Nach der Vorsitzendenwahl ist vor dem Stellungskrieg. Wolfgang Kubicki regiert jetzt gegen 40 Prozent seiner Partei. Seine linken Gegner werden versuchen, ihn zu zermürben. Dabei gäbe es eine Alternative zum endlosen Flügelkampf.
picture alliance / dts-Agentur
Gleich nach der Vorstandswahl ging es munter weiter mit dem Hauen und Stechen. In der „Bild“-Zeitung ließ Wahlsieger Wolfgang Kubicki ausrichten, Wahlverliererin Marie-Agnes-Strack-Zimmermann wisse jetzt ja, „wo der Hammer hängt“.
Die parteiintern aus Gründen der sprachlichen Übersichtlichkeit meist MASZ genannte Dame antwortete: „Dass einer alles vorgibt und alle anderen hinterherlaufen, ist Geschichte.“ Auf „X“ bewies sie dann erneut, dass Loyalität und Mannschaftsspiel nicht zu ihren politischen Kernkompetenzen gehören:
— Marie-Agnes Strack-Zimmermann (@MAStrackZi) June 1, 2026
Ihr Parteitag hat der FDP einen neuen Vorsitzenden beschert – und eine alte Erkenntnis bestätigt: In dem Laden stehen sich zwei weltanschaulich inkompatible Lager gegenüber, die sich nur irgendwie den Namen teilen.
Zwei Flügel ohne Körper
Auf der einen Seite, derzeit innerparteilich mit einer 60-Prozent-Mehrheit, stehen Kubicki und die Rechtsliberalen mit ihrer Ausrichtung: Steuersenkungen, ordnungspolitische Strenge, migrations- und sicherheitspolitische Härte sowie eine skeptische Haltung gegenüber EU-Transfers und staatlicher Industriepolitik. (Wolfgang Kubicki war in seinen jungen Jahren übrigens ein dezidierter Sozialliberaler, aber das nur am Rande.)
Auf der anderen Seite stehen MASZ und ihre Linksliberalen: progressive Gesellschaftspolitik, staatliche Klimapolitik, eine unerschütterliche EU-Orientierung und ein Verständnis vom Staat als unverzichtbarem, aktiven Förderer des sozialen Aufstiegs.
Dazwischen ist: nichts.
Zwischen diesen beiden Lagern laviert jeder FDP-Vorsitzende. Entsprechend ist die Politik der FDP in den vergangenen 30 Jahren zunehmend schizophren. Sie will gleichzeitig in zwei entgegengesetzte Richtungen – so wie die doppelköpfige Kreuzung aus Einhorn und Gazelle im US-Märchen „Dr. Dolittle“. In der deutschen Übersetzung hat dieses Wesen den treffenden Namen „Stoßmichziehdich“.
Im Ergebnis hat die Partei den Bürgern zweimal genau das Gegenteil der Politik versprochen, die sie dann tatsächlich gemacht hat. Folgerichtig flog sie, völlig zurecht, zuletzt binnen weniger Jahre zweimal aus dem Bundestag: 2013 und 2025.
Die beiden Flügel der FDP machen zusammen keine regierungsfähige Partei, sondern einen dauernden innerparteilichen Bürgerkrieg.
Geburtsfehler
Das freilich ist nun kein Betriebsunfall des Jahres 2026, sondern in der DNA der FDP seit 1948 angelegt.
Schon die Parteigründung kurz nach dem Zweiten Weltkrieg führte zusammen, was bereits damals gar nicht zusammengehörte: einen nationalliberal-ordoliberalen Strang, der auf Markt, Ordnung, Eigentum und Skepsis gegenüber Umverteilung setzte – und einen linksliberalen, bürgerrechtlichen Strang, der aus dem Widerstand gegen Autoritarismus eine starke Betonung von Minderheitenschutz und internationaler Einbettung ableitete.
Historisch trugen mal die einen, mal die anderen die Partei – die Marktliberalen bei wirtschaftspolitischen Weichenstellungen, die Bürgerrechtsliberalen in Phasen der Gesellschaftsöffnung. Doch der vermeintliche Kompromiss war selten mehr als gekaufte Zeit: Sobald es um konkrete Koalitionen ging, prallten die grundsätzlich miteinander unvereinbaren Weltanschauungen aufeinander.
Die chronischen Gleichgewichtsstörungen der FDP in Regierungsbündnissen – Wende 1982, geplatzte Koalitionsverhandlungen 2017, Ampel 2021 – sind kein Zufall, sondern die zwangsläufige Folge eines strukturellen Dilemmas.
Spaltung als Befreiung
Manchmal sollten wir unsere Begriffe viel wörtlicher nehmen, als wir das gemeinhin tun.
„Lösung“ kommt von „lösen“. Die Lösung für das ewige Dilemma der FDP liegt genau hier: Die so unheilvoll miteinander verschweißten Teile der Partei sollten sich voneinander lösen.
Spaltung, jetzt.
Warum jetzt? Weil die aktuelle politische Landschaft die inneren Widersprüche der Partei so schonungslos offenlegt wie noch niemals vorher.
