euro pro Monat.

Hinzu kommen beim Benzin weitere 130 Millionen Euro pro Monat. So sieht die Wahrheit hinter der Krisenrhetorik aus: Der Bürger zahlt, der Staat kassiert kräftig ab.

Besonders perfide ist, dass diese Belastung nicht einfach vom Himmel fiel. Ja, der Iran-Konflikt hat die Ölpreise nach oben getrieben. Aber die Regierung hatte die Autofahrer schon vorher gezielt weiter belastet. Die CO2-Abgabe wurde zu Beginn des Jahres 2026 erneut erhöht und trieb die Kraftstoffpreise um weitere 6 bis 8 Cent pro Liter nach oben. Das war kein Unfall des Weltmarkts, sondern eine bewusste politische Entscheidung. Erst verteuert man Mobilität absichtlich, dann schaut man den Preisexplosionen zu und tut so, als handle es sich um höhere Gewalt.

Die Abgabenlast ist ohnehin grotesk. Auf Kraftstoff werden 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Dazu kommen 65 Cent Energiesteuer auf jeden Liter Benzin, 47 Cent auf jeden Liter Diesel und obendrein rund 17 Cent CO2-Abgabe pro Liter. Wer tankt, zahlt längst nicht mehr nur für den Sprit, sondern für einen fiskalischen Raubzug mit Klimasiegel. Genau deshalb gehört Deutschland bei den Benzinpreisen inzwischen zu den teuersten Ländern der Europäischen Union. Am 6. April lag der Preis bei 2,24 Euro pro Liter und damit auf Platz drei in der EU, nur Dänemark und die Niederlande waren noch teurer. Die Lage ist so absurd, dass Deutsche inzwischen sogar ins teure Schweiz fahren, weil der Sprit dort mehr als 30 Cent günstiger ist. Das muss man sich vorstellen: Deutschland ist inzwischen selbst gegenüber der Schweiz das Land der Zapfsäulen-Absurdität.

Und wie reagiert die Merz-Regierung? Mit Verweigerung. Trotz der offenkundigen Zusatzmilliarden für den Staat lehnt die Koalition aus CDU und SPD Steuersenkungen weiter ab. Keine Senkung der Mehrwertsteuer. Keine Entlastung bei der Energiesteuer. Kein Zurück bei der CO2-Abgabe. Gar nichts. Stattdessen inszeniert man eine sogenannte Benzinpreisbremse, nach der Tankstellen ihre Preise nur einmal am Tag anheben dürfen. Ein Placebo, das den gegenteiligen Effekt bringt. Die Maßnahme ist komplett wirkungslos. Aber sie erfüllt ihren eigentlichen Zweck: Sie erzeugt den Anschein politischen Handelns, ohne dass der Staat auf einen Cent seiner Zusatzbeute verzichten müsste.

Die SPD will nun noch mehr Unsinn nachlegen. Im Raum stehen ein allgemeiner Preisdeckel für Kraftstoff und neue Steuern auf angebliche Übergewinne von Energieunternehmen. Beides wird von Ökonomen als unsinnig und populistisch zerrissen. Doch genau dort sitzt der politische Reflex dieser Koalition. Wenn die Lage eskaliert, greift man nicht zur Entlastung, sondern zur nächsten Intervention. Nicht runter mit den Abgaben, sondern rauf mit der Regulierung. Nicht Luft für die Bürger, sondern noch mehr Staat.

Fast schon zynisch wird es, wenn Teile der Regierung die Krise gleich als pädagogische Gelegenheit begreifen. Verkehrsminister Patrick Schnieder empfahl den Deutschen am 28. März, statt des Autos doch lieber den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen und sich am besten gleich ein Jahresticket zu besorgen. Das ist die Sorte Rat, die nur in einer Berliner Filterblase als ernsthafte Politik durchgeht. Denn für Millionen Menschen auf dem Land ist das Auto kein Luxus, sondern Voraussetzung des Alltags. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in dünn besiedelten Kreisen hat laut einem Bericht aus diesem Jahr keinen angemessenen Zugang zum Nahverkehr. Manche Gemeinden werden mit zwei oder drei Bussen am Tag abgespeist. Wer dort lebt, fährt nicht aus Vergnügen Auto, sondern weil der Staat keine brauchbare Alternative geschaffen hat.

Genau das macht diese Politik so verkommen. Diesel und Benzin werden immer teurer, der Staat streicht Zusatzmilliarden ein, echte Entlastung wird verweigert, stattdessen kommen Scheinlösungen, Preisdeckel-Phantasien und moralisierende Ratschläge gegen das Auto. Die Bürger sollen zahlen, verzichten und sich belehren lassen, während Berlin aus jeder Preissteigerung noch einen fiskalischen Vorteil zieht. Diese Regierung bekämpft die Spritkrise nicht. Sie nutzt sie.

Anzeige
9. April 2026

Zum Tod von Mario Adorf:

„Nun schaun Se mal böse“

Von
Gastautor

Es gibt eine Anekdote, die alles über Mario Adorf erzählt, was man wissen muss. Mitte der fünfziger Jahre sitzt ein junger Mann aus der Eifel beim Vorsprechen für seinen ersten großen Film. Der Regisseur Robert Siodmak, selbst ein Emigrant, der die Härte des Jahrhunderts kannte, mustert ihn und sagt: „Nun schaun Se mal böse.“

Adorf schaut böse. Er bekommt die Rolle des Serienmörders Bruno Lüdke in „Nachts, wenn der Teufel kam“, und von diesem Moment an ist er festgelegt: als der Mann, vor dem man sich fürchtet. Was Siodmak nicht ahnen konnte: Dieser böse Blick gehörte einem der gutmütigsten Menschen, die das deutsche Kino je hervorgebracht hat.

Mario Adorf konnte böse schauen wie kein Zweiter. Er konnte so überzeugend den Schurken geben, dass ihm Generationen von Kinogängern den Mord an Nscho-tschi persönlich übelnahmen. Er spielte Mafiosi, Patriarchen und Großkotzige mit einer Wucht, die das Mobiliar zum Wackeln brachte. Aber wenn man ihn dann in einem Interview sah, mit diesem verschmitzten Lächeln und den funkelnden Augen, merkte man sofort: Hier sieht jemand das Komische in der eigenen Bedrohlichkeit. Das Böse war bei Adorf nie langweilig, weil immer ein Augenzwinkern mitlief.

Zwischen Kalabrien und der Eifel

Seine Herkunft liest sich wie ein Drehbuch, das kein Produzent geglaubt hätte. Der Vater war ein italienischer Chirurg aus dem kalabrischen Siderno, verheiratet und unerreichbar. Die Mutter: eine deutsche Röntgenassistentin, die hochschwanger aus Italien in die Schweiz floh, damit man ihr das Kind nicht wegnimmt.

Drei Monate nach der Geburt in Zürich wird sie ausgewiesen und landet in Mayen in der Eifel, wo sie sich als Näherin durchschlägt. Den dreijährigen Mario gibt sie ins Kinderheim der Borromäerinnen, weil das Geld nicht reicht. Eine Kindheit, die man sich karger kaum vorstellen kann.

Aber vielleicht erklärt genau diese Herkunft den Adorf, den das Publikum liebte. Halb Italiener, halb Rheinländer, ganz Schlitzohr. Er hatte die südländische Körperlichkeit, die jedem Auftritt etwas Vulkanisches gab, und den rheinischen Humor, der das Vulkanische im richtigen Moment entschärfte.

In der Eifel hatte er das Improvisieren gelernt, in Rom das Genießen. Beides zusammen ergab einen Schauspieler, der selbst in den schlechtesten Filmen noch sehenswert war. Wer einmal gesehen hat, wie er in „Kir Royal“ als Klebstofffabrikant Haffenloher den armen Baby Schimmerlos anbrüllt, der weiß, was gemeint ist.

„Isch scheiß disch sowatt von zu mit meinem Jeld, dat de keine ruhije Minute mehr hass“, ist ein Satz, der in die Ewigkeit des deutschen Fernsehens eingegangen ist, und zwar nicht trotz, sondern wegen des rheinischen Singsangs, mit dem Adorf ihn servierte.

Der Italiener vom Dienst (der keiner sein wollte)

In den sechziger Jahren zog es Adorf nach Rom. Er wollte, wie er sagte, „immer Italiener“ sein, wollte dieses leichte Leben, das er aus den Erzählungen über seinen Vater kannte und das er in der Eifel vermisst hatte. In Cinecittà drehte er Italowestern und Gangsterfilme, spielte den Südländer für ein internationales Publikum.

Hollywood versuchte es auch, Sam Peckinpah wollte ihn haben, aber Adorf winkte ab: Er hatte keine Lust, „der Mexikaner vom Dienst“ zu werden. Eine Entscheidung, die man bewundern muss, denn sie verrät etwas über einen Mann, der lieber richtig zu Hause war als falsch berühmt.

Dabei war das, was ihn an Italien so faszinierte, im Grunde ein durch und durch deutsches Lebensgefühl. Die Sehnsucht nach dem Süden war am Ende eine Sehnsucht nach einer Freiheit, die er auch anderswo hätte finden können. Aber die Dolce-Vita-Zeit, wie er sie nannte, die hat er trotzdem genossen. Und wie. In Saint-Tropez lernte er seine zweite Frau Monique kennen, die mit Brigitte Bardot befreundet war. Adorf gestand freimütig, er habe zunächst nur Augen für die Bardot gehabt. Dann aber fiel ihm Moniques Lebendigkeit auf, und damit begann eine Liebe, die über vierzig Jahre hielt.

Von der Blechtrommel zum Bellheim

Adorfs Karriere hatte viele Gipfel, aber keinen eigentlichen Höhepunkt, weil er sich weigerte, auf einem einzigen stehen zu bleiben. In den siebziger Jahren entdeckten ihn die Regisseure des Neuen Deutschen Films. Schlöndorff besetzte ihn in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und in „Die Blechtrommel“, Fassbinder machte ihn zum korrupten Bauunternehmer in „Lola“. Das waren keine Schurkenrollen im alten Sinne mehr, sondern Figuren mit Rissen und Abgründen, und Adorf spielte sie so, dass man diese Figuren gleichzeitig verabscheute und verstand.

Dann kamen die großen Fernsehproduktionen: „Der große Bellheim“, „Der Schattenmann“, „Die Affäre Semmeling“. In diesen Dieter-Wedel-Mehrteilern spielte Adorf Männer, die man heute nicht mehr filmisch darstellen würde, weil es sie angeblich nicht mehr gibt: Patriarchen mit Prinzipien, Alphatiere mit Anstand, Herrscher, die ihren Laden zusammenhalten, auch wenn alles um sie herum zerfällt.

Den Marzipanfabrikanten Konrad Hansen in „Der letzte Patriarch“ nannte Adorf einen „charmanten Kotzbrocken, der ganz schön hart sein kann, aber seine Fehler erkennt und daraus lernt“. Man könnte das als Selbstbeschreibung lesen.

Ein Typus, der verschwindet

221 Filme, ein Bundesverdienstkreuz, der Grimme-Preis, ein nach ihm benannter Theaterpreis in Worms, und nebenbei noch eine zweite Karriere als Autor und Rezitator. Sein Buch hieß „Schauen Sie mal böse“, natürlich. Sein Programm hieß „Al Dente“, und wenn er darin Georg Kreisler sang, dann war das kein Abend für Leute, die Angst vor großen Gefühlen haben.

Auf seine alten Tage lebte Adorf zwischen München, Paris und Saint-Tropez, und man hatte den Eindruck, er genoss es, endlich niemandem mehr böse schauen zu müssen.

Sein letzter Film, „Real Fight“, war 2023. Der „Hörzu“ sagte er danach, er sei „ohne jeden Ehrgeiz in dieser Richtung, und ohne jede Hoffnung“. Daraus sprach keine Bitterkeit, sondern achselzuckende Akzeptanz des eigenen Alters.

Am Mittwoch ist Mario Adorf nach kurzer Krankheit in seiner Pariser Wohnung entschlafen – in der Stadt, die er liebte. Seine Frau Monique stand ihm bis zuletzt bei. Sein Manager Michael Stark teilte mit, Adorf habe ihm beim letzten Besuch noch aufgetragen, sich bei seinem Publikum für die jahrzehntelange Treue zu bedanken.

Das heutige Kino ist schmaler, leiser und aufgeräumter geworden. Für Männer wie Adorf, die allein durch ihre körperliche Präsenz ganze Räume besetzten, wäre dort ohnehin kaum noch Platz. Er war ein Schauspieler, der keine Askese brauchte, um auf der Leinwand zu faszinieren. Ein Darsteller der alten Schule, der bewies, dass natürliche Autorität und Charme kein Widerspruch sind, sondern schlicht eine Frage der Haltung.

Nun schaun Se mal traurig. Es ist berechtigt.

Anzeige
9. April 2026

Merz und § 188

Kanzleramt verliert vor Gericht: Details zu hunderten Merz-Strafanzeigen müssen offengelegt werden

Von
Redaktion

Friedrich Merz regiert immer sichtbarer wie ein Mann, der politischen Widerspruch nicht ertragen und kontern, sondern verfolgen und verdecken will. Jetzt hat ihm das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg diese Linie zerschlagen. Das Kanzleramt muss offenlegen, welche Staatsanwaltschaften wegen Beleidigungen des Bundeskanzlers ermitteln und unter welchen Aktenzeichen diese Verfahren laufen. Es geht um rund 300 Fälle. Der Versuch, diese Praxis hinter amtlicher Verdunkelung zu verstecken, ist gescheitert.

Der gekränkte, nachtragende Merz
Der Kanzler der zweiten Wahl - wie Friedrich Merz mit Deutschland abrechnet
Der Skandal beginnt nicht erst bei dieser Zahl. Er beginnt dort, wo ein Regierungschef auf den umstrittenen § 188 setzt, also auf einen Sonderparagrafen für Personen des politischen Lebens, und sein Apparat anschließend die öffentliche Kontrolle über dessen Anwendung abwürgen will. Genau das ist geschehen. Das Kanzleramt hielt Informationen über diese Verfahren zurück, obwohl der Kanzler bei §-188-Verfahren zwingend beteiligt ist und nach dem Bericht des Tagesspiegels mit den zuständigen Staatsanwaltschaften regelmäßig in Kontakt steht.

