Familienbetrieb Kaddor? Public Private Partnership? Öffentlich-rechtlicher Rundfunk?

Im Deutschlandfunk macht eine kleine Spezi-Clique islamische Politik und Geschäfte. Über die peinlichen Verwicklungen eines öffentlich-rechtlichen Senders und einer islamistischen Geschäftemacherin.

Screenshot: WDR

Man darf keine paar Monate lang weg sein. Leser vermissen einen, was sehr nett und irgendwie auch ungewohnt ist. Die SPD überschlägt sich in immer abstruseren Forderungen. Peter Tauber mobbt die CDU und sich selbst um Kopf und Kragen. Kurz: es geht alles drunter und drüber.

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Wann immer ich durch Duisburg fahre, Verwandte in Hochfeld, Wanheimerort, Homberg und Neudorf/Wedau besuche – oder Freunde in Marxloh und Meiderich; wann immer ich in diesen zunehmend maroden Stadtteilen bin, sehe ich sie nie. Wo ich sie aber lustigerweise öfter sehe als im Fernsehen: Im Innenhafen von Duisburg. Die Rede ist von Lamya Kaddor.

Nun kann man dazu sagen, dass der Innenhafen auch gleichzeitig die beste Seite der Stadt Duisburg darstellt. Unternehmen haben sich in umgebaute Lofts und Fabriketagen eingemietet. Soweit man von hip sprechen kann, sind die hippen Restaurants oder Gastronomie, die teuren Eigentumswohnungen heute alle am Innenhafen zu finden.

Man will die Menschen ja auch nicht so beim Essen stören oder sie ohne Termin ansprechen und in ein Gespräch verstricken. Also gehe ich auch jedes Mal brav weiter.

Nun, ich komme aus dieser Stadt im Ruhrgebiet, in der auch Frau Kaddor zuhause ist. Manche sagen: Da möchte man ja nicht überm Zaun hängen, geschweige denn dort anhalten, aus dem ICE steigen und den Bahnhof verlassen, und ich verstehe, was gemeint ist. Die Stadt war schon seitdem ich denken kann ein interessantes, groß angelegtes Integrationsexperiment in NRW. Vielerorts leider auch das nicht gelungene. Bereits in meiner Schule waren die Herkunftsdeutschen in der Unterzahl. Diese Verhältnismäßigkeit hat sich im Laufe der Jahre immer weiter verschoben. Mein jüngerer Neffe besucht das beste Gymnasium in Duisburg, in seiner Schulklasse gibt es noch zwei ‚Herkunftsdeutsche‘.

Ein Teil der Königstrasse im Zentrum verkommt zusehends, am Sonnenwall ist ein großer Leerstand der Gewerbeimmobilien zu beklagen. Schon am Morgen stehen sich in Höhe Sonnenwall immer mehr Asylbewerber, zumeist aus Nordafrika mit all ihren Dokumenten die Beine in den Bauch. Ihnen gegenüber Alkoholiker mit Bierflaschen, die beinahe jede öffentliche Sitzgelegenheit okkupieren. Eine skurrile Szenerie.

Selbstmarketing
Über die Legende vom liberalen Islam der Lamya Kaddor
Auch auf dem Abschnitt habe ich Lamya Kaddor noch nicht gesehen. Verstehe ich. Das würde sie vielleicht in die Verlegenheit bringen, eventuell auch mal darüber zu schreiben, was mit der Stadt passiert, was in der Stadt passiert. Aber versuchen Sie mit solch einem Thema dann mal einen Verlag zu finden; mein türkischer Stiefvater hat dies vergeblich versucht. Mitunter hat er Sprachschulen besucht, wo türkische Landsmänner ihm den Vogel zeigten, weil er „so doof war und arbeiten wolle“. Das war vor sechs Jahren. Wie er die Berliner Stadtteile, wie Neukölln oder Kreuzberg erfahren hat. Was er dort erfahren hat. Aufgezeichnete Erlebnisse wie diese wollte allerdings kein Verlag drucken.