• Wer Klimapolitik à la Greta will, muss massive staatliche Investitionslenkung wollen. Das ist für aufrechte Rechtsliberale undenkbar. Oder man akzeptiert, dass nicht jedes Weltproblem in Deutschland gelöst werden kann. Das werden Linksliberale nicht akzeptieren.
• Die EU wird entweder auch fiskalisch zu einem Imperium ausgebaut, oder die Staaten fangen an, Risiken und Kompetenzen wieder zu renationalisieren. Beides zugleich geht nicht.
• Die Gesellschaftspolitik setzt entweder auf individuelle Freiheit oder auf staatliche Zwangs- und Erziehungsmaßnahmen wie dem „Selbstbestimmungsgesetz“. Es geht nur das eine oder das andere.
• Entweder, man sieht die Massenmigration als Problem für das Staatsvolk – oder man sieht das Staatsvolk als Problem für die ungebremste Migration. Dazwischen gibt es nichts.
Wenn die FDP weiter versucht, auf diese klaren Fragen keine klaren, sondern im Zweifel sogar widersprüchliche Antworten zu geben: Dann wird sie verschwinden, egal wie der Vorsitzende heißt.
Und das völlig zurecht.
Vorbilder im Ausland
Fast überall sonst in Europa gibt es mindestens eine dezidiert rechtsliberale und mindestens eine dezidiert linksliberale Partei – und zwar getrennt voneinander.
In Dänemark:
Venstre (agrarisch-marktliberal, moderat konservativ) und Radikale Venstre (sozialliberal, klar proeuropäisch) existieren parallel.
In den Niederlanden:
VVD (rechtsliberal, wirtschafts- und sicherheitspolitisch straff) und D66 (linksliberal, proeuropäisch, gesellschaftspolitisch progressiv) konkurrieren und koalieren.
In Tschechien:
ODS (marktwirtschaftlich, konservativ) und die Piraten bzw. STAN (bürgerrechtlich, proeuropäisch, dezentral) besetzen die entgegengesetzten Pole des liberalen Spektrums.
In Estland:
Reformierakond (marktliberal, proeuropäisch) und Eesti 200 bzw. Sozialliberale adressieren unterschiedliche liberale Milieus.
In Spanien, umgekehrt, zeigen Aufstieg und Fall von Ciudadanos, was passiert, wenn eine Partei zwischen rechtsliberalem und sozialliberalem Profil hin- und hergerissen ist. In Phasen klarer Positionierung wuchs sie rasant; im Zickzack verlor sie binnen kürzester Zeit Vertrauen.
Politische Arithmetik
Zwei klar unterscheidbare liberale Parteien würden die Wählerschaft der FDP nicht halbieren. Sie würden, im Gegenteil, viele neue Wähler dazugewinnen – die heute aus Enttäuschung CDU, Grüne oder auch gar nicht wählen.
Zwei liberale Parteien wären zusammen wesentlich größer als die eine FDP, die es jetzt gibt. Denn diese FDP, wie sie jetzt ist, ist kleiner als die Summe ihrer Teile.
Auch Koalitionsbildungen werden nicht schwerer, sondern planbarer. Eine Spaltung würde nicht zur Aufgabe liberaler Politik führen, sondern zur Befreiung zweier liberaler Projekte, die sich im Moment gegenseitig fesseln und manchmal auch ersticken.
Der politische Liberalismus in Deutschland wird nicht leiser, wenn er zweistimmig spricht. Am Ende ist das seine einzige Chance, überhaupt noch gehört zu werden.

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Den tieferen Sinn des X-Post-Fotos erschließt sich nicht. Das ist ein Gummihammer, oder in groß ein sog. Stopfhammer. Damit bekommt man Pflastersteine in den Sand, aber keine Nägel in die Wand.
Herr Kubicki ist ein ehrenwerter Mann, mit dem ein Abend zu verbringen, jedem zur Ehre gereicht, was für Frau Merkel in umgekehrtem Maße gilt.
Doch bedarf es einer nahezu übermenschlichen Kraft, seine Partei auf den wirtschaftsliberalen Pfad zurückzuführen, den seine Vorgänger vor vielen Jahren verließen.
Insofern wird Herr Kubicki als dramatische Figur enden.
