Potsdamer Hauptbahnhof ein Kriminalitätsbrennpunkt

Die Erosion des Rechtsstaates findet auch am Potsdamer Hauptbahnhof statt. Ab 2015 gab es nachweislich eine zusätzliche signifikante Steigerung an Straftaten.

imago images / Jürgen Ritter
DB Bahnhof Hauptbahnhof Hbf Potsdam

„Gerät die Geburt ins Stocken, obwohl sie schon sehr weit fortgeschritten ist, kann eine Saugglocke oder eine Geburtszange eingesetzt werden.“ Einer Zangengeburt gleich kommen auch die Veröffentlichungen ansteigender Kriminalitätsraten im Bereich des Potsdamer Hauptbahnhofes. Die Fallzahlen haben sich gegen die schmerzhafte Geburt ans kalte Tageslicht der Öffentlichkeit mit Händen und Füßen gewehrt. Die Zange der Wissbegierigkeit griff jedoch mit einer „Kleinen Anfrage“ (PDF rechts oben) der Brandenburger Abgeordneten Björn Lakenmachen und Steven Bretz unbarmherzig zu. Nun liegt sie ungeschönt vor uns, diese Spätgeburt, über die im Folgenden zu berichten sein wird.

Als ich im März verwundert einem heruntergerasselten Vortrag der Leiterin des Ordnungsamtes im Potsdamer Rathaus lauschte, wurde mir einmal mehr die Hilflosigkeit dieser Behörde bewusst. Siehe Interview. So fiel es auch dem hinzukommenden Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) leicht, den verblüfften Zuhörern davon zu berichten, dass der Potsdamer Hauptbahnhof gar „kein Kriminalitätsschwerpunkt“ sei und er immer wieder inhaltlich darauf verwies, dass das „subjektive Sicherheitsempfinden“ bitte rein gar nichts mit der tatsächlichen Kriminalitätslage zu tun hat. Das Problem sein aufgebauscht und von „subjektiven Ängsten“ besetzt. Verharmlosungen und reines Wunschdenken.

Erfolgsmeldungen bitte! Hauptbahnhof kein Kriminalitätsschwerpunkt

Auch ein Polizeisprecher berichtete beschwichtigend: Ein „Schwerpunkt von Delikten, die aus größeren Gruppen heraus begangen werden“, sei der Hauptbahnhof „jedoch nicht“. Tendenziell beobachte die Polizei „bei Fahrraddiebstählen und Körperverletzungsdelikten einen Anstieg, wobei wir diese Entwicklung in ganz Potsdam feststellen, nicht nur am Hauptbahnhof“.

Auch die für das Bahnhofsinnere verantwortliche Bundespolizei stimmt in den Kanon der Glückseligkeit mit ein: Der Potsdamer Hauptbahnhof sei „kein kriminalitätsbelasteter Schwerpunkt innerhalb der Bundespolizeidirektion Berlin“. Das Gesamtstraftatenaufkommen im Bundespolizeirevier Potsdam blieb zurückliegend nahezu unverändert auf gleichem Niveau.“ Überhaupt sei Potsdam eine sichere Stadt und die Kriminalitätszahlen sinkend. Wenn man es mit Acapulco in Mexiko vergleicht stimmt das auch, mit München hingegen nicht.

Das Brandenburger Innenministerium spricht dagegen von einem Kriminalitätsbrennpunkt: Diebstähle und Rohheitsdelikte, insbesondere Körperverletzungen sind in dieser Kategorie seit 2014 dramatisch angestiegen. Der Anstieg der Gesamt-Straftaten im Bahnhof betrug zum Beispiel seit 2010 das Viereinhalbfache, bei Delikten der Körperverletzungen seit 2014 das Vierzehnfache. Von der verborgen gebliebenen Dunkelziffer, die erfahrungsgemäß um ein Vielfaches höher als das sogenannte Hellfeld liegt, einmal ganz zu schweigen.

Interessant ist aber nicht nur der Hauptbahnhof an sich, sondern auch dessen unmittelbares Umfeld. Ein Polizeisprecher sieht auch auf dem Bahnhofsvorplatz keine „herausragenden Kriminalitätsschwerpunkte“: „Eine relative Häufung registrierter Fälle im Bereich Hauptbahnhof/Platz der Einheit würde an einer höheren Polizeipräsenz an diesen Orten, liegen, da dann natürlich mehr Feststellungen getroffen und Anzeigen aufgenommen“ werden.

Da richtigerweise erwähnt, viele Polizisten vor Ort viele Strafanzeigen und somit eine „gestiegene statistische Fallzahl“ zur Folge haben, könnten demzufolge Innenminister, die viel Personal auf die Straße bringen, zukünftig keine gesunkene Kriminalität in ihren Polizeilichen Kriminalstatistiken (PKS) mehr verkünden. Und jetzt denken wir an die vielen schönen Erfolgsmeldungen der letzten Jahre und den damit verbundenen vorangegangenen Stellenabbau bei Justiz und Polizei. „Deutschland ist viel sicherer geworden!“ Macht es Klick? Bingo! Einfaches kann so einfach sein. Der Stellenabbau hat sich statistisch gesehen nicht nur finanziell, sondern auch politisch gesehen, hervorragend bewährt.

