AfD oder die alternativlose Alternative

Selbsternannte Konservative oder „Bürgerliche“ reden immer wieder von einer politischen Kraft zwischen dem links-woken Block und der AfD. Das ist Träumerei. Inhaltlich wäre da zwar viel Platz, aber machtpolitisch gar keiner.

picture alliance / dts-Agentur

Um die politische Landkarte in Deutschland zeichnen zu können, muss man im Prinzip nur eine einzige Sache verstanden haben.

In der Nachwahlbefragung von Infratest dimap in Baden-Württemberg haben 81 % der AfD-Wähler dem Satz zugestimmt: „Die AfD ist die einzige Partei, mit der ich meinen Protest gegenüber der Politik ausdrücken kann“.

In Worten: einundachtzig Prozent.

In anderen Bundesländern sieht es kaum anders aus. Aus dieser resignierten Abwendung riesiger Bevölkerungsteile vom überkommenen Polit-Betrieb der Bundesrepublik schließen selbsternannte Konservative oder „Bürgerliche“ regelmäßig, dass es ausreichend Potenzial für eine politische Kraft zwischen CDU und AfD gebe.

Das ist ein Irrglaube.

Totgeburten

„Unsere Demokratie“ hat das einstmals pluralistische Deutschland in ein faktisches Zwei-Parteien-System verwandelt.

Sämtliche Versuche, irgendetwas zwischen der großen links-woken Querfront und der Alternative für Deutschland zu etablieren, sind mehr oder weniger kläglich gescheitert.

Egal, in welcher Organisationsform,
• ob als Partei
• ob als Bürgerforum
• oder als Verein,

und egal, mit welchem Namen,
• ob als „Blaue Partei“ oder als „Blaue Wende“
• ob als „WerteUnion“ oder als „Team Freiheit“.

Totgeburten, allesamt. Das hat inzwischen auch Hans-Georg Maaßen erkannt, der ehemalige Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz und Ex-Vorsitzende der „WerteUnion“:

„Ich sehe derzeit keinen Platz für eine ernstzunehmende neue politische Kraft zwischen CDU und AfD. Die Bürger entscheiden sich entweder für Parteien des ‚Weiter so‘ – oder für die AfD.“

So ist es. Und so wird es auch bleiben. Das liegt an den ewigen Gesetzen der Sozialmechanik.

Politische Gravitation

Die Körper mit der größten Masse entwickeln die stärkste Anziehungskraft. Das ist bei Planeten so und bei Parteien.

Natürlich gab es eine Zeit, als sich neben der AfD auch eine andere politische Alternative zu CDUSPDGrüneLinke hätte entwickeln und etablieren können. Da war die AfD noch kleiner und weniger gefestigt und zelebrierte beinahe genussvoll alle nur möglichen inneren Querelen.

Das war die Zeit, als eine liberal-konservative Strömung mit einem klugen Kopf hinter den Kulissen und einem präsentablen Gesicht vorne auf der Bühne hätte reüssieren können. Doch die Geschichte ist ein Schweinehund: Es fand sich weder der kluge Kopf noch das präsentable Gesicht.

Jetzt ist diese Zeit vorbei.

Jetzt ist die AfD der unangefochtene Platzhirsch. Die Anfeindungen der Konkurrenz (und der mit der Konkurrenz verflochtenen Medien) sowie eine irritierend einseitige Justiz schwächen die Partei nicht, sondern stärken sie. Aus dem irren Furor von „Unsere Demokratie“ kann sie Honig saugen.

Wohin sollen sich die von der Sprechblasen-FDP enttäuschten Anhänger von Marktwirtschaft und Meinungsfreiheit denn orientieren? Was sollen die von der Ramadan-Beleuchtungsunion enttäuschten gläubigen Christen denn machen? Wie sollen die von der Lehrerzimmer-SPD enttäuschten Arbeiter denn reagieren?

Inhaltlich könnte eine neue Kraft all diese Unzufriedenen einsammeln. Aber nicht machtpolitisch.

Die Menschen interessieren sich nun einmal dafür, welchen Stichwert ihre Stimme hat. Vor allem bei Wahlen. Wenn man schon nur alle vier (in den meisten Bundesländern sogar nur alle fünf) Jahre sein Kreuz machen darf, dann will man es nicht verschleudern. Diese Entscheidung soll Gewicht haben.

Und die AfD ist inzwischen das einzige Gegengewicht zur Staats- und Einheitspartei „Unsere Demokratie“. Siehe oben: „Die AfD ist die einzige Partei, mit der ich meinen Protest gegenüber der Politik ausdrücken kann“.

Keine neue Partei könnte auch nur in halbwegs absehbarer Zeit diese politische Anziehungskraft entfalten.

Macht folgt keinem Gefühl

Es gibt so einige Gründe, die AfD nicht zu mögen. So einige Figuren, mit denen ein Mann von Ehre nicht gemalt sein möchte. So einige Inhalte, die einem vernunftbegabten Menschen regelrecht körperliche Schmerzen zufügen.