Besonders brisant wird das noch einmal vor dem Hintergrund, weil Merz politisch auf mehr als brüchigem Boden steht. Im ARD-Deutschlandtrend vom April 2026 sinken die Zustimmungswerte in den Keller. In der Sonntagsfrage fällt die Union auf 26 Prozent, während die AfD auf 25 Prozent heranrückt. Ein Kanzler verliert in Rekordzeit wie noch keiner vor ihm Rückhalt im Land und reagiert nicht mit Korrektur, sondern nur mit immer mehr aufgefahrener Staatsmacht gegen Kritik.

Damit wird aus einem juristischen Fall ein politischer Charaktertest. Merz verliert Vertrauen, Zustimmung und Autorität, doch statt daraus Demut oder gar einen Kurswechsel abzuleiten, antwortet sein Umfeld mit Strafrecht und Geheimhaltung. Ein Kanzler, dem das Land entgleitet, will wenigstens noch die Deutungshoheit über seine eigene Kränkbarkeit behalten. Er lässt den Staat dort scharf werden, wo ihn Bürger mit Worten treffen.

Merz muss gehen
Der Kanzler des Wortbruchs beim großen Ausverkauf Deutschlands
Vor Gericht brach diese Linie dann krachend zusammen. Das Kanzleramt bestritt ein gesteigertes öffentliches Interesse, bestritt den Eilbedarf und spielte Zuständigkeitsprobleme an. Das OVG ließ all das nicht durchgehen. Gerade weil die betroffene Person des politischen Lebens in solchen Verfahren zwingend beteiligt ist, kann sich das Kanzleramt nicht wegducken und so tun, als ginge die Sache allein die Staatsanwaltschaften etwas an. Auch das Argument, schon die Auskunft über Behörden und Aktenzeichen könne Rechte Beschuldigter verletzen, ließ das Gericht nicht gelten.

Wer noch glaubt, es gehe hier nur um verletzte Eitelkeit und ein paar grobe Beschimpfungen im Netz, sieht zu kurz. Dieser Fall passt in ein größeres Muster.

Für jedermann immer deutlich erkennbar handelt es sich um einen Mann, der erst im zweiten Anlauf ins Kanzleramt gestolpert ist, der auf politischen Verschleiß nicht mit Selbstprüfung reagiert, sondern mit Trotz, Härte und wachsendem Kontrolltrieb. Ein gekränkter, nachtragender Machtpolitiker, der jede Demütigung speichert und politische Gegnerschaft nicht als Normalität einer freien Ordnung behandelt, sondern als Angriff, der beantwortet werden muss.

Den eigenen Worten Folge leisten
Sie, Herr Merz, haben Vertrauen nicht verdient
Dazu passt, was nach dem vorläufigen Scheitern der Chatkontrolle auf EU-Ebene geschah. Kaum war der europäische Vorstoß gestoppt, kündigte Merz eine „nationale Lösung“ an. Schließlich will er genau wissen, wer da schimpft. Darum auch die Forderung nach Klarnamenpflicht und dem Durchleuchten sämtlicher elektronischer Kommunikation der Bürger. Was in Brüssel an Freiheitsbedenken scheitert, soll dann eben in Deutschland durchgedrückt werden. Der Vorwand lautet Kinderschutz. Der politische Reflex dahinter lautet Kontrolle. Erst der Zugriff auf Rede, dann der Zugriff auf private Kommunikation. Immer dieselbe Richtung.

Genau darin liegt die Gefahr. Erst hunderte Verfahren wegen Kanzler-Beleidigung. Dann das Versteckspiel über diese Verfahren, parallel das Vorantreiben der Abschaffung der Informationsfreiheit für Bürger, um den Mächtigen noch irgendwie auf die Finger schauen zu können.

Dann der nächste Anlauf zur Kontrolle privater Kommunikation, sobald die europäische Ebene bremst. Das sind keine losen Episoden. Das fügt sich in eine politische Handschrift. Der Bürger soll immer gläserner werden, der Staat immer übergriffiger und mächtiger, die Regierung selbst aber möglichst abgeschirmt.

Merz hat sich vor der Bundestagswahl als Klartextmann verkauft. Tatsächlich steht da immer deutlicher ein dünnhäutiger Machtpolitiker, der Kritik strafrechtlich umstellen lässt, Transparenz verweigert und nach neuen Hebeln greift, wenn alte scheitern. Ein Kanzler mit solchen Werten müsste sich fragen, warum ihm das Land davonläuft. Stattdessen lässt er lieber gegen das reden, was ihn daran erinnert.

Das Gericht hat diesem Spiel nun eine schwere Niederlage beigebracht. Zu Recht. Denn in einer freien Ordnung gilt ein einfacher Maßstab: Je schärfer der Staat gegen Rede vorgeht, desto lückenloser muss er sich selbst erklären. Merz wollte das Gegenteil. Erst verfolgen, dann verschweigen, dann das öffentliche Interesse kleinreden. Wer so regiert, verteidigt nicht die Demokratie. Er zeigt, wie schnell eine schwache Regierung ins Autoritäre kippt, sobald sie merkt, dass ihr die Zustimmung wegbricht.

Anzeige
Schuldenuhr Deutschlands des Bunds der Steuerzahler, Berlin, 14.02.2026
9. April 2026

Der Schuldenberg wächst

Staatsverschuldung in Deutschland erreicht neuen Höchststand

Von
Redaktion

Deutschlands Staatsverschuldung ist zum Jahresende 2025 erneut deutlich gestiegen. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts belief sich der Schuldenstand des öffentlichen Gesamthaushalts gegenüber dem nicht-öffentlichen Bereich auf 2.661,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von 1,9 Prozent beziehungsweise 50,8 Milliarden Euro gegenüber dem dritten Quartal 2025. Im Vergleich zum Jahresende 2024 beträgt das Plus sogar 6,0 Prozent oder 151 Milliarden Euro.

Damit setzt sich der Trend steigender Staatsverschuldung fort – getragen vor allem vom Bund, aber zunehmend auch von Ländern und Kommunen.

Bund bleibt größter Treiber

Den größten Anteil am Schuldenanstieg hat weiterhin der Bund. Seine Verbindlichkeiten kletterten im vierten Quartal 2025 um 32,2 Milliarden Euro auf 1.840,6 Milliarden Euro. Besonders ins Gewicht fallen dabei die sogenannten Sondervermögen.

So legte das „Sondervermögen Bundeswehr“ binnen eines Quartals um 29,4 Prozent auf 43 Milliarden Euro zu. Zudem wurde 2025 mit dem „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ (SVIK) ein schuldenfinanzierter Topf geschaffen, der bis Jahresende bereits 24,3 Milliarden Euro aufgenommen hat.

Diese Entwicklung zeigt, dass der Bund verstärkt auf Nebenhaushalte setzt, um große Investitions- und Ausgabenprogramme zu finanzieren.

Unterschiedliche Entwicklung in den Ländern

Auch die Bundesländer verzeichneten insgesamt steigende Schulden. Sie summierten sich auf 624,6 Milliarden Euro, ein Plus von 1,4 Prozent im Quartalsvergleich. Auffällig sind jedoch die regionalen Unterschiede:

  • Hamburg verzeichnete mit + 7,8 Prozent den stärksten Anstieg – vor allem aufgrund einer Umstrukturierung, bei der Schulden aus ausgelagerten Einheiten in den Kernhaushalt überführt wurden.
  • Bremen (+ 3,9 Prozent) und Bayern (+ 3,2 Prozent) folgen dahinter.
  • Rückgänge gab es lediglich in Mecklenburg-Vorpommern (- 3,9 Prozent), Thüringen und Sachsen-Anhalt (jeweils – 0,1 Prozent).

Die Zahlen verdeutlichen, dass strukturelle Effekte und finanzpolitische Entscheidungen der Länder eine große Rolle bei der Schuldenentwicklung spielen.

Kommunen besonders unter Druck

Am dynamischsten entwickelte sich die Verschuldung auf kommunaler Ebene. Städte, Gemeinden und Gemeindeverbände steigerten ihre Schulden um 5,3 Prozent auf 196,3 Milliarden Euro – der höchste prozentuale Zuwachs aller staatlichen Ebenen. Besonders stark betroffen sind:

  • Niedersachsen (+ 9,3 Prozent)
  • Baden-Württemberg (+ 9,2 Prozent)
  • Sachsen (+ 8,8 Prozent)

Hintergrund ist laut Statistik vor allem, dass viele Kommunen ihre Rücklagen weitgehend aufgebraucht haben und zur Erfüllung ihrer Aufgaben neue Kredite aufnehmen mussten.

Eine gegenläufige Entwicklung zeigt sich nur vereinzelt: In Thüringen (- 1,7 Prozent) und im Saarland (- 0,9 Prozent) sank die kommunale Verschuldung. Im Saarland trägt dazu insbesondere der „Saarlandpakt“ bei, bei dem das Land Schulden von Kommunen übernimmt.

Sozialversicherung mit minimalem Rückgang

Eine Ausnahme bildet die Sozialversicherung: Ihre Verschuldung sank leicht um 2,5 Prozent auf 9,4 Millionen Euro – ein im Vergleich zum Gesamtvolumen marginaler Betrag.

Die aktuellen Zahlen unterstreichen eine klare Entwicklung: Die öffentliche Verschuldung in Deutschland wächst weiter – getrieben durch hohe Ausgaben des Bundes und zunehmenden finanziellen Druck auf kommunaler Ebene. Während einzelne Länder und Programme gegensteuern, bleibt die Gesamtentwicklung eindeutig: Der Schuldenberg steigt.

Anzeige
9. April 2026

Iran hat mehrere Machthaber

Merz ist Kanzler und regiert nicht – Westeuropa spielt auch am Golf keine Rolle

Von
Fritz Goergen

Bevor es in den Regierungsstadel Berlin-Mitte geht, für alle, die auf das Geschehen im Iran schauen, ein Hinweis, der bei den üblichen Medien, Experten und Politikern nicht vorkommt.

America hat es nicht mit EINER Regierung im Iran zu tun. Liu Feng erklärt: »Das System, das das Abkommen unterzeichnet hat, und das System, das die Raketen abfeuert, sind zwei völlig verschiedene Systeme. 31 Provinzkommandos. Jedes autonom. Jedes mit vorab delegierter Startbefugnis … Wenn die eigene Infrastruktur des Gegners den Waffenstillstand nicht durchsetzen kann, existiert er nicht. Die eigentliche Krise hat noch nicht einmal begonnen.“

Was Vice President JD Vance dazu in Budapest sagte, berichtet Boris Kálnoky auf TE: »„Der Präsident hat uns, also mich, Außenminister Rubio und Sondergesandten Witkoff, angewiesen, in gutem Glauben zu verhandeln. Und das werden wir tun. Wenn die Iraner das auch tun, werden wir zu einem Ergebnis gelangen, aber das ist ein großes Wenn.“ Er fügte hinzu, dass es zu der Frage eines Friedens im Iranischen Machtapparat selbst keinen Konsens gebe, es werde also darauf ankommen, wie sich das Ringen widerstrebender Kräfte im Land entwickelt.«

Kanzler Merz sei nun wie BMWi-Reiche „offen“ für eine höhere Pendlerpauschale. Von 38 Cent auf bis zu 45 Cent je Kilometer weiß Bild aus Kanzleramtskreisen. Die Entlastung würde dann im kommenden Jahr im Rahmen der Steuererklärungen bei den Bürgern ankommen. Außerdem sei Merz für Senkung der Stromsteuer. Eine Entscheidung könnte am Sonntag beim Treffen des Koalitionsausschusses fallen. Festhalten wolle Merz an der Benzinpreisregel, wonach Tankstellen seit dem 1. April ihre Preise nur einmal täglich um 12 Uhr anheben dürfen.

Das Demoskometer dürfte danach für den Kanzler schon deshalb keine besseren Werte zeigen, weil beim Koalitionsausschuss ja „hinten“ immer weniger rauskommt als vorne rein.

Die DIHK warnt trotz Waffenruhe im Iran-Krieg vor anhaltenden Lieferproblemen und hohen Energiepreisen der Wirtschaft. Deutschland habe schon vor der Krise mit die höchsten Energiekosten weltweit gehabt: „Stark gestiegene Arbeitskosten und Rekordbelastungen bei Abgaben, Steuern und Bürokratie kommen noch hinzu. Deshalb erwarten wir von der Bundesregierung jetzt nicht nur pragmatische Krisenreaktionen, sondern endlich auch strukturelle Reformen, die unsere Wirtschaft in der Breite entlasten.“

Krisengewinner Staat. Wegen der hohen Benzinpreise hat der Bund im März nach der Analyse des RWI-Kompetenzbereichs „Umwelt und Ressourcen“ rund eine halbe Milliarde Euro mehr Mehrwertsteuer eingenommen (Bild). Das tägliche Mehrwertsteuer-Plus durch den Dieselpreis-Anstieg dürfte um gut zwölf Millionen Euro höher gelegen haben. Auf den gesamten Monat gerechnet seien das 360 Millionen Euro. Beim Benzin habe das monatliche Plus bei rund 130 Millionen Euro gelegen. Der Leiter des RWI-Kompetenzbereichs, Manuel Frondel, sprach sich für eine Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Benzin aus. Der Staat dürfe nicht an den steigenden Spritpreisen mitverdienen. Mittelfristig sollte „die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe gänzlich entfallen“. Schließlich verdiene der Staat zunehmend an der „erwartbar steigenden CO2-Bepreisung“ auf fossile Kraftstoffe mit. Es sei „kaum vermittelbar“, wenn dann gleichzeitig auch die Mehrwertsteuereinnahmen des Staates stiegen. Das Klingbeil-Ministerium widersprach der Darstellung des RWI mit einem Gipfel an Bürokratie-Zynismus: Durch die hohen Benzinpreise werde insgesamt weniger konsumiert, was die Mehrwertsteuereinnahmen senke.

Um den Schiffsverkehr im Persischen Golf zu sichern, erwäge die Nato eine Marine-Mission (Handelsblatt). Das also hat Nato-Generalsekretär Rutte von seiner Audienz bei President Trump mitgebracht als Versuch, die Folgen des Nato-Nein bei der Hormus-Straße abzumildern. US-Militärmaschinen an den Golf hatten keine Überfluggenehmigungen erhalten und mussten weite Umwege fliegen. Dazu zählen laut HB vor allem Spanien, Deutschland, Italien und Frankreich. Die US-Regierung prüft die Verlegung von US-Stützpunkten nach Polen, Rumänien, Litauen und Griechenland.

