Der Niedergang Deutschlands ist mehr als wirtschaftliches oder politisches Versagen: Er folgt einer neuen Gesellschaftsordnung. Oben herrscht eine abgeschottete Funktionärsklasse, dazwischen staatlich privilegierte Opfergruppen, unten zahlt die Mehrheitsgesellschaft – ausgebeutet, entmündigt und zunehmend entrechtet.
picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann
Die Konzentration auf die Phänomene des einzigartig rasant verlaufenden Niedergangs Deutschlands verstellt den Blick auf die Veränderungen der Struktur der deutschen Gesellschaft. In den letzten 15 Jahren vollzog sich der Übergang politisch von einer demokratischen zu einer postdemokratischen, genauer gesagt zu einer neo-feudalistischen Gesellschaft, und soziologisch zu einer Dreiklassengesellschaft, deren Existenz die Grundlage dieser Dekadenz bildet. Unter dem wichtigtuerischen Geschwafel vom Kulturkampf werden die harten Fakten verdrängt, deshalb bemüht die rotgrüne Reaktion und der Neu-Linke Wolfram Weimer die schimmernde Vokabel vom Kulturkampf – und einfältige und gutmütige Konservative fallen darauf rein.
Wollte man früher etwas über die Struktur einer Gesellschaft erfahren, griff man nach den Büchern und Studien von Soziologen in der Hoffnung, die Gesellschaft vermessen vorzufinden. In ihren Anfängen versuchte die Soziologie eine Wissenschaft zu werden. Große Namen, kluge Köpfe, beachtliche Leistungen verschafften dieser neuen Wissenschaft ein beachtliches Renommee. Long, long, ago.
Außer über die sterbenslangweilige Befindlichkeit der Helden der neudeutschen Soziologie, der Nassehis, der Rosas, der Maus und der Reckwitz, außer über ihre überschaubare, oft ideologiegesteuerte Weltsicht, über ihre Eigenwahrnehmung und außer über den fortwährenden Versuch, die eigene Stellung abzusichern, erfährt man von dieser Brandmauer-Soziologie rein gar nichts über die Struktur der deutschen Gesellschaft, wie sie sich in den letzten 15 Jahren, in den Jahren von Merkels Postdemokratie herausgebildet hat. Man kann von diesen Regierungssoziologen, den Postsoziologen das auch nicht erwarten, deren Wirken sich im Kampf gegen rechts erschöpft. Soziologie als kritische Wissenschaft war früher, jetzt herrscht regierungsfromme Postsoziologie in der Postdemokratie.
Doch die Frage bleibt dennoch und es wird täglich drängender, sie zu beantworten, nämlich wie sich die deutsche Gesellschaft verändert hat. In einer anfänglichen kleinen Skizze wollen wir das Wagnis beginnen und uns der Frage nähern, wie dieser Zerfall an Wirtschaftsleistung, dieser Selbsthaß, dieser Zerfall an Bildung, an innerer Sicherheit, an Infrastruktur und des Gesundheitswesens so schnell und so massiv eintreten konnte, welche Klassen und Schichten in der Gesellschaft aus der Dekadenz, die 2010 einsetzte, hervorgingen, denn ab 2010 vermochten die rotgrünen Kräfte nicht nur im Bildungs-, Medien und Kulturbereich, sondern durch die Übernahme der Regierung ihre Vorstellung der Veränderung der Gesellschaft, der sogenannten „Transformation“, die dem totalitären Ideologie-Mix des Postmodernismus folgte, durchsetzen.
In Angela Merkel, die einer völlig zerrütteten CDU vorstand, fanden sie den passenden Exekutor für ihre Ideen. Merkel hatte weniger etwas mit Honecker, Mielke oder dem KGB zu tun, wie gern und nur allzu geistig bequem angenommen wird, sondern mit der Machtergreifung des westmarxistischen Postmodernismus, des grünlackierten Kommunismus der reichen Kinder des Westens.