Aber Politik ist immer Grenzmoral. Das heißt, es geht immer um das Verhindern des jeweils Schlimmeren. Nur darum, ausschließlich. Alles andere ist naiv, geschichtslos und weltfremd.

Politik schafft nie eine bessere Welt. Sie verhindert allenfalls eine schlechtere.

Und so steht jeder, der „Unsere Demokratie“ für eine zutiefst undemokratische und bürgerfeindliche Aufführung von gierigen Schauspielern auf Kosten des Publikums hält, unweigerlich vor der Frage:

Was ist das größere Übel?

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Kommentare ( 94 )

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94 Comments
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wegmitdenaltparteien
1 Monat her

„Es gibt so einige Gründe, die AfD nicht zu mögen. So einige Figuren, mit denen ein Mann von Ehre nicht gemalt sein möchte. So einige Inhalte, die einem vernunftbegabten Menschen regelrecht körperliche Schmerzen zufügen.“

Sorry, aber bei dem Personal das die Altparteien aufzubieten haben, akzeptiere ich jeden Kandidaten der AFD. Hoffentlich machen sich zukünftig möglichst viele Wahlberechtigte ebenso zu eigen.

Last edited 1 Monat her by wegmitdenaltparteien
gmccar
1 Monat her

Sozen uns Grüne sind geübt darin. Merz-Union übt noch.

Logiker
1 Monat her

Warum CDU-Wählen im Osten noch sinnloser ist als im Westen ein einfacher Grund ist dafür entscheidend: die Ost-CDU mit z.T. deutlich anderen Ansichten zu den Problemen dieser Zeit ist in den Augen der Westler nicht mehr als ein lästiger Wurmfortsatz eines von Westdeutschen dominierten Parteiapparats. Wenn ein Landesverband im Osten weniger Mitglieder hat als ein Ortsverband im verstrahlten NRW, dann sind die Kräfteverhältnisse klar. Wobei dringend angemerkt werden muß, dass selbst große Teile der West-CDU von der übermächtigen, extra hochverstahlten NRW-CDU dominiert werden. Was übrigens auf alle Parteien zutrifft. Einzig die bundesweit starke Ost-AfD ist der Garant dafür, dass die… Mehr

ThomasP1965
1 Monat her

Zu den Fakten. Mehr als 80 Prozent der Wähler wählen die rechtsextreme AfD nicht. Aus Gründen. Denn die übergroße Mehrheit hat nicht vergessen, was geschichtlich das letzte Mal geschah, als eine populistisch rechtsextreme Partei in Deutschland die Macht übernahm und hat nicht vergessen, was in anderen Ländern in Europa (Ungarn & Co.) passierte…
Korruption und Vetternwirtschaft, Mord und Abschaffung des Rechtsstaats. Muss man schon wollen, wenn man diese Partei wählt. Die +80% in BaWü wollen das jedenfalls nicht.

teacher32
1 Monat her
Antworten an  ThomasP1965

Erstens ist es unredlich, wie Sie, historisch Äpfel mit Birnen, die AfD mit dem NS-System, zu vergleichen, zweitens ist es scheinheilig, wenn Sie „Vetterleswirtschaft“ NUR bei der AfD ausmachen. Sie kennen sicher die Redensart „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“? Gemessen an den Verfehlungen der AfD sitzen aber die Einheitsparteien „UnsererDemokratie“ nicht in einem Glashaus, sondern in einem GLASPALAST. Schon die „Graichen“-Connection in Habecks Wirtschaftsministerium „vergessen“? Um nur EIN Beispiel unter vielen auf lokaler, regionaler und Bundesebenezu nennen.
Ihr a-„historischer“ Vergleich zeigt zudem nur Ihre Ahnungslosigkeit – und gleichzeitig Ihre Hilflosigkeit im Umgang mit der AfD.

Klaus D
1 Monat her
Antworten an  ThomasP1965

Da ist was dran ABER wenn es so weit geht das alles was scheinbar rechts (oder links) ist abgelehnt wird oder gar bekämft wird führt das auch in eine „diktatur“ – ein falsches wort in einem kommentar und schwubs steht der „staatssicherheitsdienst“ vor deiner haustüre.

Kermit
1 Monat her
Antworten an  ThomasP1965

Ein Beitrag, der für so viele steht, die nur wiederkäuen, was ÖRR und andere CDUSPDGrünlinkswoke Medien hervorgerülpst haben.
Ungarn ist übrigends derzeit eines der wenigen Länder in Europa, in denen der CSD ohne einen Großeinsatz der Polizei durchgeführt werden kann und in denen keine Schwerbewaffneten die Synagoge in Budapest Tag und Nacht beschützen müssen.
80% in BaWü wollen lieber Deindustrialisierung, die dümmste Energiepolitik der Welt, ungehinderte Masseneinwanderung in unser Sozialsystem, Genderschwachsinn, Cancelkultur, linken Terror, die Abschaffung von Meinungsfreiheit und Rechtsstaat und Bildungsverfall. Hab ich was vergessen? Viel Spaß damit.