Laszlo Trankovits schrieb auf TE: »Der US-Republikaner weiß, was schon 2014 Ayatollah Khamenei als Anspruch der islamischen Revolution verkündete: Die Vorherrschaft einer islamisch-klerikalen Elite, zunächst im Nahen Osten und dann global. In dem auf 50 Jahre angelegten Strategiepapier „Islamic-Iranian Blueprint for Progress“ sieht sich Iran als „Vormund und Hüter der muslimischen Welt … und einer neuen Zivilisation.“

In Europa werden die Machtansprüche in der islamischen Welt politisch nicht ernst genommen, der Terrorismus der Islamisten gilt als ein Sicherheitsproblem. Trump sieht das anders. Der Irankrieg dient deshalb nicht nur der Existenzsicherung Israels, sondern auch der westlichen Welt.

„Lange hat Europa zugesehen, wie in Iran ein mörderisches Regime islamischer Fanatiker ein militärisches Arsenal aufbaute, das nicht nur Israel und die USA mit Vernichtung drohte, sondern auch den Nahen Osten auf Dauer zerrüttete. Die Zeit dieser Lebenslüge ist abgelaufen“, schrieb vor kurzem Chaim Noll in der „Neuen Züricher Zeitung“.«

Roland Tichy bei „Talk im Hangar-7“ (Servus TV), 9. April 2026

Anzeige

8. April 2026

Auch bundesweite Bestrebung

Berlin schränkt Informationsfreiheit ein: CDU und SPD schotten Verwaltung im Eilverfahren ab

Von
Redaktion

Seit 1999 garantiert das Berliner Informationsfreiheitsgesetz den Bürgern das Recht, staatliches Handeln einzusehen, Akten anzufordern und Verwaltungsvorgänge kontrollieren zu lassen. Genau dieses Recht wird jetzt beschnitten. Wie die Berliner Zeitung berichtet, hat der Senat das Gesetz mit Hilfe der Koalition aus CDU und SPD in einem Eilverfahren so verändert, dass weite Teile staatlichen Handelns künftig pauschal der öffentlichen Kontrolle entzogen werden können. Nicht trotz massiver Kritik, sondern im offenen Trotz gegen sie.

Zurück in vordemokratische Zeiten
Koalition will Informationsfreiheitsgesetz abschaffen und Meinungszensur einführen
Der Ablauf allein zeigt schon, worum es hier geht. Nachdem die Abstimmung zunächst wegen Bedenken in der SPD verschoben worden war, fand am 23. März noch eine Expertenanhörung statt. Opposition, 34 Organisationen aus der Zivilgesellschaft und 20.000 Unterschriften warnten vor dem Eingriff. Drei Tage später wurde die Sache dennoch durchgedrückt. Wer so verfährt, will keine saubere Abwägung, sondern ein unliebsames Kontrollinstrument schnellstmöglich stumpf machen.

Besonders brisant für die Koalition ist dabei, was das IFG zuletzt ans Licht gebracht hatte. Per Anfrage von FragDenStaat kam heraus, dass im Zusammenhang mit der Berliner Fördergeldaffäre womöglich bis zu 3,4 Millionen Euro ohne inhaltliche Prüfung und nach parteipolitischen Wünschen verteilt wurden. Unter den Begünstigten war auch ein Verein des CDU-Mitglieds Maral Salmassi, die den Investor George Soros auf X einen „Parasiten“ genannt hatte. Die Affäre beschäftigt inzwischen einen Untersuchungsausschuss. Genau dort, wo Transparenz politisch weh tut, wird sie plötzlich zur Gefahr erklärt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Öffentlichkeit soll ausgeknipst werden
CDU will Bürger nicht mehr informieren müssen und SPD ihre Medien mit Steuergeldern fördern
Als Vorwand für diesen Schritt im Eiltempo dient nun der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz im Januar. Der innenpolitische Staatssekretär Christian Hochgrebe sprach von einer „dauerhaft abstrakten Gefährdung“. Künftig können Informationen zur sogenannten kritischen Infrastruktur pauschal zurückgehalten werden. Das klingt technisch und vernünftig, ist in Wahrheit aber ein Einfallstor für eine flächendeckende Geheimhaltung. Denn unter den Begriff der kritischen Infrastruktur fallen laut Katastrophengesetz nicht nur Energie und Telekommunikation, sondern auch Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Medien, Kultur sowie das Finanz und Versicherungswesen.

Damit wird aus einer Ausnahme ein Generalschlüssel zur Auskunftsverweigerung. Sobald eine Anfrage nur irgendwie in einen dieser Bereiche fällt, kann die Verwaltung künftig den Rollladen herunterlassen. Das trifft nicht Randbereiche, sondern fast alles, worüber ein Bürger oder Journalist in einer modernen Verwaltung Auskunft verlangen würde. Selbst ein Fall wie die Berliner Fördergeldaffäre hätte womöglich abgeblockt werden können, weil auch Kultur zur kritischen Infrastruktur zählt. So verwandelt man Informationsfreiheit in eine Fassade, hinter der wieder das alte Amtsgeheimnis regiert.

Von wegen, „Fragen kostet nix“
Bundeswirtschaftsministerium entdeckt neue Erlösquelle: hohe Gebühren für Informationen
Das eigentlich Groteske daran ist, dass die bestehenden Ausnahmeregelungen nach Einschätzung von Fachleuten längst ausgereicht haben. Der auf Informationsfreiheitsrecht spezialisierte Anwalt Christian Partsch beschreibt bei der Berliner Zeitung, die neue Verschärfung mit dem treffenden Bild, man habe schon einen Gürtel und ziehe nun noch Hosenträger dazu an. Mehr noch: Schon jetzt berufe sich die Berliner Verwaltung auf Ausnahmen in einem teils absurden Ausmaß, und Gerichte neigten dazu, selbst abwegigen Argumentationen zu folgen. Wer unter diesen Bedingungen noch weitere Schranken einzieht, will Missbrauch nicht verhindern, sondern Kontrolle verhindern.

Hinzu kommt der offene Wortbruch. Im Koalitionsvertrag war noch ein Transparenzgesetz versprochen worden, also eine Reform in die entgegengesetzte Richtung. Nun heißt es plötzlich, die Anschläge auf das Stromnetz hätten die Lage grundlegend verändert. Nur hat niemand den Standort der Kabelbrücke per IFG Antrag herausgefunden. Das Argument trägt also nicht einmal den konkreten Fall, mit dem die Koalition ihren Eingriff rechtfertigt. Sicherheit dient hier als politische Verkleidung für einen Rückzug aus der Rechenschaftspflicht.

Ausübung unserer Verantwortung
Informationspflichten des Staates als Voraussetzung für Demokratie
Die Berliner Datenschutzbeauftragte Meike Kamp spricht von einem „massiven Rückschritt“ und sieht die Kontrolle staatlichen Handelns erschwert. Vor allem aber beschreibt sie den eigentlichen Kern des Problems: den Rückfall in eine überholte Kultur des pauschalen Amtsgeheimnisses. Genau das ist der Punkt. Hier wird nicht im Einzelfall geschützt, hier wird systematisch verborgen.

Berlin steht damit nicht allein. Auch in Schleswig Holstein, Thüringen und Mecklenburg Vorpommern gibt es Bestrebungen, Informationsfreiheitsrechte einzuschränken. Auf Bundesebene wollte Philipp Amthor das IFG am liebsten ganz streichen. Pikant daran ist, dass ausgerechnet seine Lobbyismus Affäre um Augustus Intelligence einst ebenfalls durch eine IFG Anfrage öffentlich wurde. Immer dann, wenn Transparenz für Mächtige gefährlich wird, wächst in der Politik der Wunsch, sie kleinzuschneiden.

Besonders düster wird das Bild im internationalen Vergleich. Deutschland liegt im weltweiten Transparenzranking des kanadischen Center for Law and Democracy nur auf Platz 127, hinter Ländern wie Uganda, China oder Russland. Statt diesen Befund als Warnsignal zu begreifen, marschiert Berlin weiter in die falsche Richtung. CDU und SPD haben der Hauptstadt keine Sicherheitsreform verordnet, sondern eine Abschottungsreform. Der Bürger soll weniger sehen, weniger fragen und am besten gar nicht erst erfahren, was hinter den Türen der Verwaltung geschieht. Genau so beginnt der Staat, sich wieder vor seinen Bürgern zu verstecken.

Anzeige

8. April 2026

Exklusive Recherche

Sendet die Tagesschau Propaganda der Mullahs? Eine Spurensuche

Von
Katharina Schmieder

Am Ostermontag, den 6. April, strahlte die Tagesschau in der 20-Uhr-Ausgabe einen Bericht über eine Iranerin in Teheran aus. Dieser wurde in gekürzter Fassung im Morgenmagazin wiederholt. Die Protagonistin schildert, dass sie zurückgezogen in ihrer kleinen Kellerwohnung leben würde. Sie sei sehr besorgt wegen der Bombardierungen und gehe nur noch vor die Tür, um ihren Hund Gassi zu führen.

Bei der Protagonistin handele es sich laut Tagesschau um eine 45-jährige Lehrerin einer Privatschule, die aber wegen des Krieges derzeit nicht arbeiten würde. Später zückt sie ihr Mobiltelefon und scrollt in einem Messenger. Angezeigt wird ein Post von Donald Trump, der vermutlich aus „Truth Social“ stammt, seinem sozialen Netzwerk. Die Protagonistin erklärt, dass sich Trump auf eine sehr herablassende Weise über die iranische Bevölkerung äußern würde. Dies mache sie sehr wütend. Sie bezieht sich auf die Androhung Trumps von Bombardements, sollte der Iran die Straße von Hormus weiter blockieren.

Skeptische Posts in sozialen Netzwerken

Der Beitrag erzeugte gleich nach seiner Ausstrahlung in der Summe seiner vielen Unstimmigkeiten ein massives Störgefühl und befeuerte Spekulationen und Vorwürfe der Zuschauer in sozialen Netzwerken. Zahlreiche Exil-Iraner äußerten, dass es sich bei dem Tagesschau-Beitrag um Propaganda des iranischen Regimes handeln könne. Die Protagonistin werde bewusst westlich inszeniert, um Nähe und Sympathie beim deutschen Publikum zu erzeugen, kommentierten die Nutzer. Die Botschaft laute, Trump ist der Feind und nicht das Mullah-Regime, welches über Jahrzehnte die Menschen, insbesondere die Frauen, brutal unterdrückt hat.

Die ARD erklärte später, dass der Beitrag aus dem Studio Teheran stamme und dieser sorgfältig nach journalistischen Standards produziert worden wäre.

Eine Überprüfung der angezweifelten Details des Beitrags zeigt, dass die Erzählung der Tagesschau weiterhin viele Fragen aufwirft.

Der Internet-Blackout

Viele Nutzer fragen sich, wieso hat ausgerechnet diese Lehrerin Zugang zum Internet. Wegen des Internet-Blackouts seit dem 28. Februar ist der ungehinderte Zugang ins Netz derzeit nur Funktionären des Regimes vorbehalten. Die Bevölkerung kann lediglich staatlich genehmigte Inhalte nutzen.

Dieser Umstand wird im Beitrag nicht thematisiert oder klargestellt, welche Inhalte bzw. Apps die Protagonistin abruft. Eine Recherche zeigt, dass die Lehrerin offenbar den „Bale“-Messenger nutzt. Die App gehört zum „Nationalen Internet“ im Iran, die von Behörden empfohlen wird. „Bale“ wird als Messenger und für Finanztransaktionen genutzt. Die App funktioniert auch während Ausfällen. „Bale“ ist staatlich kontrolliert und somit kann Kommunikation mit dem Ausland eingeschränkt werden.

Die Wohnung

Zahlreiche Nutzer wunderten sich, dass der Einrichtungsstil nicht wirke, als würden diese Räumlichkeiten von einer ganz normalen Frau aus dem Volk bewohnt. Die dunklen, stark abgenutzten Möbel erinnern eher an eine Junggesellenbude. Auffällig sind die E-Gitarren, die an der Wand drapiert sind. Im Hintergrund lehnt ein Koffer eines Musikinstrumentes an der Wand, daneben ein Trolley.

Zudem bemerkten Nutzer, dass es sich bei der Tür, die eingangs zum Beitrag im Bild zu sehen ist, nicht um eine übliche Wohnungstür handeln würde, sondern eher um eine Spezialanfertigung, wie sie in „Safe Houses“ verbaut würden. Ebenso wäre es üblich, dass in der Wohnung einer Lehrerin ein Schreibtisch, Rechner und Bücher zu finden wären – doch Derartiges taucht im Beitrag nicht auf.

Der Hund „Kiko“

Im Mai 2019 berichtete der ARD-Weltspiegel darüber, dass Hunde aus der iranischen Öffentlichkeit verbannt wurden. Werden Hundehalter beim Gassigehen erwischt, können die Tiere konfisziert werden. Der aktuelle Tagesschau-Beitrag verliert keine Silbe darüber, dass Hunde „haram“ sind, also als schmutzige Tiere im Islam gelten. Dass im Iran eine kurze Runde im Park mit Hund nicht ganz unproblematisch verlaufen kann, wird ebenfalls nicht thematisiert. Das ließ einige Tagesschau-Zuschauer zusätzlich stutzig werden.

Weiße Terrier scheinen überaus beliebt bei den Iranern. So tauchte ein sehr ähnlicher Hund in einem Propaganda-Clip auf. Ebenso als die Süddeutsche Zeitung im August 2022 über ein Gassigehen-Verbot berichtete, zeigte das Titelfoto einen weißen Terrier.

Eine Spurensuche führt in die Rocker-Szene

Im November 2019 nimmt die Protagonistin an einem Treffen mit iranischen Musikern teil. Zu diesem Zeitpunkt trägt sie ein Kopftuch, das die vordere Haarpartie frei lässt. Die anderen Frauen in der Runde verzichten auf jede Form der Haarbedeckung.

In dem Tagesschau-Betrag trägt die Protagonistin ihr Haar zu einem strengen Knoten gebunden und sie zeigt sich durchgehend ohne Kopftuch, auch beim Gassigehen mit ihrem Hund in der Öffentlichkeit.

Der Instagram-Account oben gehört iHT, einer Organisation aus der Musik-Szene. iHT ist ein Label, welches Konzerte organisiert und Künstler aus der Rock- und Rapszene promotet. Handelt es sich bei der Wohnung, in der gedreht wurde, um einen Proberaum? Ist die Wohnung eine Art privater Club oder ein Treffpunkt für die Musikszene? Dies würde wiederum die vielen E-Gitarren an der Wand und weitere Hinweise auf Musikinstrumente und den eher unpersönlicheren Charakter erklären, der von Räumlichkeiten ausgeht, die von vielen Menschen genutzt werden.

