Wer hat Angst vor Schwarz-Rot-Gold?

Julia Klöckners Verwaltung erklärt nach außen sichtbares Schwarz-Rot-Gold in Abgeordnetenbüros für unzulässig. Die Union setzt die Tradition von CDU-Mutti Merkel fort, die die Deutschlandfahne 2013 auf offener Bühne entsorgte. Ihr verkrampftes linksideologisches Verhältnis zur Deutschlandfahne kostet die Union weitere Prozente.

Während draußen auf der Straße vorbeiziehende Demonstranten „Merz muss weg“ rufen und dazu Deutschlandfahnen schwenken, zeigen AfD-Abgeordnete aus ihren Bundestagsbüros ebenso: Deutschlandfahnen. Was in einem normalen Land als völlig selbstverständliche Geste durchginge, wird in Berlin zum Vorgang für die Bundestagspolizei. Die eigene Nationalflagge, aus einem Parlamentsbüro sichtbar, reicht offenbar aus, damit die Ordnungsmacht des Hohen Hauses anrückt. Die Verwaltung des Bundestages erklärt anschließend, Fahnen in Fenstern von Abgeordnetenbüros seien „grundsätzlich und unabhängig von der konkreten Symbolik nicht gestattet“. Das gelte ausdrücklich auch für Deutschland- und Europafahnen.

„Unabhängig von der konkreten Symbolik“ heißt im Klartext: Die Flagge dieses Landes wird im eigenen Parlament auf dieselbe Verwaltungsebene gestellt wie irgendein beliebiger Aushang, private Dekoration, beliebiges Stück Stoff am Fenster. Schwarz-Rot-Gold wird nicht verboten, weil es gefährlich wäre. Es wird eingehegt, weil seine Sichtbarkeit im politischen Berlin inzwischen als Zumutung gilt.

Julia Klöckner hat seit ihrem Amtsantritt Wert auf Neutralität und klare Regeln gelegt. Bei der Regenbogenflagge auf dem Reichstag begründete sie ihre Linie mit dem geltenden Flaggenerlass der Bundesregierung; gehisst werden sollte sie nach ihrer Entscheidung am Internationalen Tag gegen Homophobie, nicht zum Berliner CSD. Das war schon mehr als ein Verwaltungsakt. Es war ein Versuch, das Parlament aus dem täglichen Symbolkampf herauszuhalten. Nur zeigt sich nun, wie brüchig diese Haltung ist, sobald ausgerechnet die Deutschlandfahne zum Streitobjekt wird.

Die Bundesflagge ist kein Gruppensymbol. Sie steht für ein Land, dessen Parlament im Reichstagsgebäude tagt. Wer sie aus einem Abgeordnetenbüro zeigt, mag damit eine politische Botschaft – sowas schlimm Verruchtes wie Nationalstolz und Liebe zum Eigenen (boah, Pfui, alter, drei Jahre Karzer!) – verbinden. Die Flagge selbst bleibt die Flagge des Landes. Wenn diese Unterscheidung im Bundestag nicht mehr trägt, ist gewiss nicht die Fahne das Problem, sondern die politische Kultur.

Merkel und die Deutschlandfahne

Ein früheres Bild dieser Unions-Weichenstellung in die falsche Richtung stammt vom Wahlabend 2013. Angela Merkel steht im Konrad-Adenauer-Haus auf der Bühne, die CDU feiert ihren Sieg, Hermann Gröhe hält ein kleines Deutschlandfähnchen in der Hand, will damit winken, und Merkel nimmt es ihm sichtbar bestimmt weg wie einem ungezogenen Kind. Danach entsorgt sie die Fahne wie Abfall Richtung Bildrand. Unter dem Beifall aller Unionler. Haben Sie schon mal drauf geachtet, wer da alles dabei steht? Wir haben es für Sie noch einmal im Beitragsbild vergrößert.

Diese Szene steht vielen sinnbildlich für die Abschaffung Deutschlands durch die CDU/CSU. Es sei nur um das Bühnenbild gegangen, um Parteisymbolik, um die Trennung von Staat und Partei. Blablabla. Eine CDU-Kanzlerin, die im Moment ihres größten Triumphs die Nationalfarben nicht auf ihrer Bühne haben wollte und sie mit angewidertem Gesichtausdruck entsorgte. Viele entgeisterte Ex-Unionler meinen heute, das hat man doch alles nicht wissen können, wie massiv dieser Kanzlerwahlverein das Land auf Unkenntlichkeit ruinieren würde. Doch, das konnte man! Man konnte das alles voraussehen.

