Deutschland gewöhnt sich an Messergewalt

Die Messergewalt hat Deutschland auch im August im Griff. Brennpunkte sind Asylheime, Ausgehviertel und zunehmend mehr normale Orte. In Frankreich ist man derweil bemüht, die grausame Tat von Cherbourg einzuordnen.

IMAGO / Andre Lenthe

Deutschland kommt in diesem Sommer zu einem ganz sicher nicht: zur Ruhe. Ein Blick in die Polizeimeldungen und Gazetten des vergangenen, zufällig ausgewählten Augustwochenendes zeigt vielmehr, wie sehr die Gewalt in Deutschland bereits zum Alltagsphänomen geworden ist. Nachrichten von Messertaten finden sich dabei aus ganz Deutschland, passieren an den unwahrscheinlichsten Orten, nicht nur da, wo man sie vermutet. Zu vermuten ist aber, leider nicht immer ausgesprochen wird, dass die ausländischen Täter hier noch immer klar überwiegen. Das zeigen alle Statistiken aus der jüngeren Vergangenheit mit einem reinen Ausländeranteil von durchschnittlich 50 Prozent. Das sind nur die Ausländer ohne deutschen Pass. Es folgt die Zusammenfassung einer knappen Woche. Wir haben 18 Verletzte, davon neun schwer oder lebensgefährlich Verletzte gezählt, nur in Deutschland. Zudem ist ein Todesopfer zu beklagen.

Streit um Syrerin und Messerstiche am Mainufer

Statt oft kolportierten 8.160
Länderzahlen zeigen: Es gab mehr als 21.000 Messerstraftaten im vergangenen Jahr
In Nordrhein-Westfalen ging schon am letzten Mittwochabend eine Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) des Landes im Chaos unter. 100 Polizeibeamten aus drei Polizeibezirken plus Bereitschaftspolizei wurden nötig, um eine Massenschlägerei zwischen – so wird berichtet – Syrern und Maghrebinern zu beenden. Doch das gelang allenfalls notdürftig. Am Donnerstag kam es erneut zur Prügelei, wiederum rückte die Polizei aus. So geht es in diesen Fällen eigentlich immer: Ein einzelner Polizeieinsatz genügt nicht, es kommt normalerweise zur Folge-Prügelei nach dem Motto: „Wo waren wir stehengeblieben…“

Das Ende der Sache fiel blutig aus: Ein Tunesier und ein Algerier stürzten sich auf einen Syrer. Einer der beiden zog ein Messer, der Syrer kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Vor Ort war außerdem ein Leitender Notarzt, der die Rettungsbemühungen angesichts einer dreistelligen Zahl an Prüglern (hunderte waren es laut Der Westen) koordinierte. Angeblich hatte der Streit um eine Syrerin die Prügel-Orgie ausgelöst, so schreibt die Bild. Die SPD-Fraktion will nun in einer Aktuellen Stunde über die Migrationslage diskutieren.

Im Offenbacher Stadtteil Bürgel, direkt am Mainufer, gerieten am Samstagabend ganz unabhängig von staatlichen Einrichtungen „zwei ausländische Gruppen“ aneinander. Drei Personen wurden verletzt, ein Mann lebensgefährlich.

Messerattacke auf der Autobahn

Auch im schwäbischen Syrgenstein gerieten zwei „Männer“ in Streit. Daraufhin versuchte ein 42-jähriger Verdächtiger einen 56-Jährigen zu töten. Das Opfer wurde laut dpa schwer verletzt.

Am Freitagabend gerieten die Insassen eines Kleintransporters auf der A73 bei Rödental, Richtung Nürnberg, in Streit. Ein 28-Jähriger zog ein Messer und stach auf den Fahrer (33) und eine Beifahrerin (56) ein, die schwere Verletzungen erlitt. Autobahn-Alltag! Der Fahrer konnte geradeso um Bereich einer Baustelle anhalten, zerrte den undankbaren Fahrgast aus dem Auto und erlitt dabei Schnittverletzungen. Der Angreifer wurde oberflächlich verletzt.