Wozu und wann Sie aber immer einen Buchvertrag, Anrufe und Einladungen bekommen werden? Dann, wenn man als Muslim sagt, was bei der Integration auf Seiten der Deutschen alles falsch läuft und warum die Deutschen im Grunde ihres verkorksten hysterischen Wesens doch immer nur die dummen Nazis geblieben sind. Also die da draußen. Nicht die in den Redaktionsstuben. Das sind die guten.

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Nun. Einige Langzeitleser kennen mich. An diesem Moment halte ich mal inne und erinnere mich an die von Frau Kaddor angerufene Bringschuld. Dann atme ich ein und sage: Nun, hier ist schon mal meine:

Vielleicht sieht man Lamya Kaddor im nächsten Monat aber dann doch mal  gegenüber der Kö-Galerie. Dort, wo die (neue) deutlich größere und schönere VHS ihren Sitz hat, nachdem sie Höhe ehemaliger Mercatorhalle wegen kompletter Neugestaltung des Areals weichen musste.

Dort in der VHS findet dann ein interessanter Kurs statt: „Gibt es einen muslimischen Antisemitismus in Deutschland?“ (…) Der Politik- und Islamwissenschaftler Thorsten Gerald Schneiders skizziert das Verhältnis von Islam und Judentum und thematisiert den muslimischen Antisemitismus in Deutschland.“ 

Thorsten Gerald Schneiders. Etwa der Thorsten Gerald Schneiders, der Islamwissenschaftler und Redakteur vom Deutschlandfunk? Dort, wo Lamya Kaddor mit ihrem Interview am 29.09. den Auftakt gegeben hat?

Etwa der Thorsten Gerald Schneiders, Redakteur beim Deutschlandfunk, Islamwissenschaftler aus Duisburg, der im persönlichen Dank in seinem Buch „Heute sprenge ich mich in die Luft….“ explizit seiner Frau Lamya Kaddor  derdankt?:

„Ein ganz persönlicher Dank geht abschließend an meine Frau Lamya Kaddor, die mich mit ihrem Esprit und ihren fachlichen Tipps selbst aus tiefsten Tiefpunkten wieder herauszuholen und aufzubauen vermochte.“

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Ist doch jetzt ein lustiger Zufall, oder? Jedenfalls eine bemerkenswerte Überschneidung.

Gerd Buurmann fasst in seinem Beitrag zusammen:

„Liebe Lamya Kaddor,
unter der Überschrift „Islamkritik, die niemand braucht“ schrieben Sie Ende 2015 in der ZEIT:
„Diese Stimmungsmache, die heute Personen wie Hamed Abdel-Samad vertreten und früher Leute wie der Journalist Henryk Broder, die Autorin Necla Kelek und der Schriftsteller Ralph Giordano verbreitet haben, machen Millionen Menschen in diesem Land ganz konkret das Leben schwer – manchmal sogar unerträglich.“

Jedenfalls beginnt die Vermarktung des neuesten Buches von Kaddor/Schneiders wo? Im Deutschlandfunk. Da sitzt ja der Herr Gatte und seine Spezln. Lamya Kaddor wird interviewt. Ein Hinweis auf die familiären Verbindungen – Fehlanzeige. Ein Hinweis auf die finanziellen Verflechtungen? Fehlanzeige. Es ist ja nur der Start der Propaganda-Schlacht. Von dort aus verbreitet sich die Botschaft von der Verfolgung der Islamistischen Propagandistin über andere ARD-Sender und das ZDF.

Neben offenbar auch guten Kontakten in die Redaktion der ZEIT, wo man jedes Jahr Artikel ähnlicher Tonation verfassen kann, ohne dass es – die Redaktion jedenfalls – langweilt, finde ich es schon irgendwie sehr praktisch, dass sich diese Namensabfolge schon so bei Thorsten Gerald Schneiders in „Die Schattenseite der Islamkritik“ gefunden hat. Da musste man gar nicht mehr lange herumsuchen und kann das dann einfach in einem Beitrag wie bei ZEIT anschließend runtertackern.

