Hamas und Hisbollah wollen den 7. Oktober wiederholen

Drei Jahre nach dem 7. Oktober regiert die Hamas weiterhin den Gazastreifen. Israel ist militärisch in einer besseren Lage als 2023, politisch nicht. In Israel wie im Iran dauert der Poker an, wer im Abnutzungskrieg länger durchhalten kann und will.

picture alliance / AP Photo/Ohad Zwigenberg | Ohad Zwigenberg
Kibbutz Reim, Israel, 07.10.2026

Drei Jahre, nachdem Hamas-Terroristen am 7. Oktober 2023 in Israel etwa 1.200 Menschen ermordeten und 251 entführten, sagen Stimmen aus dem Gazastreifen: Den 7. Oktober wollen Hamas und Unterstützer wiederholen. In den Straßen wurde während der Trauerzüge für Hamas-Kommandeure und von Israel getötete Hamas-Mitglieder gesungen: „Der 7. Oktober wird zurückkehren! Es kommt zurück!“

Und: „Eid [Urlaub] für euch, Eid; der 7. Oktober ist der Tag des Eids, und „Ganz Gaza ist Hamas … ganz Gaza ist Hamas.“

Bei einer Beerdigung: „Hören, hören Sie, alle Menschen, ganz Gaza ist für die Hamas, keine internationalen Kräfte, nur die ewige Hamas.“ Bei einer anderen Beerdigung: „Das Schwert gegen das Schwert… wir sind die Männer von Mohammad Deif!“ (getöteter Oberbefehlshaber der Al-Qassam-Brigaden). „O Märtyrer, ruhig, ruhig … wir werden den Kampf fortsetzen!“ „Sag Allah und erhebe deine Stimmen… entweder befreien wir es [Palästina], oder wir sterben!“

Die Gesänge enthüllen, was Reden über Frieden und Wiederaufbau verbergen. Die Slogans werfen die grundlegende Frage für jeden zur Zukunft des Gazastreifens auf: Was genau hat sich geändert?

Donald Trumps 20-Punkte-Friedensplan sagt, Gaza soll eine „deradikalisierte terrorfreie Zone“ werden, die keine Bedrohung für seine Nachbarn darstellt. Der Plan sieht Entwaffnung, Entmilitarisierung und eine internationale Sicherheitskraft vor. Es sieht auch einen Prozess vor, der die Denkweise und Erzählungen in Gaza ändern soll, indem Toleranz und friedliches Zusammenleben betont werden.

Der Fahrplan geht weiter. Er fordert die Stilllegung schwerer Waffen, militärischer Produktionsstätten, Waffendepots und Tunnel und sagt, am Ende des Prozesses solle nur das Nationale Komitee für die Verwaltung von Gaza Waffen im Gazastreifen halten, speichern oder kontrollieren. Die Roadmap beschreibt ihre Ziele ausdrücklich als ein Gaza ohne Hamas-Kontrolle.

Auf dem Papier spricht der internationale Plan von Deradikalisierung. Auf den Straßen bieten die Begräbnisgesänge ein dramatisch anderes Bild. Hamas-Anhänger skandieren: „Der 7. Oktober wird zurückkehren.“ Auf dem Papier ist das Ziel friedliches Zusammenleben. Versammlungen verkünden, Gaza gehört der Hamas und internationale Streitkräfte werden abgelehnt.

Nicht jeder Palästinenser in Gaza teilt diese Ansichten. Gaza hat viele Palästinenser mit unterschiedlichen Erfahrungen, Meinungen und politischen Loyalitäten – und die meisten haben Angst, sie auszudrücken. Die fortgesetzten öffentlichen Parolen zeigen, die ideologische Botschaft der Hamas mobilisiert unverändert Tausende von Anhängern – Kundige sagen, es ist wie im Iran, ruft das Regime zu Kundgebungen auf, geht hin, wer nicht negativ notiert werden will.

Die in London ansässige Zeitung Asharq Al-Awsat berichtete, eine Mobilisierung gegen die Hamas am 26. Juni hatte keine signifikante Beteiligung, während die Hamas weiterhin Flaggen zeigte und Beerdigungen für ihre Mitglieder organisierte.

