Die Infantilisierung öffentlicher Debatten schreitet voran

Die Peter-Pan-Generation: Nie erwachsen, Zero Ahnung – aber hofiert von Politik und Medien.

imago images / Jürgen Heinrich

Junge „Aktivisten“ des 30-köpfigen „Jugendrates“ der „Generationen Stiftung“ bzw. der „Generation Z“ (Z = Zero) haben das aktuelle 130-Milliarden-Konjunkturpaket der Bundesregierung scharf attackiert. Sogar die Bundespressekonferenz hat dazu zwei Jugendliche eingeladen, damit diese ihren Ärger rauslassen konnten. Schützenhilfe bekamen sie von Marcel Fratzscher, Chef des SPD- und DGB-nahen Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Ein gigantischer Auftritt war das, der es in die vordersten Nachrichtenränge brachte. Eigentlich fehlten bei dieser „Pressekonferenz“ nur noch Habeck, Baerbock, Esken, Kipping und die Umwelt Bundes Hilfe (UBH).

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Aus dem Munde der zwei Vertreter der „Generationen“ (Plural!) namens Elia Mula und Hannah Lübbert klang das dann so: „Leider ist das Konjunkturpaket nicht viel mehr als eine Mogelpackung.“ Mit ihm würden Probleme kaschiert, statt sie anzugehen. Die Behauptung der Politik, Wandel und Zukunft im Blick zu haben, sei schlichtweg falsch. In Wahrheit werde das Handeln in der Klimakrise erneut vertagt, soziale Ungerechtigkeit nicht angegangen, die sozialen Umverteilungselemente seien viel zu klein geraten. „Was die Bundesregierung betreibt“, sagt Elia Mula, „ist nichts weiter als der Ausverkauf meiner und unserer Zukunft.“ Aktivistin Lübbert fordert Kanzlerin Merkel zum Gespräch auf. „Bleiben Sie nicht als Krisenkanzlerin in Erinnerung, die unsere Generation sehenden Auges in die Katastrophe geschickt hat“, so Lübbert. „Setzen Sie sich mit einem Rettungspaket für eine Klima-Kehrtwende ein.“ Die gängige Presse meinte, „das sitzt“.

Rückenwind bekamen die beiden Vertreter der „Lobby der kommenden Generationen“ (so ihr Selbstbild), die von Spenden lebt, von Marcel Fratzscher, dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und früheren EZB-ler. Fratzscher, der sich schon auch mal mit den BMW-Kollektivierungsträumen eines Kevin Kühnert hatte anfreunden können, lobte die Jugendlichen, er teile die Sorgen der jungen Leute und forderte „ein Zukunftspaket für kommende Generationen“. Dazu müsse das Paket dringend ergänzt werden. „Das erste Konjunkturpaket wird verpuffen, wenn wir nicht ein zweites Paket schnüren: ein Zukunftspaket für kommende Generationen“, sagt der DIW-Mann.

Aber bürsten wir diese „Aktion“ einmal gegen den Strich: Allein der Begriff „Jugendrat“ stößt auf, weil er einer auf dem Weg zur Räterepublik befindlichen Republik einen weiteren „Rat“ hinzufügt. Vor allem aber fällt auf, dass die jungen Leute keinen Gedanken darauf verschwenden, dass sie es sind, die die mehr als zwei Billionen (= zweimal eine Million mal eine Million!) öffentliche Verschuldung zu schultern haben. Da ist kein Gedanke da, der auf diese Hypothek verschwendet wird. Es stößt auch auf, dass selbst die Springerpresse Fratzscher – wörtlich – als „Starökonomen“ bezeichnet. Da hat man wohl nicht mehr daran gedacht, wie oft dieser „Star“ mit seinen Analysen und Prognosen schon danebenlag.