Es bildete sich durch das wachsende Einvernehmen innerhalb der politischen Klasse, den Schulterschluss von SED-Linke, Grüne, SPD und Union, durch politische Scheinkämpfe zur Bemäntelung des politischen Nullsummenspiels eine herrschende Klasse heraus, zu der auch die Chefs der Lobbyisten-Verbände der Wirtschaft und die Chefs der großen Konzerne gehörten. Ihrer Mandarine in Medien und in der Kultur konnten sie sich gewiss sein. Das eigentlich Politische war schnell überwunden, die faktische Herrschaft der Funktionäre schnell und geräuschlos etabliert, begünstigt durch ein Parteien-und Verhältniswahlrecht, das den Staat zur Beute der Parteien machte. Durch ihre Mandarine in der Bildung und an den Universitäten und durch die Finanzierung des tiefen Staates vermochten sie einerseits, ihre Herrschaft abzusichern, und anderseits so weit auszubauen, dass sie durch die Zementierung rotgrüner Politik als Brandmauer gegen Deutschland unangreifbar wurde. Der tiefe Staat entstand dadurch, dass dem eigentlichen Staat unzählige rotgrüne NGOs, teils staatlich finanziert, vorgelagert wurden, die immer stärker als militanter Hilfsstaat hoheitliche Aufgaben übernehmen.
Zu Eckenpfeilern dieser Politik wurden wirtschaftlich die grüne Klimakommandowirtschaft als reine Klientel- und Subventionswirtschaft, die in den ökonomischen Niedergang führt, politisch die Entpolitisierung des Politischen durch informelle Zensur, Denkverbote, Klientel- und NGO-Politik, Desinformation und Propaganda, und bevölkerungspolitisch frei nach Brecht durch die Schaffung eines neuen Volkes.
Die Postdemokratie der Generation Niedergang, die Postdemokratie von Merkel und Merkels Erben, von Klingbeil, Bas, Merz, Frei, Dröge, Hasselmann, Schwerdtner und Reichinnek lebt vom uralten römischen Herrschaftsmittel divide et impera. Die sine qua non ihrer Herrschaft, der Herrschaft ihrer Klasse besteht in der Schaffung eines ideologisch abgesicherten neuen, und zwar starren Klassensystems, das zunehmend auch rechtlich kodifiziert wird. Um die Herrschaft ihrer Klasse abzusichern, schaffen sie quasi rechtlich ein neue Klasse, die Nutznießer ihrer Politik der Enteignung der deutschen Bürger, der deutschen Familie sind, die Klasse der Opfergruppen, die sie gut postmodernistisch als People of Colour in der Folge des Postkolonialismus, der critical race theory, in der Nachfolge der schlau-wirren Theorien des Frantz Fanon, und als LGBTQ-Community im Gefolge der totalitären Ideologie von Judith Bulter und Co. sind. Das verbindende Band besteht im sogenannten Intersektionalismus, in der Vereinigung der Opfergruppen und Minderheiten zum Zweck der Exploration der Mehrheitsgesellschaft.
Durch ein beispielloses Kommissars-Wesen der Beauftragten, durch die Ideologisierung des Rechtes, das zunehmend nicht mehr formal, sondern ideologisch und politisch begriffen wird, wird deren Vorherrschaft über die zunehmend schamlos ausgebeutete, entrechtete und unterdrückte Mehrheitsgesellschaft, der mehrheitlich heterosexuellen, weißen Steuerzahler und Arbeitnehmer durchgesetzt.
Die neue Klasse der intersektionellen Opfergruppen dient zugleich als Puffer zwischen der herrschenden und der ausgebeuteten Klasse.
Die Rotgrünen, wozu die Union gehört, wollten Deutschland zum Einwanderungsland machen und haben Deutschland zum Auswanderungsland gemacht. Immer weniger Deutsche sehen in Deutschland eine Zukunft. Wer gehen kann, der geht, wer anderswo sein Glück finden kann, sucht es anderswo. Über ca. 200.000 gutausgebildete Deutsche verlassen Jahr für Jahr das Land, während schlecht oder gar nicht Ausgebildete in das Sozialsystem migrieren.
Die herrschende Klasse wird es nicht begreifen. Die Brandmauer-Funktionäre von Merz bis Reichinnek und die Brandmauer-Manger von Oliver Blume bis Markus Krebber werden mit buchstäblich allen Mitteln ihre Macht aufrechterhalten, auch wenn darüber das Land und die Demokratie zugrunde gehen. Die Einschränkung der Demokratie, Parteienverbote führen nur zu einem, zur Radikalisierung der Gesellschaft, zu dem, was Lenin eine revolutionäre Situation nannte.
Die Herrschenden in ihrem Neu-Versailles von Berlin-Mitte, in ihrem neo-feudalen Absolutismus, mit ihrem NGO-Adel, glauben mit der neuen Klasse der Opfergruppen einen funktionierenden Puffer zur Mehrheitsgesellschaft, zum Einheitsbraun, wie es Bärbel Bas in ihrer Verachtung der deutschen Mehrheitsgesellschaft nannte, zu haben.
Sie irren.



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