Das ist das Hauptproblem, mit dem jeder Versuch konfrontiert ist, den Gazastreifen umzugestalten. Der Wiederaufbau kann Gebäude wieder aufbauen. Er kann eine Ideologie nicht abbauen. Neue Straßen, Krankenhäuser, Schulen, Wohnprojekte und wirtschaftliche Möglichkeiten können nicht garantieren, dass die nächste Generation die Ideologie ablehnen wird, die den 7. Oktober hervorgebracht hat.

Die Stationierung von internationalem Personal kann eine grundlegende Änderung des Status terroristischer Organisationen wie der vom Iran unterstützten Hamas und des palästinensischen Islamischen Dschihad nicht ersetzen. Die ideologische und militärische Grundlagen für ein weiteres Massaker bestehen weiter.

Der hochrangige Hamas-Funktionär Ghazi Hamad sagte kurz nach dem Massaker vom 7. Oktober: „Die Al-Aqsa-Flut [wie die Hamas das Massaker vom 7. Oktober nennt] ist nur das erste Mal, und es wird ein zweites, ein drittes, ein viertes geben, weil wir die Entschlossenheit, die Entschlossenheit und die Fähigkeiten haben, zu kämpfen.“ Das ist gekürzt wiedergegeben, was Khaled Abu Toameh, preisgekrönter Journalist aus Jerusalem schrieb.

Ein offizielles Hamas-Video zeigt, wie Kinder in Gaza bewaffnet und zu Terroristen ausgebildet werden. Die UN schweigt. Menschenrechtsorganisationen schweigen. Der ganze woke Westen schweigt. Israel kann hier keine Schuld zugeteilt werden, daher ist es für sie kein Thema.

Der Vorsitzende des Exekutivrates der Hisbollah, Scheich Ali Daamouch, bei der großen Pfadfinderkundgebung der Hisbollah am 4. Oktober in Dahieh:

1. Wir werden nicht zögern, den zionistischen Besatzern entgegenzutreten, und wir werden nicht vom Weg unserer Märtyrer abweichen.

2. Die politischen Anschuldigungen und Verleumdungsversuche gegen die Imam-al-Mahdi-Pfadfindervereinigung oder die Imam-al-Mahdi-Schulen sind inakzeptabel und werden sie nicht daran hindern, weiterhin Generationen auszubilden, die den Weg des Widerstands beschreiten und ihre Existenz verteidigen werden.

3. Das Projekt des Widerstands ist nicht beendet und wird trotz aller Versuche, es zu schädigen, nicht beendet werden. Heute bekräftigen wir erneut unser Bekenntnis zum Weg des Widerstands und unser Festhalten daran als nationale Option.

4. Angesichts der Besatzung, der Ambitionen des Feindes in unserem Land und der Unfähigkeit des Staates, seinen Verpflichtungen nachzukommen, bleibt unseren Einwohnern keine andere Wahl, als ihr Land zu verteidigen.

5. Die zentrale Frage heute ist die Befreiung des Südens von der Unreinheit der Besatzung und die Rückkehr seiner Bewohner in ihre Dörfer.

6. Sollte es dem Feind gelungen sein, mehrere Dörfer und Städte zurückzuerobern, bedeutet dies keineswegs, dass sein Vorhaben erfolgreich war. In einer solchen Situation wird der Widerstand zu einer umso wichtigeren nationalen Notwendigkeit für die Rückgewinnung des Landes.

Hier sind 170 Männer, die als Journalisten auftraten, aber Soldaten der Hamas, des PIJ –  Palästinensischer Islamischer Staat – und anderer Terrorgruppen sind. Eine Tatsache die von der UNESCO falsch dargestellt wurde.

Die Leiter zweier israelischer Regionalräte, die an Gaza grenzen, fordern den Wiederaufbau des Gazastreifens oder weitere IDF-Abzüge nicht zulassen, bis die Hamas vollständig entwaffnet und ihrer Herrschaftsfähigkeit beraubt wurde, sie schickten laut Channel 14 die Forderung vor der Sitzung des Sicherheitskabinetts am Sonntagabend an Netanjahu. Die Forderung reagiert offensichtlich auf den Plan des Board of Peace eines sechsmonatiges Gaza-Programms, der am Rande der UN-Generalversammlung in New York bekannt wurde.

