Narendra Modi zu Gast in Jerusalem

Just vor dem Angriff auf den Iran rückten Israel und Indien zusammen. Netanyahu und Modi schmieden ein Bündnis aus gemeinsamen Interessen, Technologie und Härte gegen den Terror. Beim Staatsbesuch sprach Modi Klartext: "Nichts kann Terrorismus rechtfertigen."

picture alliance / Newscom | GIL COHEN-MAGEN

Die einzige Demokratie in Nahost und die volkreichste Demokratie der Welt umarmen sich. Zwischen Israels Netanyahu und Indiens Modi wächst eine Liaison, die auf Leistung und Können beruht, nicht auf Ideologie oder Haltung. Indien kauft in Israel in den nächsten Jahren für zehn Milliarden US-Dollar allein Verteidigungswaffen ein, allem voran die weltweit begehrten Luftabwehrsysteme Arrow3/4, Iron Dome und David´s Sling.

Es kommt nicht oft vor, dass der begabte Rhetoriker Benjamin Netanyahu während einer Begrüßungsrede ins Stocken gerät. Aber bei seinen Willkommensworten für den indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi legte er einige Pausen ein, suchte nach optimalen Adjektiven für seine Lobeshymne, weil er wohl Israels wichtigsten Freund Donald Trump im Hinterkopf hatte.

Dann brach es aus ihm hervor: „Ich muss Ihnen sagen, Narendra, mein lieber Freund, mein Bruder, dass ich von Ihrem heutigen Besuch zutiefst, zutiefst bewegt bin… Ich war noch nie so bewegt wie durch Ihren Besuch bei uns, dem großartigen Freund Israels, dem leidenschaftlichen Unterstützer der Allianz zwischen Indien und Israel und dem großartigen Führer auf der internationalen Bühne“. Der indische Gast antwortete mit „Am Israel Chai“ – es lebe das Volk Israel.

Die Emotionen haben einen politischen und wirtschaftliche Hintergrund, die sich vor einer Geschichte bewegen. Einer Historie, in der sich die beiden Länder, die fast gleichzeitig nach dem 2. Weltkrieg aus britischen Mandats- und Kolonialzeiten hervorgegangen sind, nicht immer freundlich gesinnt waren. Indiens Gründer Mahatma Ghandi und Jawaharlal Nehru liebäugelten mit den Muslimen, die eine nicht unbedeutende Minderheit in Indien bis heute bilden. Zionismus lehnten sie ab. Indien erkannte Israel als Staat 1950 an. Aber es dauerte noch einmal über 40 Jahre, bis Neu-Dehli und Jerusalem Botschafter austauschten.

Erst der heute 75-jährige Modi, der seine Karriere als Teeverkäufer begann, legte vor einer Dekade den politischen Hebel auf Pro-Israel um. Er verstand, dass das 21. Jahrhundert für seinen 1,4 Milliarden-Vielvölkerstaat, in dem 22 offizielle und 1600 Muttersprachen und Dialekte gesprochen werden, nur mit Wissen und Können in den modernen Technologien erfolgreich zu gestalten sei.

In allen naturwissenschaftlichen Bereichen hat der Mini-Staat Israel einiges zu bieten: in der Militär-Industrie, in der Abwehr von Drohnen und Cyber-Angriffen, in der Landwirtschaft, in der Wasseraufbereitung und in der Medizin.

Die Ankündigungen Indiens, mit zweistelligen Milliarden-Beträgen in Israel einkaufen zu wollen, sind keine leeren Worte, wie die jüngste Vergangenheit beweist. Neu-Delhi ist bereits mit 34 Prozent des Gesamt-Exports von 2020 bis 2024 der größte Abnehmer von Verteidigungsgütern des jüdischen Staates, dokumentiert das Stockholmer Internationale Friedensforschungsinstitut (SIPRI).

