ARD für „gelenkte Demokratie“?

Das in dieser Woche bekanntgewordene "Manual" der ARD für ihre Mitarbeiter liegt TE vollständig vor. Wir dokumentieren und kommentieren die wichtigsten Teile. Nicht nur um Radio und TV geht es - sondern um "gelenkte Demokratie".

imago/Winfried Rothermel

Großen Wirbel hat die Veröffentlichung eines ARD-Manuals ausgelöst, mit dem Kritiker der Anstalt mundtot gemacht oder herabgesetzt werden sollen. Seit dem Kommentar am Freitag-Abend melden sich bei TE Mitarbeiter der ARD. Diese sind empört. Sie möchten sich an der Manipulation nicht beteiligen. Dieses Papier sei ein Verstoß gegen die Prinzipien, für die sie als Journalisten angetreten seien. Tatsächlich sind die Aufforderungen grotesk; man könnte es einen Aufruf zur Hetze nennen. Denn wer die ARD kritisiert, ist ein Gegner der Demokratie. Unglaublich? Lesen Sie selbst.

Wer die ARD kritisiert, ist Demokratie-fern

Ziel des Manuals, das wir bereits besprochen haben, ist es, statt Fakten emotionalisierte Argumente („Frames“) zu liefern, um Kritiker herabzusetzen und moralisch zu diskreditieren. Wer also die ARD kritisiert, muss mit Ausgrenzung durch den mächtigen Senderverbund rechnen:

„Einige Mitglieder unserer Gesellschaft halten sich nicht an unsere generationenverbindende, demokratische Entscheidung zum gemeinsamen, freien Rundfunk ARD. Sie stellen damit die Verbindlichkeit demokratischer Entscheidungen infrage, sie verhalten sich demokratiefern.“

Wer also die Finanzierung der ARD und andere Vorstellungen zur Zukunft des Rundfunks entwickelt, ist demokratiefern?

Dabei macht uns in Sachen Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hier in Deutschland niemand was vor – nachdem in einer Volksabstimmung der Schweizer Rundfunk zur Reform und Leistungssteigerung verpflichtet wurde, sind die Gebühren nirgendwo so hoch wie in Deutschland. Jeder Haushalt muss monatlich fast 18 Euro (also 216 Euro jährlich) – nennen Sie es Rundfunkbeitrag, GEZ-Gebühr, Demokratieabgabe oder Zwangsgebühr – bezahlen.

Wobei: Bereits die Verwendung der Begriffe Gebühr, Demokratieabgabe oder Zwangsgebühr macht Sie bei der ARD verdächtig, weil „sie dem gemeinsamen Rundfunk ihre demokratisch vereinbarte Beteiligung entziehen.“ Denn es seien Kampfbegriffe, denen mit Herabsetzung begegnet werden müsse. Nur wer GEZ bezahlt ohne Murren, ist ein guter Demokrat.

Und es geht weiter: Es sein „demokratischer Wortbruch“. Und wer ein demokratischer Wortbrecher ist, der agiert schon an der Grenze zum Kriminellen: „Er kehrt gedanklich die Tatsache unter den Teppich, dass vermeintliche Beitragsverweigerer direkt entgegen einer verbindlichen, demokratischen Vereinbarung handeln, die wir gesetzlich verankert haben, und an die wir anderen uns halten.“

Wer die ARD kritisiert, ist kriminell? Bürger, seid wachsam!

Es ist diese Art totalitärer Manipulation, die mit einer künstlichen Sprache beginnt, Drohungen gegen Träger anderer Meinung ausstößt und diese versucht, gesellschaftlich zu kriminalisieren. Der schrille, totalitäre Ton des totalen Überwachungsstaates made by ARD lautet:

Jeder Kritiker „kehrt gedanklich die Tatsache unter den Teppich dass vermeintliche Beitragsverweigerer direkt entgegen einer verbindlichen, demokratischen Vereinbarung handeln, die wir gesetzlich verankert haben, und dann die wir anderen uns halten. Der lapidare Umgang mit Gesetzen, die die Gemeinschaft sich gegeben hat, ist höchst alarmierend.“

Man reibt sich die Augen. Wo leben wir? Kritik an 18 Euro Zwangsgebühren – und schon Staatsfeind? So schnell geht das? Denn nach Ansicht der ARD ist die ARD alternativlos:

Es bedeutet nicht weniger als „die mediale Entmachtung der Bürger, indem man sie zunehmend abhängig macht vom nicht-demokratischen kommerziellen Rundfunk.“

Das ist nicht spaßig. Nur die ARD – und gerade noch das ZDF vielleicht – sind demokratisch – alle anderen „nicht-demokratisch“. So grenzt man aus, so schürt man Hass und Spaltung in einer Gesellschaft, die sich noch immer als plural verfasst gibt und die Meinungsfreiheit verbal hoch hält.