In dem Raum gibt es zahlreiche Sitzmöbel wie Stühle, Hocker und ein Sofa. Für eine Single-Wohnung erscheint das etwas überdimensioniert. Falls der Raum aber von mehreren Musikern genutzt wird, die zusammen spielen wollen, wäre die Ausstattung passend. Auch die lose an der Wand lehnende Matratze fügt sich in dieses Bild, falls diese nach langen Probenächten für eine provisorische Übernachtungsmöglichkeit genutzt wird.

Die Sofa-Füße bestehen aus Blöcken, auf denen das Logo „5grs“ steht. Es ist das Logo einer Trash-Metal-Band. Der Instagram-Account der Band ist auf dem Gruppenfoto verlinkt, auf dem die Protagonistin mit Hijab abgebildet ist.

Falls der Raum von Musikern genutzt wird, würde dies wiederum auch die massive Tür erklären. Ein iranischer Anbieter für Türen bietet ein sehr ähnliches Modell an. Oftmals werden diese Art von Türen als eine Kombination vor Diebstahl und Lärm vermarktet, da diese über eine mehrlagige Isolierung und einen Stahlkern verfügen.

Störgefühl der Tagesschau-Zuschauer

Die Spurensuche zeigt, dass die Tagesschau wichtige Details nicht erwähnt oder erklärt hat. Es wäre wünschenswert und wichtig gewesen, dass die Macher in diesem Kontext ein, zwei Sätze zu den aktuellen Nutzungsmöglichkeiten des Internets gebracht hätten. Beispielsweise, dass die Protagonistin den staatlichen Messenger nutzt, weil andere Apps nicht funktionieren.

Ebenso, dass der Beitrag offenbar nicht in ihrer Wohnung, sondern in einem Proberaum gedreht wurde. Interessant wäre auch gewesen, wie Hundehalter ihren Alltag im Krieg oder generell bestreiten, wenn Gassigehen in der Öffentlichkeit seit Jahren unerwünscht ist. Beiträge dieser Machart tragen keineswegs dazu bei, das erodierte Vertrauen in ARD & ZDF wiederherzustellen.

Anzeige

8. April 2026

„Entscheidung kommt nicht überraschend“

Treibjagd gegen Professor Meyen endet mit Versetzung in den Ruhestand

Von
Redaktion

Das letzte große Forschungsprojekt, an dem der Münchner Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen mitarbeitete, trug den Titel: „Die Zukunft der Demokratie“. Die Geschichte des Professors illustriert, wohin sich staatliche Demokratievorstellungen mittlerweile entwickeln: Die Ludwig-Maximilians-Universität München versetzte den langjährigen Professor für Kommunikationswissenschaft zum 1. April in den Ruhestand. Damit endet eine lange Kampagne, die das bayerische Wissenschaftsministerium, die Universitätsleitung und einige Medien betrieben, um den Forscher von seinem Lehrstuhl zu verdrängen.

Sein Hauptvergehen besteht darin, dass er in seinem privat betriebenen Blog „Medienrealität“ ab 2020 die unkritische Übernahme der jeweiligen Regierungslinie zu den Coronamaßnahmen durch die meisten Medien und vor allem den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kritisierte.

Die Süddeutsche Zeitung verfasste im gleichen Jahr mehrere Artikel über den Hochschullehrer, und das von vornherein mit klarer Stoßrichtung. Einer davon trug die Überschrift: „Ein Blog, der Unmut auslöst“. Zeit Campus, ein Ableger der Zeit, skandalisierte ebenfalls Meyens Auseinandersetzung mit der Corona-Berichterstattung. „Doch Meyen tritt nicht nur als Wissenschaftler auf“, hieß es in diesem Text, „immer öfter äußert er sich politisch. Beim Nachlesen kann man das Gefühl bekommen, dass seine Thesen mit jedem Eintrag steiler werden. Er mokiert sich über den ZDF-Journalisten Claus Kleber, vergleicht die Tagesschau mit russischem Staatsfernsehen, schreibt von ‚Regierungs-PR‘.“

Ihren Text, eher ein Pamphlet, überschrieb Zeit Campus mit einer Zeile, die einer Aufforderung an seine Vorgesetzten glich: „Warum darf er immer noch lehren?“

Meyen verlor seine Funktion als Sprecher des Forschungsverbandes „Zukunft der Demokratie“, die Universität forderte eine Einschätzung des Wissenschaftlers durch den Verfassungsschutz an, die Landesanwaltschaft, eine Disziplinarbehörde der Regierung, setzte ein Disziplinarverfahren gegen ihn in Gang. Das ergab allerdings trotz langer Ermittlungen nicht viel, vor allem keinerlei Hinweis darauf, dass der Professor sich jemals im Hörsaal radikal oder gar verfassungsfeindlich geäußert hätte.

Am Ende blieb der Vorwurf, Meyen sei im Frühjahr 2023 – allerdings, wie er erklärt, zunächst ohne sein Wissen – als Mitherausgeber des Demokratischen Widerstands geführt. Das Blatt veröffentlichte während der Corona-Zeit regierungskritische Artikel, der Verfassungsschutz rechnet es dem Spektrum der „Staatsdelegitimierung“ zu.

Meyen trennte sich bald wieder von der Zeitschriftt. In den Texten selbst, die er dort veröffentlichte, fanden die Ermittler nichts, was sie beanstanden konnten. Sie hielten ihm allerdings vor, dass er 2019 der sehr weit links stehenden Organisation „Rote Hilfe“ einen Spendenbetrag übergeben hatte. In einer ersten Disziplinarverfügung erhielt Meyen 2024 für diese Vorwürfe eine Gehaltskürzung um zehn Prozent für 15 Monate. Ab September 2024 war Meyen krankgeschrieben, veröffentlichte aber in dieser Zeit Texte und Videos im Rahmen der von ihm gegründeten Freien Medienakademie. Das führte zu einem zweiten Disziplinarverfahren und einer zweiten Gehaltskürzung. Gegen beide Verfügungen klagt Meyen derzeit.

Michael Meyen, geboren 1967 auf Rügen, aufgewachsen in der DDR, passt eigentlich in kein Raster, auch nicht in die Rahmenkonstruktion ‚rechter Professor‘. Im Gegenteil, mit einigen Positionen stand er in der Vergangenheit sogar deutlich links, was damals seinen Arbeitgeber offenbar noch nicht störte.

Seit zwei Jahrzehnten bildet der verbeamtete Professor Journalistennachwuchs aus, von ihm stammen auch einige Fachbücher, darunter die von Kollegen positiv aufgenommene Monografie „Klassiker der Kommunikationswissenschaft“.

Meyen kommentierte den Schritt der Universität in einem Text mit dem Satz: „Die Entscheidung kommt nicht überraschend.“

Seine Verdrängung aus dem Wissenschaftsbetrieb ist kein Einzelfall. Der Politikwissenschaftler Stephan Maninger, Professor an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, in dem für die Ausbildung von Bundespolizisten zuständigen Bereich Lübeck, sieht sich einer ganz ähnlichen Kampagne ausgesetzt. Gegen ihn machen Medien wie der SPIEGEL, die Jusos und mehrere linke Aktivisten mit der Behauptung mobil, der Wissenschaftler verbreite rechtsradikale Thesen. Das Ziel der Aktion besteht darin, die Entfristung von Maningers Vertrag an der Hochschule zu verhindern, obwohl es dafür keine rechtlichen Grundlagen gibt.

Maninger rechnet sich selbst zum konservativen Lager. Den Vorwurf, er vertrete radikale Ansichten, weist er zurück. Gegen ihn gab es bereits ein umfangreiches Disziplinarverfahren wegen angeblich rechtsradikaler Äußerungen, das ihn allerdings vollständig entlastete. Das hält seine Gegner nicht davon ab, ihn weiter als Gefahr für die Studenten zu brandmarken.

Teil 1
Achtung, gefährlicher Professor – Der Ausgeschlossene

Teil 2
Achtung, gefährlicher Professor – Der ewig Verdächtige

Teil 3
Achtung, gefährlicher Professor – Der Gefährder

Anzeige

8. April 2026

Stuhlkreis- und Gipfel-Kakophonie

Bei Spritpreisen Klingbeil gegen Reiche und Merz – für Bürger haben alle drei kein Herz

Von
Redaktion

Spritbarometer. Diesel: oft über 2,50 €/Liter (bundesweiter Durchschnitt 2,44 bis 2,50 €/Liter). Super E10: 2,19 bis 2,24 €/Liter. Die Kleine Koalition hat eine Bundestags-Taskforce – vulgo „Energie-Taskforce“ oder „Spritpreis-Taskforce eingerichtet, also einen Stuhlkreis, der sich um sich selbst dreht.

    • Leiter: Sepp Müller (CDU) und Armand Zorn (SPD).
    • Aufgabe: Analyse der Preisentwicklung, Anhörung von Mineralölkonzernen und Kartellamt, Vorschläge für Entlastungen.

Die Taskforce hat die Konzerne einbestellt – mit dem Ergebnis, dass diese die Preissprünge nicht überzeugend erklären konnten.

Nach Ostern sollen Entscheidungen in der Koalition fallen. Mögliche Entlastungen: höhere Pendlerpauschale, Senkung anderer Steuern (zum Beispiel Stromsteuer), evtl. Freigabe weiterer Ölreserven. Klingbeil simuliert starken Druck auf Merz und Reiche und fordert in einem Brief an Kanzleramtschef Frei und Wirtschaftsministerin Reiche weitere Maßnahmen, um Inflation und Belastung zu dämpfen. Kann Klingbeil sich nicht einfach mit Merz hinsetzen und etwas ausbaldowern?

Klingbeils Stichworte, mit denen Staatsmedien den Bürger folgenlos beschäftigen sollen:

  • Flexibler Preisdeckel für Benzin, Diesel und Heizöl (Vorbild Luxemburg oder Belgien).
  • Übergewinnsteuer auf Sondergewinne der Mineralölkonzerne – er hat gemeinsam mit Finanzministern aus Österreich, Italien, Portugal und Spanien die EU-Kommission schriftlich zur Prüfung aufgefordert.
  • Er will die Pendlerpauschale spürbar erhöhen und das ggf. über eine Übergewinnsteuer finanzieren.

Was Frau Reiche ablehnt:

  • Steuerrabatte direkt auf Benzin/Diesel (die Konzerne hätten 2022 viel vom Tankrabatt einbehalten).
  • Tempolimit und autofreie Sonntage (kein spürbarer Effekt).

Wofür Frau Reiche offen ist:

  • temporäre Erhöhung der Pendlerpauschale – wäre gezielter und würde die Nachfrage nicht so stark anheizen.
  • stärkere Kartellamts-Aufsicht und mehr Transparenz bei der Preisbildung.

Zur Erinnerung: Die 12-Uhr-Regel, nur einmal täglich zulässige Preiserhöhung, geht auf ihre Initiative zurück, wirkt nicht preissenkend, sondern prestreibend.

Für Freitag hat Klingbeil zum Spritgipfel oder Krisentreffen mit Wirtschaft und Gewerkschaften gerufen an Reiche und Kanzler vorbei.

Von Merz selbst verlautete die Tage:

  • Die beste Lösung wäre ein schnelles Ende des Krieges im Nahen Osten – dann würden die Preise von allein sinken.
  • Der Staat könne nicht jeden Preisanstieg durch Steuergeld ausgleichen.
  • Er sei skeptisch gegenüber einem Tankrabatt (wie 2022), weil damals die Konzerne einen Großteil des Rabatts eingesteckt hätten, ohne die Preise richtig zu senken.

Soweit die kleinkoalitionäre Kakophonie.

Am Golf geht es neben größeren Dingen um eine offene Hormus-Straße, in Berlin-Mitte gibt es vom Finanzministerium zum Kanzleramt keinen Personenverkehr. Wüsste man es nicht längst, nun wäre es klar. In Polit-Berlin geht es um die Amts-Mächtchen von Gernegrößchen, aber niemals um die Bürger.

Übrigens führt das zu diesem Kanzlerbild im Forsa-Demoskometer für RTL/ntv.

Anzeige

8. April 2026

Über 500 Medikamente fehlen

Medikamentenmangel in Deutschland weitet sich aus – Apotheken warnen vor sinkendem Versorgungsniveau

Von
Redaktion

Die Versorgungslage mit Medikamenten in Deutschland bleibt angespannt. Nach aktuellen Daten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind derzeit mehr als 500 Arzneimittel von Lieferengpässen betroffen.

Zwar hat sich die Situation seit den Hochphasen der Corona-Pandemie in einzelnen Bereichen etwas entspannt, doch in vielen Apotheken bestehen weiterhin erhebliche Lücken im Sortiment. Besonders betroffen sind unter anderem Erkältungs-, Schmerz- und Magen-Darm-Mittel.

Als zentrale Ursachen gelten anhaltende Probleme in den globalen Lieferketten sowie steigende Produktions- und Beschaffungskosten. Gleichzeitig sind die Preise für viele Medikamente staatlich reguliert, sodass Hersteller und Großhändler Kostensteigerungen kaum weitergeben können.

Der pharmazeutische Großhandel sieht sich dadurch zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. Nach Berechnungen des Branchenverbands Phagro können rund 65 Prozent der verschreibungspflichtigen Medikamente nicht mehr kostendeckend gehandelt werden.

Die Folge könnte eine weitere Ausdünnung der Versorgung sein. Branchenvertreter warnen, dass sich Großhändler künftig stärker auf wirtschaftlich tragfähige Produkte konzentrieren könnten, was die flächendeckende Versorgung zusätzlich gefährden würde.

Ein strukturelles Problem liegt zudem in der internationalen Abhängigkeit der Produktion. Ein Großteil der Wirkstoffe, insbesondere für günstige Generika, wird inzwischen in Asien hergestellt. Störungen in diesen Lieferketten wirken sich unmittelbar auf die Versorgung in Deutschland aus.
Hinzu kommt, dass sich immer mehr Hersteller aus der Produktion von Generika zurückziehen. Die Margen liegen hier oft nur im Cent-Bereich, während sich mit patentgeschützten Medikamenten deutlich höhere Gewinne erzielen lassen.

Vor diesem Hintergrund fordert der Großhandel politische Gegenmaßnahmen, insbesondere eine Anpassung der Vergütungssysteme. Ohne entsprechende Reformen droht nach Einschätzung der Branche ein spürbarer Rückgang des bisherigen Versorgungsniveaus für Patienten in Deutschland.