Videoüberwachung: Die Polizei schaut zu

Ich kann mich noch gut an eine Sitzung des Brandenburger Innenausschusses zum Thema Videoüberwachung am und im Hauptbahnhof erinnern, bei der ich anwesend war. Dort ging es um die Kriminalitätssteigerungsrate von 125 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine Erklärung dafür konnte die Polizeiführung damals nicht abliefern. Vielmehr versuchte man darauf zu verweisen, dass die Kriminalitätserhöhung auf die angeblich gestiegene Einwohnerzahl Potsdams zurückzuführen sei. Daraufhin konnte sich zur allgemeinen Erheiterung im Saal eine grüne Abgeordnete nicht die Bemerkung verkneifen, dass es ihr neu wäre, dass Potsdam innerhalb eines Jahres die Einwohnerzahl um 125 Prozent gesteigert hätte. Konkret wurde im Gegensatz dazu der Landeschef der GdP: „Wir wissen, dass wir nicht reagieren können“. Selbst wenn ein Beamter etwas beobachte, sei die Polizei in Potsdam „personell gar nicht in einer angemessen Zeit in der Lage, sofort zu regieren und einen Streifenwagen vorbeizuschicken, um den Täter aufzugreifen“.

Gefühle, Gefühle und nochmals Gefühle!

Nein, Sie befinden sich beim Lesen nicht in einem Prosaroman für Teenager. Es geht um knallharte Kriminalitätsbekämpfung, bei der man gern mit Wattebällchen wirft! OB Schubert hat inzwischen die rettende Idee: „Wenn Menschen sich im öffentlichen Raum bewegen, müssen sie sich sicher fühlen.“ Es sei gemeinsame Aufgabe der Stadt, Polizei und Sozialarbeit, für ein entsprechendes Sicherheitsgefühl zu sorgen. Auch wenn es zwischen der gefühlten Sicherheitslage „und dem, was Zahlen hergeben, eine Diskrepanz geben kann“.

Zur Verbesserung der „subjektiven Gefühlslage schlage ich folgende Erfolgsmeldung vor: „Am Potsdamer Hauptbahnhof hat es schon seit vielen Jahren erfreulicherweise keine Angriffe auf den Luft- und Seeverkehr gegeben!“

Meine Gefühle hebe ich mir dann doch lieber für die genüsslichen Dinge des Lebens auf. Eine keineswegs nur gefühlte Diskrepanz sehe ich allerdings zwischen der tatsächlichen Kriminalitätslage und den „Gefühlen“ der Verantwortlichen, die sie hartnäckig versuchen, in die Öffentlichkeit zu projizieren. Nicht die gebetsmühlenartig zitierten Ängste der Bürger sind das Problem, sondern der Umgang mit den Kriminalitätsfakten durch Teile der Politik. Bösen Zungen könnten auch leicht von bewussten Täuschungsmanövern sprechen.

Die Erosion des Rechtsstaates findet auch am Potsdamer Hauptbahnhof statt. Ab 2015 gab es nachweislich eine zusätzliche signifikante Steigerung an Straftaten. „Bei den Gewaltdelikten im gesamten Stadtteil Südliche Innenstadt hatten 41 Prozent der Täter keinen deutschen Pass.“ Zu diesem Bereich wird der Hbf. hinzugerechnet. Somit sind Ausländer natürlich nicht allein schuldig aber gemessen am Potsdamer Bevölkerungsanteil deutlich überrepräsentiert.

Kriminalitätszahlen? Rücken wir nicht raus!

Bei einer Presseanfrage im März 2019 räumte man einen „Kriminalitätsschwerpunkt“ ein, jedoch um daraufhin sofort mäßigend hinzuweisen:

„Genaue Zahlen zu den Straftaten und Vorkommnissen am Bahnhof kann die Polizei allerdings nicht nennen. Diese würden in der Statistik nicht erfasst; die kleinste räumliche Einheit seien die Stadtteile. Der Hauptbahnhof zählt in der Polizeistatistik zur Südlichen Innenstadt. Hier zeigt sich: Seit 2016 hat die Gewalt-Kriminalität – einfache Körperverletzungen eingerechnet – nicht merklich zugenommen.

Nun, vielleicht nicht ab 2016, aber ab einem früheren Vergleichsdatum gerechnet ganz massiv. Hier werden manche nicht ganz zu Unrecht nur noch „Bahnhof“ verstehen. Da haben wir sie wieder, die Relativierung, da man jedes mit jedem vergleichen kann, um damit jede beliebige Botschaft in einem guten Licht erscheinen zu lassen. Grundwissen beim Umgang mit Statistiken. Nicht auf die Zahl kommt es an, sondern darauf, diese mit positiven oder negativen Vergleichen willkürlich ins Verhältnis zu setzen – um das erwünschte „Gefühl“ beim Leser oder Zuhörer zu erreichen.