Danach kommt dann wieder der Deutschlandfunk. Der frühere Chefredakteur Rainer Burchhardt zieht in einem Kommentar eine direkte Linie von den Kritikern der Lamya Kaddor zu den Nazis, die in der Ukraine das Massaker von Babi Jar verübt haben. Wer also wagt, die Ehefrau eines DLF-Redakteurs wegen ihrer fragwürdigen Geldgeschäfte zu kritisieren, ist ein Nazi-Scherge? Es ist alles in einem: Verharmlosung der Nazi-Verbrechen, Geschäftsbesorgung für eine Kollegen-Gattin, Missbrauch des öffentlichen Rundfunks für Privatbeziehungen und schlicht Dummheit.  Aber der DLF hat doch einen Ruf zu verlieren; den einer journalistischen Instanz. Davon ist nicht mehr viel übrig seit der Beutenahme durch die Spezl-Wirtschafterei. In den „Verhaltensgrundsätzen“ des GEZ-Senders heißt es: „Wir achten auf die Unabhängigkeit des Handelns und insbesondere des Programms und halten professionelle Distanz zu Politik, Wirtschaft, Verbänden, Parteien und religiösen oder weltanschaulichen Gemeinschaften. … Themen, Produkte, Dienstleistungen, Firmen oder Institutionen werden im Programm allein aus journalistischen Gründen erwähnt.“

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen. Eine Ehepaar missbraucht den Sender, ein Ex-Chefredakteur befördert das neue Buch im Programm – Distanz zu einem hetzerischen, islamistischen Verein?

Gerade der letzte Punkt wird peinlich für den DLF. Denn Lamya Kaddors Werke sind nicht mit den Programmgrundsätzen vereinbar. In ihrem Verein sammeln sich aggressive Islamisten, bereit, mit der Waffe in der Hand zu kämpfen: 

Aber mit dem Gatten spielt man sich die Bälle zu. Der findet, dass CDU und CSU eine Art christlichen Islamismus verfolgen. Wie bitte? Beide verfolgen „eine politische Strategie, eine politische Ideologie und berufen sich dabei auf das Christentum“.  Lieber Deutschlandfunk, was machst Du da? Bildschirmfoto 2016-10-01 um 21.26.12

Gleich im ersten Absatz – und das ist dann doch in dem Zusammenhang besonders lustig:

„Eines fällt beim Blick in das „islamkritische“ Schrifttum des deutschsprachigen Raums schnell auf: Die erste Garde der so genannten Islamkritiker bildet einen gut vemetzten Zirkel. Die meisten Protagonisten schützen sich, stehen füreinan­der ein und verweisen aufeinander. In Interviews, Diskussionsbeitragen und Schriften sind sie einer dem anderen Gewährsmann, Inspirationsquelle und Vor­bild.“

Also hat man was gegen gut vernetze Zirkel? Außer gegen die eigenen natürlich.

Oder auch hier:

„In Ihrem eigenen Beitrag fokussieren Sie unter anderem Henryk M. Broder, Ralph Giordano, Necla Kelek und Alice Schwarzer, die Sie als „sogenannte Islamkritiker“ titulieren.“ 

Natürlich heißt es da in den Verhaltensgrundsätzen, was eigentlich selbstverständlich sein soll: „Wir trennen unsere dienstlichen Aufgaben strikt von privaten Angelegenheiten oder den Angelegenheiten unserer Angehörigen und Lebenspartner/innen und vermeiden bereits den Anschein persönlicher Begünstigung.“

Aber es geht um mehr. Der Deutschlandfunk, so der Staatsvertrag zu seiner Gründung, soll  „dazu beitragen, die Achtung vor Leben, Freiheit und körperlicher Unversehrtheit, vor Glauben und Meinung anderer zu stärken. Die sittlichen und religiösen Überzeugungen der Bevölkerung sind zu achten. Die Sendungen sollen dabei vor allem die Zusammengehörigkeit im vereinten Deutschland fördern sowie der gesamtgesellschaftlichen Integration in Frieden und Freiheit und der Verständigung unter den Völkern dienen und auf ein diskriminierungsfreies Miteinander hinwirken….Herkunft und Inhalt der zur Veröffentlichung bestimmten Berichte sind sorgfältig zu prüfen.“

Für die Gattin eines Deutschlandfunk-Redakteurs gilt das alles nicht. Da werden Programmgrundsätze über Bord geworfen. Sie darf ihren radikalen Islam über den Sender predigen.