Hierin liegt die Vorgeschichte des heutigen Problems. Die Partei, die Jahrzehnte lang Kanzler stellte, gewöhnte sich daran, nationale Symbole nur noch protokollarisch, sportlich oder musealisch zu dulden. Merkel war darin Stilbildnerin. Ihre CDU konnte Deutschland regieren, aber sie wollte Deutschland auf der eigenen Bühne nur unter kontrollierten Bedingungen sehen.

Die Union hat sich jahrelang in die Lage manövriert, bei nationalen Symbolen nervös zu werden. Sie spricht gern von Heimat, wenn Wahlkampf ist. Sie redet von Zusammenhalt, wenn Umfragen schlecht sind. Sobald Schwarz-Rot-Gold aber sichtbar wird, sucht sie nach Verbotstatbeständen. So sieht eine Partei aus, die den Begriff Nation nur noch als Werbemotiv erträgt. Dann verschwindet sie aus dem Logo, dann kommt sie als kleines stilisiertes Umfrage-Farbtreppchen wieder rein, um ein paar letzten Wählern zu bedeuten, dass es zumindest als Comic Sans Style doch irgendwo um Deutschland geht. Ein bisschen. Vielleicht. Nee, lieber doch nicht…

Die überforderte Bundestagspräsidentin steht damit vor einem Widerspruch, den sie selbst nicht auflösen kann. Sie will das Parlament über Parteipolitik stellen. Doch ein Verbot, das die nationale Fahne aus den Fenstern des Bundestages verdrängt, wirkt im Land nicht neutral. Es wirkt wie die Fortsetzung jener politischen Allergie gegen das Eigene, die seit Jahren als höhere Sensibilität verkauft wird.

Gerade die CDU müsste begreifen, was sie hier angerichtet hat. Wer die Deutschlandfahne als potenzielles Ordnungsproblem behandelt, macht nicht die AfD stark, sondern legt vor allem die Entfremdung mit dem Eigenen offen zutage. Die AfD muss Schwarz-Rot-Gold nicht „nutzen“, um damit Wirkung zu erzielen; sie zeigt eine Selbstverständlichkeit, die anderen längst abhandengekommen ist. Nationalstolz wird in Deutschland seit Jahren unter grüner Ideologenfuchtel des Nazitums geziehen, bis schon die sichtbare Fahne als Provokation gilt. Dass die AfD damit Zustimmung findet, ist nicht ihre Schuld. Es ist die Folge einer politischen Kultur, die dem Bürger das Eigene austreiben will und sich dann wundert, wenn andere es wieder sichtbar machen.

Der Vorgang zeigt die geistige Verfassung eines politischen Betriebs, der vor den eigenen Farben zurückschreckt und sich dabei für besonders verantwortungsvoll hält. In anderen Ländern wäre die Szene nicht erklärbar. In Deutschland braucht es inzwischen offenbar eine Verwaltungsauskunft, um festzustellen, ob die Deutschlandfahne im Deutschen Bundestag sichtbar sein darf.

Bei Grünen und Linken ist die Deutschlandfahne klares Feindbild. Es geht um die Überwindung des Nationalen selbst: keine deutsche Identität, kein positiver Bezug zum eigenen Land, kein unbefangener Nationalstolz, keine sichtbaren Symbole, die Bürger an Herkunft, Geschichte, Staat und Zugehörigkeit binden. Schwarz-Rot-Gold stört dieses kaputte Weltbild sehr empfindlich, weil es etwas ausdrückt, das sich nicht in Klima, Klasse, Geschlecht, Minderheitenpolitik und globalen Moralprogrammen auflösen lässt. Die Fahne sagt: Dieses Land gibt es. Dieses Volk gibt es. Dieses Volk hat eigene Farben, unter der sich auch Zuwanderer einordnen bzw. darin aufgehen.

Die linksgrüne Verachtung für Schwarz-Rot-Gold hat eine lange Tradition. Sie führt nicht über missverständliche Sätze, sondern über Bilder, Parolen und Auftritte. Claudia Roth stand schon Anfang der neunziger Jahre mit Jutta Ditfurth und Angelika Beer vor dem Plakat „Nie wieder Deutschland“ und trabte dahinter durch die Straßen. Die Abschaffung und Überwindung Deutschlands ist grüne Parteiräson.

2015 lief Roth in Hannover bei einer Anti-AfD-Demonstration mit, auf der „Deutschland verrecke“, „Nie wieder Deutschland“ und „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“ gerufen wurden. Eine damalige Bundestagsvizepräsidentin inmitten solch eines Aufzugs: Genau dieses Bild blieb hängen. Wer so lange im antinationalen Milieu zu Hause ist, will Schwarz-Rot-Gold lieber gestern als morgen abschaffen. Mit ihrem Massenmigrationsprogramm ist es ihnen auch schon beinahe gelungen.

