Buhrow: Der Beitrag des „unverzichtbaren“ ÖRR wird niemals sinken

Im Berliner Abgeordnetenhaus verteidigt ARD-Intendant Tom Buhrow die hochdotierten Rundfunk-Spitzenposten und steigende Gebühren. Kritik an der Vermischung von Kommentar und Meldung kontert Buhrow: die Zeitungen seien auch nicht besser.

IMAGO / Sven Simon

Ein bemerkenswerter Auftritt an einem bemerkenswerten Ort: Tom Buhrow stellt sich im Berliner Abgeordnetenhaus den Fragen der Abgeordneten. Könnte man jedenfalls meinen, glaubt man dem, was die öffentlich-rechtlichen Sender selbst über den vergangenen Mittwoch schreiben. Berlin steht für den RBB, steht für den größten Nachkriegsskandal des deutschen Zwangsgebührenfernsehens. Man hätte erwarten können, dass Buhrow sich dessen bewusst ist.

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Doch dem ARD-Chef fehlt jede Sensibilität dafür. Stattdessen bestätigt er das Ressentiment der völligen Abkopplung der ÖRR-Journalisten von jedweder Realität. Keine Demut, keine Aufarbeitung, keine Konsequenzen – wir leben im besten Deutschland aller Zeiten mit dem besten öffentlich-rechtlichen Rundfunk aller Zeiten. Das könnte das Fazit eines unfassbaren Auftritts sein – wenige Monate nach dem Schlesinger-Sturz.

Nicht nur Buhrow selbst betreibt dieses „Framing“ aus dem ÖRR-Handbuch. Ein Leser der RBB-Webseite wird mit beispielhaften Falschmeldungen gefüttert. Dort prangt die Schlagzeile: „Buhrow steht Begrenzung der Spitzengehälter offen gegenüber.“ Das ist irreführend. Offenbar setzt man auf die alte Internetweisheit, dass nur Schlagzeilen gelesen, geliked und geteilt werden.

In Wirklichkeit hat Buhrow nur davon gesprochen, dass ein solches Ansinnen legitim sei – und den Ball zurückgespielt. Er erinnerte an Staatsverträge und Mediengesetze. Und setzte dann drauf: Bei einer Anhörung im Landtag von Sachsen-Anhalt habe der dortige Rechnungshofpräsident dargelegt, um wie viel der Rundfunkbeitrag sinken würden, wenn die Intendanten von ARD, ZDF und Deutschlandradio komplett abgeschafft würden. „Null. Es ist noch nicht einmal ein Cent“, sei die Antwort des Rechnungshofpräsidenten gewesen

Das steht wortwörtlich so im RBB-Beitrag. Es ist das genaue Gegenteil der Überschrift. In Wirklichkeit hat Buhrow gesagt, dass die paar Millionen den Kohl nicht fettmachen, weil über den Rundfunkbetrag so üppig abgesahnt wird, dass es gar keine Rolle mehr spielt. Und dass man so viel bekommt, dafür sei die Politik in erster Linie verantwortlich – nicht er. Aber durch Simplifizierung und Manipulation ist der gewöhnliche ÖRR-Zuschauer womöglich zur Analyse des eigentlichen Vorgangs nicht mehr fähig. Ansonsten könnte sich Buhrow eine solche Chuzpe gar nicht leisten.

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Die Spitzengehälter sind nicht das einzige Thema des Tages. Auch die Gebührenfrage steht auf dem Programm. Quintessenz: die Beiträge würden niemals sinken. Gut, dass hat Buhrow so nicht gesagt. Das Zitat war: „Es wird niemals dazu kommen, dass der Beitrag nicht mehr steigt.“ Das bedeutet zwar dasselbe, ist aber so formuliert, dass man sich weniger dran stößt. Einer der Gründe sei die steigende Inflation. Was nichts anderes ist als die Ankündigung einer kontinuierlichen Gebührenerhöhung bis ans Ende aller Zeiten.