Nachtgastronomie: Jede Menge Taten mit unklaren Motiven

TE exklusiv: Zahlen vom LKA Hessen
Hessen: Fast viermal so viele Messerangriffe im Jahr 2022 wie bisher berichtet
In Nürnberg verletzte ein Gast seinen Gastwirt mit dem Messer. Der 44-Jährige wurde ins Krankenhaus gebracht. Der Wirt hatte zuvor versucht, mehrere streitende Männer (38, 44 und 58) aus seiner Gaststätte zu befördern. Nun ermittelt die Mordkommission.

In Bremen (Neue Vahr Südost) wurde ein 35-Jähriger durch einen Messerstich in den Rücken schwer verletzt, nachdem er mit fünf oder sechs Männern aneinandergeraten war. Der Angriff erfolgte plötzlich und offenkundig hinterrücks. Ein 30-jähriger Verwandter des Opfers wurde im Gesicht verletzt. Zwei Tatverdächtige (20 und 25) wurden festgenommen. Hintergrund: unklar.

Am frühen Sonntagmorgen wollte ein 28-Jähriger eine Diskothek in der Wolfsburger Innenstadt in der Gastronomiemeile „Kaufhof“ betreten. Dabei oder kurz danach wurde er von einem Unbekannten mit dem Messer attackiert und lebensgefährlich verletzt. Vier Bekannte des Opfers wurden leichtverletzt. Der Tatverlauf ist noch unklar. https://regionalheute.de/wolfsburg/messerstiche-28-jaehriger-im-kaufhof-lebensgefaehrlich-verletzt-wolfsburg-1692610083/

Teeanger als Raub-Experten

In Hamburg-Altona verschanzte sich am Freitagabend ein 16-Jähriger, mit einem Messer bewaffnet, in seiner Wohnung, nachdem er mit einem Komplizen einen 14-Jährigen angegriffen haben soll. Die beiden älteren Jungen forderten die Umhängetasche der Jüngeren, der eine Schnittwunde erlitt. Die Polizei umstellte das Haus mit mehr als zehn Streifenwagen.

In Ludwigshafen kam es zum Wiederholungsstreit zweier Teenager. Ein 15-Jähriger griff einen 16-Jährigen mit dem Messer an. Schwere Körperverletzung. Man hat schon von diesen Klau-Experten unter 18 gelesen.

Zwei gestörte Volksfeste

Zum tödlichen Streit kam es auch am Rande der Säubrennerkirmes in der Kreisstadt Wittlich in Rheinland-Pfalz. In der Nacht zum Samstag, gegen halb drei, war es, als die Polizei die Meldung von einem Streit „im Festbereich der Kirmes“ erhielt. Die ausrückenden Beamten fanden einen sterbenden Mann (28) in seinem Blut vor. Angeblich war ein Streit so weit eskaliert, dass der Gegner ein Messer zückte. Nach der Tat entfernte sich eine Vierergruppe aus zwei Männern und zwei Frauen vom Tatort, einer mit einer blutenden Wunde im Gesicht. Angeblich wurden zwei US-Soldaten von der Airbase Spangdahlem gefasst, gegen die nun ermittelt wird. Der sonst jährlich stattfindende Festumzug wurde abgesagt. Der Bürgermeister des Städtchens sagte: „So etwas gab es hier noch nicht. Wir leben in einer Zeit, in der man sich die Frage stellt, ob alles möglich ist. Aber mit so etwas rechnet man nicht.“ Der 28-Jährige starb wenige Meter von seiner Haustür entfernt.

Auch bei der Bobstädter Kerwe, einem traditionellen Volksfest im hessischen Bürstadt an der Weinstraße, kam es zum lebensbedrohlichen Messerangriff: Das Fest stand kurz vor dem Abbruch. Nach einer Notoperation ist das Opfer außer Lebensgefahr.

