Griechenland braucht Hilfe – und einen Schuldenerlass

Alle Welt schimpft auf die Griechen. Sie haben sich mit falschen Statistiken in die Eurozone eingeschlichen, sie haben Strukturreformen verschlafen, sie haben Tausenden von Verstorbenen weiter Rente gezahlt und so weiter. Die Staatsverschuldung ist seit 2014 ist von 183 auf 316 Milliarden Euro gestiegen.

Ja, das ist alles richtig. Aber richtig ist auch, dass die Arbeitslosenquote bei über 25 Prozent liegt, die Jugendarbeitslosigkeit (November 2014) sogar bei 50 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland sind nur 7,4 Prozent der 15-24jährigen ohne Arbeit. Was wäre bei uns los, wenn wir vergleichbare Zahlen hätten? Wir können die Griechen mit ihren Nöten nicht allein lassen.

Klar, die Griechen haben sich das im Großen und Ganzen selbst eingebrockt. Aber sie werden aus ihrer Misere niemals herauskommen, wenn man ihnen nicht einen Teil ihrer Schulden erlässt oder wenigstens die Rückzahlung der Schulden für einige Jahre aussetzt. Wenn in einem Land unvorstellbare 50 Prozent der jungen Leute keine Stelle finden, (übrigens auch in Spanien, wo die Jugendarbeitslosigkeit sogar bei 53,5 % liegt), ist die halbe Jugend ohne Perspektive.

Viele Besitzer griechischer Anleihen, darunter viele Banken, kassieren von Griechenland angenehm hohe Zinsen von 5% und mehr, weil sie gnadenlos darauf spekulieren, dass Europa für die griechischen Schulden haftet, wenn Griechenland zahlungsunfähig wird. Das Lamentieren deutscher Ökonomen stört sie da wenig. Und genau das will ja auch der viel kritisierte EZB-Präsident Mario Draghi, wenn er demnächst Anleihekäufe durch die EZB startet: Zunächst kauft die EZB den Gläubigern griechische Anleihen ab, die neue Linksregierung kann dann gleich ein Moratorium beschließen, also die Aussetzung der Rückzahlung, und die EZB kann dann als Gläubiger Griechenland einige Schulden erlassen – Höhe noch ungewiss.

Griechenland muss nicht aus dem Euro austreten (nach einem Austritt wäre die Schuldenlast durch eine abgewertete Währung noch viel größer). Und es wäre die erste wirkliche Chance auf einen Neustart. Ich denke, wir müssen in diesen sauren Apfel beißen. Aber wir brauchen ergänzende politische Maßnahmen.
Verbunden damit könnte beispielsweise die Auflage eines kolossales Finanzierungsprogramms zum Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit in der Eurozone sein (in der es übrigens nur 3 Länder mit weniger als 10 Prozent Jugendarbeitslosigkeit gibt). Denn die größte Gefahr besteht darin, dass nach Griechenland weitere Länder einen Schuldenerlass verlangen. Durch ein aktive wirtschaftspolitische Unterstützung könnte unterhalb eines weiteren Schuldenerlasses politisch gegensteuern. Es kann in den Armenhäusern Europas nicht nur ums Sparen gehen, es muss auch investiert werden: In Infrastruktur, vielleicht in Freihandelszonen, vor allem aber in Ausbildung.
Wenn Europa zusammenwachsen soll, und das wird in diesen Zeiten immer wichtiger, dann werden die reichen Länder wie Deutschland etwas abgeben müssen.

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