Wieder ist es die Politik schuld: die Bundesländer sollten weniger Leistungen bestellen. Offenbar regiert in den Redaktionen tatsächlich die Devise: Verbietet uns den Konsum! Beschneidet uns! Macht uns das Leben so schwer, dass wir uns umgewöhnen müssen! Wir sind Junkies! Zumindest erklärt diese Mentalität die Kommentare in den Tagesthemen, wenn wieder dazu aufgerufen wird, sich zum Wohle des Klimas, Coronas, der Ukraine oder der Energiekrise zu geißeln. Es sind verzweifelte Hilferufe an die Außenwelt.

Auch den Qualitätsanspruch untermauert der ARD-Chef. Auf die Frage des FDP-Politikers Stefan Förster, warum ARD-Journalisten immer mehr Nachricht und Kommentar vermischten, erklärte Buhrow: „Das tun die Medienkritiker bei den Zeitungen auch.“ Die eigene Bankrotterklärung jedweder persönlicher wie journalistischer Integrität soll wohl entwaffnen. Wenn alle eine Bank ausrauben, wird Bankraub legitim und legal. Derselbe Menschenschlag attestiert einer Vielzahl von Bürgern, mit einer hochkomplexen Welt nicht mehr zurechtzukommen und stundenlang im Kindergärtnermodus belehrt werden zu müssen.

Zur Begründung darf der Dauerbrenner „Demokratie“ herhalten. „Ich glaube, dass der öffentliche Rundfunk unverzichtbar ist für die Demokratie“, erklärt Buhrow. Der Sturz des Peisistratos, der Schweizer Rütli-Schwur, der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg von 1776 – alle nicht denkbar ohne staatlich verwobenes Gebührenfernsehen. Ohne ARD kommt Hitler an die Macht. Man neigt zur Ansicht: vielleicht kommt mit ARD irgendwann etwas noch Schlimmeres, wenn sie den Gebührenzahlern den Stiefel noch etwas tiefer ins Gesicht rammt. Dagegen ist Silvio Berlusconi wahrlich das kleinste Übel.

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Kommentare ( 54 )

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Benno Steinhart
1 Monat her

Wie heißt der bekannte Spruch? Frechheit siegt! Man kann den Leuten den größten Mist und jede Lüge erzählen, wenn man den Eindruck erweckt, es selbst zu glauben, und es dann noch entsprechend formuliert, daß keiner es anzuzweifeln wagt. Zumal von der versammelten Runde sicher niemand ernsthaft „kritische“ Fragen stellte, man ist ja aufeinander angewiesen, eine Hand wäscht die andere. Und dann kann man es anschließend noch, entsprechend aufbereitet den Wählern/Zahlern verkaufen, als „die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit, isch schwör!“ Wir glauben es, unbesehen! Brauchen Sie vielleicht noch mehr Geld, Herr Buhrow? Wir machen gern ein paar Überstunden, es… Mehr

Waehler 21
1 Monat her

Wenn die Politik Menschen ( vormals Bürger ) vertreten will, dann sollte sie es auch tun. Doch in den Köpfen dieser „Vertreter“ hat sich ein Elitedenken verfestig, dass sich immer mehr von der Demokratie entfernt. Am liebsten wäre diesen Leuten tiefe Resignation, ähnlich wie in Berlin. Das Herr Buhrow kein Handlungsbedarf sieht, dürfte zwei Gründe haben. Wer klagt sich schon selber an? Allerdings fehlende Einsicht ist ein Indiz für eine Fehlbesetzung dieses Postens. Sollte unabhängig geprüft werden, kann man die Richtung dieses Zuges nicht mehr bestimmen. Jeder Politiker der für ein Weiter so des ÖRR eintritt, sollte dies namentlich tun… Mehr

Hosenmatz
1 Monat her

„Das tun die Medienkritiker bei den Zeitungen auch.“ Presse ist nicht Rundfunk (Fernsehen gehört dazu)! Für die Presse gilt die Pressefreiheit, für Rundfunk und Fernsehen der Rundfunkstaatsvertrag. Wenn Herr Buhrow den Unterschied nicht kennt, dann ist er, insbesondere als oberster Chef der ARD, mehr als Fehl am Platze! Eine Zeitung kann im Prinzip schreiben, was sie will, außerdem muss ich sie ja nicht kaufen. Der ÖRR hat mich neutral und unvoreingenommen zu informieren. Aber selbst wenn etwas als Kommentar/Meinung gekennzeichnet ist, dann weiß man schon, auf Grund der mehrheitlichen Parteipräferenz der ÖRR-Mitarbeiter, wohin die Reise geht. Und selbst wenn ich… Mehr