Anzeige

8. April 2026

Revision verworfen

BGH entscheidet im Fall Bad Oeynhausen: Urteil nach Totschlag an Philipos bleibt bestehen

Von
Redaktion

Der Fall, der im Sommer 2024 bundesweit Entsetzen auslöste, ist juristisch beendet. Der Bundesgerichtshof hat die Revision gegen das Urteil verworfen. Damit bleibt es bei neun Jahren Jugendstrafe gegen den Täter Mwafak al-S. Die Karlsruher Richter haben die Entscheidung der Vorinstanz damit bestätigt.

Gefahrenzone Deutschland
Neues Gewaltopfer in Bad Oeynhausen: 20-Jähriger erliegt schweren Kopfverletzungen
Was damals geschah, ist in seiner Wucht bis heute nicht verblasst. Philipos Tsanis, 20 Jahre alt, war nach dem Abiball seiner Schwester in der Nacht im Kurpark von Bad Oeynhausen unterwegs. Gegen etwa 1.30 Uhr geriet er dort zusammen mit einem 19-jährigen Begleiter in eine Auseinandersetzung mit einer rund zehnköpfigen Gruppe junger Männer. Aus dem Streit wurde binnen Augenblicken rohe Gewalt. Es wurde geschlagen, getreten, gejagt. Philipos erlitt schwerste Kopfverletzungen und starb zwei Tage später.

Schon die damaligen Berichte machten klar, was hier geschehen war. Es ging nicht um ein Gerangel, nicht um eine diffuse Nacht mit unklaren Abläufen, sondern um einen Überfall einer Gruppe auf zwei junge Männer, von denen einer am Ende tot war. Nach damaliger Darstellung wurde Philipos sogar aus der Situation herausgezogen und dann weiter attackiert. Genau deshalb fraß sich der Fall so tief ins öffentliche Bewusstsein. Jeder verstand sofort, was hier sichtbar wurde: die völlige Schutzlosigkeit des Einzelnen gegen Gruppenrohheit, die in deutschen Städten und Parks längst kein Ausnahmebild mehr ist.

Das Urteil lautet neun Jahre Jugendstrafe. Der Anwalt des Angeklagten hatte die Verurteilung laut WELT als „skandalös“ bezeichnet und Revision eingelegt. Der BGH hat diese Linie nun kassiert. Juristisch ist die Sache damit entschieden. Der Staat sagt: Mehr gibt es dazu nicht mehr zu verhandeln.

Bad Oeynhausen
Philippos T.: Mutmaßlicher Täter war 18-jähriger Syrer, polizeibekannt
Aber genau hier beginnt das Problem erst richtig. Denn rechtskräftig ist das Urteil, beruhigend ist es in keinem Fall und fügt sich nach Völklingen in eine direkte Reihe ein, in denen Boni für den Täter gewährt werden. Ein junger Mann wird nach einer Gruppenattacke brutal getötet, der Fall erschüttert das ganze Land, und am Ende bleibt der Eindruck eines Rechtsstaats, der seine Förmlichkeit verteidigt, während das Land auf die Wirklichkeit starrt. Die Wirklichkeit lautet: Ein 20-Jähriger besucht den Abiball seiner Schwester und ist kurz darauf tot, weil eine Gruppe Gewalttäter nachts im Park auf ihn losgeht.

Schon kurz nach der Tat war der Schock in der Region so groß, dass ein Spendenaufruf für die Familie und den verletzten Begleiter binnen kurzer Zeit mehr als 60.000 Euro erreichte. Ein Unternehmer setzte zusätzlich eine Belohnung für Hinweise aus. Bürgermeister Lars Bökenkröger und Landrat Ali Dogan riefen öffentlich Zeugen auf, sich zu melden. Das war ein Fall, der den Nerv eines ganzen Landes traf, weil jeder spürte, dass hier mehr zerbrochen war als nur das Leben eines jungen Mannes.

Wie viele junge Männer kennen das, wie viele Familien haben inzwischen erfahren, in der Öffentlichkeit völlig unvermittelt von Männergruppen angegriffen zu werden? Hier kennt mittlerweile jeder einen oder mehrere, denen das bereits einmal oder mehrfach widerfahren ist. Im Fall Philipos endete das für den jungen Mann mit dem Tod. In vielen anderen ebenfalls. Wie lange bleibt man selbst noch verschont? Der Fall Philipos hat das sehr vielen Familien vor Augen geführt.

Heuchlerische Rituale
Morde und routinierte Verhöhnung der Opfer gehen weiter
Denn Bad Oeynhausen war eben nicht nur ein einzelner Kriminalfall. Es war ein Signal. Ein weiterer Moment, in dem die Fassade staatlicher Sicherheitsversprechen zusammenfiel. Offiziell wird immer beschwichtigt, relativiert, eingeordnet. In der Realität sehen die Menschen, dass selbst der Weg durch einen Kurpark in der Nacht zum tödlichen Risiko werden kann, wenn sich Gewaltbereitschaft, Gruppenmut und Kontrollverlust treffen. Genau deshalb wirkt der Fall bis heute nach.

Der BGH hat jetzt das letzte juristische Wort gesprochen. Das ändert nichts daran, dass der politische Befund vernichtend bleibt. Der Staat kommt regelmäßig erst dann mit Pathos, Betroffenheit und Durchhalteparolen, wenn das Opfer schon tot ist. Vorher war er nicht da. Vorher hat er nicht geschützt. Vorher hat er das Land in genau jene Lage treiben lassen, in der ein junger Mann nach einem Familienfest in einem Park von einer Gruppe totgeprügelt wird.

So bleibt nach diesem BGH-Beschluss nicht das Gefühl von Gerechtigkeit, sondern das Gefühl einer endgültig besiegelten Ohnmacht. Das Urteil steht. Philipos kommt nicht zurück. Und ein Land sieht wieder einmal Schwarz auf Weiß, dass der Rechtsstaat zwar Akten schließen kann, aber den Vertrauensbruch nicht heilt, der entsteht, wenn Sicherheit auf dem Papier existiert und auf der Straße versagt.

Anzeige

8. April 2026

Pressekonferenz

Breites Bündnis für Meinungsfreiheit gestartet

Von
Josef Kraus

45 Prozent der Deutschen sind mittlerweile überzeugt, dass man bei der Äußerung seiner Meinung vorsichtig sein müsse. So eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. Das ist der tiefste Stand seit den 1950er-Jahren. Nur 40 Prozent meinten, man könne seine Meinung frei äußern, 1970 waren dies 83 Prozent, 1990 noch 78 Prozent. Wörtlich heißt es in der Studie: »Seit dem Fall der Mauer … sind die Werte zunächst mit der Regierung Schröder, dann unter Merkel stetig gefallen, um zur Halbzeit der ›Ampel‹ ihren historischen Tiefpunkt zu dokumentieren.«

Interessant: Den »Spitzenwert« der mit den Möglichkeiten der freien Meinungsäußerung Zufriedenen stellen mit 75 Prozent die »grünen« Wähler. Entweder – unwahrscheinlich – sind diese Leute die Mutigeren, oder sie können ihre Meinung deshalb frei äußern, weil der Mainstream ohnehin »grün« ist.

Zugleich tun Exekutive und Legislative alles, um den Korridor der Meinungsfreiheit immer mehr einzuschränken. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat den „Phänomenbereich der verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates“ erfunden. Die Bundesnetzagentur adelt Denunziationsplattformen wie HateAid oder RESPECT! als „trusted flagger“! Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften setzen Ermittlungen in Gang, weil sie nicht mehr zwischen falscher Tatsachenbehauptung, legitimere Zuspitzung und Ironie unterscheiden können. Gerichte ordnen Bußgelder gegen ironisierende Kritik an Politikern an. Anzeigenweltmeister wie die vormaligen Bundesminister Baerbock, Habeck (beide „Grüne“), die FDP-Frau Marie-Agnes Strack-Zimmermann oder auch Bundeskanzler Merz (CDU) lassen Hunderte, ja Tausende von Anzeigen wegen angeblicher Beleidigung vom Stapel. Gerichte ordnen Bußgelder an.

Weitreichende Kritik an diesen Praktiken übt der renommierte Verfassungsrechtler Prof. Dr. Christoph Degenhart am 24. Mai 2024 in einem FAZ-Gastbeitrag und im Januar 2026 einem TE-Interview: Der Staat lege mittlerweile, so Degenhart, bestimmte Meinungskorridore fest. Der Korridor des Sagbaren werde verengt, auch durch Leitmedien wie die Öffentlich-Rechtlichen und staatlich geförderte NGOs. Dies stehe in eklatantem Widerspruch zur Rechtsprechung des Verfassungsgerichts, das überspitzt-ironische, satirische, abwertende oder polemische Äußerungen sowie extremistische Äußerungen unter die Freiheit der Meinungsäußerung fasse. Sogar der Spielraum für Satire werde immer enger. Nicht weniger bedenklich seien mediale Aktivitäten staatlicher Stellen und intransparente Formen einer Kooperation von Staat und Medien, wie etwa im Fall des Rechercheportals »Correctiv«. Staatlich alimentierte NGOs seien ein Widerspruch in sich.

„1984“ ist nicht vorbei, sondern voll da
„Lügenverbot“ à la Wahrheitsministerium: Schwarz-Rot lässt Orwells Warnung Realität werden

Interview mit Christoph Degenhart
Wer Meinungsfreiheit für sich beansprucht, muss sich neuerdings rechtfertigen

 

Was hier an Einschränkungen stattfindet, geschieht im Einklang mit EU-Kommission und EU-Parlament: Seit Oktober 2023 arbeitet »Brüssel« »verstärkt« an einem »Verhaltenskodex gegen Hasssprache« (»hate speech«). Entwickelt sich die Kommission also zu einem neuen Orwellschen »Wahrheitsministerium«? Angeschoben wird die EU-Kommission hierbei auch vom EU-Parlament. Dieses hat am 18. Januar 2024 eine »Entschließung zur Erweiterung der Liste der EU-Straftatbestände« um »Hetze und Hasskriminalität« als Auftrag an die EU-Kommission verabschiedet.

Nun wird auf höchster politischer Ebene auch noch eine Klarnamenpflicht im Internet als wünschenswert herbeiphantasiert. Führende Politiker, darunter Stimmen aus der Union, fordern eine Klarnamenpflicht in sozialen Netzwerken, um Hassrede (Hate Speech) zu bekämpfen und die Anonymität im Netz zu beenden. Zum Beispiel gibt es Überlegungen, die Klarnamenpflicht mit einem digitalen ID-System zu verknüpfen. Es wäre dies aber ein großer Schritt zu noch mehr digitaler Überwachung. Kanzler Friedrich Merz (CDU) scheint hier mit von der Partei zu sein. „Wir stellen uns in der Politik auch mit Klarnamen und offenem Visier einer Auseinandersetzung in unserer Gesellschaft“, zitierte die „Tagesschau“ Merz. Mitte Februar forderte er auf dem CDU-Parteitag die Klarnamenpflicht in den sozialen Netzwerken.

Nun die „Berliner Erklärung zur Meinungsfreiheit“ – eine überfällige Initiative

Mit der Berliner Erklärung zur Meinungsfreiheit wenden sich zahlreiche namhafte Wissenschaftler, Mediziner, Juristen und Publizisten gegen die zunehmende Einschränkung des freien öffentlichen Diskurses. Die Erstunterzeichner warnen vor einer kulturellen, medialen und rechtlich-institutionellen Erosion der Meinungsfreiheit – einem Grundpfeiler der freiheitlichen demokratischen Ordnung.

Die Erklärung kritisiert unter anderem die Verengung des Meinungsspektrums durch soziale Ächtung, staatlich geförderte Meldestrukturen, unscharfe Rechtsbegriffe wie „Hass und Hetze“ sowie eine zunehmende Vermischung von Politik, Wissenschaft und Aktivismus. Gleichzeitig formuliert sie konkrete Forderungen zur Stärkung der Meinungsfreiheit als Abwehrrecht gegenüber dem Staat.

Kernaussagen der Berliner Erklärung sind: „Meinungsfreiheit ist konstituierend für die freiheitliche demokratische Grundordnung. Der öffentliche Diskurs in Deutschland wird zunehmend eingeschränkt – kulturell wie institutionell. Unscharfe Begriffe, soziale Sanktionen und staatliche Diskurssteuerung führen zu Selbstzensur. Demokratie lebt von Dissens, nicht von vorgegebener Meinungskorridorpolitik. Der Staat muss sich aus der Meinungslenkung zurückziehen und Neutralität wahren.“

Die Initiatoren der „Berliner Erklärung“ fordern unter anderem: „Keine weiteren Verschärfungen meinungsrelevanter Strafnormen! Ende staatlicher Finanzierung von Meldestellen, NGOs und Faktencheck-Organisationen! Wiederherstellung pluraler Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk! Klare Trennung von Politik und Wissenschaft! Ablehnung von Chatkontrolle, Digital Services Act in aktueller Form und „Trusted Flagger“-Systemen!“

Jeder kann nach der Veröffentlichung die Berliner Erklärung hier unterzeichnen. Hier geht es direkt zum Dokument Hier das Komitee von Bündnis Redefreiheit.

Der Autor gehört zu den Erstunterzeichnern der Initiative. 

Anzeige

8. April 2026

CSU-Hoffmann verplappert sich

Bei Lanz: Spritpreise werden offenbar mit Absicht hoch gehalten

Von
Gastautor

Der Iran-Krieg und die Folgen für die Region, die Welt, den deutschen Verbraucher, für die Preise an den Zapfsäulen und in den Supermärkten. Wenige Stunden vor Ablauf des Trump’schen Ultimatums an den Iran debattiert die Runde bei Lanz, was nun auf uns zukommt. „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen“, hatte Trump angekündigt. Um zwei Uhr in der vergangenen Nacht lief sein Ultimatum aus.

Politologe Peter Neumann sieht Trump mit dem Rücken an der Wand. Er habe schon so oft etwas angedroht und dann zurückgezogen, dass er irgendwann unglaubwürdig werde. Daher sei Trump in der Zwangslage, nun mit einem weiteren, extremen Militärschlag gegen den Iran vorgehen zu müssen, um zumindest seinen Ruf zu bewahren. Auch die Iran-Forscherin Diba Mirzaei, selbst gebürtige Iranerin, ahnt Böses: „Hier wird nicht die Islamische Republik angegriffen, hier werden wir angegriffen“, sagt sie unter Bezug auf ihr Geburtsland.