Das „International Defense Cooperation Directorate“ (SIBAT) des Verteidigungsministeriums in Jerusalem bestätigt, dass der Gesamtwert der Waffenverkäufe an Indien in diesem Zeitraum etwa 20,5 Milliarden US-Dollar betrug. Zum Vergleich: das bilaterale Warenhandelsvolumen zwischen Deutschland (neunmal mehr Einwohner als Israel) und Indien bezifferte sich 2024 offiziellen Statistiken zufolge auf 33,4 Mrd. US-Dollar.

Der täglich praktizierende Yogi schätzt das Leben als höchsten Wert – von Gott gegeben. Deshalb sagt er unaufgeregt, mit sanfter Stimme, was Israel gerne auch von der EU und von den Vereinten Nationen nach dem 7. Oktober 2023 gehört hätte: „Israel ist eine Schutzmauer gegen Barbarei“ und er fügte hinzu, was EU-Staaten wie Spanien und Irland, aber auch UN-Generalsekretär António Guterres vermissen liessen: „Ich bringe das tiefste Beileid des indischen Volkes für jedes verlorene Leben und für jede Familie, deren Welt bei dem barbarischen Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober zerstört wurde“.

Ohne jegliche scheindiplomatischen Einschränkungen sprach der indische Staatsgast Klartext: „Keine Ursache kann den Mord an Zivilisten rechtfertigen. Nichts kann Terrorismus rechtfertigen.“ Kein“ einerseits, anderseits“ schwächte seine Verurteilung ab. Indiens Politik der Null-Toleranz gegenüber Terrorismus sei „ohne doppelte Standards“. „Indien steht in diesem Moment und darüber hinaus fest an Israels Seite“. Die Palästinenser erwähnte er nur in Zusammenhang mit Trumps Friedensrat für Gaza, dem Indien beigetreten ist. Die Abgeordneten des israelischen Parlaments dankten es ihm mit andauerndem Applaus und Sprechchören.

Ein innenpolitischer Streit überschattete das ehrenvolle und würdige Gesamtbild des Modi-Besuches. Netanyahus Regierung liegt seit langem im Zwist mit dem Obersten Gericht. Parlamentspräsident Amir Ohana, ein treuer Gefolgsmann des Ministerpräsidenten, lud den Obersten Richter, den Vertreter der dritten Staatsgewalt, Isaac Amit, zu der feierlichen Veranstaltung nicht ein. Die Opposition verließ deshalb bei Netanyahus Rede demonstrativ das Plenum, kehrte danach zur Modi-Rede zurück. Der Staatsgast nahm es locker. Eine Umarmung gab es für Oppositionsführer Yair Lapid nicht, aber einen demonstrativ warmen Händedruck.

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Kommentare ( 3 )

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karlotto
2 Stunden her

Zwei Ultranationalisten unter sich , von einem Land hofiert , in dem bald , das Wort „Deutsch“ verboten wird.

Monostatos
3 Stunden her

„ Der täglich praktizierende Yogi schätzt das Leben als höchsten Wert – von Gott gegeben. Deshalb sagt er unaufgeregt, mit sanfter Stimme, was Israel gerne auch von der EU und von den Vereinten Nationen nach dem 7. Oktober 2023 gehört hätte: „Israel ist eine Schutzmauer gegen Barbarei“ und er fügte hinzu, was EU-Staaten wie Spanien und Irland, aber auch UN-Generalsekretär António Guterres vermissen liessen: „Ich bringe das tiefste Beileid des indischen Volkes für jedes verlorene Leben und für jede Familie, deren Welt bei dem barbarischen Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober zerstört wurde“. … Vielleicht sollte sich Modi auch den… Mehr

Haba Orwell
1 Stunde her
Antworten an  Monostatos

Auf UncutNews habe ich gelesen, dass es in Indien aktuell große proiranische Demos gibt. Die Hinduisten mögen zwar grundsätzlich keine Muslime, doch sie wissen gut, eher im Globalen Süden als im Westen zu leben.

Im dortigen Newsticker: „… 02. März 14:16 … Das Vertrauen in die US-Regierung ist von 77 % auf 17 % gesunken. …“