Im halbbesoffenen Größenwahn rief die Grüne Jugend zur EM 2016 aus: „Patriotismus=Nationalismus. Fußballfans Fahnen runter!“ Die Fahne soll runter, weil der positive Bezug zu Deutschland weg soll. Deutschlandfahnen sollten von Autos abgebrochen und von tieferstehenden Balkons geholt werden. Das sind die Grünen.

Kennen Sie Twister?

Und in diesem kaputten Fahrwasser bewegt sich seither die nach grüner Liebe lechzende Union. In zehn Jahren hat sie alles aufgegeben, was sie einmal ausgemacht hat. Und wie bei einem Spiel mit Twister hat sie zu lange versucht, alle ihre Gliedmaßen verrenkend auf die Linie Grün zu stellen. Aber da ist kein Platz mehr, da stehen schon zu viele drauf. Egal. Nun gut, dann muss man auch in Kauf nehmen, dass man bei so bekloppten Verrenkungen um die Nationalflagge beim nächsten Spielzug vom Rand kippt. Übrigens erklärt das auch einiges andere: Während Grüne, CDU, SPD und Linke sich alle auf den grünen Farbfeldern tummeln und gegenseitig stapeln, ist das ganze andere Spielfeld von ihnen geräumt worden. Hier kann sich die AfD auf allen Bereichen frei bewegen und Feld um Feld, Runde um Runde für sich entscheiden.

Patriotismus wird von der Linken (CDU ist hier schon inkludiert) nicht als legitime Bindung an das eigene Land behandelt, sondern als Vorstufe der Ausgrenzung. Nationalfarben werden nicht als demokratisches Symbol verstanden, sondern als Signal eines angeblich gefährlichen Bewusstseins. Wer Deutschland ablehnt, gilt als kritisch, aufgeklärt, sensibel. Aus dieser Verkehrung lebt der ganze Fahnenstreit bis heute.

Genau diese zersetzende Haltung wandert seit Jahren von einem staatsfeindlichen Aktivistenmilieu in Institutionen, Medien und Verwaltung.

Deutschlandfahne bzw. -farben? Staatsschutz!

Die Fälle der letzten Zeit sprechen für sich. In Nachrodt-Wiblingwerde wurden rund 40 Deutschlandfahnen aufgehängt; der Staatsschutz wurde eingeschaltet. In Hilchenbach tauchten Deutschlandfahnen an Laternen, Schildern, Hecken und Zäunen auf; auch dort wurde der Vorgang ein Fall für die Polizei. In Berlin-Neukölln zeigte der 87-jährige Joachim D. am 1. Mai 2024 eine Deutschlandfahne mit Adler von seinem Balkon, wurde beschimpft und mit Böllern beworfen; anschließend ermittelte die Polizei auch gegen ihn wegen des Verdachts der unbefugten Benutzung eines Hoheitszeichens. In Arnsberg-Neheim wurde eine Regenbogentreppe in Schwarz-Rot-Gold übermalt; danach war der Staatsschutz befasst. In Göttingen wurde eine Regenbogentreppe am Albaniplatz mit Deutschlandfarben übersprüht; auch dort ermittelte der Staatsschutz.

In Wismar scheiterte ein Antrag, dauerhaft die Flaggen Mecklenburg-Vorpommerns, Deutschlands und der EU an öffentlichen Gebäuden zu zeigen; gestritten wurde am Ende wieder vor allem über Schwarz-Rot-Gold.

Ein jüngster ARTE-Beitrag „Identität oder Nationalismus?“ ist denn auch der passende öffentlich-rechtliche Auftaktdreck zur Fußball-WM, wo den Deutschen wieder jede Möglichkeit an ein wenig Nationalfreude ausgebimst werden soll. Während alle anderen Länder fröhlich und ganz selbstverständlich mit ihren Nationalflaggen ihre Teams und Länder feiern, soll die deutsche unter einem Teppich aus linkem Koloanialismus- und Nazi-Schmodder asphaltiert werden. Der linksgrüne Aktivismus sitzt in diesen Anstalten an den Schreibtischen, in Redaktionskonferenzen und Abnahmeschleifen. Dort soll aus Schwarz-Rot-Gold und Patriotismus ein Problemfall und aus ganz normaler Freude am eigenen Land ein Zählwerk für noch mehr „Gegen Rechts“-Kohle für NGOs werden (auch das wieder unter Union-Verantwortung, na sowas).