In einem weiteren Beitrag schreibt Gerd Buurmann:

Der Bericht von kulturzeit macht mich schlicht fassungslos!

In Anwesenheit von Lamya Kaddor sagen mehrere Schülerinnen und Schüler, dass Menschen, die den Islam beleidigen, den Tod verdient hätten. Ein Schüler gesteht sogar, dass er jemandem den Kopf abschneiden würde, wenn er jemand träfe, der seine Religion beleidigt.

„Wenn ich den Koran zerreißen und auf den Boden werfen würde, hätte ich verdient zu sterben“, fragt Lamya Kaddor und erntet von mehreren Schülerinnen und Schülern eine klare Antwort: „Ja, klar!“

Der Journalist David Harnasch kommentiert die Taubheit Kaddors mit diesen Worten:

„Doch, klar! War Frau Kaddor da nicht im Raum oder ist sie schon komplett betriebsblind und taub? Der adipöse Globalisierungsgewinner mit dem Arafatlappen um den Hals hat das mehr als klar und deutlich gesagt. Kein Wunder, dass der sauer ist, weil ihn keiner ernst nimmt. Dabei wäre es in seinem und in unserem Interesse, wenn man ihm mal zuhören würde.“

Im Jahr 2008 hörte Lamya Kaddor nicht zu. Ein paar Jahre später zogen fünf ihrer Schüler für den Dschihad nach Syrien. Wenn Layma Kaddor die Schulleitung und die Polizei nicht über jeden Schüler und jede Schülerin informiert hat, die offen erklärt haben, im Namen der Religion töten zu können oder Verständnis für Menschen aufgebracht haben, die im Namen einer Religion töten, ist sie mitverantwortlich dafür, dass Extremismus und Fundamentalismus gedeihen.

Sie hat tatsächlich getätigte Morddrohungen verharmlost und geleugnet, mehrfach und nachhaltig! Für diese Toleranz gegenüber Morddrohungen wurde sie vom Schuldienst nicht befreit. Stellen wir uns mal vor, ein Lehrer im Unterrichtsfach Politik hätte vernommen, wie mehrere Schülerinnen und Schüler in seinem Unterricht erklären, Verständnis für Nazis zu haben, sogar töten zu wollen, um dann hinterher zu behaupten, niemand habe wirklich gesagt, jemanden töten zu wollen, aber ein paar Jahre später verüben einige seiner Schüler einen rechtsradikalen Anschlag. Nichts anderes ist der Fall mit Lamya Kaddor.

Das ist also der Hintergrund der Lobhudelei im Deutschlandfunk: Islamistische Hetze und Rechtfertigung oder Verharmlosung, bis irregeleitete Kinder zur Waffe greifen.

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Die Leser von Tichys Einblick wissen um meinen wahrhaft multikulturell zu bezeichnenen familiären Background. Meine Schwester trägt den Hidjab und hin und wieder dann auch mal ein Kopftuch, was sie sich auch durch Zureden ihrer Töchter (moderne Muslimas in Paris und Marokko) sowie meine Wenigkeit nicht ausreden lässt. Sei’s drum. Für das Tragen des Kopftuchs wurde sie allerdings noch nie angefeindet und auch sonst nicht blöd angemacht. Sie denken, dass man mit einem Kopftuch in Duistanbul (wie es liebevoll von ZUGEZOGENEN genannt wird) nicht mehr weiter auffällt? Vielleicht könnte man das gelten lassen, aber sie fährt ja auch quer durch die Republik. Allerdings lächelt sie die Menschen fröhlich an – und so kommt es dann auch zu ihr zurück. Sie fährt auch in den Osten Deutschlands. Aber verflixt und zugenäht – auch da ist irgendwie nichts zu berichten von Anfeindungen gegenüber einer mittelgroßen leicht untersetzen Frau mit adrett unterm Kinn gebundenem Reisekopftuch (ja, das gibt es).