Tesla
1 Monat her

Ich würde Herrn Buhrow widersprechen. Noch nie war der ÖRR so „verzichtbar“ wie heute.

doncorleone46
1 Monat her

Der Medien-Clan funktioniert einwandfrei. Auch die DDR Regierungen ließen es demokratisch aussehen. Deutschland ist KEINE Demokratie mehr. Die Politelite braucht die Medienlandschaft für die Umerziehung und zur Indoktrination. Das Volk wird dumm gehalten und die Herrscher**Innen verteilen die Almosen.

JamesBond
1 Monat her

1. Abschaffen
2. Wohnen, Anmelden in einer WG
3. Deutschland verlassen
4. Krieg gegen den „Beitragsservice“ führen
5. Afd > 59 % wählen um Rundfunkstaatsvertrag zu kipoen
Es gibt viele Möglichkeiten Sand ins Getriebe zu schmeißen – tun wir es!

StefanB
1 Monat her
Antworten an  JamesBond

Sie machen Ihre Rechnung ohne die obrigkeitshörigen „Kartoffeln“. Die tun gar nichts, außer das, was sie schon seit Jahrzehnten tun. Nur deshalb können komplett abgehobene Parasiten derart frech-dreist Klartext sprechen und maximal abgreifen.

K.Weber
1 Monat her

Der uneinsichtige und nicht besserungsfähige Buhrow beweist eindrucksvoll, dass das der ÖRR nicht reformierbar ist. Zu stark sind die Strukturen und der Sumpf, zu tief sind Filz und Korruption, zu verankert ist die totalitäre grünrote Wokeness-Religion und zu stark ist die Einbettung als Propagandaorgan in die Regierung. Zu groß ist auch der irreparable Schaden, den der ÖRR gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich in unserem Land zu verantworten hat. Ein Vergessen und Verzeihen wäre selbst nach Einsicht und Entschuldigung nicht mehr möglich. Aber selbst diese Einsicht fehlt gänzlich. Daher ist eine völlige Einstellung und Abschaffung des ÖRR unausweichlich und muss jetzt zeitnah… Mehr

erwin16
1 Monat her

Das stimmt doch nicht die Aussage : „dass die paar Millionen den Kohl nicht fettmachen, weil über den Rundfunkbetrag so üppig abgesahnt wird,“

Der RBB muss 41 Mio in den nächsten Jahren sparen…….man sehe sich nur die Gehälter selbst der einfachen Angestellten an….

https://www.rbb-online.de/unternehmen/der_rbb/zahlenundfakten/personalkennzahlen.html

Wenn ich das mit meinem Gehalt vergleich ist das oberstes Level.

Thorsten Lehr
1 Monat her

🤔 Es steht doch jedem frei, persönlich Konsequenzen aus den Aussagen von Herrn Buhrow zu ziehen! 🥴 Öffentlich-rechtliche Propagandashow nicht mehr konsumieren und die Zwangsgebühren verweigern. 😱 Wenn man/in sich vorher mit dem Besteckkasten des sogenannten ‚BeitragsService‘ auseinandersetzt ist das relativ stressfrei möglich! 💪 Jeder kann eine Schippe Sand in das Getriebe werden, aber der normale deutsche Untertan meckert halt im Verborgenen und tut, genau, nix! 😎 Dann darf man/inn sich auch nicht wundern! 😂

country boy
1 Monat her

Wo – außer hier – ist eigentlich noch öffentliche Kritik am ÖRR möglich? Die Verfilzung der großen öffentlichen und privaten Medien mit einigen Parteien ist die tatsächliche Gefahr für unsere Demokratie, nicht die Abschaffung des ÖRR, der zu einer grün-roten Lobbyorganisation degeneriert ist.