Feuerpause für Friedensschluss
Zweiwöchiger Waffenstillstand bei offener Hormus-Straße

Nur CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann hat Mühe, sich klar zu äußern. Viermal muss ihn Lanz fragen, wie Trumps Drohungen einzuordnen seien. Ob er damit nun eigentlich offen ein Kriegsverbrechen ankündige. Aus Hoffmann ist nichts rauszukriegen. Sein Vertrauen in die USA und Israel scheint grenzenlos zu sein: „Ich gehe fest davon aus, dass sie sich ans Völkerrecht halten“, sagt er immer wieder. Dabei hatte Trump doch noch zu Beginn des Krieges betont, er wolle das iranische Volk befreien, wie Neumann erinnert, und es nicht pauschal und allumfassend „in die Steinzeit“ bomben, wie er jetzt droht.

„Schon die Ankündigung der Auslöschung ist ein Verstoß gegen das Kriegsrecht“, sagt auch Elmar Theveßen, der aus Washington zugeschaltet ist. Trumps Drohungen seien ein Bruch der Genfer Konvention und darüber hinaus „ein schwerer Bruch des amerikanischen Militärrechts“, sagt der umstrittene ZDF-Korrespondent, der wegen seiner Lügen über Charlie Kirk schon einmal kurz vor dem Verlust seines US-Visums stand, aber mit einer öffentlichen Entschuldigung gerade noch die Kurve bekam.

Lanz lässt den US-Starjournalisten Tucker Carlson einspielen, der als Trump- und MAGA-Freund galt und in jüngster Zeit deutlich auf Abstand zum US-Präsidenten gegangen ist. Trumps Drohungen seien „nichts anderes als ein Kriegsverbrechen“, sagt Carlson.

„Warum ist deutsche Politik nicht in der Lage zu solcher Klarheit?“, fragt Lanz den CSU-Mann Hoffmann. Aber wenn er klare Antworten haben wollte, hätte er eben jemand anderes einladen müssen. Hoffmann ist der Inbegriff des farblosen Apparatschiks, der unangenehme Themen und klare Stellungnahmen meidet wie der Teufel das Weihwasser, die Baerbock den Duden, der Habeck die Zahlen.

Dokumentation
Zwei Sichtweisen auf den Golfkrieg außerhalb der linken, westlichen Standardbetrachtung

Noch dazu hat der transatlantische Nachplapperer kaum irgendeine tiefgehende Expertise. Auch heute wiederholt er stumpf das alte Gerücht, das sogar die US-Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard längst ausgeräumt hat: Der Iran habe kurz davor gestanden, eine Atombombe fertigzustellen, sagt Hoffmann. Das lasse ihn nicht ruhig schlafen. Damit zumindest könnte er Recht haben. Müde und blutleer wirkt er auf jeden Fall.

„Dieser gesamte Krieg ist völkerrechtswidrig. Was ist so schwierig, das zu benennen?“, fragt auch die Iranerin Mirzaei noch einmal. Doch Hoffmann bleibt bei seiner Litanei. Der Iran sei schon immer „der weltweit größte Finanzier des Terrorismus“ gewesen, die Bombe kurz vor fertig, der Krieg daher sinnvoll. Und Trump werde sich schon ganz bestimmt an das Völkerrecht halten.

Die Lage am Golf könnte sich dramatisch zuspitzen. Die USA würden „gerade krass an ihre Bestände“ gehen, berichtet Welt-Korrespondent Ibrahim Naber. Während die Raketen der Amerikaner offenbar knapp würden, habe der Iran noch genügend Munition für mehrere Wochen, sagt auch Neumann. Theveßen spricht von Hinweisen, dass Russland und China die Iraner mit Aufklärungsdaten und Waffensystemen unterstützen würden. China fühle sich als „Gewinner dieser Situation, weil wir so aussehen wie der Stabilitätsanker der Welt“, erklärt Neumann, während „die USA gerade diese Weltordnung kaputtmachen“.

Westeuropa allein zuhaus‘
Frieden am Golf durch Trump und Xi möglich – ohne UN, EU und NATO

„Wie sagen wir den Deutschen, was auf sie zukommt?“, fragt Lanz, doch Hoffmann flüchtet sich in Floskeln: Man dürfe „keine Schwarzmalerei betreiben“. Immerhin, auch ihm ist klar: „Das kommt ja irgendwann bei den Menschen im Nudelregal an.“ Er lobt die Regierung für das vermeintliche Durchgreifen bei den Benzinpreisen: „Wir haben in Rekordzeit jetzt dieses erste Spritpreispaket gebracht.“ Dass dies nicht nur nichts gebracht, sondern im Gegenteil die Preise noch weiter nach oben getrieben hat, ist ihm offenbar egal. Lanz versucht vergeblich, den Bajuwaren zu stellen und bleibt am Ende ratlos zurück: „Ich habe da ein kognitives Dissonanzproblem.“

Was er nicht versteht: Möglicherweise sitzt hier ja gar kein CSU-Politiker, sondern nur irgendein Privatmann aus Franken, der natürlich nichts weiß und deshalb natürlich auch nichts sagt. Kennt man ja von Lanz. Das hat sich der Moderator selbst zuzuschreiben, nachdem er den desaströsen Auftritt des norddeutschen „Privatmanns“ Daniel Günther im Nachhinein auf so absurde Weise zu rechtfertigen versuchte.

Bei den Spritpreisen allerdings verplappert sich Hoffmann dann doch. Er kann einfach nicht verbergen, dass ihm die Preisexplosion an den Tankstellen nicht nur egal ist, sondern dass er sie sogar befürwortet.

„Haben Sie das Gefühl, da macht sich jemand die Taschen voll?“, fragt Lanz. „Ja aber selbstverständlich“, antwortet Hoffmann, nur um dann zu erklären, dass in der Regierung offenbar niemand mit der neuen Regelung eine Senkung der Preise bezweckt habe. „Es war nicht damit zu rechnen, dass sich vom 1. auf den 2. April die Situation signifikant ändert“, gesteht er freimütig. Und mehr noch. Deutschland sei für die Mineralölkonzerne der lukrativste Markt. Denn hier würden schließlich die höchsten Preise gezahlt, deshalb sei die Versorgung gesichert. Gleichzeitig aber müsste der Kraftstoff „für die Menschen bezahlbar“ bleiben. Wie dieser Widerspruch aufzulösen ist, erklärt er nicht, spricht nur von „anderen Instrumenten“ und „abfedern“ und dem „Geldbeutel der Menschen“. „Das wird immer genau dieses Spannungsverhältnis sein“, sagt er.

Lanz hat es jetzt endgültig mit der kognitiven Dissonanz. Er fasst zusammen: „Wir werden für enorm viel mehr Geld Benzin und Diesel einkaufen müssen, und Sie versprechen gleichzeitig, dafür zu sorgen, dass die Deutschen nicht mehr Geld für Benzin und Diesel ausgeben.“ Hoffmann: „Ich würde jetzt nicht das Worst-Case-Szenario an die Wand malen.“

Im Hintergrund prangt ein einsames Tankstellen-Schild. Diesel bei 2,50 Euro pro Liter. Was genau meint der Mann mit Worst-Case-Szenario? Oder haben wir uns verhört? Ging es um das Wurst-Case-Szenario am After-Show-Buffet? Alles ist möglich bei Leugner-Lanz.

Anzeige

8. April 2026

Nach massiver Kritik

Doch nicht so gemeint: Rückzieher von Pistorius bei Wehrdienst-Gesetz

Von
Richard Schmitt

Eine entsprechende Regelung im reformierten Wehrdienstgesetz werde vorerst nicht angewendet, solange der Wehrdienst in Deutschland auf Freiwilligkeit basiert. Zuvor hatte eine Passage im neuen Gesetz für einen bundesweiten Protest gesorgt: Demnach sollten längere Auslandsaufenthalte von mehr als drei Monaten grundsätzlich genehmigungspflichtig sein.

Damit wurden Einschränkungen der persönlichen Freiheit und eine schleichende Rückkehr zur Wehrpflicht befürchtet. Das Ministerium betonte nun jedoch, dass diese Regelung ausschließlich für den sogenannten „Spannungs- oder Verteidigungsfall“ vorgesehen sei – also für eine Situation, in der in Deutschland der Wehrdienst ohnehin verpflichtend wird.

Nach Angaben aus Regierungskreisen handelt es sich dabei um eine Vorsorgemaßnahme, die sicherstellen soll, dass im Ernstfall bekannt ist, wo sich potenzielle Wehrpflichtige aufhalten, berichtet dazu die WELT. Solche Regelungen sind laut Sicherheitsexperten auch in anderen europäischen Staaten üblich, insbesondere vor dem Hintergrund der angespannten sicherheitspolitischen Lage in Europa.

Verteidigungsminister Boris Pistorius musste nun klarstellen, dass sich aktuell „für keinen Mann etwas ändert“: Reisen ins Ausland – auch für längere Zeit – seien weiterhin ohne Genehmigung möglich. Dies gelte unabhängig vom Alter innerhalb der betroffenen Gruppe. Ziel sei es, unnötige Bürokratie zu vermeiden, da entsprechende Anträge ohnehin routinemäßig genehmigt worden wären.

Die Bundesregierung setze mit der Reform des Wehrdienstes bewusst auf Freiwilligkeit: Seit der Neugestaltung werden alle 18-jährigen Männer angeschrieben und zu ihrer Bereitschaft für einen Dienst in der Bundeswehr befragt. Frauen erhalten ebenfalls ein Informationsschreiben, sind jedoch nicht verpflichtet zu antworten. Dieses Modell orientiert sich an Empfehlungen sicherheitspolitischer Analysen und soll die Attraktivität des Dienstes erhöhen, anstatt auf Zwang zu setzen.

Für Ausbauplan fehlen der Bundeswehr die Soldaten

Hintergrund der Reform sei die veränderte Sicherheitslage in Europa, insbesondere durch den anhaltenden Krieg Russlands gegen die Ukraine. Laut Einschätzungen von NATO-Vertretern und unabhängigen Forschungsinstituten wächst in vielen Ländern der Bedarf, militärische Strukturen zu stärken und Personalreserven auszubauen. So hat die Bundeswehr aktuell 182.600 aktive Soldaten – bis 2030 soll der Personalstand auf 260.000 aufgebaut werden. Allerdings wurde schon das bisherige Ziel des Personalaufbaus (203.000 Soldaten) nie erreicht.

Mit der jetzigen Klarstellung reagiert das Verteidigungsministerium auf die öffentliche Kritik. Die Botschaft ist eindeutig: Solange der Wehrdienst freiwillig bleibt, müssen Männer in Deutschland keine Einschränkungen bei Auslandsreisen befürchten. Eine Entschuldigung für die Verunsicherung tausender junger Männer blieb bisher jedoch aus.

Anzeige

8. April 2026

Westeuropa allein zuhaus'

Frieden am Golf durch Trump und Xi möglich – ohne UN, EU und NATO

Von
Fritz Goergen

On behalf of the United States of America, as President, and also representing the Countries of the Middle East, it is an Honor to have this Longterm problem close to resolution. – Im Namen der Vereinigten Staaten und für die Länder des Mittleren Ostens ist es mir eine Ehre, dieses langfristige Problem einer Lösung nahe zu sehen.

Ob der zweiwöchige Waffenstillstand greift, hängt davon ab, wie zuverlässig das Terror-Regime die Hormus-Straße offen hält. Zu dieser Möglichkeit ist es vor allem aus zwei Gründen gekommen. Erstens ist China das Hemd seines ungestörten Öl-Zuflusses aus dem Golf wichtiger als die Hose IGRC-Iran als Instrument gegen America. Zweitens liegen die Epigonen des Mullah-Regimes in Machtkämpfen, in Teheran untergraben ständige „Jagden nach Abschussrampen“ und Sabotageakte im Untergrund die militärische Moral des IGRC-Regimes, das nicht mehr 90 ballistische Raketen täglich auf Israel feuern kann, sondern zuletzt 10. Die Frage ist nicht mehr, ob das Regime fällt, sondern wie. Die Hoffnungen des woken Westens, Trump loszuwerden, verstellen ihm den Blick dafür, wie weit fortgeschritten die Neuordnung der Welt bereits ist – und wie sein Wolkenkuckucksheim von der „regelbasierten“ und multipolaren Welt in Trümmer fällt.

Einen schnellen Wechsel zu einer vernünftigen und handlungsfähigen Regierung in Teheran macht schwer, dass die Teile des IGRC-Regimes, die dem Waffenstillstand zustimmen, nicht für das ganze IGRC-Geflecht sprechen, das Ayatollah Chomeini bewusst dezentral konstruiert hat. Die kommenden Wochen und Monate werden das immer klarer zeigen. Aber der Prozess ist unumkehrbar im Gange.

Wie es im Mittleren und Nahen Osten weitergeht, wird TE noch lange beschäftigen. Zuschauern kann nur empfohlen werden, sich von den alten woken Mustern nicht den offenen Blick verstellen zu lassen.

Wirtschafts-Reiche scheint in einem Gastbeitrag für die FAZ einen Kurswechsel in der Energiepolitik und Schluss der Selbsttäuschung zu fordern. Dem verbreiteten Glauben, Wind- und Solarenergie könnten das Problem kurzfristig lösen, hält Reiche nüchterne Zahlen entgegen: Deutschlands Energiebedarf liege bei rund 2.900 Terawattstunden für Strom, Wärme, Mobilität und Industrie. „Erneuerbare“ deckten 2025 daran aber nur knapp ein Fünftel. Beim Strom sei ihr Anteil zwar hoch, für das gesamte Energiesystem reiche das jedoch bei weitem nicht. Besonders scharf kritisiert Reiche die Kosten der bisherigen Politik. EEG, Netzreserve, Redispatch, Kapazitätsvorhaltung und andere staatliche Subventionen summierten sich bereits heute auf mehr als 36 Milliarden Euro jährlich. Fast drei Milliarden Euro würden allein dafür gezahlt, dass Windräder und Solaranlagen abgeregelt werden, weil die Netze den Strom nicht aufnehmen können. Eine Energiewende, die diese Systemkosten ignoriere, werde das Land ruinieren. Am Ausbauziel von 80 Prozent an sogenanntem „erneuerbaren Strom“ bis 2030 hält Reiche fest. Künftig müsse aber gelten: Wer in überlasteten Netzgebieten neue Anlagen anschließen will, müsse mehr selbst finanzieren. Strom, der wegen Netzengpässen nicht genutzt werden kann, dürfe nicht länger von allen bezahlt werden. Und Deutschland müsse auf absehbare Zeit weiterhin für Wärme, Industrie und als Reserve für die Stromversorgung Gas einsetzen. Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz müssten endlich wieder zusammen gedacht werden. – Tja, Frau Reiche, das ist die Echternacher Springpression frei nach Merz. Das wird nix.