Der Plan umfasst 66 Projekte mit geschätzten Gesamtkosten von etwa $ 2,45 Milliarden, die Infrastruktur, Wohnen, Wasser, Krankenhäuser, Schulen, Strom, Straßen, Wirtschaftsprojekte und Sicherheit abdecken. Statt die vollständige Entmilitarisierung des Gazastreifens vor Beginn des Wiederaufbaus zu verlangen, sieht der Plan einen Sektor-für-Sektor-Prozess vor. Hamas-Waffen und militärische Infrastruktur würden in einem bestimmten Gebiet abgebaut, eine neue Regierung würde eintreten, und die IDF würde sich dann aus diesem Sektor zurückziehen.

Internationaler Kommandeur der Stabilisierungsstreitkräfte, Major. Gen. Jasper Jeffers sagte, ein Vorauskontingent von etwa 500 Soldaten aus Marokko und dem Kosovo sei bereits für den Einsatz ausgebildet und ausgerüstet worden.

Israelische Berichte beziffern die „Friedens- und Sicherheitskomponente“ des Plans auf mehr als $ 885 Millionen, einschließlich der Infrastruktur für eine multinationale Truppenbasis im Gebiet Rafah, die Tausende von Soldaten unterstützen kann.

Drei Jahre nach dem 7. Oktober regiert die Hamas weiterhin den Gazastreifen, obwohl die israelischen Streitkräfte 64 Prozent des Gebiets kontrollieren. Sicherheitsbeamte sagen, Israel könne die Hamas nach wie vor nicht daran hindern, von Hilfslieferungen zu profitieren; das Militär gibt an, Hamas sei geschwächt, aber weiterhin bewaffnet und beharrt darauf, dass eine vollständige Entmilitarisierung nicht verhandelbar sei. Der Gaza-Einsatz sei noch lange nicht entschieden. Trotz bedeutender militärischer Erfolge und einer starken permanenten Präsenz der israelischen Streitkräfte bleibt die grundlegende Realität unverändert: Die Hamas regiert weiterhin das Gebiet.

Die israelischen Streitkräfte haben zwei Divisionen an rund 30 Außenposten. Israels Verteidigungsstrategie habe sich seit dem 7. Oktober grundlegend verändert. „Sollte die Hamas etwas unternehmen, wird sie auf die israelischen Streitkräfte treffen“, sagte ein hochrangiger Sicherheitsbeamter Ynet und Yedioth Ahronoth: „Unsere Verteidigung beginnt nicht mehr am Grenzzaun, sondern innerhalb des Gazastreifens. Wir haben hier eine stabile und sehr starke Kontrolle.“

Die Streitkräfte errichteten eine Fahrzeugsperre aus einem breiten Graben und einem Erdwall und führen in regelmäßigen Abständen Bohrungen durch, um sicherzustellen, dass keine Tunnelverbindungen über die Grenze nach Israel übersehen wurden. Die Arbeiten finden östlich der Gelben Linie statt, die die von den israelischen Streitkräften kontrollierten Gebiete von den von der Hamas kontrollierten Gebieten trennt. Neben ihrer territorialen Präsenz führen die IDF weiterhin gezielte Angriffe gegen Hamas-Mitglieder durch. Im vergangenen Monat sollen etwa 70 Terroristen, darunter drei Brigadekommandeure, getötet worden sein.

„Alles, was heute nach Gaza gelangt, passiert Kerem Shalom, wo wir einige der besten Scanner der Welt zur Erkennung verbotener Güter einsetzen“, sagte ein Sicherheitsbeamter. „Lebensmittel, Treibstoff und Gas gelangen zwar ins Gebiet, werden dann aber von der Hamas kontrolliert.“ Täglich fahren etwa 600 Lkw mit israelischer Genehmigung nach Gaza. Offizielle Stellen räumen ein, dass es derzeit keine wirksame Möglichkeit gibt, die Hamas daran zu hindern, von den Waren zu profitieren, nachdem diese ins Gebiet gelangt sind.

