Friedrich Merz: „Da müssen wir jetzt einfach mal ein bisschen mehr tun“

Ein instinktloser Bundeskanzler Merz kann mit seinem "Work-Life-Balance"-Schmu nicht aus seiner Haut. Während eines Auftritts in Volkmarsen in Hessen verhöhnt er abermals diejenigen, die die Folgen auch seiner desaströsen Politik tragen müssen und den ganzen Laden trotzdem noch irgendwie am Laufen halten. Wie lange noch?

picture alliance / Eibner-Pressefoto

Volkmarsen, Nordhessenhalle, Freitagabend 27. Februar 2026: Unter dem Motto „Der Kanzler kommt: Merz & Rhein Live“ trat Friedrich Merz gemeinsam mit Hessens Ministerpräsident Boris Rhein vor CDU-Publikum auf.

Auf der Agenda standen NATO und Ukraine, Europas Verteidigung ohne die USA, EU-Überregulierung, Binnenmarkt, Bürokratieabbau, Bürgergeld, Energie- und Industriepolitik, Steuerreform, Sozialreformen sowie sein Kurs, Mehrheiten „in der Mitte“ zu suchen.

Dann kam der Satz, der hängen blieb. Merz sagt, Deutschland sei „nicht mehr leistungsfähig genug“. Und er setzt nach, mit dem Tonfall eines Chefs, der die unproduktive Belegschaft zusammenstaucht, weil die Zahlen nicht stimmen: Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche lasse sich der Wohlstand nicht halten, man müsse schon „ein bisschen mehr tun“.

Das Muster ist nicht neu, nur die Kulisse wechselte. Schon in vorherigen Auftritten drehte Merz an derselben Schraube: weniger Schonung, mehr Arbeitszeit, mehr Druck. Er macht daraus eine moralische Frage und stellt sie so, dass am Ende immer derselbe Schuldige feststeht: der gewöhnliche Erwerbstätige. Im Januar 2026 kam die Quittung in der bürgerlichen Mitte selbst: Der Vorwurf lautete, Merz beleidige genau jene, die dieses Land am Laufen halten.

In Volkmarsen treibt Merz das nochmal auf die Spitze, weil der Außenkanzler mit den vielen Weltreisen seine Lieblingsschelte an die arbeitende Bevölkerung als Anekdote seines letzten China-Trips tarnt. Erst streichelt er sein Publikum: „Jeder Einzelne“ werde sagen, er tue „schon eine ganze Menge“. Dann kommt das „Stimmt auch“ als Feigenblatt – und gleich danach der Tritt. Wer aus China komme, sehe „noch mal deutlicher“, dass Deutschland so nicht durchhalte. Wie weit China Deutschland wirtschaftlich abgehängt hat und auf wessen Konto das tatsächlich geht, ist nochmal ein ganz anderes Thema.

Debatte über Ausfallzeiten
Friedrich Merz tritt gegen Krankheitstage an – die Krankheitstage gewinnen
Merz hatte denselben Druckpunkt zuvor auch beim Krankenstand gesetzt. Er verwies auf die Anzahl der Krankheitstage, sprach von „fast drei Wochen“ und fragte öffentlich, ob das „wirklich richtig“ und „wirklich notwendig“ sei. Aus „ihr müsst mehr leisten“ wird damit ein Rundumsignal: länger durchhalten, weniger ausfallen, weniger Schonraum – und zwar genau bei denen, die den Laden ohnehin tragen. Die Leute würden gerne mal so eine Entschlossenheit in den Ansagen hören und sehen an diejenigen, die 300 Termine beim Arbeitsamt verpassen oder schlicht nicht in Parallel- sondern mittlerweile vielmehr in Gegengesellschaften leben.

Aus dem Wirtschaftsministerium kam zuletzt zusätzlich die Stoßrichtung, dass die Lebensarbeitszeit weiter nach hinten geschoben werden müsse – bis hin zu einem Renteneintrittsalter, das perspektivisch bei 70 liegen kann. In der Summe ergibt sich die gleiche Botschaft: länger arbeiten, weniger ausfallen, mehr leisten – während Entlastung im Alltag ausbleibt.