Frau Kaddor schreibt in ihrem Beitrag auf ZEIT Online:

„Ich habe sie (die Deutschen oder „Deutschomanen“) daran erinnert, dass nicht nur Einwanderer eine Bringschuld haben, sondern auch sie (die Deutschomanen): Die Mehrheit muss integrationswillige Menschen und deren in Deutschland geborene Nachkommen respektieren, und zwar auf Augenhöhe. Seit 50 Jahren und länger leben hier immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund. Wir sind heimisch geworden, haben Wurzeln geschlagen und hier Kinder in die Welt gesetzt. Wir sind Deutsche! Deshalb liegt es auch in unserem Interesse, diese Gesellschaft mitzugestalten. Das ist unser Recht und sogar unsere Pflicht. Stets wurde uns zugerufen: Integriert euch! Nun integrieren wir uns, machen von Rechten und Pflichten Gebrauch, und nun ruft uns man uns zu: Haut ab!“ 

Meine Schwester hat die marokkanische Staatsbürgerschaft, mein Schwager ist Türke. Meine Cousinen sind Halbtürkinnen. Meine Stiefschwestern Türkinnen. Meine Nichten und Neffen? Marokkaner. Alles Muslime. Auch trotz immer wieder neuerlicher Vorkommnisse seit Silvester ist bisher keinerlei Anfeindung zu erleben. Keine Sprüche. Und glauben Sie mir: Meine Verwandten aus Nordafrika sehen auch aus wie aus Nordafrika.

Hm. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass sie sich ansonsten einfach integriert haben? Also integriert integriert. Sie haben Freunde jeden Glaubens und jeder Hautfarbe. Gerade war meine Nichte mit ihrem Ehemann, der eigentlich aufgrund seines markanten Vornamens zu erwartende Sicherheitsprobleme an internationalen Flughäfen erfahren sollte (was aber – potzblitz – nicht der Fall ist) auf Reise mit anderen Paaren in Tokio. Beide machen Karriere in internationalen Großunternehmen. Mein älterer Neffe studiert fleißig. Sowohl sie als auch Menschen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis können keine Diskrimierung feststellen wie z.B. hier zu lesen.

WDR_Aktuelle_Stunde_290916Warum erleben meine muslimischen Verwandten keine Ausprägungen von Rassismus und Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit etc., Frau Kaddor aber schon? Den einzigen Unterschied, den ich erkennen kann, ist der: Dass meine Verwandten kein Buch verkaufen wollen oder es sie sonstwie in die Öffentlichkeit drängt. Sie bringen sich ein und leben – bis auf Kopftuch, zu Hause beten und Ramadan – ein westliches Leben. Und das ist sehr gut so, wenn man sich in ein Leben in einem anderen Kulturkreis als dem eigenen einbringt und aufbaut. Der Ankommende bringt sich ein. Dieser Antrieb zum Ankommen-wollen sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Leider sprechen wir aber größtenteils bei Muslimen von Problemen, was diese eigene Bereitschaft und den eigenen Willen dazu anbelangt. Darüber muss man offen reden können. Nichts anderes tun wir hier beim Einblick.

Ich bemerke eine kontinuierlich wachsende Abneigung der Menschen, sich Vorschriften machen zu lassen, Forderungen nach diesem und jenem noch weiter Gehör zu schenken. Sei es von Politikern, sei es von Publizisten, Autoren, Journalisten, Aktivisten oder Muslimen und hohen Dienstgraden der Katholischen wie Evangelischen Amtskirche. Darüber, was die Menschen zu glauben, zu denken, zu sehen und zu fühlen haben. Um erst dann gut zu sein, wenn man glaubt, denkt, sieht und fühlt, wie sie es vorbeten.