Doch damit sollen Mitarbeiter auf Konfrontation gehen.

„Wenn Sie Ihren Mitbürgern die Aufgaben und Ziele der ARD begreifbar machen und sie gegen die orchestrierten Angriffe von Gegnern verteidigen wollen, dann sollte Ihre Kommunikation nicht in Form reiner Faktenargumente daher kommen, sondern immer auf moralische Frames aufgebaut sein, die jenen Fakten, die Sie als wichtig erachten, Dringlichkeit verleihen und sie aus Ihrer Sicht – nicht jener der Gegner – interpretieren.“

Angst vor dem Gebührenzahler
Der New Speak der ARD - wie wir manipuliert werden sollen
Dahinter stecken zweierlei Ungeheuerlichkeiten: Es wird nicht mehr mit Fakten argumentiert, sondern moralisch. Für ein Medienunternehmen ist das eine gewagte Aussage. Sie bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass von der ARD nicht mehr Fakten genannt werden, sondern gelenkte Meinung vermittelt wird. Genau das ahnen die Kritiker der ARD längst. Jetzt halten sie gewissermaßen den Beweis in Händen:

„Bürger, die sich nicht … umgemeinsamen Rundfunk ARD beteiligen, sind wortbrüchig“.

Wer anderes hört, ist Feind der Demokratie nach Vorbild ARD?

Es klingt wie aus einem Volksempfänger – wer anderes hört, ist Feind. Die ARD hält aber auch nicht viel von ihren Mitarbeitern. Wer beim Rundfunk arbeitet, sollte man meinen, ist ja halbwegs gebildet, historisch und kulturell, des Lesens, Schreibens und Sprechens mächtig.

Aber die Chefs der ARD sind da eher misstrauisch, sie geben Empfehlungen auf Kindergartenniveau:

»Nutzen Sie Basic-Level Sprache, wo immer es geht. Alles, was Sie tun, anfassen, sehen, fühlen, schmecken, riechen oder hören können, liegt auf dem Basic-Level. Alles, was Sie aus Ihrer ganz alltäglichen Lebenswelt kennen, liegt auf dem Basic-Level. Der Begriff „solidarisch“ etwa ist außerhalb der Basic-Level, die Bezeichnung „Hand in Hand“ hingegen nicht. Also, die Daumenregel lautet: Je konkreter, desto besser!«

Basic-Level, das sind wohl die Zuschauer und Zuhörer des Deppen-Funks? In diesem Tonfall geht es weiter.

„Benennen Sie die Stammtische, die Omas, die Kinder und Cousinen. Benennen Sie die Lieblingssendungen Ihrer Eltern. Sagen Sie, dass Sie mit der Sendung mit der Maus und dem Sandmännchen aufgewachsen sind. Sprechen Sie authentisch darüber, dass viele von uns die Lebensumstände unserer Großeltern erst über ARD-Sendungen richtig ‚live und in Farbe’ kennenlernen, dass solche Sendungen auch zur emotionalen Anbindung an unsere Familie und zur Identitätsbildung als deutscher Mensch beitragen, an unsere Verwurzelung mit unserem Land und den Generationen vor uns.“

Plötzlich also findet die ARD wieder zum „deutschen Menschen“ zurück – um ihn als manipulative Schwungmasse zu verwenden?

Und weil die Mitarbeiter der ARD von ihren Oberen als eher schlicht vom Begriff eingeschätzt werden, wird die Idee des „Framing“, also des Umdeutens von Begriffen, ihrer Aufladung mit Moralisiererei und gleichzeitiger Abwertung anderer Meinungen immer wieder wiederholt:

Die gelenkte Demokratie

Propaganda, das rät die ARD, lebt von der Wiederholung.