Mit dem Ausdruck der Sympathie
Kubicki ein ehrenwerter Mann 😂
Ich halte es für eine Illusion zu glauben, dass die 60%, die nach der verrückten Intervention von Strack-Zimmermann für Kubicki gestimmt haben, für „Steuersenkungen, ordnungspolitische Strenge, migrations- und sicherheitspolitische Härte sowie eine skeptische Haltung gegenüber EU-Transfers und staatlicher Industriepolitik“ sind. Noch nicht einmal Kubicki nehme ich es ab, dass er für diese Ziele steht, schließlich hat er im Bundestag immer wieder anders abgestimmt. Die FDP ist längst eine weitere linke Partei geworden. Kubicki ist aber der Mann, der die wegen ihrer Ampelpolitik abgestrafte FDP bei den Wählern wieder populärer machen kann, weil er ihnen Besserung vorgaukelt, so wie er in… Mehr
Die Gelben waren schon seit Menschen Gedenken eine Trittbrettfahrer-Partei, weil es früher schon nie zu eigenen Mehrheiten gereicht hat und man sich dann jeweils den beiden großen Parteien angedient hat um überhaupt politisch mitentscheiden zu können. Das hat man immer gut verstanden sich in der Öffentlichkeit anzupreisen, obwohl ihre Handschrift nie zu erkennen war, weil sie stets der größeren Partei mehr oder weniger verpflichtet waren und das ist bis heute so geblieben und wird sich auch nicht ändern, denn ihr Ziel ist lediglich Mitglied in einer Regierung zu werden und bei der letzten Koalition hat man doch ganz deutlich gesehen,… Mehr
Das der Autor jetzt die Spaltung der FDP wünscht ist wegen seiner großen Distanz zu den Idealen der Partei verständlich. Mit liberalen Grundprinzipien, wie der Menschenwürde, hat man hier schließlich nichts am Hut.
Er weiss genau, dass diese Spaltung das Risiko für die FDP unter die 5% zu rutschen erhöht. Das ist sein Ziel. Dasselbe gilt für die CDU/CSU, wenn diese ein Bündnis mit der AfD einginge, würde diese 1/3 bis 1/2 der Wähler verlieren. Demokratische Kräfte schwächen wo es geht, ist die Devise, um den rechtsextremen Kräften den Weg zur Macht zu bahnen.
Das und dass, ein ewiges Mysterium. Aber schlaue Reden schwingen. Puh.
Wenn man so so sehr leidet an dem was man liest, warum liest man es dann? Um durch Kommentare zu bekehren? Das wird nichts, denke ich. Für einen Konservativen und TE-Vielleser klingt es wirr, was Sie behaupten. „Mit liberalen Grundprinzipien nichts am Hut …“?, „… mit Menschenwürde nichts am Hut“?. „…FDP unter 5 % drücken wollen“?, „rechtsextremen Kräften den Weg bahnen“? Das ist wirr. Die Sorte Verwirrheit der ultragrauen Maus B. Bas, für die alle Deutschen grau sind.
Jetzt auch noch TICHY mit Bericht ueber die FDP, wie Nius und Apollo und auch Lanz. Ziel ist die FDP in den BT zu schreiben um diese Partei wieder zum Machterhalt der Etablierten zu gebrauchen.INSA und FORSA helfen gerne und heben sie schon wieder auf die 5% Huerde.Dabei ist diese Partei – wer Freiheit und Frieden meochte – unwaehlbar. Und das Chamaeleon Kubicki hat schon so oft die Farbe gewechselt um der Macht Willen und die Kriegstreiberin MASZ schreit nach noch mehr Geld fuer die Ukraine. Eine FPOE wie in Oesterreich suchen wir hier vergeblich und einen authentisch, realistischen, buergernahen… Mehr
Wenn du Nationalismus nicht im Herzen trägst dann machst du auch keine Politik für dein Volk sondern für deine Geldgeber! Eine „rechtsliberale“ FDP ist dann eine CDU = globalistische Partei die dir Masseneinwanderung beschert weil globale Konzerne und Banken das so wollen!
Warum verliert man noch Worte über eine Partei, die dieses Land zerstört hat und nicht liberal ist.
Sie können sich alle die Finger blutig wundschreiben oder in die Tasten hämmern daß die Schwarte kracht.
Im historisch verbrieften Stammland der FDP in Baden-Württemberg krachend aus dem Landtag geflogen. Mehr gibts eigentlich dazu nicht zu sagen. Eigentlich. Aber sie versuchen es halt. Bis die FDP bei „Sonstige“ landet. Dann fällt vielleicht doch der Groschen.
Meine Prognose für die kommenden 3 LT-Wahlen im Herbst: RRRRAUUSSSS!
FDP = Foll Dämlich Prinzipienlos
FDP Fast Drei Prozent
Eine „Spaltung“ (spalten würde voraussetzen, dass überhaupt etwas Verschiedenes existiert) der FDP würde überhaupt nichts bringen. Denn eine links“liberale“ Partei (an dem genannten Profil ist überhaupt nichts liberal) gibt es in Deutschland mit den Grünen bereits. Man braucht keine zweiten Grünen. Außerdem ist es bezeichnend dass die FDP im Wahlkampf immer auf der rechtsliberalen Schiene fährt, aber dann im Erfolgsfall links“liberale“ Politik macht. Immer. Es gab in den letzten 50 Jahren noch nie einen Fall wo es andersherum gewesen wäre. Auch nicht unter Kohl/Genscher Ergo die logische Schlussfolgerung, dass es den „rechtsliberalen Flügel“ gar nicht gibt. Auch nicht unter Kubicki… Mehr
Zumindestens sah man in Genscher einen Mann der WIRKLICH Frieden wollte. Ansonsten war und ist mir schon immer schleierhaft was an der FDP ausser den Altparteien zur Regierung zu verhelfen , denn LIBERAL sein soll? Siehe meinen Kommentar zum Corona Impfzwang und Kubickis Ansichten zur AfD! FDP NEIN DANKE