Auch kein Licht in Sicht ist im maroden Gesundheitssystem wie im Sozialstaat insgesamt. Die Dinge im Orient dürften früher in Ordnung kommen als die politisch runinierte BRD.

Aber die Neuordnung der Weltwirtschaft kann selbst die Dinge hierzulande zum Besseren bewegen. Ob diese Pfingsten die Classe Politique erleuchten?

Anzeige

7. April 2026

Münchner Tatort verliert Urgesteine

Münchner Tatort: Bye Bye, ihr Boomer-Bullen

Von
Emil Kohleofen

Die Auszeichnung mit einer Tatort-Doppelfolge erhalten nur wenige Krimi-Kommissare, ein Zeichen ehrlicher Trauer, mit der die ARD Batic und Leitmayr an diesem Osterwochenende in den Ruhestand entlassen hat. Nicht nur erhielten die beiden Münchner Alpha-Bullen ihre Ruhestandsurkunden im Film aus den Händen einer leibhaftigen Staatssekretärin (Dr. Susanne Reuther, gespielt von Stefanie Stappenbeck) „in Schmuckausgabe“, die Schauspieler wurden zuvor auch vom Bayerischen Innenminister Herrmann und Landtagspräsidentin Ilse Aigner samt Urkunde und Gruppenbild verabschiedet.

Kleider mache Leute, Charismatisches Auftreten den Ermittler

Schauspielerisch, so klingt es unisono, sind die Beiden, nach 35 Jahren und 100 gemeinsam bearbeiteten Fällen „ a Woidmachd“. So richtig zum Kern des Erfolgs wollen die zahlreichen wohlmeinenden Kommentare aber nicht vorstoßen; Da wird viel von Männerfreundschaft und den Kontrasten zwischen dem eher nüchternen, sachlichen Leitmayr und dem impulsiveren Batic gesprochen, in Worte wie „Silberrücken“ und „Bayerische Direktheit“ verpackt. In Wahrheit sehen wir den Abgang zweier Polizistenfiguren, wie sie sich viele Bürger immer gewünscht haben und die sie heute, gerade in den ARD-Kriminalfilmen, vermissen. Darin ähneln sie den Münsteranern Boerne und Thiel, mit Macken und Herz, darunter aber einem stählernen und unbestechlichen Duchsetzungswillen. Auch und selbst dann, wenn sie wie der Ivo Batic nun eine Lesebrille brauchen, um die Beweise zu sichten.

Die extra Dosis Selbstbehauptungswille

Bayern kann mit seiner Isarmetropole in den Bereichen Infrastruktur, Stadtbild und Leitkultur noch Trümpfe ausspielen, während andere Landeshauptstädte immer mehr abrutschen. Es spricht einfach für sich, wenn das Polizeipräsidium wie eine Festung aussieht und draussen die Dingolfinger PS-Boliden wie auf der Perlenkette gereiht losdüsen, beschienen von der Münchener Sonne, wo der Olympiaturm neben dem immer noch imposanten Zeltdach des Stadions von 1972 thront.

Slowenischer Arbeitgeber des Mordopfers klagt „Wie konnte das an einem so sicheren Ort passieren?“

Während für andere „Tatort“-Episoden, sofern es überhaupt noch eine Rolle spielt, extra Mundartliche Töne eingekauft und platziert werden müssen, verteilt die Regie (Sven Bohse) sie in dieser Jubiläumsepisode des Münchner Tatorts „Unvergänglich“ mit vollen Händen. Die Gerichtsmedizinerin Dr. Roswitha Schwarzfischer wird von der Bayerischen Kabarettistin Eva Karl Faltermeier gespielt, die die beiden Kommissare am Fundort des aktuellen Mordopfers Micaela Horvat (Cecilia Diesch) in breitem echten Münchnerisch und der typischen Betitelung „ihr Burschen“ empfängt. Der Ivo Batic weiss, auf welchen Tag im Januar die „Heiligen Drei Könige“ fallen und trotzdem darf sich auch mal ein herzhaftes „Zefix!“ (typischer Bayerischer Fluch unter Anrufung des Kreuzes, Anm.) einschleichen, ebenso wie der schöne Begriff „Brunzen“, der eine strahlförmige Entleerung beschreibt.

Fast scheint es, als ob man den Franz, (Udo Wachtveitl) den Kalli (Ferdinand Hofer), den Ivo, (Miroslav Nemec) und den Ritschy (Stefan Betz) in der Nachbarschaft von Meister Eders Schreinerei beim Ermitteln zusieht, so sehr bedient sich der Tatort der Münchner Mehrfamilienhaus-Idylle als Bühnenbild (Szenenbild, Franziska Ganzer, Kamera Michael Schreitel) während dem landestypischen Backwerk Brezel gleich zwei Auftritte gegönnt werden. Hier bietet noch die aufmerksame Nachbarin Frau Breitlinger (Johanna Bittenbinder), die sich über den ganzen Trubel im Haus und dieses andauernde „Englisch Englisch Englisch“ beschwert, bei der Befragung höflich einen Eierlikör an.

Der Clou

Weil in dieser Idylle immer mehr Wohnungen beim Internet-Kurzzeitvermietdienst „Web and breakfast“ angeboten werden, kann sich dort ein fieser nichtsesshafter Ex-Angestellter der Münchner Versorgungsbetriebe (Mike Werner, gespielt von Daniel Noël Fleischmann) zusammen mit seiner Pflegefamilienschwester (Kara Roth, gespielt von Lara Feith) einnisten. Da er eine riesige Menge Schlüssel des Vermietdienstes kopiert hat (Ähnlich: letzter Polizeiruf 110 Halle), nutzt er die im Netz einsehbaren unbelegten Zeiten einfach, um mit ihr dort umsonst zu wohnen. Bevor er sich, von Batic und Leitmayr in die Enge getrieben vom Dach stürzt, gesteht er noch, Micaela Horvat erschossen zu haben. Batic und Leitmayr können sich nun beruhigt in den Ruhestand verabschieden…oder doch nicht?

Weil es so schön war: Teil 2

Ohne Dienstausweis und Waffe

Wenn der Mike nicht seine Kara mit einer Selbstbezichtigung und seinem Selbstmord hätte retten wollen, wäre die Geschichte schon früher vorbei und aufgeklärt gewesen. Aber um den unbändigen Willen der beiden nun im Ruhestand befindlichen Polizisten noch ein letztes Mal unter Beweis zu stellen, entlässt sie das Drehbuch (Johanna Thalmann, Moritz Binder) schutzlos in den Grossstadtdschungel.

Kara, abhängig von der Droge Captagon und dringend Therapiebedürftig, ruft den im Unruhestand befindlichen Leitmayr an, und verspricht, ihm nun die Wahrheit zu gestehen. Es entspinnt sich ein Katz – und Mäuse-Jagd durch München und Umgebung, bei der die beiden Ex-Kommissare feststellen müssen, wie hilflos man über 60 ohne Dienstpistole angesichts des Organisierten Verbrechens sein kann. Wäre da nicht der alte Kollege Carlo Menzinger (Michael Fitz) plötzlich als V-Mann des BKA aufgetaucht, hätten die tätowierten Drogenhändler einer Slowenisch-Ost-Westeuropäischen Bande sie wohl beide endgültig in den Ruhestand versetzt. Die Verbrecher handeln in München unter dem Deckmantel einer grossen Waschanlagenkette (Zitat: „Nicht nur die Italiener waschen Geld“) mit Captagon.

Sag zum Abschied leise „Servus“

Nachdem Dunkelmann Stefan Mathes (Erik Markus Schuetz) ein paar Zeugen aus dem Weg geräumt hat, lauert er den beiden Polizisten und Kara in einem stillgelegten Kraftwerk auf und es kommt zum High Noon, in dem Leitmayr angeschossen wird. In höchster Not entkommen die Beiden Dank eines selbstmörderischen weil unbewaffneten Sturmangriffs von Ivo sowie einem finalen Rettungsschuss von Kalli Hammermann, der genauso plötzlich auftauchte wie vorher der Carlo.

Mit Dackel „Luki“ (aus der Folge „Hackl“ 2023) sieht man die Pensionäre entspannt an der Kroatischen Küste wieder, wo sie eine mögliche Rückkehr als Privatdetektive erwägen, den Entwurf einer Visitenkarte gibt es schon. Aber wie es Udo Wachtveitl auf die Frage der „Hör zu“: „Wie ist das bei Ihnen – ist eine Rückkehr wirklich ausgeschlossen?“ antwortete: „Davon würde ich jeder Redaktion dringend abraten.“

Anzeige

7. April 2026

Das Siedlungsgebiet wird abgelehnt

Clan-Randale zu Ostern: Wenn Großfamilien den Rechtsstaat herausfordern

Von
Matthias Nikolaidis

So lässt sich auch Ostern feiern. In der Nacht zum Montag hatten sich 120 Angehörige des örtlich bekannten Goman-Clans in einer Shisha-Bar in Leverkusen-Opladen versammelt, um zusammen zu feiern. Aber die Feier eskalierte rasch, und das in mehrere Richtungen: Erst kamen Beschwerden der Anwohner über die Lärmbelästigung. Als die Polizei dann gegen elf Uhr abends zum zweiten Mal in die Shisha-Bar in der Uhlandstraße ausrücken musste und die Feier beenden wollte, gab es Gegenwehr gegen die Kräfte. Flaschen, Gläser und Stühle, auch die Fäuste flogen in Richtung der Beamten. Drei von ihnen mussten medizinisch versorgt werden, zwei davon im Krankenhaus.

Anscheinend hatten die Clan-Mitglieder aber auch untereinander Streit. Am Ende waren 150 Polizisten in 50 Einsatzfahrzeugen – teils aus Köln kommend – nötig, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Der Einsatzbereich wurde mit Flatterband abgesperrt. Drei Männer, teils blutverschmiert, wurden mit Handschellen arretiert. Zwei junge Frauen (17 und 35 Jahre) und ein 26-Jähriger wurden vorübergehend auf die Wache gebracht. Die Personalien von 40 Personen wurden aufgenommen. Letztlich blieb es bei einer wirklichen Festnahme: Ein 25-Jähriger soll dem Haftrichter vorgeführt werden. Um halb sieben am Ostermontagsmorgen war der Einsatz zu Ende.

Und wer sich nun über die Verbindung Clans und Ostern wundert: Die Goman-Familie stammt ursprünglich aus Polen und hat einen Roma-Hintergrund als fahrendes Volk. Die Familienmitglieder reisten wohl in den 50er-Jahren über Ostdeutschland in den Westen aus und wurden später vor allem in Leverkusen sesshaft. Clanchef und innerfamiliärer Friedensrichter war lange Zeit Adam Goman, der um 1980 auch als Schlagersänger „Andy Morro“ auftrat und 2021 starb. Seitdem gilt Michael Goman, alias „Don Mikkel“, als Familienoberhaupt. 2019 wurde er wegen Betrugs in 21 Fällen zu acht Jahren Haft verurteilt, offenbar hat er sich für Dienstleistungen bezahlen lassen, die er nicht erbrachte. Das soll eines der kriminellen Geschäftsmodelle der Familie sein. Vor allem in Ostdeutschland bieten sie demnach Haus- und Gartenarbeiten an.

Daneben befasst sich der Clan mit Geldwäsche, Ladendiebstählen, der Inverkehrbringung von Falschgeld und besonders prominent mit sogenannten Schockanrufen, durch die hilflosen Rentnern Geld aus der Tasche gezogen werden soll. Auch das Erschleichen von Leistungen gehört zum Bild.

Allein in NRW sind 118 kriminelle Clans bekannt

Der Goman-Clan fehlt derweil in der „brandneuen“ Statistik, die die Bundesregierung in diesem Januar vorlegte – gestützt auf Zahlen aus dem Jahr 2024 und eigentlich nur widerwillig, weil die AfD-Fraktion danach gefragt hatte. In Folge dieser Antwort wird nun kolportiert – etwa im Focus und bei Nius –, dass es in Deutschland nur 36 kriminelle Clans gebe, was aber nicht stimmen kann. Allein in NRW sind laut Innenminister Herbert Reul 118 kriminelle Familienclans bekannt.

Wieviele Mitglieder die von ihr genannten Clans haben, weiß die Bundesregierung nicht, auch nicht, wie oft dieselben mit der Polizei zusammenstoßen, wie häufig sie Zeugen oder Richter bedrohen, nicht, wie viele Waffen die Clanmitglieder besitzen, und nicht, wie viele von ihnen ausreisepflichtig sind. Diese versammelte Liste des Unwissens zeigt, wie sehr der angeblich geführte Kampf gegen die Clankriminalität noch in den Kinderschuhen steckt. Geschätzt wird eine Zahl von 500.000 Clan-Mitgliedern. Diese Zahl stammt aber nicht von der Bundesregierung.

Und während Grüne und andere Linke den Begriff gern ganz abschaffen wollen, beharrt das Innenministerium darauf: „Ein Clan ist eine informelle soziale Organisation, die durch ein gemeinsames Abstammungsverständnis ihrer Angehörigen bestimmt ist. Die Clanzugehörigkeit stellt dabei eine verbindende, die Tatbegehung fördernde oder die Aufklärung der Tat hindernde Komponente dar, wobei die eigenen Normen und Werte über die in Deutschland geltende Rechtsordnung gestellt werden können.“ Können, und oft auch werden: Clankriminelle lehnen den deutschen Staat offen ab, was im übrigen auch jeder einzelne Krankenhaus-Auflauf zeigt.

Oft im Wach- und Sicherheitsdienst tätig

Nach der, wie gesagt, eng umgrenzten Zählung der Bundesregierung sind 13 Clans arabischstämmig, elf gehören zur Gruppe der Mhallamiye (einer arabisch-sprechende Volksgruppe, die meist aus der Türkei, dem Libanon oder aus Syrien nach Deutschland kam). Neun Clans haben rein türkische Wurzeln, zwei sind kurdisch geprägt, ein Clan stammt vom West-Balkan. Die Zahlen stammen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Frage der AfD-Fraktion.