Ein Polizeipräsident a. D. sagte mir vor einigen Tagen, es muss gelingen, wieder zur Sacharbeit zurückzukehren. Dieser Satz löst bei mir außerordentlich positive Gefühle aus.


Steffen Meltzer, Autor von Ratgeber Gefahrenabwehr: So schützen Sie sich vor Kriminalität – Ein Polizeitrainer klärt auf

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Kommentare ( 35 )

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35 Kommentare auf "Potsdamer Hauptbahnhof ein Kriminalitätsbrennpunkt"

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Ich habe Angst, abends als alte Frau unterwegs zu sein. Deutschland steht am Abgrund. In Neapel oder Palermo fuehle ich mich sicherer. Da helfen auch Statistiken von unseren Behoerden nichts.

Dank scheunengroß offener Grenzen in alle Richtungen ist Deutschland insgesamt ein Kriminalitätsbrennpunkt.

Keiner der Verantwortlichen Politiker kann sagen, er habe nichts gewusst. Der „Umgang mit den Kriminalitätsfakten durch Teile der Politik“ ist fahrlässig und auf Dauer für die Gesellschaft gefährlich. Die Fakten liegen auf dem Tisch, es wird aber nicht gehandelt, sondern beschwichtigt und schöngeredet. Wider besseres Wissen! Das erinnert irgendwie an die Entstehungsgeschichte der Familienclans. Auch hier ahnten bzw. wussten Politiker und Behörden schon vor vielen Jahren, was da heranreift. Getan wurde sehr wenig, ging es doch um „bereichernde“ Zuwanderer. Der kindlich-naive Glaube, die zweite oder dritte Generation der „Libanesen“ werde sich schon irgendwie integrieren, hat sich als fatale Fehleinschätzung erwiesen.… Mehr

Das Ding ist, viele glauben das, weil sie gutgläubig, staatsgläubig sind….stand doch in der Welt, die Straftaten sind zurückgegangen, haben die gestern in der Tagesschau gesagt….natürlich, so ganz ohne Wirklichkeitsallergie geht das nicht…viele müssten sich ehrlich machen und zugeben, dass sie wohl einer euphemistischen Beschreibung der Folgen einer unverantwortlichen Politik aufgesessen sind und verteidigen deswegen umso heftiger ihren falschen Standpunkt……noch zu lächeln, während einem das Hälschen durchgeschnitten wird, hat es so in der Geschichte noch nicht gegeben – wie gehirngewaschen!!

Soll ich mir jetzt mal vorstellen, was im Falle einer Abwahl der rotlinksgrünen Einheitsfront (ja, dazu gehört auch die CDU) geschähe? Üblicherweise macht eine neue Regierung ja erstmal einen „Kassensturz“. Was, wenn eine AfD-geführte Regierung einen „Statistik-Sturz“ durchführen würde? Natürlich kann ich das nicht wissen, aber ich vermute mal ganz stark: Diese Vorstellung kann keiner rotlinksgrünen Regierung behagen. „Wir Deutschen“ sind nämlich Weltmeister im Erstellen von Statistiken. Vor rd. 80 Jahren bewiesen wir der Welt, zu welch statistischer Glanzleistung wir fähig sind. 6 Millionen erfassen, keinen übersehen und das Alles ohne Einsatz elektronischer Hilfsmittel. Meine feste Überzeugung: Jegliche Statistik –… Mehr

Na das ist ja mal eine pessimistische Sichtweise. Wir wäre es denn mal damit: Deutschlands Zukunft sieht man in Deutschland? Au weia – mir wird ganz anders. Leute, gebt nicht auf. Wir sind viele. 🙂

Es sind diese dümmlichen, bodenlosen Optimisten, die nix kapiert haben, die die heranrollende Dampfwalze noch mit Teddybärchen und Blumen bewerfen … hinterher wundern sie sich dann, warum sie sie überwalzt … aber dann is es zu spät.

„Die Erosion des Rechtsstaates findet auch am Potsdamer Hauptbahnhof statt.“
Ach? Was für eine Überraschung. An welchem Hauptbahnhof findet die „Erosion des Rechtsstaates“ eigentlich nicht statt?

Gibt es eigentlich eine Statistik, in welcher Höhe sich ehemalige SED-Mitglieder so in Berlin und Umgebung noch in den Parlamenten tummeln? Das würde eventuell vieles erklären.

Potsdam ist überall…!

Mensch Herr Meltzer, da haben se doch die Nazis vergessen. Nazis, Nazi und nochmals Nazis all überall dort in Brandenburg. Denn der Woidke, dortselbst Oberhäuptling der Sozen und übriger Landeskinder, hatte doch schon 2016 die fortschrittliche, linke Methode der Erstellung der Kriminalstatistik so erklärt:

„Bei der Polizei wird jeder Übergriff, bei dem nicht erwiesen ist, dass er keine rechtsextreme Motivation hat, in die Statistik hineingezählt.“