„Die Lastwagen fahren ein, die Hamas übernimmt die Kontrolle und verteilt die Waren an Händler“, so mit der Angelegenheit vertraute Beamte. „Sie erhebt Steuern und erhält so Geld. Damit finanziert sie ihre Anhänger und kommt an Waffen.“ Militärvertreter betonen jedoch, dass die Gelder aus der Entwicklungshilfe nicht in einen nennenswerten Wiederaufbau des Militärs fließen, sondern primär der Machterhaltung dienen.

Die Schilderung von Elisha Ben Kimon geht noch weiter, der Stand der Dinge ist klar. Der Abnutzungskampf geht weiter, wenn auch meist ohne großen öffentlichen Lärm außerhalb der Region. Von der Verwirklichung des Friedensplanes kann keine Rede sein. Den Historiker erinnert es daran, in der Geschichte gab’s viele Friedenspläne, bei denen es oft gar nicht um ihre Verwirklichung ging, sondern um Pausen und Zeitgewinn für andere Vorhaben – unterschiedliche und nicht selten entgegengesetzte bei den verschiedenen Vertragsschließenden.

In Israel ist es wie im Iran. Der Poker dauert an, wer im Abnutzungskrieg länger durchhalten kann und will.

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Kommentare ( 5 )

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Peter Gramm
15 Minuten her

Es ist immer wieder interessant zu lesen wer Opfer ist und wer Täter.Ursache und Wirkung sollten berücksichtigt werden. Werden sie aber nicht oder zumindest nur rudimentär, wenn überhaupt. Herr Dr. Blüm hat es mal versucht, scheiterte aber kläglich. Man will es halt nicht wissen und fühlt sich gut dabei. Frau Hecht-Galinski sprach von „einseitigen Informationen, Lügen und Fakes“. Jede Katastrophe hat seine Ursache.

Aegnor
22 Minuten her

Die Lösung für dieses Problem ist ganz einfach und seit Menschengedenken bekannt. Wenn man einen (militärisch besiegten) Feind nicht in eine Friedensordnung einbinden kann, weil sich der Feind dem verweigert, muss er mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Auch Hochkulturen/-zivilisationen wie das Römische Reich zögerten keine Sekunde dies einzusetzen (Kimbern/Teutonen, Karthago, ironischerweise die Juden), und selbst in historischer Zeit wie dem 2.WK wurde dies noch praktiziert – und zwar nicht nur von Deutschland, sondern auch von den Alliierten, die mi dem Bombenkrieg und spätestens mit der Atombombe mit totaler Vernichtung drohten und das auch getan hätten, hätte Deutschland den Krieg,… Mehr

Haba Orwell
31 Minuten her

> Die zentrale Frage heute ist die Befreiung des Südens von der Unreinheit der Besatzung und die Rückkehr seiner Bewohner in ihre Dörfer.

Ist etwas falsch daran, wenn vertriebene Bewohner in die eigenen Dörfer zurückkehren wollen? Würde jemand in Westeuropa Einheimische vertreiben, würden diese nicht zurückkehren wollen?

November Man
32 Minuten her

Was wusste Premierminister Benjamin Netanjahu über die Hamas-Pläne zum Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023? Ägyptens damaliger Geheimdienstchef Abbas Kamel hat Israel bereits elf Tage vor dem 7. Oktober vor einem Überfall und einer drohenden Eskalation gewarnt. Auch der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed, hat Ende September 2023 mit Netanjahu telefoniert und vor einem Angriff gewarnt. Laut Haaretz und der New York Times soll Mohammed bin Zayed Netanjahu Ende September 2023 in einem geheimen Telefonat ausdrücklich vor einem bevorstehenden Großangriff der Hamas gewarnt haben. Netanjahu hat diese Warnung jedoch ignoriert und nicht an die Spitzen der… Mehr

tiptoppinguin
51 Minuten her

Gaza kommt mir vor wie Nazi-Deutschland vor der Invasion der Alliierten. Von alleine wäre damals kein Ende der Terrorherrschaft absehbar gewesen.
Stoppt die Terrorfinanzierung von Hamas, Hisbollah und wie sie alle heißen durch UNO, EU und mittelöstliche muslimische Ölstaaten und nennt diese Mörderbanden endlich konsequent Terroristen statt Freiheitskämpfer. Und hört auf toter Terroristen zu gedenken … ja, Frau Baerbock, ich meine unter anderen genau Sie!