Berlindiesel
1 Monat her

So ganz sehe ich das nicht. Die AfD ist überall weit davon entfernt, den Kartellblock in der Regierung ablösen zu können. Auch im Osten, und auch in Sachsen-Anhalt reichen 40 Prozent halt nicht für die Mehrheit im Landtag. Als zweiten Punkt füge ich an, dass die AfD eine extreme Bandbreite von Wählern abbildet, die – wenn der gemeinsame Feind linksliberale Kartellregierung wegfällt – sich ganz schnell auseinanderbewegen werden. Ich wähle die AfD, finde einen Russo-Pazifisten wie Tino Chrupalla aber zum Kotzen und möchte NICHTS mit ihm zu tun haben, geschweige denn einen Außeminister haben, der sich vor Russen in Stalingrad… Mehr

teacher32
1 Monat her
Antworten an  Berlindiesel

Dass Teile der AfD, vor allem in Ostdeutschland, einem unappetitlichen Diktator wie Putin „die Stange halten“, ist eine der Kröten, die man leider schlucken muss, will man die Einheitsfront „Unsere Demokratie“ unter Druck setzen.

Capfinistere
1 Monat her

Es gibt so einige Gründe, die AfD nicht zu mögen. So einige Figuren, mit denen ein Mann von Ehre nicht gemalt sein möchte. So einige Inhalte, die einem vernunftbegabten Menschen regelrecht körperliche Schmerzen zufügen.“
Nun denn Herr Heiden, für diese Menschen besteht ja immer noch die Möglichkeit ,,unser Demokratie Parteien ,, zu wählen bzw. sich als Mann von Ehre gemeinsam mit dem Kanzler oder seinem Stellvertreter abzudichten.

Antaam
1 Monat her

Und welche Gründe sind es, die Ihnen, Herr Heiden, so abartig wären, dass man die AfD deshalb meiden möchte? An Personen gibt es in jeder Partei welche, die man am liebsten in die Hölle wünschen würde. So z.B. sehe ich die Minister, dieser Regierung, der vorigen und der vielen Merkeljahre. So sehe ich Personen wie Habeck, Baerbock usw. usf. – nur ein paar Beispiele, die man endlos weiterführen könnte. So viele solcher schrecklichen Personen habe ich noch nicht in der AfD entdeckt, dagegen aber Fachwissen, was mir am wichtigsten ist, egal ob ich die Person mag oder nicht. Und nebenbei:… Mehr

Last edited 1 Monat her by Antaam
andreas donath
1 Monat her

„Es gibt so einige Gründe, die AfD nicht zu mögen. So einige Figuren, mit denen ein Mann von Ehre nicht gemalt sein möchte. So einige Inhalte, die einem vernunftbegabten Menschen regelrecht körperliche Schmerzen zufügen.“ Na welche denn bitte ???????? Spitze, werter Herr Heiden, wie man sich selbst einen bis dahin recht lesensweten Artikel mit derart tumber, eilfertiger Distanzeritis kurz vor Ende selbst zerschießen kann, ist schon bemerkenswert! Dass in der AfD nicht alles perfekt ist, versteht sich von selbst – da sind auch nur Menschen am Werk, und die machen bekanntlich Fehler. Gemessen an den Halunken, die sich in den… Mehr

Bernd W.
1 Monat her
Antworten an  andreas donath

Chapeau, Herr Donath; inhaltlich absolut zutreffend, dazu vortrefflich formuliert. Das quasi seit Gründung der AFD installierte und fortwährend hysterischer beschworene Image der „Schwefelpartei“ hat sich nicht nur bei den dümmlich infamen Linken, sondern leider ebenso in vielen klugen Köpfen festgesetzt. „Viel Feind, viel Ehr“ ist zwar in diesem Falle völlig korrekt, doch auch nur ein schwacher Trost…

Freigeistiger
1 Monat her

Ein Mann von Ehre und Verstand wählt heutzutage natürlich alternativ.
Gleiches gilt für Frauen mit diesen Eigenschaften.

rainer erich
1 Monat her

Die Sehnsucht der ( westlich sozialisierten bzw konditionierten ) Michel ist die sogen “ Mitte“. Neben dem vergleichbaren Klammern an Systemen, was sie auch immer hervorbringen mögen. Die “ Mitte“ bietet den Micheln ( ebenso wie die Systeme )die ideale Option, sich nicht positionieren und festlegen zu müssen. Was die Mitte, nicht zufällig von sogen Liberalkonservativen besonders geschätzt, konkret politisch ausmacht, ist natürlich unklar. Wenn man die Felder Migration, Energie, Wirtschaft, Bildung und Demokratie heranzieht, ist mir die Position der Mitte unbekannt. Im besten Fall sind sie mit denen im Programm der AfD sehr weitgehend identisch. Jedenfalls würde mich interessieren,… Mehr