Typisch: Merkel mögen und dann „grün“ wählen

Aber bleiben wir bei diesen politisch und medial hofierten jungen Leuten! Sie entstammen einem ausgedehnten Spektrum grün-links tickender Jugendlicher aus gutsituierten Elternhäusern. Hofiert müssen sie sich fühlen mit der Idee, das Wahlalter generell auf 16 Jahre herabzusetzen. Hofiert müssen sie sich fühlen vor allem durch eine überwiegend grün-rote Presse, von der sie herumgereicht werden. Ihr Nährboden ist die schulschwänzende „Fridays-for-Future-Bewegung“ mit ihrer Säulenheiligen Greta – der jungen Schwedin, bei der schon auch einmal, um ein gemeinsames Foto zu bekommen, die Kanzlerin beim Klimagipfel vom 23. September 2019 in New York schlangesteht.

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Klar, Merkel hatte die Schulschwänzer ja auch ausdrücklich gelobt und damit quasi zum Gesetzesverstoß motiviert, nämlich zu einem Verstoß gegen Schulpflichtgesetze. Aber mit der Herrschaft des Unrechts hat sie ja so ihre Erfahrungen. Insofern würde es nicht überraschen, wenn der „Jugendrat“ demnächst ein Date mit „Mutti“ hätte. Darüber, dass die „deutsche Greta“ Lisa Neubauer regelmäßig durch die Talkshows tingelt, Kolumnen in der Welt und in der Zeit zum Besten gibt, gehen wir ohnehin großzügig hinweg, auch wenn sie, die ja außer endlos vielen Reisen rund um den Globus noch nie etwas in ihrem Leben geleistet hat, bei „Markus Lanz“ meint, ein Friedrich Merz habe „mandatsmäßig“ ja überhaupt nichts zu sagen.

„Mutti“ wird sich also eines Tages mit dem „Jugendrat“ aus reinem Kalkül treffen. Denn in der „Generation Z“ misstrauen laut Forsa der Kanzlerin nur 7 Prozent. Zugleich wählen die „Z“-ler (Z steht offiziell für die in den Nuller-Jahren 2000 bis 2009 Geborenen, könnte aber wörtlich auch für Zero = null Ahnung stehen) ziemlich selten Union. Forsa hat herausgefunden, dass von den 18- bis 20-Jährige künftigen Erstwählern 42 Prozent grün, 24 Prozent die Union, 9 Prozent die SPD, je 7 Prozent die Links-Partei bzw. die AfD wählen und 4 Prozent die FDP. Auch das passt ins Kalkül. Merkel macht auf „grün“, aber ihre Partei hat nichts davon.

Bildung als Alternative

Aus dem hohlen Bauch, pardon: Zero- und Null-Bauch, heraus reden viele oft dummes Zeug. Da lässt sich leicht schwadronieren wie das große Vorbild Annalena, die schon auch mal Kobold und Kobalt verwechselt und für die das Netz der Speicher des Ökostroms ist. Epidemisch wird es, wenn die Medien darauf abfahren und nicht merken, dass hier gigantische Bildungslücken vorliegen. Rüdiger Maas vom Augsburger Institut für Generationenforschung hat aufgrund einer Befragung von 4.000 Jugendlichen festgestellt: „Eine Kohorte wie die Generation Z, die sich bei ihrem Wissen oft auf Google oder Wikipedia beruft, baut kein fundiertes Allgemeinwissen auf.“ Allgemeinwissen, genau das ist jedoch die Voraussetzung, um die globalen Folgen etwa des Klimas oder einer Pandemie oder auch nur eines Rentensystems in ihrer Komplexität zu durchdringen.

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Über solche Bildungsdefizite verlieren die jungen „Aktivisten“ kein Wort. Brauchen sie auch nicht, sie repräsentieren diese Lücken ja live und in voller Länge. Auch der extreme Anstieg der Schulden (aktuell laut Schuldenuhr des Steuerzahlerbundes 2.042 Milliarden, in Zahlen 2.042.000.000.000 Euro) – vor allem auch der in den Sozialversicherungen versteckten Verbindlichkeiten – wird von den selbsternannten Vertretern der jungen und künftigen Generationen überhaupt nicht als Problem benannt.