BKA verschweigt Gesamtzahl der Messerattacken – ohnehin nur ein Teilbereich

Über die Gesamtzahl der Messertaten wird die deutsche Öffentlichkeit noch immer weitgehend im Unklaren gelassen. Die deutschen Kriminalämter definierten das Phänomen „Messerangriff“ im Jahr 2020. Aber die Gesamtzahl der Messerangriffe wurde anscheinend niemals publiziert. Für das Berichtsjahr 2021 gibt es eine unwahrscheinlich niedrige Zahl von 10.917 Messerangriffen. Das scheint trotz letzter Pandemie-Maßnahmen unglaubwürdig.

Im Jahr 2022 wich das BKA darauf aus, nur zwei Teilmengen zu beziffern: 8.160 Messerangriffe bei schwerer Körperverletzung gab es danach, und 4.195 bei Raub. Eine Recherche für TE ergab allerdings, dass die wahre Anzahl der Messerangriffe im vergangenen Jahr bei mehr als 22.000 Taten lag. Wobei noch diverse Messerstraftaten dazu kommen, die nicht als Messerangriff definiert sind und deshalb aus der Statistik herausfallen. Aber das „Tatmittel Messer“ spielte eben doch eine gewisse Rolle dabei. In Baden-Württemberg waren das dreimal so viele Taten wie die reinen Messerangriffe.

Zuletzt noch ein Blick über deutsche Grenzen hinaus: In Katalonien verfolgt die Polizei einen 26-jährigen mit einem Messer. Er hatte zuvor einen Raubüberfall auf eine betagte Dame gestartet und versuchte dann, entlang eines Flusses zu entkommen.

— Tribuna Digital7 (@TribunaLibreES) August 21, 2023

Frankreich ist bemüht, Cherbourg einzuordnen

Frankreich steht noch immer unter kollektivem Schock durch die bestialische Vergewaltigung einer jungen Frau in Cherbourg am 4. August. Die Tat gilt auch erfahrenen Beobachtern als „unvorstellbar“. Nun dankte die Familie der vergewaltigten Frau „allen jenen sehr herzlich, die sich um sie gekümmert haben“, darunter „Feuerwehrleute, Polizisten, das Personal des Krankenhauszentrums Cotentin, die Chirurgen und insbesondere die Intensivpfleger“. Die Familie dankte den Professionellen auch für „ihr Zuhören, ihre Unterstützung und ihre Begleitung“. Der Zustand der jungen Frau sei allerdings noch immer „instabil und besorgniserregend“, was auf die schweren inneren Verletzungen der Frau hinweisen dürfte. Sie wurde deshalb in ein künstliches Koma versetzt, könnte eine Brust verlieren. Noch ist nicht klar, dass man ihr Leben wird retten können. Einem Solidaritätsmarsch zum jetzigen Zeitpunkt steht die Familie „nicht besonders positiv gegenüber“. Man mag es Diskretion nennen.

Die feministische Organisation „Les effronté.es“ (etwa „Die Unverfrorenen“) stellte gleichwohl fest, dass es sich bei der mehrfachen, barbarischen Vergewaltigung einer 29-jährigen Französin durch den 18-jährigen Wiederholungstäter Oumar nicht bloß um eine „vermischte Nachricht“ handele. Vielmehr gebe es kulturelle Einflüsse im heutigen Frankreich („eine patriarchalische Gewalt“), die dazu führten, dass alle sieben Minuten versucht werde, eine Frau zu vergewaltigen. Der Nachname des Täters wird gleichwohl in vielen Medien als Ndiaye angegeben, das wäre dann wohl ein Name aus dem Senegal.

Der Staat müsse nun „im großen Maßstab“ gegen das Verbrechen Vergewaltigung vorgehen. Jede zehnte erwachsene Französin werde davon schon heute im Laufe ihres Lebens berührt und sogar jedes fünfte kleine Mädchen und jeder 13. Junge. Zu weniger Täter würden aber am Ende verurteilt. Dass auch die „Unverfrorenen“ vor der letzten Konsequenz zurückschrecken, könnte man schon bei ihrem gendernden Namen gewusst haben: Die politischen Kräfte zu unterstützen, die sich fast als einzige objektiv mit dem geschilderten Problem befassen, bleibt bei ihnen ausgeschlossen. Keine Instrumentalisierung durch die „fachosphère“ der Le Pens und Zemmours!

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