„Wer maximale Framing-Effekte hervorrufen will, der muss in seiner Kommunikation also auf moralische Kohärenz achten. Das tut man, indem man dieselben grundlegenden Perspektiven auf das Miteinander und die eigene Rolle in diesem Miteinander von Debatte zu Debatte nutzt, und zwar entweder in Form identischer Wordings oder in Form leicht unterschiedlicher linguistischer Realisierungen, die sich aus ein und demselben Grundframe speisen. Wenn eine Institution auf diese Weise moralisch kohärent kommuniziert, so zeigen empirische Studien, führt das zu Vertrauen bei den Mitbürgern. Diese sehen, dass wieder und wieder in unterschiedlichen Zusammenhängen dieselben moralischen Prinzipien angesprochen werden und lernen, sich darauf zu verlassen, dass eben diese Prinzipien Geltung haben – und zwar heute und morgen. Das so geschaffene Vertrauen und die so vermittelte Integrität führen zu einer generellen und langfristigen Aufwertung der und Anbindung an die Institution in den Köpfen der Menschen.“

Ganz zu Ende sieht man, wes Geistes Kind mit unseren Zwangsgebühren (Achtung, falscher Frame!) gefüttert wird. Als beispielhafte Frames werden angeboten:
„Wir nehmen jeden ernst, auch Deine Oma.“ Oder „Wir sind Deins“. Gut, das sind Albernheiten, wie sie gerne von schlichten Werbeagenturen verwandt werden. Aber die ARD geht weiter und empfiehlt als Slogan:

„Kontrollierte Demokratie statt jeder, wie er will.“

Offensichtlich geht es der ARD darum: Die Abschaffung von Freiheit und Demokratie hin zu einer (von der ARD) gelenkten Demokratie.

Fazit:

Die ARD braucht einen Aufstand der Anständigen. Derjenigen Mitarbeiter, die ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag von Information und Unterhaltung noch ernst nehmen und sich gegen Manipulation, Bevormundung und „gelenkte Demokratie“ aussprechen.

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Kommentare ( 164 )

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164 Kommentare auf "ARD für „gelenkte Demokratie“?"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Das ? in Ihrer Überschrift hätten Sie getrost weglassen können.
Es ist ja wohl so, dass die Argumentationshilfe für die Erhebung der Zwangsabgabe von dem einen Herrn Kirchhoff (Paul) mittels eines ‚Gutachtens‘ geliefert wurde (der hat lustigerweise grad noch ein neues Buch mit dem in diesem Zusammenhang gar köstlichen Titel ‚Beherzte Freiheit‘ veröffenrlicht hat), und regelmäßige Klagen dagegen von seinem Bruder Ferdinand in seiner Funktion als Vizepräsidenten des Bundesverfasungsgerichtes vor dem Gericht beherzt abgeschmettert werden.
So geht Demokratie in Deutschland.

Als politisch interessierter Bürger mit gesundem Menschenverstand weiß,spürt,hört und fühlt man „das „….. schon lange….Auch die ARD-Radioanstalten sind durchsetzt und durchseucht…Nachrichten schalte ich jedes Mal aus, ich kann es nicht mehr hören, wie wir Bürger „ umerzogen“ werden…In vorderster Front, ganz regierungstreu: SWR 3……war früher mal ein Sender mit, auch durchaus kritischen, guten Kommentaren…Ist jetzt alles nur noch links, links, links…..Ich frage mich immer, wie fühlen sich eigentlich die Moderatoren mit diesen engen Vorgaben. Merken die nicht, dass sie in „Ede‘s“ Fußstapfen treten?…Unfassbar, dass man plötzlich unsere gute alte Bundesrepublik dermaßen „ wendet“

Ich fühle mich zurückversetzt in die Zeiten des DDR-Fernsehens. Genau wie damals gibt es getürkte Nachrichten, der „Volkserziehung“ dienende Fernsehfilme und Talkshows, die peinlich an den „Schwarzen Kanal“ mit Karl-Eduard von Schnitzler erinnern.

SWR 3, das stimmt. Vor etwa einem Jahr machten „Rad-Aktivisten“ eine Tour durch eine Stadt (ich weiß nicht mehr welche, Stutgart wars nicht). Diese „Aktivisten“ schrieben alle Falschparker auf und zeigten sie an. SWR 3 brachte das auf seiner Webpage ganz groß als vorbildlich raus, mit Bild eines falschparkenden beschmierten Lieferwagens vor einem Geschäft. Wenn ich jemandem erklären wollte, was ein Doofmichel ist, würde ich dieses Beispiel nehmen.

Fazit – die ARD braucht mehr öffentliche Kritik und demokratische Kontrolle. – Bürger in die Rundfunkräte, nicht Parteien- und Verbandsvertreter!