Vielleicht redet Merz ja nur über seinen Eindruck von denjenigen in seiner direkten Umgebung und über das, was er nach dieser Beobachtung für Arbeit hält. Das würde manches erklären in dieser realitätsfernen Weltsicht dieses Mannes.

Und während Merz also den arbeitenden Leuten Arbeitsmoral predigt, zeigt Berlin gleichzeitig noch einmal die blanke Verachtung für jeden, der rechnen muss. Ab 1. Juli 2026 steigen die Diäten der 630 Bundestagsabgeordneten um 4,2 Prozent, also um 497 Euro pro Monat, auf nunmehr rund 12.330 Euro. Automatisch, ohne Debatte, ohne jedes Signal von Verzicht. Wer im Parlament sitzt, bekommt die Anpassung nach Index. Wer draußen arbeitet, bekommt die dreiste Belehrung vom Kanzler.

Merz’ völlige Instinktlosigkeit ist dabei das eigentliche Problem. Er hält Tralala-Vorträge über Work-Life-Balance, während Millionen längst nicht mehr über Balance reden, sondern Überleben. Er schimpft über Vier-Tage-Woche, während viele nicht wissen, wie sie mit Vollzeit noch die Miete, die Energiekosten und den Einkauf bezahlen sollen.

Hochmut kommt vor dem Fall
Mehr arbeiten für Merz und Co: Die Transfer-Oligarchie fordert weniger Krankheitstage
Die Menschen würden gern mehr zurücklegen, überhaupt irgendwas haben, was sie ansparen könnten. Manche wirft die nötige Anschaffung einer neuen Waschmaschine als ungeplante Ausgabe schon völlig aus der Bahn. Mehr Sicherheit schaffen, mehr Spielraum gewinnen – aber wovon denn?! Zu viele in diesem Land, in dieser ehemaligen Industrienation auf dem absteigenden Ast, haben keinerlei Spielraum dafür. Und manch andere sehen auch keinen Sinn mehr, weil am Ende der Staat zuerst zugreift und der Alltag den Rest frisst. Der Bezug zu den Realitäten im Land war bei diesem Mann offenbar noch nie vorhanden.

Und in alldem stellt sich Merz hin und sagt: „Wir müssen jetzt einfach mal ein bisschen mehr tun.“ Wir?! Meint er sich? Und mehr tun wofür? Damit am Monatsende noch weniger übrig bleibt? Damit jede Anstrengung verpufft? Damit man weiter ein System finanziert, das immer neue Empfänger und Beamtenstellen zur Verwaltung produziert, aber den Zahlern nur neue Pflichten aufbürdet? Ein stetig wachsendes Hehr an arbeitsunfähigen wie -unwilligen Migranten aus allen Ländern dieser Welt, die Sozialstaat wie Gesundheitsversorgung bis an die Substanz aufzehren?

Merz hat sich entschieden, die falschen Leute zu adressieren, weil es billig ist und am wenigsten Widerstand bringt. Arbeitnehmer und Selbstständige haben keine Lobby. Er redet nicht über die Kosten des politischen Apparats, er redet über die angebliche Trägheit der Bürger.

Wer so redet, redet nicht zu denen, die diesen dysfunktionalen, alles abwürgenden Laden noch am Laufen halten, sondern über sie. Der Satz trifft nicht die gut abgesicherten Milieus, die sich jedes neue Modewort leisten können. Er trifft die Kassiererin, die Frühschicht fährt, den Handwerker, der abends noch Angebote schreibt, den Schichtarbeiter, der den Körper verschleißt, damit die Bänder laufen. Merz stellt sie in eine Ecke, in die sie nicht gehören: als Teil eines Landes, das sich angeblich zu viel Schonung gönnt, während er und seinesgleichen es sich auf ihren Knochen bequem macht und dünne Reden schwingt. Wer im Krankenhaus Dienst schiebt oder auf dem Bau steht, braucht keine China-Vorlesung, um zu wissen, was Leistung ist.