In dieses Klima hinein mit immer noch mehr Forderungen zu stoßen, führt im günstigen Fall (für andere) zu einer Abkehr und einem Rückzug ins Innere, im schlimmeren Fall (für andere) zu einer Überhitzung und einer Reaktion nach Außen.

Vielleicht stört Frau Kaddor und andere aber auch, dass von den Unterzeichnern der Freiburger Deklaration, der Reformmuslime, auch einige als Autoren beim Einblick schreiben. Die Säkularen Muslime haben ein breites Medienecho erfahren. Im Zuge dessen, dass immer mehr Politiker z.B. Volker Beck die DITIB ebenso deutlich kritisieren wie auch die Reformmuslime Azizi und Toprak – und auch zunehmend weitere Politiker z.B. NRW auf Distanz zu DITIB gehen, Kooperationen auf Eis gelegt oder ganz gestoppt werden, lässt offenbar einige die Felle davonschwimmen sehen.

„Die Freiburger Deklaration setzt sich für ein liberales Islamverständnis und gegen die gezielte Desintegration ein. Der Gegenwind war absehbar.“, schreibt Regine Mönch in der FAZ und schließt mit „Lamya Kaddors Liberale fürchten um ihr bewährtes Geschäftsmodell der vormundschaftlichen Opferstilisierung.“

Da Frau Mönch sich in dem Artikel im Gegenzug zu Autoren anderer Medien etwas präziser äußerte, wurde sie dann auch gleich mit den Topf derer („Rechten“) geworfen, die Frau Kaddor per Kritik „zum Abschuss freigeben“. Darüber bilde sich jeder seine Meinung bitte selbst.

„Denn Lamya Kaddor ist nicht nur prominent, sondern auch wenig zurückhaltend, wenn es gilt, Kritik abzuschmettern an ihren auch aus islamwissenschaftlicher Sicht oft recht wolkigen Thesen. Wer sich daranmacht, ihre Texte und Behauptungen gründlich auseinander- und sie beim Wort zu nehmen, muss mit ihrem Zorn rechnen. Und so ist es wenig erstaunlich, dass sie „Intellektuelle“ denunziert, sie würden die Stimmung gegen sie noch anheizen. Beispiele nennt sie nicht. Nur Henryk M. Broder, der es besonders schlimm treibe.“ (FAZ)

Dass der Autor unseres kritischen Beitrags Tomas Spahn heißt, scheint Frau Kaddors sonst schneller Beschwerde über mangelnde Sorgfalt bei Recherche dabei ebenso wenig zu stören wie Redakteure bei ZEIT, beim Deutschlandfunk etc.

An dieser Stelle scheinen alle Mittel recht, etwaige als Konkurrenten empfundene Muslime und deren Mitstreiter mit weg zu beißen. Drei Wochen zuvor versuchte sich bereits Aiman Mazyek mit Anschuldigen und Klagen auf seiner Facebook-Seite in etwa gleicher Tonation. Da stand zwar gerade die Islamkonferenz bevor, doch so recht wollte auf den DITIB-Zug zu dem Zeitpunkt schon kein Medium mehr so richtig aufspringen. Anders als bei Lamya Kaddor und ihrem neuen Buch. Da sage mal einer, dass Sexismus nur in eine Richtung funktioniert und Frauen immer nur die Nachteile wie dumme Sprüche und Altherrenwitze beschert. Während Aiman Mazyek also gerade medial in die Röhre schaut, muss er auch dabei zusehen, wie Frau Kaddor mit den etwa gleichen Anschuldigungen zu Gast in jedem Talk ist. Heissa!

Denn: Wo liberal-islamisch drauf steht, ist dann auch liberal-islamisch drin? Sollte man meinen. Allerdings lies dann auch eine öffentliche Stellungnahme vom „Liberal-Islamische Bund e.V.“, der „unter Vorsitz von Lamya Kaddor 2010 gegründet wurde“ nicht lange auf sich warten, in der man sich von den Reformmuslimen distanziert – und dem Initiator unterstellt – kommt es jetzt irgendwie bekannt vor – „rassistischen und islamfeindlichen Diskursen in Deutschland Schützenhilfe zu leisten“.