Wie wichtig die Reichspropaganda ist, wussten schon ganz andere. Im Grunde hat sich nicht viel geändert, auch Hitler hat vorher klar geschrieben, was er denkt und welche Ziele er hat. Auch er hat sich auf eine demokratische Legitimation bezogen. Auch er hat den „Frame“ vorgegeben, was man denken, schreiben und lesen darf, wie man sich konform verhält um keine Nachteile zu erleiden. Der einzige Unterschied bezogen auf die Medienlanschaft zum heutigen Zustand ist, dass die Gleichschaltung der Medien freiwillig passiert, getragen von moralisierenden Gesinnungsjournalisten und das man immerhin noch nicht ins Gefängnis kommt,bei nichtkonformen Meinugen. Es zählt nicht mehr richtig… Mehr

Ja, das klingt GENAUSO wie aus den Volksempfänger!
Oder aus dem …

Ich möchte doch zu gerne wissen, wieviel Medienmitarbeiter heute tätig sind, die früher in den Staatsmedien der DDR gewirkt haben.
Vieles was in dem „ARD Manuel“ zu erfahren ist, erinnert an die Agitationen des DDR-Staatsfernsehens.
Ich warte auf den Tag, daß mir verboten wird, ausländisches Fernsehen zu schauen!!

Lassen Sie die DDR ruhig aus dem Spiel! Die Mitarbeiter der „Staatsmedien“ wurden 1990/91 ausgemustert. Für den Aufbau von MDR und RBB gab es in den Sendeanstalten der gebrauchten Länder genügend Deppen, die zwar zum Kabelschleppen zu blöd, aber, da aus dem Westen, unbelastet waren. Wer sich von der Qualität dieser Sender ein Bild machen möchte, kann sie sich ja an einem beliebigen Tag zumuten. Sehenswert ist wohl nur der tägliche Wetterbericht. Hatte sich die 4. Gewalt noch vor 30 Jahren als kritischer Bertrachter der Politik gesehen, ist sie heute der Überzeugung, selbst Politik machen zu müssen. Dieser Strukturwandel ist… Mehr

Na na na, und was ist mit Karola Wille oder Maybritt Illner? Die stammende Mann beide aus dem „roten Kloster“, der Kaderschmiede des DDR-Journalismus.

Es braucht keine DDR-Veteranen, es gibt mehr als genug willigen und billigen ideologisierten kommunistischen Nachwuchs der sich für eine bequeme staatliche Anstellung begeistern lässt. Sieht man doch an den Verbindungen ÖR Antifa.

Diese „gelenkte Meinung“ der Öffentl. Rechtlichen schaue ich mir schon lange nicht mehr an und zahle die Gebühren mit der Faust in der Tasche. Man muss nur in die
Vergangenheit sehen und weis was die Zukunft bringt: DDR 2.0

Irgendwie wundert es mich nicht, dass sich die ARD von einer Person beraten lässt, die sich im Studium nach eigenen Angaben auf „Propaganda im Dritten Reich“ spezialisiert hat.

Siese Haushaltsabgabe ist keine. Meine beiden Kinder sind Studenten. Wenn diese im Wohnheim leben wird diese Haushaltsabgabe auch fällig. Ich zahle also 3 !!! Mal für dieses Propagandasender und wir schauen dieses Programm überhaupt nicht mehr.

Es gibt ja zwei Sorten von Zangsgebührenzahlern. Ich z.B. kam vor Jahren zu dem Schluss: wir nähen vor den Fernseher ein Gardinchen und wenn die Nachrichten kommen, ziehen wir es auf und rufen: Hurra, das Kasperle ist da. Aber ich konnte den Humor auf Dauer nicht durchhalten und die anderen aus der Family auch nicht und deshalb hören wir sie schon sehr lange nicht mehr an. Diejenigen, die sie framen wollen, sind also genau die, die sowieso schon da sind. Was soll das denn dann bringen?

Es gibt noch viel mehr Sorten von Zwansgabzocke. Ich habe zB meine Betriebstätte zuhause – sprich Homeoffice. Dafür zahle ich eine weitere Zwangsabgabe an das Propagandavolk. Für nichts und wieder nichts, kein Gerät zusätzlich (abgesehen davon dass ich sowieso kein TV mehr gucke und mir die Propaaganda im Radio auch nicht mehr antue, nicht mal mehr im Autoradio). Ich habe mir mit denen einen erbitterten Schriftverkehr deswegen geliefert. Die unglaubliche Arroganz, die aus deren Schreiben spricht („wir zocken dich auf jeden Fall ab oder sperren dir sowieso deine Konten“) wird irgendwann auf sie zurückschlagen. Als Selbständiger habe ich aber leider… Mehr