Die Lage der Nation
Wer arbeitet, ist der Dumme – wer noch mehr arbeitet, ist dümmer
Deshalb folgten die Reaktionen sofort. Auf X entlud sich die blanke Wut, verdienter Spott und sehr viel Zorn. Am Monatsende bleibe nichts mehr, Rücklagen sind unmöglich, Miete, Energiekosten, Lebensmittelspreise fressen alles auf. Dazu erhärtet sich bei vielen die Gewissheit, dass sie gleichzeitig immer neue von denen da oben aufgebürdete Lasten tragen – einen Staat, der wächst und sich aufbläht, internationale Verpflichtungen, die immer nur mehr Geld ins Ausland transferieren, während hierzulande alles vor die Hunde geht. Merz reagiert darauf nicht mit Entlastung, sondern mit Spott in Krawatte: Ihr seid nicht fleißig genug. Ihr müsst mehr tun. An euch liegt’s!

Neu ist diesmal, dass Ausschnitte der Rede dieses Bundeskanzlers der zweiten Wahl nicht im deutschen Biotop stecken blieb. Er ging raus in die Welt – und kam als Gelächter zurück. Internationale Accounts teilen Merz’ Moralpredigt wie ein Fundstück aus dem politischen Museum: Ein Kanzler, der den Leuten „mehr leisten“ erklärt, während die eigene Klasse sich automatisch höhere Bezüge genehmigt.

Deutschland ist ein Land, dessen Führung den Kontakt zum Alltag und den Kontoauszügen der arbeitenden Menschen im Land schon lange komplett verloren hat.

Merz’ Problem ist nicht, dass er über Arbeit spricht. Sein Problem ist, dass er die Arbeitenden zum Adressaten seiner insgeheimen Verachtung macht. Links ist nicht vorbei, Links steckt ganz tief in ihm drin.

Merz wollte wieder einmal Entschlossenheit und Stärke zeigen, heraus kam abermals ein durch die Weltgeschichte torkelnder Mann, der nach unten tritt. Dafür bekam er Applaus im Saal. Draußen bekam er das, was seine Pose nicht überlebt: die einfache, brutale Frage, die alles zerlegt. Mehr arbeiten – ja. Aber nicht für ein System, das seine Träger permanent herabwürdigt und sich völlig schamlos selbst bedient.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 93 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

93 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
AlNamrood
7 Tage her

Wie gesagt: Zuerst will ich Anwesenheitskontrollen im Bundestag sehen. 8 Stunden Arbeitstag. Fernbleiben nur mit amtsärztlichem Attest. Wie also ein normaler Arbeitnehmer auch.

Edward S.
7 Tage her
Antworten an  AlNamrood

Und Handyverbot, bitte.

Privat
7 Tage her

Für den lügenden Merz werde ich überhaupt nichts tun.
Der kann schwafeln, was er will, die ewigen Lügen und das Täuschen haben mein Vertrauen in die BRD endgültig zerstört.
Und die abartige Hetze des CDU Außenkanzlers gegen Russland und jetzt noch gegen den Iran – Habe gelesen, Der dünne CDU Mann würde zusammen mit England und Frankreich den Iran angreifen lassen.
Für die heruntergewirtschaftete kriminelle BRD mache ich nichts mehr.

Contra Merkl
7 Tage her

Wir Arbeiten nicht zu wenig sondern die Steuern sind zu hoch, Ukraine und die Klimarettung verbrennen das Geld, dazu Millionen illegal Eingewanderten, die EU die uns ausplündert. Mit unseren Steuergeldern wird ja die Jobverlagerung auch noch bezahlt. Sich da hinstellen und sagen wir müssen mehr arbeiten ist völliger Unsinn. Wird die Energie immer teurer durch Co2 Steuern wird hier immer weniger produziert. Versteht nur Fritz nicht. Der hat von Wirtschaft so viel Verstand wie Habeck.

