Manchmal-Momente

Im Rückblick auf das vergangene Jahr drängen sich „Manchmal-Momente“ auf. Manchmal-Momente stechen durch ihre Schönheit oder Schlimmheit oder Absurdität aus dem normalen Alltagserleben hervor.

Manchmal nährt ein durchschnittliches Essen mehr als der Abschlussgottesdienst des Kirchentags.

Manchmal wird ein Politiker in seinem Nachruf schöner als Mona Lisa.

Manchmal ist Doktor Wald der beste Psychologe.

Manchmal reicht ein einziger guter Artikel für die ganze Woche.

Manchmal erinnern mich Bundestagsreden, in denen Phrasen erneut durchgequirlt werden, an meinen Komposthaufen.

Manchmal ist die Regierungspolitik so katastrophal, dass sie in mir sämtliche Lebenskräfte weckt, ihr Scheitern unbedingt miterleben zu wollen.

Manchmal enden große Transformationen und Zeitenwenden am Schweinetrog.

Manchmal steckt in einem alten Jesuswort mehr Aktualität als in der Tagesschau.

Manchmal gewinnt die Partei die Wahl, die die schärfste Politik gegen ihr eigenes Parteiprogramm macht.

Manchmal bekommt eine Krähe die beste Gesangsstelle, weil sie die richtige Haltung beim „Singen“ hat.

Manchmal öffnet die dunkelste Stunde die Tür zu einem neuen Anfang.

Ich bin gespannt auf ein neues Jahr mit vielen neuen Manchmal-Momenten. Manches wird zum Weinen. Manches wird zum Lachen. In allem will ich lernen, offen für die Realität und die Fülle des Lebens zu sein. In allem will ich lernen, eine humorvolle Vogelperspektive auf den ganz normalen Wahnsinn des Alltags nicht zu verlieren.

„Lachen oder Weinen wird gesegnet sein“, heißt es in einem Kirchenlied. Mit meinem sicheren Hafen bei Gott traue ich mich hinaus auf die weite See. Dort erwarten mich sanfte Wellen und ergreifende Sonnenuntergänge; aber auch fürchterliche Stürme und tückische Gefahren. Manchmal stehe ich selber am Steuer. Manchmal kann ich das Lebenstheater nur von meiner Kabine aus betrachten.

Ich wünsche uns allen einen klaren Kopf, eine weitere Stärkung der kritischen Medien und bessere Kapitäne. Ich wünsche uns allen ein gesegnetes neues Jahr 2024.

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Kommentare ( 2 )

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Nibelung
2 Monate her

Da haben sie recht mit den Manchmal-Momenten, wenn z.Bsp. das Hochwasser erstaunt ist, wenn so gewichtige Figuren wie Scholz und Weil meist verspätet an den Gestaden von Weser und Aller stehen um die neuen Gummistiefel auzuprobieren ob sie auch dicht sind. Das gleiche hat sich auch in absolut tödlicher Form im Ahrtal ereignet wo dieselbe Spezies vor sich hingeträumt hat, obwohl der deutsche Wetterdienst schon einige Tage zuvor eindringlich davor gewarnt hat, was kommen könnte und die Tragik dann eingetroffen ist. Wäre man nicht so dumm gewesen, hätte zumindest der menschliche Schaden minimiert werden können und so hecheln sie einem… Mehr

Rene Meyer
2 Monate her

Manchmal, ja, dieses Wort öffnet ganz neue Perspektiven. Ich wünsche Ihnen, dem ganzen TE-Team und allen Lesern ein gesegnetes neues Jahr. Und ich wünsche uns allen Kapitäne, die willens und fähig sind, zu neuen Ufern aufzubrechen und in unbekannten Gewässern zu segeln. Denn es ist die Zeit, etwas Neues aufzubauen.