So gesehen mag es gar nicht so stockkonservativ klingen, wenn man sagt: Setzt euch mal auf den Hosenboden und lernt etwas, bevor ihr zu schwätzen anfangt! Lasst euch in eurem Ego nicht von den Medien schmeicheln! Im Endeffekt bringt euch das vielleicht eines Tages ein Mandatchen bei den Grünen oder ein Stipendium bei der „grünen“ Böll-Stiftung. Mehr aber nicht. Denn wenn ihr am eigenen Leib verspürt, wie die Politik mit Schuldenbergen und mit der De-Industrialisierung Deutschlands eure ökonomischen Chancen verhökert, wird es zu spät sein. Es bringt nichts, auf ewig den klimabewegten Peter Pan zu geben und nie erwachsen werden zu wollen. „Vater Staat“ braucht keine Peter Pans, keine permanent Adoleszierenden, sondern gestandene Erwachsene.

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Kommentare ( 83 )

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83 Kommentare auf "Die Infantilisierung öffentlicher Debatten schreitet voran"

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* wo kämen wir auch hin, Herr Kraus, wenn wir denen sagen würden, dass Jeder von ihnen einen Schuldschein über 30.000 Euronen für Schulden ihrer Väter auf der Geburtsurkunde kleben hat. Und die würden dann erkennen, dass ihr Stellenwert gleich Null ist, wenn es um Entscheidungen geht, die die Mehrheit trifft – wo doch halb Deutschland älter ist, als die Fuffzich. deshalb: Wer heute den Nachwachsenden gegenüber verantwortlich handelt, bereitet sie darauf vor, überall auf der Welt zurecht zu kommen und nimmt ihnen die Scheuklappen ihrer eigenen Herkunft. Meine Kinder sprechen mindestens drei, bis fünf Sprachen…und gingen nicht nur dort… Mehr
Die Generation Z hat Bildung durch Einbildung und Ratio durch Emotio und „korrekte“ Gesinnung ersetzt. Die Voraussetzung dazu ist eine tiefgreifende Wohlstandsverwahrlosung, einhergehend mit ausgeprägtem Narzißmus. Wertschöpfende, womöglich auch noch schweißtreibende Arbeit kommt in ihrer Lebenswelt nicht vor, Geld und Wohlstand gelten als Selbstverständlichkeit. Der Staat wird als unerschöpfliche Quelle des Reichtums betrachtet, die man nur anzapfen muß, um selbst gut zu leben und obendrein noch die ganze Welt zu retten (einschließlich Klima). Logik und Realität werden dabei schlicht ausgeblendet. Ein bestens dotiertes Mandat bei den Grünen bzw. einer anderen passenden Partei, eine Gender-Lehrstuhl oder zumindest die Anstellung bei einer… Mehr
„Was die Bundesregierung betreibt“, sagt Elia Mula, „ist nichts weiter als der Ausverkauf meiner und unserer Zukunft.“ und „Bleiben Sie nicht als Krisenkanzlerin in Erinnerung, die unsere Generation sehenden Auges in die Katastrophe geschickt hat“, so Lübbert. –> Da haben die beiden, die noch mächtig grün hinter den Ohren sind, absolut recht. Nur eben aus ganz anderen Gründen, als sie sich einreden (lassen haben) und von denen sie wegen ihrer vielen Bildungslücken nichts wissen. In der DDR 1.0 gab es übrigens nicht nur einen „Rat“ für junge Leute, sondern gleich drei: Jungpionier-, Gruppen- und FDJ-Rat. Da gibt’s also für Leute… Mehr
Leider beschränkt sich dieser Beitrag auf die reine Aufzählung einiger Beispiele von Infantilisierung. Zu dem zugrunde liegenden psychologischen Phänomen hier noch einmal meine Empfehlung. In aller Kürze: Robert Bly beschreibt Teile des Vorgangs schon vor 20+ Jahren (psychologisch) als Mangel an vorbildhaften Männern mit dem Begriff „Infantilisierung“ derer die es – aus langem Frieden/Wohlstand – meinen nicht nötig zu haben „erwachsen“ zu werden. Siehe „Die kindliche Gesellschaft“ von Bly. Was heute fehlt ist das was wir – in äusserst(!) rudimentärer Form – noch alle kennen: Firmung, Konfirmation (In der DDR auch als Jugendweihe). Das Verlassen des Status „Kind“ und die… Mehr