Nibelung
7 Tage her

Es gibt Schwätzer die nichts können, was Merkel ja schon in früheren Jahren bestätigte und ihm den Laufpaß gegeben hat und nun kam er durch die Hintertür der Jubelwahl, voll gespickt mit Lügen aller Art und dem Anflug von Selbstüberschätzung um der arbeitenden Bevölkerung mitzuteilen wo es lang geht und dabei selbst Schulden macht wie ein Weltmeister und dabei noch auf das Vermögen der Bürger schielt, für alle Fälle, wenn das Experiment krachend scheitern wird. Solche Typen, die Vorteilsnahme vermutlich eher schätzen, als Schwielen an den eigenen Händen, wollen dann den Leuten einheizen um die eigenen Fehler zuzudecken und zur… Mehr

AlexR
7 Tage her

Jeder Satz von ihm, jedes Wort! Immer ein weiterer Angriff auf den Bürger und Steuerzahler. Mehr kann er nicht! Ich wünsche ihm nur, dass seine Amtszeit schnellstmöglich zu Ende geht.

„Pinocchio“!

Last edited 7 Tage her by AlexR
Sonny
7 Tage her

Alles richtig.
Aber:
Welche Idioten wählen denn nach wie vor immer wieder dieselben Dilettanten der Altparteien?
Ganz Deutschland scheint völlig den Verstand verloren zu haben.

Vallis Blog
7 Tage her

Der Kanzler wies chon mehrmals darauf hin, dass Menschen in der Schweiz jedes Jahr im Schnitt 200 Stunden mehr arbeiteten als Deutsche. Er sehe „keine genetischen Unterschiede“ zwischen den Menschen in den beiden Ländern, die es rechtfertigten, dass in Deutschland weniger gearbeitet werde als in der Schweiz. „Die Arbeitskosten in unserem Land sind einfach zu hoch, und wir müssen von diesem hohen Niveau runter“, sagte er. Nun, wenn nichts mehr hilft, soll es offensichtlich die Wählerbeschimpfung richten. Denn wieder einmal erzählt Merz nur Quatsch, den er nicht nur beim Weltwirtschaftsforum in Davos breit trat.   Versucht man die unterschiedlichen Volkswirtschaften verschiedener Länder… Mehr

Last edited 7 Tage her by Vallis Blog
Dorn
7 Tage her

Es müssen immer mehr begreifen, wenn in der deutschen Politik das Wort Wohlstand fällt, geht es nicht zum den Wohlstand derer die ihn schaffen sondern um den Wohlstand der Politiker und deren Klientel das sie vertreten. Kündigt alles eure Stellen und in spätestens 2 Monaten haben wir die Möglichkeit dieses Land neu auszurichten. Mit Merz und und Co kann es nicht weitergehen.

NurEinPhilosoph
8 Tage her

„Marode WestLB. Merz kassiert 5000 Euro am TagEr sucht einen Käufer für die krisengeplagte WestLB – und lässt sich dafür fürstlich entlohnen: 5000 Euro soll Friedrich Merz als Tageshonorar erhalten. Grüne und SPD bezweifeln, dass der Ex-Fraktionschef der Union das Geld wert ist. …Seit Sommer 2010 sucht der ehemalige Unions-Fraktionschef Friedrich Merz einen Käufer für die marode Landesbank – und bezieht dafür ein Tageshonorar in Höhe von 5000 Euro. Das berichtet „stern.de“ und beruft sich auf interne Unterlagen des staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin, dem „Handelsblatt“ ist diese Summe nach eigenen Angaben aus dem Umfeld der WestLB bestätigt worden.“ (1)„Landesbanken. Friedrich Merz… Mehr

Innere Unruhe
8 Tage her

Hat sich Herr Merz Flüchtlingslager in China zeigen lassen? China grenzt an Afghanistan. Wie viele Afghanen hat China aufgenommen? Das müssten sicherlich weit mehr sein als bei uns, denn wir liegen am anderen Ende der Welt von Afghanistan aus gesehen.
Wenn Herr Merz sich an China orientiert, soll er auch fragen, wie viele Kilometer Radwege, Kühlschränke, Queer-Projekte in Lateinamerika und Afrika China denn umgesetzt hat?
Vielleicht sollten wir uns auch bei Ausgaben an China orientieren.

Edward S.
8 Tage her

Erstmal die Diäten erhöhen, oder?

AlexR
7 Tage her
Antworten an  Edward S.

Als „Vorbild“ voran eben! Mehr Geld für Nichtstun. Natürlich nur für die Richtigen.