Hugh – der Liberal-Islamische Bund e.V. hat DAS Sprachrohr und DIE Anlaufstelle für ARDZDFWDRNDRetcpp. zu bleiben. Die gleichen ARDZDFWDRNDRetcpp., die sich dagegen verwehren, ihre Gesprächspartner zu hinterfragen. Etwas ähnliches wie bei DITIB darf sich hier unter keinen Umständen wiederholen. Die Autoren Mimoun Azizi und Ali Ertan Toprak sehen sich ebenso Einschüchterungsversuchen und Bedrohungen ausgesetzt. Hätten beide ein Buch geschrieben oder wären Frauen, könnten sie jetzt vielleicht durch die Talkshows der öffentlich rechtlichen Sender juckeln.

Und das, liebe Leser, nennt man ein sich überschneidendes Interesse.

Oder um sich dem Vokabular von Frau Kaddor zu bedienen: Man bemüht sich gleich mehrere Kritiker aus einem Diskurs „zu schießen“. Nicht nur, indem man die immer müder werdende Rassismuskeule schwingt, sondern Morddrohungen gegen die eigene Person mit Anschuldigungen und Verantwortlichkeiten an die Kritiker unterlegt.

Felix Maximilian Leidecker, Kreisvorsitzender der Jungen Union Mainz, schreibt:

„Justiziable Beleidigungen, Drohungen etc. haben im politischen Diskurs nichts verloren und sind strafrechtlich zu verfolgen.
Madame Kaddor erliegt allerdings auf der Suche nach dem Auslöser einem Irrtum: Dies alles nun honorischen Publizisten wie Roland Tichy oder Henryk M. Broder anzulasten, ist infam. Madame Kaddor hat sich selbstbestimmt dazu entschieden, weite Teile der deutschen Bevölkerung zu desavouieren und den Islamisten nach dem Mund zu reden. Dass sie dafür Widerspruch von Intellektuellen erhalten würde, war nicht nur absehbar, sondern richtig und wichtig. Was darüber hinaus geht, ist abzulehnen- aber mitnichten die Folge des Widerspruchs, sondern die kausale Folge ihrer reißerischen, spaltenden und, ich darf es zitieren, weil es vollkommen korrekt ist- „genuin dummen“ Aussagen.“

Hier kann ich sagen, dass ich mich der Aussage von Herrn Leidecker anschließe. Ebenso wie meine bunte Muslimfamilie, die sich übrigens in keinem Verein vertreten sehen möchte. C’est la vie.

Um es kurz zu machen:

Das wirklich interessante in den heutigen Zeiten ist, dass Menschen nicht mehr verfangen sind in dem, was eine Person an Anschuldigungen gegenüber einer anderen erhebt und das alles still und treudoof glauben. Fällt z.B. heute der Name Broder, wird gegoogelt und gelesen. Ich denke, dass die Achse ebenso wie wir in diesen Tagen sehr viele neue Leser begrüßen durfte. Dafür möchte ich mich auch bei der ZEIT bedanken. So wie dieser sehen viele der Kommentare dort aus.

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Im Gegensatz zu vielen anderen, die meinen, man müsse Personen eine Bühne und das Wort entziehen, sind wir hier sehr große Verfechter der These: Jeder gibt sich die ihm oder ihr gemäße Form. Die Menschen sind klug genug, ihre Schlüsse daraus selbst zu ziehen. Dass große Medien wie die öffentlich rechtlichen Sender, Tageszeitungen etc. Frau Kaddor bei vielen so offenen Fragen nicht kritisch hinterfragen können oder möchten, sondern das lieber der Achse, Tapfer im Nirgendwo, Tichys Einblick und der FAZ überlassen, sagt doch am Ende sehr viel aus.

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Kommentare ( 59 )

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