Bei mir hat die Marine zum „Erwachsen“ werden geführt, Grundausbildung war noch ganz lustig aber mit 20 Jahren von heut auf morgen bei den Marinefliegern Verantwortung übernehmen, wurde Vertrauensmann, habe mich immer vor meine Leute gestellt und wegen mangelhafter Nachtschicht – Verpflegung den Stabsarzt nachts aus dem Bett geholt damit er sich das ansieht. Durch so etwas wird man reifer und wächst an sich selbst…., die Abschaffung der Wehrpflicht war einer der größten Fehler…., nur meine Meinung

Insbesondere weil damit auch der Zivildienst wegfiel und die Jugendlichen gar nicht mehr mit der „richtigen Arbeitswelt“, Strukturen, Abläufen und Verantwortlichkeiten oder Verlässlichkeiten in Kontakt kommen müssen.
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Natürlich können die Haltungsmedien nicht merken, dass bei den von ihnen gelobhudelten Jugendlichen und jungen Erwachsenen gigantische Bildungslücken vorliegen, denn diese Bildungslücken liegen auch bei den Journalisten eben dieser Medien selbst vor.

Das ist die „Kontroverse“ die gesendet und publiziert werden darf.
In der Tat, von „tuten und blasen“ keine Ahnung und die größte Oppositionspartei in diesem Land findet nirgends mehr statt, überall Haus-u. Sprechverbot. Besonders kritische Zeitgeister werden auch ganz gerne mal als Faschist, Nazi etc. abgenudelt, auch von der Generation „Zero“. Mind. 95% dieser Zeitgeister haben größte Schwierigkeiten die Begriffe Nazi und Faschist zu definieren. Aber dafür haben die ja den doppelverglasten, einseitigen Frank Walter Gedenkmeier.

Ich durfte auch einmal in die „Bundespressekonferenz“. Vorne am Eingang saß so ein Medienclown, der den Einlaß begehrenden erklärte, wie WICHTIG eine freie und unabhängige Presse ist, um den Regierenden kritische Fragen zu stellen. Als ich dann an der Reihe war und dem Herrn Seibert meine zwei Fragen stellen durfte, nahm man mir das Mikrofon weg bei der Nachfrage, bat mich sehr höflich darum die Veranstaltung zu verlassen, denn wörtlich: Man wolle hier keine Leute , die Stunk machen (also die unbequeme Fragen stellen, bei denen Seibert zu stottern anfängt). Das sind meine Erfahrungen mit der Bundespressekonferenz und der unabhängigen… Mehr

Eine Konferenz, welche von infantilem Wunschdenken und Bildungsnnotstand beherrscht wurde. Was sagt das über die Teilnehmer aus? Aus meiner Sicht bedeutet es Generation zum vergessen.

Das Niveau der Debatten passt sich nur dem Publikum an. Zum Glück haben wir jetzt „einfaches Deutsch“. Das können fast alle verstehen.

Ich habe den verlinkten Artikel der BZ überflogen. Dabei ist mir folgender Satz ins Auge gesprungen: „Großen Eindruck haben die vielen Promis nicht auf sie (GT) gemacht. “
Hätte nicht gedacht, daß ich mal auf einer Linie mit der „Klimaikone“ liegen könnte. Ergänzen möchte ich in Anlehnung an das Casting fürs Dschungelcamp: C-Promis.
Die öffentlichen „Debatten“ sind i.d.R. scripted reality. AM besitzt leider exzellente Schauspielerqualitäten.