Man sollte nie vergessen, dass die Union ein willfähriger Unterstützer dieser linksgrünen Ideologie ist. Es ist ihr nicht gelungen, die Uhren und Fehlentwicklungen nach Merkel zurückzudrehen. Klar ist: Sie möchte das auch gar nicht.

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Kommentare ( 108 )

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hoho
1 Monat her

Bei Britten und besonders in Schottland ist das seit Jahren ein Problem. Deshalb hat auch die nationale Gegenbewegung die eigene Flaggen als Symbol des Widerstands benutzt – das reizt die andere Seite ordentlich dann.

Juergen P. Schneider
1 Monat her

Wer die historisch ungebildeten Deutschlandhasser der Union weiterhin wählt, trägt Mitschuld am Untergang unseres Landes. Vielleicht sollte man der Weinkönigin mal ein Geschichtsbuch schenken, damit sie lernt, wofür die deutsche Nationalflagge im historischen Kontext steht. Im Übrigen ist das zeitlich beschränkte Schwenken einer Deutschlandfahne von einem Balkon des Bundestagsgebäudes in der Hausordnung des Parlaments keineswegs verboten. Die Bundestagspräsidentin kennt offenkundig nicht einmal die eigene Hausordnung. Was für ein Armutszeugnis

Mausi
1 Monat her

Ich bin der Ansicht, dass staatliche Gebäude nur „offiziell“ auf dem Dach oder vor dem Eingang an Masten beflaggt werden dürfen. Keine Fahnen aus Fenstern, keine Fassadenaushänge und auch keine Anstrahlung mit Slogans oder Ähnlichem. Die Beflaggung erfolgt mit der D Flagge. Sie darf ergänzt werden, durch die Flagge der EU und/oder die von Bundesländern.
Weder Regenbogen, noch die D Fahne aus Fenstern hat demnach am BTag oder ähnlichen Gebäuden etwas zu suchen.
Wie wohl Gerichte über eine solche Regelung ureteilen würden: Regenbogen ja, weil sie inkludiert und D nein, weil sie ausschließt?

Last edited 1 Monat her by Mausi
Peterson82
1 Monat her

Tja so ist das, wenn die Intelligenz in diesem Lande immer weiter schwindet. Für jeden, der sich mal mit der Historie dieser Flagge bzw. deren Farben befasst hat dürfte vollkommen klar sein, wofür sie steht. Und jeder der das in irgendeiner Form unterbinden will, diffamiert sich als Anti-Demokrat.

Peter Buchmeier
1 Monat her

Ich hoffe nur, dass obiges Bild nie in Vergessenheit geraten wird! Mehr noch, es sollte sehr prominent weiterhin veröffentlicht werden.
Nur für den Fall, dass Frau Dr. Merkel tatsächlich den Plan hegt, sich für das Bundespräsidentenamt zu bewerben. Menschen mit dieser Gesinnung braucht man natürlich dringend als ersten Repräsentanten des Landes. Die haben in dieser Rolle so gar nichts zu suchen!

Felix3
1 Monat her

Danke Sofia!

Mal wieder ein an Wahrheit und dringender Deutlichkeit kaum zu überbietender Artikel!

Aber werden es die ganzen strunz-dummen & Immer-noch-DCU/CSU-Wähler noch rechtzeitig begreifen?

Da habe ich leider schwere Zweifel…

Rob Roy
1 Monat her

In anderen Ländern hätte ein Regierungschef, der verächtlich eigene Flagge in die Ecke wirft, einen Skandal ausgelöst, hätte vielleicht zurücktreten müssen..
In Deutschland ist Merkel natürlich nichts passiert. Es wurde auch nicht darüber berichtet. Viele Menschen, denen ich seit 2013 davon erzähle, hören zum ersten Mal davon. Die meisten glauben es nciht. Merkel wurden von den etablierten Medien geschont und geschützt wie kein Politiker vor ihr.

JamesBond
1 Monat her

Einfach lächerlich diese Blockparteien am Ende schaffen sie sich selbst ab.

Karl Schmidt
1 Monat her

Schwarz-Rot-Gold war und ist das Symbol für einen liberalen, demokratischen und fortschrittlichen deutschen Staat. Seine Feinde haben es deshalb immer gehasst, versteckt, ersetzt oder verunstaltet. Die Mauerparteien richten sich selbst, denn sie beweisen hier, auf welcher Seite der Geschichte sie stehen. Das trennt unsere Demokratie von Unsererdemokratie, unsere Symbole von ihren.

Bernd Bueter
1 Monat her

Die CDU hat per SED Stasi IM Erika vom „süßen Gift“ des Sozialismus per Schmiergeld (Bimses) genascht und ist davon kriminell geworden. Der Rest ist Realität und Untergang.