Die Roma-Gomans aus Polen fehlen, weil die AfD-Fraktion nicht ausdrücklich nach Clans aus Polen fragte. In NRW dominieren noch immer die Clans aus dem türkisch-arabischen Milieu. Es gab zuletzt angeblich weniger Straftaten und „Tumulte“ (Innenminister Reul), dafür aber mehr Verdächtige, die registriert wurden. Die Datengrundlage dürfte leicht zu manipulieren sein bei einem derart volatilen Objekt. Denn Clankriminalität ist kein klar umrissener Bereich wie die Organisierte Kriminalität. Die Kriminalität der Clans setzt sich aus vielen verschiedenen Straftaten zusammen, die vor allem durch die prinzipielle Weigerung ganzer Familienverbände, die staatliche Autorität anzuerkennen, brisant werden. Massenschlägereien mit Gewalt gegen die Ordnungskräfte sind nur das äußere Zeichen dieser Einstellung.

In Leverkusen war zuletzt der arabische Al-Zein-Clan aufgefallen, dem nach jahrelangem Tauziehen endlich die Villa in Rheinnähe entzogen werden konnte. Trotz der fürstlichen Residenz bezogen viele Familienmitglieder staatliche Unterstützung. Auch die Goman-Großfamilie besitzt eine Villa, vor der lange Luxuswagen standen. Einige davon wurden 2018 bei einer Razzia beschlagnahmt.

In Bielefeld ist ein Clan mit türkisch-jesidischer Herkunft (aktiv vor allem im Drogenhandel) von Interesse. In Gütersloh steht derzeit ein Clan wegen Betrugs und Hehlerei mit Miele-Geräten vor Gericht. In Hagen und Umgebung geht es oft um den arabisch-kurdischen Omeirat-Clan, dem man mit Razzien zuleiberückt.

Man muss die Liste noch verlängern. In Berlin, aber auch anderswo, gibt es inzwischen laut Berichten neben arabische Clans auch afrikanische Banden und eine Tschetschenen-Mafia, die sich derzeit ein Stück vom großen Kuchen sichern will. Die Gewalt zwischen den Gruppen eskaliert oft in lauen Sommernächten. Dabei können dann auch unbeteiligte Passanten leicht in die Schusslinie geraten. Faustrecht statt Recht des Staates. Da ist es besonders alarmierend, dass Clanmitglieder oft in der Wach- und Sicherheitsbranche tätig sind.

Mehr als eine Gefahr: Das Messer in der Tasche und die Beweislastumkehr

Clan-Experte und Islamwissenschaftler Ralph Ghadban meint: „Clan-Kriminalität ist kein reines Polizeiproblem, sondern in erster Linie ein Integrationsproblem.“ Man kann auch schlicht vom Problem Zuwanderung sprechen, wo die Zugewanderten offensichtlich gar keine Integration wünschen. Es zeigt sich: Das Reden über Clankriminalität ist nur der Tarnbegriff der Unionsparteien, um ihre Hauptmitschuld an der illegalen Migration zu bemänteln.

Gefährlich kann das Phänomen indes auch für die Rechtsordnung insgesamt werden. In NRW wollen CDU und Grüne die Beweislastumkehr einführen, weil man der Clans angeblich anders nicht Herr wird: „Wer über nennenswerte Vermögenswerte verfügt, aber keine legale Herkunft plausibel darlegen kann, muss mit deren Einziehung rechnen“, lautet der Antragstext der beiden Regierungskoalitionen laut Kölner Stadt-Anzeiger. Diese Regelung müsste offenbar am Ende für alle Bürger gelten. Sie wäre ein Schritt weiter zum gläsernen Bürger.

Zuletzt hat die Kriminalität von Syrern stark zugenommen, insbesondere bei den Rohheitsdelikten wie Körperverletzung, Raub und Nötigung. Im NRW-Lagebild Clankriminalität 2024 stellen die Syrer bereits die zweitstärkste Gruppe. Zu beachten ist dabei, dass die Syrer grundsätzlich in „Clans“ oder „Stämmen“ organisiert sind. Aber kriminell werden sie auch mit Angehörigen anderer Nationalitäten. Innenminister Reul störte sich insonderheit am „Männlichkeitsgehabe“ der jungen Syrer, die abends „mit der Clique“ rausgehen und dabei das Messer „wie selbstverständlich in der Bauchtasche“ dabei haben. Langfristig könnte das Schwergewicht von den „Libanesen“ (in Wahrheit oft aus der Türkei stammende Araber) auf die Syrer übergehen.

Anzeige

7. April 2026

Blumen im Dorf fotografieren - Messerangriff

Breuberg in Hessen: Messerangriff auf Spaziergängerin – selbst das Dorf ist nicht mehr sicher

Von
Redaktion

Breuberg, Odenwaldkreis, knapp 8.000 Einwohner, fünf Stadtteile, ländlicher Charakter. Früher hätte genau das als Chiffre für Ruhe gegolten. Heute ist selbst dort eine Frau nicht sicher, wenn sie am Straßenrand anhält, um eine Blume zu fotografieren. Der Messeralltag frisst sich nicht mehr nur durch die Metropolen. Er sitzt längst auch im Dorf.

Eine 48 Jahre alte Frau geht am Ostersonntag mit drei Freundinnen in der Brunnenstraße spazieren, bleibt am Wegesrand stehen, um eine Blume zu fotografieren, und wird in diesem Moment von einem Mann mit einem Messer angegriffen. Die Frau wird so schwer verletzt, dass sie per Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden muss. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln wegen eines versuchten Tötungsdelikts.

Schon der Ablauf liest sich wie das Protokoll eines entgleisten Landes. Der Täter war zuvor mit dem Fahrrad an der Gruppe vorbeigefahren, näherte sich dann noch einmal zu Fuß und stach zu. Erst als die Begleiterinnen eingriffen, ließ er von der Frau ab und floh wieder mit dem Rad. Keine Beziehungstat, kein erkennbarer Streit, kein vorheriger Anlass. Eine Frau schaut auf eine Blume, und daraus wird binnen Sekunden ein Fall für die Mordermittler. Genau diese Beliebigkeit ist der eigentliche Schock.

Am Montagabend nahmen Ermittler einen 32 Jahre alten Tatverdächtigen widerstandslos fest. Bei der Durchsuchung wurde ein Fahrrad gefunden, das nach Angaben der Behörden mit der Tat in Verbindung stehen könnte. Die Staatsanwaltschaft geht inzwischen von versuchtem Mord aus. Als mögliches Motiv wird eine psychische Erkrankung des Mannes geprüft. Die Beziehung zwischen Opfer und Täter ist nach Angaben der Ermittler ausgeschlossen, das Motiv bleibt unklar.

Und wer jetzt noch so tut, als handle es sich um einen unbegreiflichen Einzelfall in der hessischen Provinz, verdrängt die Serie der gleichen Muster. Im Juni 2024 saß in Frankfurt am Main eine 41 Jahre alte Frau einfach auf einer Parkbank am Mainufer. Ein 19 Jahre alter Mann griff sie nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft unvermittelt von hinten mit einem Cuttermesser an, stach ihr in Kopf und Hals, stach weiter, nachdem sie gestürzt war, und ließ erst von ihr ab, als Zeugen herbeieilten. Der Verdächtige wurde kurz darauf festgenommen, gegen ihn wurde unter anderem wegen versuchten Mordes ermittelt; Motiv und Hintergründe blieben zunächst unklar.

Kopf- und Halsverletzungen
In Frankfurt auf der Fußball-Meile: Afghane sticht Frau nieder. Einfach so.
Das ist das Muster, das sich durch diese Taten frisst. Nicht der Streit eskaliert. Nicht der Konflikt läuft aus dem Ruder. Nicht einmal die falsche Zeit am falschen Ort erklärt noch etwas. Die Opfer sitzen auf einer Bank. Sie gehen spazieren. Sie halten an, um eine Blume zu fotografieren. Der öffentliche Raum wird nicht mehr nur dort unsicher, wo Politik und Medien ihn seit Jahren kleinreden wollen. Er wird auch dort brüchig, wo früher Dorf, Sonntag und Selbstverständlichkeit galten. Frankfurt war die Großstadt. Breuberg ist das Dorf. Die Botschaft ist dieselbe: Der Messeralarm hat das Land flächendeckend erreicht.

Dann folgt jedes Mal dasselbe Ritual der sprachlichen Betäubung. Unklar. Rätselhaft. Kein Motiv. Psychische Auffälligkeit. Laufende Ermittlungen. Alles formal richtig, alles bürokratisch sauber, alles geeignet, den Kern weichzuzeichnen. Aber der Kern ist brutal einfach. Menschen werden im öffentlichen Raum aus dem Nichts zu Opfern, und die Zahl solcher Fälle hat den Punkt längst überschritten, an dem man noch mit Einzelfallfolklore davonkommt. Wer eine Frau beim Blumenfoto niedersticht, zerstört nicht nur einen Menschen, sondern ein Stück Alltagssicherheit. Wer eine Frau auf einer Parkbank fast abschlachtet, greift nicht nur sie an, sondern das Vertrauen, sich überhaupt noch unbefangen im öffentlichen Raum bewegen zu können. Und so passiert es mittlerweile fast an jedem Tag in diesem Land. Nicht nur Angriff und Tötung untereinander, sondern Angriff mit Tötungsabsicht auf komplett Unbeteiligte.

Breuberg steht deshalb nicht bloß für eine entsetzliche Tat. Breuberg steht für das völlige Versagen eines Staates, der seine Bürger mit Verboten, Auflagen, Abgaben und moralischer Dauerbelehrung überzieht, aber die erste Pflicht des Gemeinwesens immer offener verfehlt: Sicherheit. Wer nicht einmal mehr garantieren kann, dass eine Frau auf dem Dorf eine Blume fotografiert oder in der Stadt auf einer Bank sitzt, ohne zum Messeropfer zu werden, hat sein elementarstes Versprechen gebrochen. Das ist der Fallbeil-Satz dieses Landes: Der Staat regiert bis ins Privateste hinein, aber beim Schutz des Lebens steht er immer öfter nur noch als Protokollführer am Tatort.

Anzeige

Kategorielinks

»Weiteres aus Daili|es|sentials
»Weiteres aus Feuilleton

Anzeige

Einblick-Abo

Einblick-Abo
Was ist Ihnen
Qualitätsjournalismus
wert?
Täglich schreiben unabhängige Journalisten und Gastautoren auf Tichys Einblick ihre Meinung zu den Fragen der Zeit. Zu jenen Fragen, die sonst oft all zu einseitig dargestellt oder unter den Teppich gekehrt werden.
Den Preis für unabhängigen Journalismus bestimmen Sie.

  • Meistgelesen
  • Neu
  • 24h
  • letzte Woche
  • letzter Monat
Dieses Merz-Video ist ein Dokument des Verfalls
Dieses Merz-Video ist ein Dokument des Verfalls
Kanzleramt verliert vor Gericht: Details zu hunderten Merz-Strafanzeigen müssen offengelegt werden
Kanzleramt verliert vor Gericht: Details zu hunderten Merz-Strafanzeigen müssen offengelegt werden
Trump rechnet mit Europa ab – NATO vor der Zerreißprobe – TE-Wecker am 9. April 2026
Trump rechnet mit Europa ab – NATO vor der Zerreißprobe – TE-Wecker am 9. April 2026
J.D. Vance: „Was für Müll“ aus der EU über Orbán
J.D. Vance: „Was für Müll“ aus der EU über Orbán
„Erhebungen“ im Dienst der Propaganda eines Zeitgeistes, dessen Ende begonnen hat
„Erhebungen“ im Dienst der Propaganda eines Zeitgeistes, dessen Ende begonnen hat
Polizist rechnet nach Völklingen-Urteil mit Gericht und Gutachten zum Täter ab
Polizist rechnet nach Völklingen-Urteil mit Gericht und Gutachten zum Täter ab
ICE-Attentäter bleibt namenlos: Behörden schützen 20-Jährigen vor der Öffentlichkeit
ICE-Attentäter bleibt namenlos: Behörden schützen 20-Jährigen vor der Öffentlichkeit
Neue Wehrpflicht-Regel: Staat greift unbemerkt in Ausreisefreiheit von Millionen Männern ein
Neue Wehrpflicht-Regel: Staat greift unbemerkt in Ausreisefreiheit von Millionen Männern ein
Post aus Hollywood: Bill Kaulitz lässt Berliner AfD-Kandidaten per Anwalt abmahnen
Post aus Hollywood: Bill Kaulitz lässt Berliner AfD-Kandidaten per Anwalt abmahnen
Dieses Merz-Video ist ein Dokument des Verfalls
Dieses Merz-Video ist ein Dokument des Verfalls
MEME: Meldestelle für Meldestellen
MEME: Meldestelle für Meldestellen
Noelia soll sterben: Assistierter Suizid für Vergewaltigungsopfer
Noelia soll sterben: Assistierter Suizid für Vergewaltigungsopfer
Friedrich Merz verweigert jede Reform. Er muss gehen
Friedrich Merz verweigert jede Reform. Er muss gehen
Polizist rechnet nach Völklingen-Urteil mit Gericht und Gutachten zum Täter ab
Polizist rechnet nach Völklingen-Urteil mit Gericht und Gutachten zum Täter ab
Wirtschaftskrise schlägt voll durch: Der finale Niedergang der Industrie
Wirtschaftskrise schlägt voll durch: Der finale Niedergang der Industrie
Erschöpfter Merz: Rechnen Sie nicht mit Entscheidungen – TE-Wecker am 10. April 2026
Erschöpfter Merz: Rechnen Sie nicht mit Entscheidungen – TE-Wecker am 10. April 2026
Paris: Dutzende Vorschullehrer wegen sexueller Gewalt suspendiert
Paris: Dutzende Vorschullehrer wegen sexueller Gewalt suspendiert
Österreich stellt die Gefährdung des „Ansehens der EU“ unter Strafe
Österreich stellt die Gefährdung des „Ansehens der EU“ unter Strafe
Rekordsteuereinnahmen – und trotzdem mehr Schulden
Rekordsteuereinnahmen – und trotzdem mehr Schulden
Langzeitstudie: Medizinische Transition senkt psychische Belastung bei Jugendlichen nicht
Langzeitstudie: Medizinische Transition senkt psychische Belastung bei Jugendlichen nicht
Weitere >>

VIDEO
» alle Videos
Interview mit Gerald Grosz
„1,6 Millionen Menschen nach Hause schicken“
Heilen statt Vernichten: Eine Revolution aus Deutschland
Die Energiekrise ist politisch gemacht: Deutschland hat genug Gas für 25 Jahre
Täter werden geschützt, Opfer vertuscht: Mutmaßliche Vergewaltigung in Berliner Jugendclub
„Milei hat die Chance, zustande zu bringen, wovon wir in Deutschland träumen“
Skip to content
  • Home
  • Kontakt
  • Unterstützung
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Datenschutzeinstellungen
  • Mediadaten Online

Copyright Tichys Einblick 2026